Ich weiß, dar­über strei­ten sich die Gelehr­ten: Ist die bes­te Schu­le voll durch digi­ta­li­siert oder kön­nen auch ana­lo­ge Schu­len sehr gut sein? Soll­ten Schü­ler heut­zu­ta­ge mehr­heit­lich digi­tal ler­nen und beschult wer­den? Der so genann­ten “Digi­tal­pakt” soll in den Schu­len die gro­ße Wen­de brin­gen. Doch, was eigent­lich sind die Kern­ele­men­te des Ler­nens? Wann und wie man lernt man gut?

130 Lese­for­scher aus ganz Euro­pa haben soeben eine span­nen­de Stu­die ver­öf­fent­licht.
http://ereadcost.eu/wp-content/uploads/2019/01/StavangerDeclaration.pdf.

Die Kern­aus­sa­ge ist “ernüch­ternd”. Beim digi­ta­len Lesen und spe­zi­ell unter Zeit­druck gehen wir zu selbst­si­cher mit Tex­ten um. Digi­tal lesen wir ober­fläch­li­cher als ana­log. Füh­ren die digi­tal­po­li­ti­schen Pro­gram­me also zum Gegen­teil des­sen, was sie bewir­ken sol­len? Kan­ni­ba­li­siert die digi­ta­le Kom­pe­tenz gar die Lese­fä­hig­keit?

Für schnel­les Infor­mie­ren rei­che das Digi­ta­le, schreibt Ger­ma­nis­tin San­dra Rich­ter in der Süd­deut­schen, doch die “Kul­tur­tech­nik des Inter­pre­tie­rens” bewah­re das nicht. Lesen Sie ihren Bei­trag hier: https://www.sueddeutsche.de/bildung/schule-tablets-literatur-1.4415413

Unter dem Titel “Aka­de­mi­sche ver­sus beruf­li­che Bil­dung – Mit Vor­ur­tei­len auf­räu­men!” hat der Dach­ver­band der IHKs mit Sitz in Ber­lin eine inter­es­san­te Stel­lung­nah­me abge­ge­ben und kommt zu dem Schluss: “Mit einem Hoch­schul­ab­schluss in der Tasche ver­dient man kei­nes­wegs gene­rell mehr als ein Nicht-Aka­de­mi­ker. Gleich­zei­tig ist die Chan­ce, nach einem Stu­di­um eine adäqua­te Beschäf­ti­gung in einer unbe­fris­te­ten Anstel­lung zu fin­den, gerin­ger als mit einem Abschluss der Höhe­ren Berufs­bil­dung. Höchs­te Zeit also, mit den gän­gi­gen Vor­ur­tei­len auf­zu­räu­men und den Kar­rie­re­weg der Beruf­li­chen Bil­dung noch stär­ker als loh­nen­de Alter­na­ti­ve zum Stu­di­um zu bewer­ben!”

Gut: Das Fazit ist nicht neu, aber da die land­läu­fi­ge Mei­nung eine ande­re ist, kann es nur gut sein, die­se posi­ti­ven Bot­schaf­ten immer wie­der in geeig­ne­ter Form zu ver­öf­fent­li­chen. Vor allem Eltern, die wich­tigs­ten Bera­ter für Jugend­li­che, wenn es um den Berufs- und Lebens­weg geht, wol­len natür­lich nur das Bes­te für ihre Kin­der und nei­gen immer wie­der dazu, dem Kind ein Stu­di­um anzu­ra­ten: “Du sollst es mal bes­ser haben als wir”, hört man dann immer wie­der.

Letzt­end­lich aber ist das Gegen­teil der Fall. Das Abi in der Tasche ist auf jeden Fall immer gut (vie­le Eltern wis­sen aber nicht, dass man das Abi nicht nur auf dem Gym­na­si­um erwer­ben kann, son­dern neben der Gesamt­schu­le auch auf dem Berufs­kol­leg und an der Abend­schu­le). Letzt­end­lich sind aber die ande­ren Schul­ab­schlüs­se auch sinn­voll. Bei­spiel: In Düs­sel­dorf bekommt jeder Jugend­li­che mit einem guten Haupt­schul­ab­schluss oder einem Real­schul­ab­schluss immer eine Aus­bil­dungs­stel­le.

Das Abitur wird mitt­ler­wei­le viel­fach als „Min­dest­ab­schluss“ einer schu­li­schen Qua­li­fi­ka­ti­on ange­se­hen. Dar­aus resul­tiert bei Jugend­li­chen der Trug­schluss, dass nur das Abitur opti­mal auf eine erfolg­rei­che Berufs­tä­tig­keit vor­be­rei­tet. Des Wei­te­ren wird das Bild ver­mit­telt, dass Aka­de­mi­ker mehr ver­die­nen als Nicht-Aka­de­mi­ker, das Arbeits­lo­sen­ri­si­ko gerin­ger ist und sie schlicht die „bes­se­ren Jobs“ haben. Doch stim­men die­se (Vor-)urteile tat­säch­lich?

Nach dem Schul­ab­schluss ist eine Dua­le Aus­bil­dung der “Kar­rie­re­weg Nr. 1”. Auch und gera­de im Hand­werk und in den MINT-Beru­fen (Mathe­ma­tik, Infor­ma­tik, Natur­wis­sen­schaf­ten und Tech­nik), denn: Wir wis­sen nicht, wel­che Beru­fe in zehn Jah­ren aktu­ell sein wer­den. Wir wis­sen aber, dass MINT- und hand­werk­li­che Jobs eine gute Zukunft haben wer­den. Das bedeu­tet nicht, dass Kin­der, die eher eine kul­tu­rel­le Ten­denz haben, unbe­dingt Tisch­ler ler­nen soll­ten, jedoch: Jugend­li­che, die in die­sem Bereich ein Talent haben, soll­ten die­ses auf jeden Fall wei­ter för­dern und sich dar­in immer wie­der aus­pro­bie­ren.

Stimmt es eigent­lich, dass Aka­de­mi­ker weni­ger oft arbeits­los sind als Nicht­Aka­de­mi­ker?

