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In diesen Tagen heißen viele unserer Mitgliedsunternehmen ihre neuen Auszubildenden willkommen. Der erste Tag ist geprägt von Vorfreude, Nervosität und guten Vorsätzen – auf beiden Seiten. Doch die Erfahrung zeigt: Diese anfängliche Motivation trägt nicht von allein durch drei oder mehr Ausbildungsjahre. Die nach wie vor hohe Abbrecherquote in der dualen Ausbildung ist auch ein Alarmsignal dafür, dass Motivation aktiv gepflegt werden muss – von beiden Seiten, aber vor allem vom Betrieb.

Wer verstehen will, warum Azubis abbrechen, muss den ganzen Ausbildungsverlauf betrachten, nicht nur den Einstieg. Hier sind die Hebel, an denen Betriebe konkret ansetzen können.

1. Die ersten 100 Tage entscheiden mehr, als man denkt

Viele Abbrüche haben ihre Wurzeln in einem holprigen Start: unklare Ansprechpartner, das Gefühl, „nur mitzulaufen“, enttäuschte Erwartungen an die Praxisnähe. Ein strukturiertes Onboarding – mit festen Paten, klaren ersten Aufgaben und regelmäßigen Check-ins in den ersten Wochen – legt das Fundament für die gesamte Ausbildungszeit.

2. Beziehung vor Kontrolle: Der Ausbilder als Mentor

Junge Menschen brechen selten wegen der Arbeitsinhalte ab – sie brechen ab, weil sie sich nicht gesehen fühlen. Ausbilderinnen und Ausbilder, die regelmäßig echtes Feedback geben (nicht nur zur Leistung, sondern auch zur Person), schaffen Vertrauen. Feste, wiederkehrende Gesprächstermine – nicht nur bei Problemen – signalisieren: Du wirst wahrgenommen.

3. Sichtbaren Fortschritt schaffen

Drei Jahre sind für einen jungen Menschen, egal ob 17 oder 21 Jahre, eine halbe Ewigkeit. Ohne Etappenziele verliert man die Orientierung. Kleine Meilensteine, eigene Verantwortungsbereiche, die mit der Zeit wachsen, und ein sichtbares „Ich kann jetzt mehr als am Anfang“ wirken der Demotivation im zweiten Ausbildungsjahr entgegen – jener Phase, in der der Reiz des Neuen verflogen, das Ziel aber noch fern ist.

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4. Sinn vermitteln statt nur Aufgaben verteilen

Wer versteht, warum eine Tätigkeit wichtig ist und wie sie ins große Ganze passt, arbeitet motivierter als jemand, der nur Anweisungen abarbeitet. Betriebe, die den Beitrag der Azubis zum Unternehmenserfolg sichtbar machen – etwa durch Präsentationen eigener Projekte vor dem Team –, stärken das Zugehörigkeitsgefühl.

5. Ernst nehmen, was jungen Menschen wichtig ist

Work-Life-Balance, Mitsprache, ein wertschätzender Umgangston – das sind für die heutige Generation keine „Extras“, sondern Grundvoraussetzungen. Betriebe, die hier offen sind (ohne ihre eigenen Standards aufzugeben), signalisieren Respekt statt Belehrung.

6. Krisen früh erkennen, nicht erst beim Kündigungsschreiben

Zwischen „ich habe kurz keine Lust“ und „ich breche ab“ liegt oft ein längerer, stiller Prozess. Wer als Ausbildungsbetrieb aufmerksam bleibt – sinkende Motivation, Rückzug, häufige Fehlzeiten – und frühzeitig das Gespräch sucht, kann viele Abbrüche verhindern, bevor sie unumkehrbar werden.

7. Berufsschule und Betrieb als Team

Ausbildung findet an zwei Lernorten statt. Wenn Betrieb und Berufsschule sich abstimmen und gemeinsam auf den Auszubildenden schauen, statt sich gegenseitig die Verantwortung zuzuschieben, profitieren die jungen Menschen davon unmittelbar.

8. Auch die Eltern nicht vergessen

Gerade bei minderjährigen Azubis bleiben die Eltern wichtige Bezugspersonen. Ein offener Austausch – etwa durch einen Elternabend zu Ausbildungsbeginn – kann Missverständnisse vermeiden und zusätzliche Unterstützung im Hintergrund aktivieren.

Motivation ist kein Zustand, der am ersten Ausbildungstag hergestellt wird und dann von selbst anhält – sie ist ein Prozess, der aktive Pflege braucht. Betriebe, die in Beziehung, Orientierung und echtes Interesse an ihren Auszubildenden investieren, senken nicht nur ihre Abbrecherquote. Sie gewinnen langfristig loyale Fachkräfte, die ihrem Ausbildungsbetrieb auch nach der Prüfung treu bleiben.