Das Arbeits­lo­sen­ri­si­ko sinkt mit stei­gen­dem Bil­dungs­ni­veau – ein ziem­lich sta­bi­les Bild: Seit dem Jahr 1975 hat sich die Rang­fol­ge bei den Arbeits­lo­sen­quo­ten in den drei Qua­li­fi­ka­ti­ons­ebe­nen nicht ver­än­dert. Nach Berech­nun­gen des Insti­tuts für Arbeits­markt- und Berufs­for­schung (IAB) lag die qua­li­fi­ka­ti­ons­spe­zi­fi­sche Arbeits­lo­sen­quo­te für Aka­de­mi­ker im Jahr 2017 bei 2,1 Pro­zent. Bei Fach­kräf­ten, die sich zum Meis­ter- oder Tech­ni­ker wei­ter­qua­li­fi­ziert haben, betrug die Arbeits­lo­sen­quo­te im Ver­gleichs­zeit­raum hin­ge­gen ledig­lich 1,5 Pro­zent. Dies zeigt: Eine dua­le Aus­bil­dung mit anschlie­ßen­der Auf­stiegs­fort­bil­dung schützt noch bes­ser vor Arbeits­lo­sig­keit als ein Stu­di­um. Wie auch beim Ein­kom­men kann man beim The­ma Arbeits­lo­sig­keit nicht alle Aka­de­mi­ker über einen Kamm sche­ren. Die Arbeits­lo­sen­quo­te für stu­dier­te Wer­be- und Mar­ke­ting­spe­zia­lis­ten wur­de zuletzt mit 4,8 Pro­zent ange­ge­ben – aber ledig­lich 1,3 Pro­zent der Absol­ven­ten in der Human- und Zahn­me­di­zin fin­den kei­ne Beschäf­ti­gung, was die Quo­te ins­ge­samt wie­der senkt (vgl. Bun­des­agen­tur für Arbeit 2018). In der offi­zi­el­len Sta­tis­tik gibt es aller­dings Unschär­fen: Prak­ti­ka, Mini­jobs und ein­kom­mens­schwa­che Zei­ten wäh­rend der Selbst­stän­dig­keit fal­len nicht unter Arbeits­lo­sig­keit – und auch nicht die vie­len Aka­de­mi­ker, die not­ge­drun­gen Stel­len beset­zen, die nicht ihren Anfor­de­run­gen ent­spre­chen (Stich­wort: „Bache­lori­sie­rung der Sach­be­ar­bei­ter­tä­tig­keit“). Der bereits heu­te erkenn­ba­re Trend zur aty­pi­schen oder inad­äqua­ten Beschäf­ti­gung dürf­te sich bei wei­ter stei­gen­den Aka­de­mi­ker­zah­len noch ver­schär­fen.

Stimmt es eigent­lich, dass Aka­de­mi­ker mehr ver­die­nen als Nicht-Aka­de­mi­ker?

Ver­gleicht man Gehäl­ter von Aka­de­mi­kern und Nicht-Aka­de­mi­kern, kommt man schnell auf den Ver­gleich des Lebens­ein­kom­mens: Einer Stu­die des Mün­che­ner ifo­In­sti­tuts (2017) zufol­ge ver­die­nen Aka­de­mi­ker, die ein Uni­ver­si­täts­stu­di­um im ers­ten Bil­dungs­weg abge­schlos­sen haben, durch­schnitt­lich 390.000 Euro net­to in ihrem Erwerbs­le­ben und damit 65 Pro­zent mehr als jemand mit einer abge­schlos­se­nen Berufs­aus­bil­dung. Jedoch gibt es in der Grup­pe der Aka­de­mi­ker erheb­li­che Unter­schie­de: Darf ein Inge­nieur in Luft- und Raum­fahrt mit einem durch­schnitt­li­chen Ein­stiegs­ge­halt von ca. 5.800 Euro rech­nen, so hat ein Archi­tekt zu Beginn sei­nes Arbeits­le­bens durch­schnitt­lich ledig­lich 3.000 Euro brut­to zur Ver­fü­gung. Absol­ven­ten der Sozi­al­päd­ago­gik oder der Geis­tes­wis­sen­schaf­ten müs­sen beim Gehalt oft noch grö­ße­re Abstri­che machen. Dem­ge­gen­über ist das Ein­stiegs­ge­halt von aus­ge­bil­de­ten Fach­kräf­ten oft höher, als man viel­leicht meint: Bank­kauf­leu­te kön­nen nach ihrer Berufs­aus­bil­dung mit einem Gehalt von bis zu 3.400 Euro brut­to rech­nen. Eben­so sind Arbeits­kräf­te in der Indus­trie sehr gefragt: Ein aus­ge­lern­ter Indus­trie­me­cha­ni­ker wird mit bis zu 2.500 Euro brut­to monat­lich ent­lohnt. Wird spä­ter noch eine Höhe­re Berufs­bil­dung (auch: Auf­stiegs­fort­bil­dung) absol­viert, wie bei­spiels­wei­se zum Indus­trie­meis­ter im Bereich Che­mie, wer­den sogar Monats­ge­häl­ter in Höhe von bis zu 4.400 Euro erzielt – stets in Abhän­gig­keit von Bran­che und Betriebs­grö­ße. Das klas­si­sche Vor­ur­teil, dass Aka­de­mi­ker grund­sätz­lich mehr ver­die­nen als Nicht-Aka­de­mi­ker, stimmt also nur bedingt. Der ins­ge­samt höhe­re Gehalts­durch­schnitt wird bei den aka­de­misch Qua­li­fi­zier­ten ins­be­son­de­re durch Ärz­te und Inge­nieu­re ange­ho­ben, wäh­rend ande­re Beru­fe deut­lich dar­un­ter ran­gie­ren. Eine beruf­li­che Aus­bil­dung kann also lukra­ti­ver sein als ein jah­re­lan­ges Stu­di­um – ins­be­son­de­re dann, wenn Absol­ven­ten durch die zuneh­men­de Aka­de­mi­sie­rung immer häu­fi­ger dazu gezwun­gen sind, mit unter­qua­li­fi­zier­ten und somit schlech­ter bezahl­ten Jobs ins Erwerbs­le­ben ein­zu­stei­gen. Zudem soll­te man berück­sich­ti­gen, dass eine beruf­li­che Aus­bil­dung schon wäh­rend der Aus­bil­dungs­zeit ver­gü­tet wird und im Ver­gleich zum Mas­ter-Stu­di­um mit durch­schnitt­lich drei Jah­ren einen ver­gleichs­wei­se gerin­gen zeit­li­chen Auf­wand bedeu­tet.

Quel­le: “Aka­de­mi­sche ver­sus beruf­li­che Bil­dung – Mit Vor­ur­tei­len auf­räu­men!” , DIHK 2019


Ver­öf­fent­licht am März 23, 2019

Stress, Prü­fungs­angst, kei­ne Freun­de: Die Bera­tungs­stel­len an unse­ren Hoch­schu­len plat­zen aus allen Näh­ten. Aktu­ell suchen über 100.000 Stu­die­ren­de Rat, Hil­fe und Unter­stüt­zung.

108.800 Mal hat­ten die psy­cho­lo­gi­schen Bera­ter im Jahr 2017 Kon­takt mit Hil­fe suchen­den Stu­die­ren­den – eine Stei­ge­rung um 60 Pro­zent im Ver­gleich zum Jahr 2006. Dies teil­te das Deut­sche Stu­den­ten­werk in sei­ner Bro­schü­re „Bera­tung im Pro­fil“ mit, die es am Diens­tag bei einer Fach­ta­gung in Ber­lin vor­stell­te.

Eigent­lich eine trau­ri­ge Bilanz. Auch ich ler­ne in mei­ner Pra­xis immer wie­der Stu­die­ren­de ken­nen, die sol­che Pro­ble­me haben. Ich dach­te es wären Ein­zel­fäl­le. Doch, so scheint es nicht zu sein.

Haupt­grün­de für die Nut­zung der psy­cho­lo­gi­schen Bera­tung sind man­geln­des Selbst­wert­ge­fühl, depres­si­ve Ver­stim­mun­gen, Part­ner­schafts­pro­ble­me, Pro­ble­me im fami­liä­ren Umfeld, Kon­takt­schwie­rig­kei­ten, Pro­ble­me mit Alko­hol und ande­ren Dro­gen, Arbeit- und Kon­zen­tra­ti­ons­schwie­rig­kei­ten, Lern- und Leis­tungs­pro­ble­me, Prü­fungs­angst und Stu­di­en­ab­schluss­pro­ble­me.

Es gibt aller­dings auch eine klei­ne Ent­war­nung, denn: die meis­ten Stu­die­ren­den kom­men NICHT wegen psy­chi­scher Pro­ble­me in die Bera­tung, son­dern suchen Unter­stüt­zung bei Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on und Zeit­ma­nage­ment (19 Pro­zent). Auch Arbeits- und Kon­zen­tra­ti­ons­schwie­rig­kei­ten spie­len eine Rol­le (16 Pro­zent). Prü­fungs­angst sowie Lern- und Leis­tungs­schwie­rig­kei­ten sind mit je 12 Pro­zent eben­falls ein wich­ti­ges The­ma.

Und natür­lich ist die Zahl der bera­tungs­su­chen­den Stu­den­tin­nen und Stu­den­ten auch gestie­gen, weil es immer mehr Stu­die­ren­de gibt (also schlicht­weg eine Fra­ge der Quan­ti­tät) und: die Stu­den­ten gehen deut­lich prag­ma­ti­sche­rer mit sol­chen (Tabu-) The­men um als in der Ver­gan­gen­heit.

Vie­le Stu­die­ren­de woll­ten sich aber auch bei Pro­ble­men bera­ten las­sen, die nicht unmit­tel­bar das Stu­di­um betref­fen, heißt es vom Stu­den­ten­werk. 14 Pro­zent der Befrag­ten baten dem­nach um Hil­fe, weil sie man­geln­des Selbst­be­wusst­sein emp­fin­den. 12 Pro­zent such­ten Rat wegen Part­ner­schafts­pro­ble­men.

Die­se Grün­de bedeu­ten für mich noch auf­merk­sa­mer im The­men­be­reich Stu­di­en­ori­en­tie­rung zu sein – letzt­end­lich berührt die­se Gesamt­the­ma­tik auch immer wie­der die fal­sche Aus­wahl eines Stu­di­en­gan­ges oder über­haupt eines Stu­di­ums anstel­le z.B. einer Dua­len Aus­bil­dung. Und ich möch­te noch auf­merk­sa­mer sein in der Beglei­tung von Stu­die­ren­den, in mei­ner Eigen­schaft als ehren­amt­li­cher Lehr­be­auf­trag­ter, Dozent und Men­tor.

Infor­ma­tio­nen zum Bera­tungs­pro­fil des Stu­den­ten­werks gibts hier: www.studentenwerke.de/de/content/beratung-im-profil


Ver­öf­fent­licht am Febru­ar 26, 2019

In die­sem Blog geht es um eini­ge Best Prac­tice- Bei­spie­le aus NRW-Sicht.

Bereits in den 5. und 6. Klas­sen begin­nen eini­ge Schu­len spie­lersch mit dem The­ma Talen­te und Fähig­kei­ten. Ein Bei­spiel ist die „Mini­phä­no­me­n­ta“. Frei zugäng­li­che Expe­ri­men­tier­sta­tio­nen, an denen natur­wis­sen­schaft­li­che und tech­ni­sche Phä­no­me­ne von Kin­dern erlebt und dann koope­ra­tiv geklärt wer­den, för­dern die For­schungs­fä­hig­keit und die Freu­de am eige­nen Erken­nen. Außer­halb des Unter­richts bie­ten die Expe­ri­men­te in der Schu­le einen attrak­ti­ven Anlass, im Han­deln zum Den­ken zu fin­den.

Ab den 7. Klas­sen enga­giert sich im MINT-Bereich das „zdi“ (Zukunft durch Inno­va­ti­on). Auf dem Pro­gramm ste­hen kos­ten­freie expe­ri­men­tier­freu­di­ge und pra­xis­ori­en­tier­te Schü­le­rin­nen- und Schü­lerwork­shops durch in Schu­len und auch an außer­schu­li­schen Lern­or­ten, bei­spiels­wei­sen in Unter­neh­men, Hoch­schu­len und Labo­ren. Haupt­ziel des zdi ist die Gewin­nung von mehr jun­gen Men­schen für ein MINT-Stu­di­um oder eine MINT-Aus­bil­dung. Außer­dem ver­folgt zdi das Ziel, die Talen­te mög­lichst vie­ler jun­ger Men­schen zu för­dern und so einen Bei­trag zur Bil­dungs­ge­rech­tig­keit und Durch­läs­sig­keit im Bil­dungs­sys­tem zu errei­chen.

Eben­falls in den 7. Klas­sen wird in Düs­sel­dorf „komm auf tour“ ange­bo­ten. Der Stär­ken­par­cour setzt spie­le­risch erleb­nis- und hand­lungs­ori­en­tier­te Impul­se, um Schü­le­rin­nen und Schü­ler früh­zei­tig und geschlech­ter­sen­si­bel in ihrer Berufs­ori­en­tie­rung und Lebens­pla­nung zu unter­stüt­zen. Die Jugend­li­chen ent­de­cken ihre Stär­ken, erhal­ten Ori­en­tie­rungs­hil­fen für Prak­ti­ka und erfah­ren, wel­che rea­li­sier­ba­ren beruf­li­chen Mög­lich­kei­ten auf sie war­ten könn­ten. The­men aus dem pri­va­ten Lebens­be­reich sind alters­ge­recht inte­griert. Über Begleit­ver­an­stal­tun­gen kön­nen Eltern, Lehr­kräf­te, Öffent­lich­keit und Betrie­be ein­ge­bun­den wer­den.

In der 8. Klas­se durch­lau­fen alle Schü­le­rin­nen und Schü­ler eine ein­tä­gi­ge Poten­ti­al­ana­ly­se. Hier ler­nen die Jugend­li­che ein stück­weit ihre Talen­te ken­nen: das prak­ti­sche und sozia­le Poten­zi­al, die Berufs­wahl­rei­fe und die Arbeits­kom­pe­ten­zen, das metho­di­sche und kogni­ti­ve Poten­ti­al sowie das per­sön­li­che Poten­ti­al.

Mit die­sem Bewusst­sein ihrer Talen­te und Fähig­kei­ten wäh­len die Schü­le­rin­nen und Schü­ler eben­falls in der. Klas­se zwei bis drei Berufs­fel­der­kun­dun­gen (BFE) aus. Hier erhal­ten sie die Gele­gen­heit, auch Aus­bil­dungs­be­ru­fe ken­nen­zu­ler­nen, die für sie zuvor unbe­kannt waren. Im Rah­men der BFEs ler­nen die Schü­le­rin­nen und Schü­ler Aus­bil­dungs­be­ru­fe ken­nen, die sie zuvor nicht oder weni­ger kann­ten. Sie wis­sen, wo sie ihre Talen­te und Fähig­kei­ten ein­brin­gen kön­nen. Viel­leicht ler­nen sie auch Aus­bil­dungs­be­ru­fe ken­nen, die nicht zu ihnen pas­sen. Auch dies ist ein am Ende ein gutes Ergeb­nis, denn es ver­hin­dert viel­leicht die Ergrei­fung eines fal­schen Aus­bil­dungs­be­ru­fes.

In der 9. Klas­se absol­vie­ren die Schü­le­rin­nen und Schü­ler ihr ers­tes län­ge­res Prak­ti­kum (2 oder sogar 3 Wochen). Mit den Ergeb­nis­sen und Erfah­run­gen aus den Klas­sen 7 + 8 soll­ten sie die­ses Prak­ti­kum sehr fokus­siert aus­su­chen.