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Warum wir Ausbildung neu denken müssen – und warum Anpassungsfähigkeit wichtiger wird als Fachwissen allein.

“Bilden wir gerade die Fachkräfte von morgen aus – oder die Arbeitslosen von übermorgen?”

Diese Frage klingt provokant. Vielleicht sogar beunruhigend. Und genau deshalb sollten wir sie stellen, sagt Transformationexperte Joseph Buschbacher.

Nicht, um Angst zu erzeugen. Sondern weil sich unsere Arbeitswelt in einem Tempo verändert, das wir in dieser Form noch nie erlebt haben.

Künstliche Intelligenz verändert bereits heute Berufsbilder, Arbeitsabläufe und Kompetenzprofile. Während viele Unternehmen noch darüber diskutieren, ob sie KI einsetzen, verändert sich längst die eigentliche Frage:

Sind unsere Bildungs- und Weiterbildungssysteme überhaupt darauf vorbereitet?

Die ersten Veränderungen sind bereits messbar

Aktuelle Forschungsarbeiten der Stanford University sowie zahlreiche internationale Studien zeigen inzwischen ein ähnliches Bild:

KI übernimmt zunehmend Routinetätigkeiten – sowohl im Büro als auch in wissensintensiven Berufen.

Besonders betroffen sind Tätigkeiten,

  • die standardisiert sind,
  • auf wiederkehrenden Informationen beruhen,
  • nach festen Regeln ablaufen,
  • oder sich leicht digitalisieren lassen.

Das betrifft längst nicht mehr nur einfache Verwaltungsaufgaben.

Auch Teile der Arbeit von Juristen, Marketingfachleuten, Softwareentwicklern, Bankangestellten, Buchhaltern oder Personalabteilungen werden heute bereits durch KI unterstützt oder teilweise automatisiert.

Die spannende Erkenntnis lautet jedoch:

Nicht ganze Berufe verschwinden. Sondern Aufgaben innerhalb dieser Berufe.

Genau darin liegt der entscheidende Unterschied.

Ein Bankberater wird vermutlich auch in zehn Jahren noch beraten.

Aber seine Tätigkeit wird eine völlig andere sein als heute.

Ein Lehrer wird weiterhin unterrichten.

Doch Wissensvermittlung allein reicht künftig nicht mehr aus.

Ein Ingenieur wird weiter entwickeln.

Aber KI wird viele Berechnungen und erste Entwürfe übernehmen.

Der Mensch verschwindet also nicht.

Seine Rolle verändert sich.

Das eigentliche Problem liegt woanders

In Deutschland sprechen wir seit Jahren vom Fachkräftemangel.

Wir diskutieren über Zuwanderung.

Über Ausbildungsplätze.

Über Studienquoten.

Über den demografischen Wandel.

All das ist wichtig.

Doch möglicherweise unterschätzen wir die viel größere Herausforderung:

Wir bilden Menschen oft noch für Berufe aus, die sich während ihrer gesamten Erwerbsbiografie mehrfach verändern werden.

Früher konnte jemand einen Beruf erlernen und diesen über 40 Jahre nahezu unverändert ausüben.

Heute entstehen innerhalb weniger Jahre völlig neue Tätigkeiten.

Andere verschwinden.

Und wieder andere verändern sich so stark, dass die ursprüngliche Ausbildung allein nicht mehr ausreicht.

Wissen verliert schneller an Haltbarkeit

Früher galt Wissen als langfristiger Wettbewerbsvorteil.

Heute besitzt Wissen zunehmend ein “Verfallsdatum”.

Technologien entwickeln sich schneller.

Software verändert sich ständig.

Neue Geschäftsmodelle entstehen innerhalb weniger Monate.

Deshalb reicht es nicht mehr aus, einmal gut ausgebildet zu sein.

Die entscheidende Fähigkeit wird sein,

lernen zu können.

Immer wieder.

Ein Leben lang.

Ausbilden oder Lernen lehren?

Screenshot: Instagram; relauncht

Vielleicht stellen wir deshalb bislang die falsche Frage.

Nicht:

“Welchen Beruf soll jemand lernen?”

Sondern:

“Wie befähigen wir Menschen, sich immer wieder neu auf Veränderungen einzustellen?”

Genau darin könnte die wichtigste Kompetenz der Zukunft liegen.