Nach der Poten­ti­al­ana­ly­se, nach den BFEs und nach dem 9er-Prak­ti­kum erfol­gen jeweils Bera­tungs­pha­sen, an denen bei­spiels­wei­se die Beob­ach­ter der Poten­ti­al­ana­ly­se, die Schü­ler und Schü­le­rin­nen, die Klas­sen­leh­rer und Eltern betei­ligt sind.

Eine wich­ti­ge Rol­le nimmt der Berufs­wahl­pass ein, der lei­der in man­chen Schu­len ein unge­lieb­tes Kind ist. Der Berufs­wahl­pass (BWP) beglei­tet die Jugend­li­chen auf dem Weg zu einer soli­den Berufs­we­ge­ent­schei­dung. Sie erhal­ten Infor­ma­tio­nen über die Ange­bo­te der Berufs­ori­en­tie­rung, ler­nen ihre Stär­ken und Fähig­kei­ten ken­nen und ent­wi­ckeln indi­vi­du­el­le beruf­li­che Zie­le. Zudem sol­len sie für den rich­ti­gen Umgang mit der Doku­men­ta­ti­on von Zeug­nis­sen, Beschei­ni­gun­gen, Zer­ti­fi­ka­ten und bis­he­ri­gen Akti­vi­tä­ten sen­si­bi­li­siert wer­den.

Das Pro­gramm „Klu­ge Köp­fe“ der Stif­tung Pro Aus­bil­dung in Düs­sel­dorf und Gel­sen­kir­chen unter­stützt die Schu­len, in dem es Ein­füh­rungs­ver­an­stal­tun­gen in den 8. Klas­sen durch­führt. In 90minütigen Work­shops erfah­ren die Schü­le­rin­nen und Schü­ler, wo wie und wann sie den BWP ein­set­zen kön­nen. Auch in die­ser Ein­füh­rung wer­den die Talen­te und Fähig­kei­ten der Schü­le­rin­nen und Schü­ler ange­spro­chen. In einer Arbeits­pha­se bei­spiels­wei­se sol­len sie sich  ers­te Gedan­ken dar­über machen, was sie ger­ne mögen und gut kön­nen. Sie sol­len über­le­gen, ob sie sport­lich, krea­tiv und handwerklich/technisch begabt sind. Ob sie ger­ne mit Men­schen zusam­men sind, ob sie ger­ne mit Tie­ren arbei­ten oder am Com­pu­ter. Die­se The­men ken­nen sie aus der Poten­ti­al­ana­ly­se und setzt sich der rote Faden der Stär­ken­ori­en­tie­rung fort.

Zur­zeit arbei­ten wir am Berufs­wahl­pass und ent­wi­ckeln die­sen in einem Team im Minis­te­ri­um für Schu­le und Bil­dung wei­ter. Wir aktua­li­sie­ren die Mate­ria­len für die Sek.1 und ent­wi­ckeln neue Unter­la­gen für den Sek.2- Bereich. Neu sind hier Work­shops zur Stand­ort­be­stim­mung sowie zur Ent­schei­dungs­kom­pe­tenz.

Klu­ge Köp­fe“ setzt die­se Stär­ken­ori­en­tie­rung auch in Berufs­ori­en­tie­rungs-AGs um. In Gel­sen­kir­chen kön­nen sol­che AGs in allen Schul­for­men durch­ge­führt wer­den. Sie dau­ern in der Regel 90 Minu­ten pro Tag und vor­ge­se­hen sind bis zu 15 Modu­le. Die Schü­le­rin­nen und Schü­ler kön­nen hier sehr indi­vi­du­ell betreut wer­den. Work­sho­par­tig und inter­ak­tiv nähern sie sich ihrem Berufs­ziel. Neben exter­nen Trai­nern kom­men auch Aus­bil­dungs­lei­ter sowie Aus­zu­bil­den­de in die AGs und berich­ten über ihre Aus­bil­dungs­be­ru­fe. Nicht sel­ten wer­den dann auch Arbeits­pro­ben und Übun­gen direkt mit­ge­bracht. Hier erpro­ben die Schü­le­rin­nen und Schü­ler ihr moto­ri­sches Geschick, tech­ni­sches Ver­ständ­nis, Team­fä­hig­keit, Belast­bar­keit oder krea­ti­ves Lösungs­ver­hal­ten.


Ver­öf­fent­licht am Febru­ar 26, 2019

Nei­gun­gen, Talen­te, Per­sön­lich­keits­stil

Inso­fern (und das zuvor geschrie­be­ne vor­aus­ge­setzt) spie­len drei Ele­men­te in unse­ren Modu­len wie­der­keh­rend immer wie­der eine wich­ti­ge Rol­le:

  1. Die Nei­gun­gen sind das ers­te Ele­ment unse­rer Ent­de­ckungs­rei­se. Hier blü­hen wir auf, weil es unse­re Lei­den­schaft ist, unse­re Träu­me und Visio­nen und unse­re Beru­fung. Nei­gun­gen sagen aus, wofür unser Herz brennt.Sie beant­wor­ten die Fra­ge: WO und WOFÜR set­ze ich mich ger­ne ein. Von Mar­tin Luther King ken­nen wir den Satz „I have a dream“. Barack Oba­ma woll­te, das sdie Bevor­tei­lung ein­zel­ner eth­ni­scher Grup­pen been­det wur­den und er ent­deck­te die Bot­schaft „Yes, we can“. Und auch Ste­ve Jobs und Bill Gates blüh­ten auf, in dem sie von ihren Visio­nen gelei­tet wur­den. (Dies sind Bei­spie­le aus dem Wil­low Creek- Kon­zept „DIENST“.)Und auch hier gilt, dass man nicht immer sofort sei­ne Nei­gun­gen auf­zu­zäh­len weiß. Auch dies ist in der Regel ein län­ge­rer Pro­zess. Nach und nach wer­den die Nei­gun­gen erfah­rungs­ge­mäß kla­rer.
  2. Die Talen­te sagen aus, was wir gut kön­nen. „Ein Talent ist jemand, der Talent hat“, sagt der Duden. Dort heißt es wei­ter: „Eine Bega­bung, die jeman­den zu unge­wöhn­li­chen bzw. über­durch­schnitt­li­chen Leis­tun­gen auf einem bestimm­ten, beson­ders auf künst­le­ri­schem Gebiet befähigt.“Talent beschreibt also ein vor­han­de­nes Poten­zi­al, um bestimm­te Fähig­kei­ten ent­wi­ckeln zu kön­nen. Bei Schü­lern spre­chen in der Regel nicht von „unge­wöhn­li­chen“ oder „über­durch­schnitt­li­chen“ Leis­tun­gen, son­dern eher von Berei­chen, in denen Jugend­li­che gut sind, bei­spiels­wei­se im krea­ti­ven, hand­werk­li­chen oder tech­ni­schen Bereich. In sport­li­chen Din­gen oder in sozia­len. Im kom­mu­ni­ka­ti­ven Bereich, im ver­ba­len oder nume­ri­schen.
  3. Und das drit­te Ele­ment unse­rer Ent­de­ckungs­rei­se sind unse­re Per­sön­lich­keits­sti­le: Die­se sagen aus, wor­aus wir unse­re Ener­gie und Kraft schöp­fen. Es ist die Art, wie der Mensch Her­aus­for­de­run­gen angeht.Das Ver­hal­ten ist ein Teil unse­rer Per­sön­lich­keit, den wir beob­ach­ten kön­nen. Dabei kön­nen wir uns unter­schied­lich ver­hal­ten – je nach Situa­ti­on unterschiedlich.Wir unter­schei­den zwi­schen zwei Dimen­sio­nen: Die ers­te sagt aus, was uns moti­viert, ob wir bei­spiels­wei­se men­schen- oder auf­ga­ben­ori­en­tiert sind. Die zwei­te beschreibt, wie wir uns in unse­rem Umfeld wahr­neh­men: als eher offen­siv oder eher defen­siv. Auf­ga­ben­ori­en­tier­te  Men­schen bekom­men ihre Moti­va­ti­on dadurch, dass sie sach­lich an Auf­ga­ben her­an­ge­hen kön­nen. Men­schen­ori­en­tier­te Per­so­nen erhal­ten ihre Ener­gie, indem sie sich auf Bezie­hun­gen zu ande­ren Men­schen einlassen.Beiden Per­so­nen­grup­pen ist es wich­tig, Bezie­hun­gen auf­zu­bau­en und Zie­le zu errei­chen. Sie unter­schei­den sich aber dadurch, dass sie unter­schied­li­che Prio­ri­tä­ten set­zen und ande­re Wegen gehen, um dies in die Tat umzu­set­zen. Wie immer gilt es, die Unter­schied­lich­kei­ten, aus denen ein Team immer besteht, wert­zu­schät­zen.


Ver­öf­fent­licht am Febru­ar 24, 2019

War­um ist es sooooo wich­tig, das ich in mei­nem Ele­ment bin?

  • Weil ich frus­triert bin, wenn ich mei­ne Talen­te und Nei­gun­gen nicht ken­ne.
  • Weil ich in Schu­le und Hoch­schu­le nicht weiß, wel­che Wahl­pflicht­fä­cher, wel­che AGs oder Kur­se ich bele­gen soll.
  • Weil ich nach der Schu­le nicht weiß, ob ich eine Aus­bil­dung machen soll oder stu­die­ren.
  • Weil ich nicht weiß, wenn ich mich fürs stu­die­ren ent­schie­den habe, wel­che Stu­di­en­rich­tung ich bele­gen soll.
  • Weil ich unglück­lich bin, wenn ich nicht in mei­nem Ele­ment lebe.
  • Weil zu vie­le Jugend­li­che bzw. jun­ge Erwach­se­ne ihre Aus­bil­dung und ihr Stu­di­um abbre­chen.

Eine per­sön­li­che Ent­de­ckungs­rei­se

Das eige­ne Ele­ment zu fin­den ist eine per­sön­li­che Auf­ga­be, eine Ent­de­ckungs­rei­se, ein per­sön­li­cher Pro­zess. Letzt­end­lich geht es dar­um, sei­ne Nei­gun­gen, Talen­te und Fähig­kei­ten zu ent­de­cken. Sir Ken Robin­son sagt dazu in sei­nem Buch „Begeis­tert leben“, das dies eine Rei­se in zwei Rich­tun­gen ist:

  1. Es ist eine Rei­se zu sich selbst, um zu erfor­schen, was in mei­nem Inne­ren ver­bor­gen liegt (Bedürf­nis­se, Wün­sche, Gefüh­le, Gedan­ken, Sin­nes­wahr­neh­mun­gen, Nei­gun­gen, Talen­te, Fähig­kei­ten, per­sön­li­che Res­sour­cen).
  2. Und es ist eine Rei­se nach außen, um zu schau­en, wel­che Mög­lich­kei­ten mei­ne Umwelt birgt (ande­re Men­schen, mit denen ich in Bezie­hung ste­he, Gege­ben­hei­ten, Umstän­de, finan­zi­el­le und fach­li­che Res­sour­cen).

Der Weg, sein eige­nes Ele­ment zu fin­den, kann häu­fig über­ra­schen und viel Unent­deck­tes frei­le­gen.

Wir haben alle ver­schie­de­ne Vor­aus­set­zun­gen, das hängt von mei­nen Lebens­um­stän­den bei­spiels­wei­se ab. Und von mei­nem Cha­rak­ter. Den­noch gibt es grund­sätz­li­che Prin­zi­pi­en, die für die­sen Pro­zess gel­ten und auf Jeder­mann und Jeder­frau anwend­bar sind. Eben­so kann man sich Tech­ni­ken, Stra­te­gi­en und Instru­men­te zunut­ze machen. Schü­le­rin­nen und Schü­ler in NRW haben sol­che Mög­lich­kei­ten – wir nen­nen dies Kür & Pflicht. Mehr dazu spä­ter in die­sem Blog.

Erfül­len­de Mit­ar­beit

Bevor wir aber die­sen Gedan­ken fort­set­zen, will ich kurz ver­wei­sen auf die „erfül­len­de Mit­ar­beit“: die­ses Modell gilt für Schu­le und Frei­zeit, für Hoch­schu­le und Job und letzt­end­lich auch für ehren­amt­li­che Mit­ar­beit.

Eigent­lich ist es sehr schlicht: Erfül­len­de Mit­ar­beit ist, dass ich das tun soll, was ich will und was ich auch kann. Erfül­len­de Mit­ar­beit besteht aus den drei Kom­po­nen­ten sol­len, wol­len und kön­nen.

  • Wenn ich etwas mache soll und es auch will, aber nicht kann, dann bin ich frus­triert.
  • Wenn ich etwas machen soll und es auch kann, aber nicht will, dann ver­wei­ge­re ich mich.
  • Wenn ich etwas will und es auch kann, aber nicht soll (bzw. darf), kommt es ziem­lich bald zu einem Kon­flikt (mit mir selbst oder z.B. Men­schen, mit denen ich beruf­lich oder pri­vat in Bezie­hung ste­he).

Wir leben glück­lich, wenn wir erfüllt mit­ar­bei­ten. Wenn wir unse­ren Platz fin­den, an dem Sol­len, Wol­len und Kön­nen über­ein­stim­men. Dann bin ich letzt­end­lich in mei­nem Ele­ment.

Erfül­len­de Mit­ar­beit kann ich fin­den – und kann ich auch selbst gestal­ten, aber: das ist ein ande­res The­ma.

(Fort­set­zung folgt.)


Ver­öf­fent­licht am Febru­ar 24, 2019

Beruf­li­che Ori­en­tie­rung soll­te immer prä­ven­tiv und vor allem stär­ken-ori­en­tiert sein. So zumin­dest sind unse­re Pro­gram­me der Stu­di­en- und Berufs­ori­en­tie­rung in Düs­sel­dorf und Gel­sen­kir­chen aus­ge­rich­tet. Aber: Was kann das bedeu­ten: Stär­ken­ori­en­tie­rung?

Immer wie­der tref­fe ich Men­schen, die nicht ger­ne zur Arbeit gehen. Immer wie­der ent­de­cke ich Posts auf Insta­gram wo mitt­wochs das „Berg­fest“ gefei­ert wird, wo man sich am Don­ners­tag schon auf das Wochen­en­de freut, am Frei­tag dem nahen­den Wochen­en­de ent­ge­gen fie­bert und am Sonn­tag Abend schon wie­der jam­mert, weil mor­gen Mon­tag ist.