Dazu gehören Fähigkeiten wie:

  • Lernkompetenz
  • Problemlösung
  • Kreativität
  • Kommunikation
  • Teamarbeit
  • kritisches Denken
  • digitale Kompetenz
  • Datenverständnis
  • ethisches Urteilsvermögen
  • Veränderungsbereitschaft

Interessanterweise sind genau diese Kompetenzen diejenigen, die KI selbst nur begrenzt ersetzen kann.

KI macht Menschen nicht überflüssig

Ein häufiger Irrtum lautet:

“KI ersetzt Menschen.”

Tatsächlich ersetzt KI zunächst Aufgaben.

Menschen, die ausschließlich diese Aufgaben erledigen, geraten unter Druck.

Menschen dagegen, die KI sinnvoll einsetzen können, werden produktiver.

Deshalb entsteht derzeit keine Konkurrenz zwischen Mensch und Maschine.

Sondern zwischen

Menschen mit KI-Kompetenz

und

Menschen ohne KI-Kompetenz.

Was bedeutet das für Unternehmen?

Viele Unternehmen investieren derzeit Millionen in neue KI-Systeme.

Das ist nachvollziehbar.

Doch die eigentliche Investition könnte eine andere sein:

Die Entwicklung der eigenen Mitarbeitenden.

Technologie lässt sich einkaufen.

Veränderungskompetenz nicht.

Unternehmen, die ihre Mitarbeitenden befähigen,

  • Neues schnell zu lernen,
  • KI sinnvoll einzusetzen,
  • Verantwortung zu übernehmen,
  • kreativ zu arbeiten,
  • interdisziplinär zu denken,

werden langfristig erfolgreicher sein als Unternehmen, die ausschließlich auf Technologie setzen.

Was bedeutet das für Schulen und Berufsschulen?

Auch hier stehen wir vor einem Paradigmenwechsel.

Noch immer wird häufig geprüft,

ob jemand möglichst viele Informationen reproduzieren kann.

Doch Informationen sind heute jederzeit verfügbar.

Die eigentliche Kompetenz besteht darin,

Informationen einzuordnen,

zu bewerten,

miteinander zu verknüpfen,

und daraus Lösungen zu entwickeln.

Vielleicht brauchen wir deshalb künftig weniger Unterricht, der ausschließlich Wissen vermittelt.

Und mehr Lernräume,

in denen junge Menschen

  • experimentieren,
  • scheitern,
  • reflektieren,
  • diskutieren,
  • Projekte entwickeln
  • und gemeinsam Probleme lösen.

Denn genau das verlangt die Arbeitswelt der Zukunft.

Und die Weiterbildung?

Die klassische Trennung zwischen Ausbildung, Studium und späterem Berufsleben wird zunehmend verschwinden.

Weiterbildung wird kein Zusatzangebot mehr sein.

Sie wird Teil des Berufs.

Wer sich zehn Jahre nicht weiterentwickelt, wird Schwierigkeiten bekommen – unabhängig von seinem Abschluss.

Deshalb brauchen wir neue Formen des Lernens:

  • kurze Lernmodule,
  • digitale Lernplattformen,
  • Lernen direkt am Arbeitsplatz,
  • individuelle Lernpfade,
  • Micro-Credentials,
  • KI-gestützte Lernbegleitung.

Lernen wird kontinuierlich.

Nicht episodisch.

Meine Antwort auf die Ausgangsfrage

Bilden wir heute die Fachkräfte von morgen aus – oder die Arbeitslosen von übermorgen?

Ich glaube:

Weder noch.

Wir bilden heute Menschen für eine Zukunft aus, die wir selbst noch gar nicht kennen.

Deshalb kann niemand mehr ausschließlich für einen konkreten Beruf ausgebildet werden.

Wir müssen Menschen darauf vorbereiten,

mit Unsicherheit umzugehen,

Veränderungen anzunehmen,

und sich immer wieder neu zu erfinden.

Die erfolgreichsten Unternehmen der nächsten zehn Jahre werden deshalb nicht zwangsläufig diejenigen sein, die KI am schnellsten einführen.

Es werden jene sein,

die ihre Mitarbeitenden am besten befähigen,

mit dieser neuen Welt umzugehen.

Denn am Ende entscheidet nicht die künstliche Intelligenz über den Erfolg eines Unternehmens.

Sondern die menschliche Fähigkeit,

mit ihr sinnvoll zusammenzuarbeiten.

Vielleicht lautet die wichtigste Bildungsfrage der Zukunft deshalb nicht mehr:

“Welchen Beruf lernen junge Menschen?”

Sondern:

“Lernen sie bei uns, ihr ganzes Leben lang lernen zu können?”

Denn genau diese Fähigkeit könnte zur entscheidenden Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts werden.

(Inspiriert durch einen Instagram-Post von Joseph Buschbacher)

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