Ich den­ke dann immer: sind die arm dran! Es scheint ein unglück­li­ches Leben zu sein, zu arbei­ten in einem Job, den man nicht liebt oder sogar hasst? Wie kann es soweit kom­men, fra­ge ich mich dann immer?

Mög­lich­kei­ten über Mög­lich­kei­ten

Es gibt mitt­ler­wei­le sehr viel­fäl­ti­ge Mög­lich­kei­ten in der Schu­le, in der Frei­zeit, im Ver­ein, der Kir­chen­ge­mein­de, im Urlaub her­aus­zu­fin­den, was man ger­ne mag. Es gibt unzäh­li­ge Mög­lich­kei­ten, sich wei­ter­zu­bil­den in Din­gen, die man wirk­lich liebt, um spä­ter damit viel­leicht auch sei­nen Lebens­un­ter­halt zu ver­die­nen oder um zumin­dest in „sei­nem Ele­ment zu sein“.

Ich ken­ne eine Ste­war­dess, die sich zur Per­so­nal­trai­ne­rin hat wei­ter­bil­den las­sen. Einen Bank­an­ge­stell­ten, der Kar­rie­re macht als Coach und Media­tor. Den Ange­stell­ten, der sei­nen C-Orgel­schein nach­holt, um am Wochen­en­de Got­tes­diens­te musi­ka­lisch zu beglei­tet. Den Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­fi, der in sei­ner Frei­zeit Ster­ben­de und Trau­ern­de beglei­tet. Die­se Lis­te könn­te ich wei­ter­füh­ren. War­um aber sind vie­le Men­schen mit ihrem Leben und Beruf unzu­frie­den?

Wenn wir mit Jugend­li­chen und Erwach­se­nen über ihre Talen­te spre­chen, tau­chen schnell vie­le Fra­gen und Unsi­cher­hei­ten auf:

  • Ich habe kei­ne Talen­te. Das was ich kann, dass kann doch jeder!
  • Mich kann nichts wirk­lich begeis­tern!
  • Was ist, wenn ich etwas lie­be, was ich nicht gut kann?
  • Was ist, wenn ich etwas gut kann, es aber nicht mag?
  • Woher weiß ich, ob ich „mein Ele­ment“ gefun­den habe?

Auf die­se Fra­gen gibt es natür­lich Ant­wort. Um die­se zu fin­den, braucht man Geduld, muss sich flei­ßig auf die Suche bege­ben, aus­pro­bie­ren und sicher­lich braucht man auch den einen oder ande­ren Unter­stüt­zer (kei­ne Rat­schlag-Geber, son­dern Impuls-Geber).

Auf der einen Sei­te gibt es die­se Unsi­cher­hei­ten. Auf der ande­ren Sei­te fehlt die Trans­pa­renz, was man nach der Schu­le beruf­lich machen könn­te. War­um? Weil es zuvie­le Mög­lich­kei­ten gibt! Zuvie­le? Kann das sein? Ich bin der fes­ten Über­zeu­gung: ja. Bei über 350 dua­len Aus­bil­dungs­be­ru­fen, rund 18.000 Stu­di­en­gän­gen an deut­schen Hoch­schu­len und in Unter­neh­men (Dua­le Stu­di­en­gän­ge), sind Kin­der, Eltern und Leh­ren­de in der Regel total über­for­dert. Des­halb braucht es in der Beruf­li­chen Ori­en­tie­rung mehr Trans­pa­renz.

Ich kann nur lie­ben, was ich ken­ne

Das geschieht durch Pra­xis­pha­sen in Form von Prak­ti­ka (von einem Tag (in NRW gibts z.B. die Berufs­fel­der­kun­dun­gen) über 2–3 Wochen bis hin zu einem gan­zen Jahr), durch pra­xis­na­he Work­shops und Instru­men­te wie dem Berufs­wahl­pass (wenn man ihn mit Köp­fen in Schu­le regel­mä­ßig nutzt und ein­setzt). „Ich kann nur lie­ben, was ich ken­ne“, des­halb: muss ich 1.) aus­pro­bie­ren, 2.) aus­pro­bie­ren und 3.) aus­pro­bie­ren. Tag für Tag zocken am Com­pu­ter struk­tu­riert zwar den Tag und schult die eine oder ande­re Fähig­keit, aber zu viel davon ist dann am Ende schlicht zu viel davon. Bes­ser raus und Din­ge aus­pro­bie­ren: job­ben, ein neu­es Hob­by, einen Trai­ner­schein machen, den Ret­tungs­schwim­mer bei der DLRG. Was weiß ich: Mög­lich­kei­ten gibt es jeden­falls genug.

Wenn ich viel­leicht nicht weiß, was ich gut kann, liegt es viel­leicht an feh­len­den Gele­gen­hei­ten. Wenn ich nichts aus­pro­bie­re, weiß ich auch nicht, ob ich ein Talent dafür habe.

Dabei ist es auch immer wie­der wich­tig Din­ge aus­zu­pro­bie­ren, die man noch nicht kennt. Es gibt Schü­ler, die ihr Prak­ti­kum im Kran­ken­haus machen, weil ihre Mut­ter Kran­ken­schwes­ter ist und sich dadurch das Bewer­bungs­ver­fah­ren abkür­zen lässt. Oder sie gehen in die Kanz­lei des Onkels. Das ist sel­ten der rich­ti­ge Weg. Wenn ich noch nie auf einem Pferd saß – woher kann ich wis­sen, ob ich viel­leicht ein guter Rei­ter wer­den könn­te. Wenn ich noch nie in einer Tisch­le­rei war – woher kann ich wis­sen, ob ich nicht hand­werk­lich begabt bin und ein guter Tisch­ler wer­den könn­te?

Nähern wir uns der The­ma­tik was es hei­ßen kann, in sei­nem Ele­ment zu sein.

(Fort­set­zung folgt.)


Ver­öf­fent­licht am Febru­ar 20, 2019

Spre­chen wir von Fach­kräf­te­man­gel, dann mei­nen wir in der Regel feh­len­de MINT-Fach­kräf­te in der Indus­trie und im Hand­werk, in unse­ren Kran­ken­häu­sern und Senio­ren­hei­men.

Ähn­lich kata­stro­phal aber ist die Situa­ti­on an unse­ren Schu­len. Über­all feh­len uns die Lehr­kräf­te: grund­sätz­lich eigent­lich, aber vor allem auch in unse­ren Grund­schu­len und in den MINT- und natur­wis­sen­schaft­li­chen Fächern. Ledig­lich die Gym­na­si­en dürf­ten weni­ger Pro­ble­me haben, ihre Stel­len zu beset­zen.

Laut Deut­schem Leh­rer­ver­band feh­len fast 40 000 Päd­ago­gen, Tau­sen­de Stel­len muss­ten im Herbst not­dürf­tig mit Sei­ten­ein­stei­gern, Pen­sio­nä­ren und Stu­den­ten besetzt wer­den.

Auch in NRW ist das Pro­blem seit Jah­ren gra­vie­rend. NRW-Schul­mi­nis­te­rin Y. Gebau­er hat des­halb ein Maß­nah­men­pa­ket ver­ab­schie­det. Bei­spiel Sei­ten­ein­stei­ger: Leh­rer für das Lehr­amt an Gym­na­si­en und Gesamt­schu­len (Sek II) kön­nen sich auf eine Stel­le an einer Schu­le der Sekun­dar­stu­fe I bewer­ben und wer­den nach einer erfolg­rei­chen Bewer­bung sofort in ein Dau­er­be­schäf­ti­gungs­ver­hält­nis über­nom­men. Doch hier belegt eine Stu­die der Ber­tels­mann Stif­tung bei­spiel­haft für Ber­li­ner Grund­schu­len, dass sol­che Sei­ten­ein­stei­ger aus­schließ­lich an soge­nann­ten Brenn­punkt­schu­len ein­ge­setzt wer­den. Das zeigt, dass auch inner­halb einer Schul­form aus­ge­rech­net jene Schü­ler am meis­ten vom Leh­rer­man­gel betrof­fen sind, die guten Unter­richt beson­ders nötig hät­ten.

Was hat NRW-Schul­mi­nis­te­rin Gebau­er noch vor? Es soll eine erwei­ter­te Mög­lich­kei­ten zur Ver­be­am­tung und es soll zusätz­li­che Stel­len für Ober­stu­fen­lehr­kräf­te an Gesamt­schu­len geben. Künf­tig kön­nen sich auch Absol­ven­tin­nen und Absol­ven­ten eines Mas­ter­stu­di­en­gangs an Fach­hoch­schu­len auf eine Leh­rer­stel­le bewer­ben. Bis­her ist für den Sei­ten­ein­stieg ein Uni­ver­si­täts­ab­schluss erfor­der­lich. Zudem sol­len Pen­sio­nä­re und Quer­ein­stei­ger aus der Wirt­schaft gewon­nen wer­den.

Vie­le Ide­en, doch die wirk­li­chen Impul­se feh­len. Der Beruf des Leh­rers müss­te attrak­ti­ver gestal­tet wer­den, dies fängt bei der Ent­loh­nung an und hört bei der Orga­ni­sa­ti­on des Unter­richts auf.

Eine Ent­las­tung des Leh­rers soll­te abseits vom Unter­richt erfol­gen. Neh­men wir als Bei­spiel die Stu­di­en- und Berufs­ori­en­tie­rung. Selbst­re­dend bin ich ein Ver­fech­ter für eine flä­chen­de­cken­de und fächer­über­grei­fen­de „Beruf­li­che Ori­en­tie­rung“. Bereits vor über zehn Jah­ren orga­ni­sier­ten wir Team­tage in Düs­sel­dor­fer Schu­len, um die Berufs- und Stu­di­en­ori­en­tie­rung struk­tu­riert in den Schul­all­tag zu imple­men­tier­ten. Vor über 20 Jah­ren bereits grün­de­ten wir in Düs­sel­dorf und Ost­west­fa­len-Lip­pe das Berufs­wahl­sie­gel (mitt­ler­wei­le das größ­te deut­sche Schul­pro­jekt; www.netzwerk-berufswahlsiegel.de). Jede Lehr­kraft soll­te immer auch im Kopf haben ihre Schü­ler auf das Leben, auf die Berufs­welt vor­zu­be­rei­ten.

Letzt­end­lich aber soll­ten Leh­rer auch unter­rich­ten :-)). Inso­fern benö­ti­gen sie vor allem im Bereich der „Beruf­li­chen Ori­en­tie­rung“ Unter­stüt­zung und Ent­las­tung von außen. Der Trend geht aber in die ande­re Rich­tung. Vor allem in NRW wach­sen die so genann­ten „Stan­dard­ele­men­te“ in der Stu­di­en- und Berufs­ori­en­tie­rung, das heißt: Beruf­li­che Ori­en­tie­rung wird mehr und mehr zur Pflicht und weni­ger zur Kür. Pflicht­ele­men­te aber MÜSSEN von den Leh­rern durch­ge­führt wer­den, was wie­der­um bedeu­tet, dass die Lehr­kräf­te auch an die­ser Stel­le immer mehr in die Pflicht ein­ge­bun­den wer­den und weni­ger von außen ent­las­tet und unter­stützt wer­den kön­nen.

Ob die­se Vor­ge­hens­wei­se letzt­end­lich die Attrak­ti­vi­tät des Leh­rer­be­rufs för­dert muss an die­ser Stel­le ange­zwei­felt wer­den. In der Süd­deut­schen Zei­tung wird eine Leh­re­rin wie folgt zitiert: „Wir spü­ren den Leh­rer­man­gel schon län­ger, so rich­tig eng wur­de es dann aber im ver­gan­ge­nen Früh­jahr. Da sind inner­halb von vier Mona­ten vier Voll­zeit-Leh­re­rin­nen aus­ge­fal­len, durch Schwan­ger­schaf­ten mit sofor­ti­gem Arbeits­ver­bot. Plötz­lich stan­den eine Inklu­si­ons­klas­se, eine Abschluss­klas­se und zwei wei­te­re Klas­sen ohne Klas­sen­leh­re­rin da.“ Die Not an unse­ren Schu­len ist groß. Prag­ma­ti­sche und pra­xis­na­he Lösun­gen sind nun gefragt, denn am Ende geht es immer um unse­re Kin­der.


Ver­öf­fent­licht am Febru­ar 2, 2019

Deutsch­land wird immer wie­der dafür kri­ti­siert, dass der Bil­dungs­er­folg ent­schei­dend abhängt vom Eltern­haus und dem sozia­len Umfeld. NRW-Bil­dungs­mi­nis­te­rin Gebau­er will hier anset­zen und ernann­te die ers­ten 35 Talent­schu­len. Ins­ge­samt sol­len es ein­mal 60 wer­den, die alle­samt in benach­tei­lig­ten Stadt­ge­bie­ten plat­ziert sind.

Jede Talent­schu­le soll ein indi­vi­du­el­les päd­ago­gi­sches Kon­zept umset­zen und bekommt 2.500 EUR für Fort­bil­dun­gen. Außer­dem gibts 400 zusätz­li­che Stel­len für Lehr­kräf­te und Sozi­al­ar­bei­ter. Was den Schu­len nicht „schme­cken wird“: Die Stel­len sol­len unter ande­rem mit Men­schen besetzt wer­den, die in einem Unter­neh­men der Stadt frei­ge­setzt wor­den sind (ob dies eine Vor­ga­be des Arbeits­mi­nis­ters war?). Also: Quer­ein­stei­ger, zunächst ohne päd­ago­gi­schem Hin­ter­grund. So etwas mögen „rich­ti­ge Leh­rer“ nicht. Sie kön­nen sich aller­dings auch mit Quer­ein­stei­gern anfreun­den, wenn es päd­ago­gi­sche Wei­ter­bil­dun­gen gibt. Ich ken­ne eini­ge Quer­ein­stei­ger: sie alle sind moti­viert und enga­giert und bie­ten ihren Schü­lern viel Wis­sen und Hin­ter­grund. Und eines muss klar sein: vor allem in den Berei­chen Tech­nik, Infor­ma­tik, Natur­wis­sen­schaf­ten herrscht Fach­kräf­te­man­gel, der zukünf­tig nur noch mit Quer­ein­stei­gern zufül­len sein wird. Aber, dies ist ein neu­es, ande­res The­ma.

Die Idee der Talent­schu­len mag grund­sätz­lich eine gute Idee sein, aber vie­le geplan­ten Modu­le sind nicht abhän­gig von Geld und Stel­len, son­dern von exter­nen Insti­tu­tio­nen, die ohne neue Res­sour­cen zu bekom­men, unter­stüt­zen sol­len. Bei­spiels­wei­se sol­len sich die Schu­len ver­net­zen mit Unter­neh­men und Stif­tun­gen (das aber könn­ten sie heu­te schon, wenn sie den Nut­zen für sich und ihre Schu­len erken­nen wür­den).

Berufs­kol­leg sol­len ihre Berufs­fel­der­kun­dun­gen aus­bau­en. Die­se BFEs gibts bereits in jeder Stadt, wer­den aber von den Schu­len sehr unter­schied­lich genutzt. Im schu­li­schen Über­gangs­ma­nage­ment sind die­se BFEs plat­ziert in der 8. Klas­se, nach der Poten­zi­al­ana­ly­se und vor dem fokus­sier­ten Prak­ti­kum in der 9. Klas­se. Sie fin­den in Unter­neh­men statt und dau­ern bis zu sechs Stun­den. Schü­ler sol­len sich die­se nach ihren Inter­es­sen und Fähig­kei­ten aus­su­chen – das gelingt aber sel­ten. Meis­tens geben die Schu­len Unter­neh­men vor, in denen die Schü­ler BFEs zu absol­vie­ren haben oder Eltern besor­gen ihren Kin­dern Plät­ze – hier sind nicht die Talen­te der Kin­der gefragt, son­dern die Kon­tak­te der Eltern. Aber, es gibt auch gute Bei­spie­le, wo es bes­ser läuft, z.B. in Düs­sel­dorf und Gel­sen­kir­chen.

Lei­der befin­den sich die Zah­len der BFEs auf dem Rück­marsch, weil die Unter­neh­men wenig Nut­zen dar­in erken­nen, sich mit 13jährigen Puber­tie­ren sechs Stun­den aus­ein­an­der set­zen zu müs­sen. Aller­dings sind BFEs eine sehr gute Mög­lich­kei­ten, ers­te Ein­sich­ten in die Arbeit- und Berufs­welt zu bekom­men. Doch, auch dies ist ein neu­es, ande­res The­ma.

Zurück zu den Talent­schu­len. Kri­ti­ker der Talent­schu­len ver­ste­hen nicht, war­um nur 60 Schu­len in NRW gestärkt wer­den und ande­re nicht. Schu­len, die eine För­de­rung nötig hät­ten, bekä­men nichts aus dem Topf, schimpft der NRW-Chef der Lan­des­schü­ler­ver­tre­tung. Auch die SPD hält nichts von den Talent­schu­len, das mag aber auch Poli­tik sein bei einer CDU/FDP-Regie­rung. Der Leh­rer­ver­band leh­rer nrw begrüßt hin­ge­gen die Idee, der man eine Chan­ce geben soll­te.

149 Bewer­bun­gen gab es für die­se ers­te Run­de, eine „inter­es­sant“ besetz­te Jury such­te die ers­ten 35 Schu­len aus: ein Koch, der auch TV-Mode­ra­tor ist, ein Pro­fes­sor für Päd­ago­gik, ein Unter­neh­mer und eine Schü­le­rin, der Rek­tor einer Fach­hoch­schu­le, die Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­te einer Hoch­schu­le, ein pen­sio­nier­ter Leh­rer, meh­re­re Bil­dungs­for­scher, noch eine Pro­fes­so­rin, dies­mal für Fach­di­dak­tik, noch ein Pro­fes­sor mit dem Schwer­punkt Inte­gra­ti­ons­for­schung, ein ehe­ma­li­ger NRW-Sport­mi­nis­ter. Getrost kann man glau­ben, dass die meis­ten die­ser Jury­mit­glie­der kei­ne direk­ten und prak­ti­schen Ein­bli­cke in unse­re NRW-Schu­len haben. War­um wur­den nicht Men­schen ein­ge­la­den, die oft in Schu­len sind? Und Men­schen, die zu den inter­nen und exter­nen Ziel­grup­pen von Schu­le gehö­ren (z.B. Eltern, Aus­bil­dungs­lei­ter, loka­le Bil­dungs­ex­per­ten)?

Man soll­te den Talent­schu­len auf jeden Fall eine Chan­ce geben. Mit den aus­ge­such­ten Schu­len in Gel­sen­kir­chen ste­he ich im Kon­takt. Dort ist die Nach­richt zwar bereits ange­kom­men, aber die Schu­len haben noch kei­ne Info, wie es nach den Som­mer­fe­ri­en los gehen wird. Vor allem bleibt die Fra­ge, wo die vie­len neu­en Leh­rer her­kom­men sol­len, denn in den ent­schei­de­nen Fächern ist der Markt leer­ge­fegt.

Ich den­ke: ohne die exter­nen Netz­wer­ken (Unter­neh­mer­ver­bän­de, Netz­werk Schule/Wirtschaft, Bil­dungs­stif­tun­gen etc.) wer­den es auch die neu­en Talent­schu­len nicht leicht haben. Und eine Chan­ce soll­ten sie bekom­men, denn: es geht immer um unse­re Kin­der!

Infos zu den Talent­schu­len gibts hier: https://www.schulministerium.nrw.de/docs/Schulentwicklung/Talentschulen/index.html


Ver­öf­fent­licht am Janu­ar 26, 20191

Da gehen die Mei­nung von Leh­rern, Eltern, Schü­lern und Digi­tal­fach­leu­ten sowie Lern­ex­per­ten weit aus­ein­an­der: Brau­chen unse­re Schü­ler mehr als Tablets? Die­se The­se stell­te jeden­falls in die­ser Woche Felix Nat­ter­mann auf. Nat­ter­mann ist Mathe- und Infor­ma­tik­leh­rer an einem Gym­na­si­um in Mön­chen­glad­bach und Grün­der vom www.codeclub.de.

Viel mehr Schü­ler sol­len nach dem Wil­len der neu­en Staats­mi­nis­te­rin für Digi­ta­li­sie­rung, Doro­thee Bär, ein Tablet im Unter­richt benut­zen. Das meint die CSU-Minis­te­rin aber nicht vor­dring­lich bezüg­lich irgend­wel­cher digi­ta­ler Kom­pe­ten­zen, son­dern weil der Schul­ran­zen zu schwer sei.

Auch mit einem Tablet sei­en die aktu­ells­ten Infor­ma­tio­nen abruf­bar, sag­te Bär – und ver­wies auf ihren schwe­ren Diercke-Welt­at­las aus den 80er Jah­ren, den sie noch bis Ende der 90er Jah­re benutzt habe: mit zwei Deutsch­lands, einem Jugo­sla­wi­en und einer Sowjet­uni­on. «Bes­ser die Schü­ler lesen Goe­thes Faust auf dem Tablet als irgend­ei­nen Schund auf Papier», sag­te sie.

Auch Klein­kin­der könn­ten Tablet-Com­pu­ter ohne Beden­ken nut­zen, meint die Staats­mi­nis­te­rin. «Es gibt für Kin­der tol­le Lern-Apps mit schö­nen Illus­tra­tio­nen oder Tier­stim­men. Wenn ein zwei­jäh­ri­ges Kind sich so etwas für fünf Minu­ten anschaut, ist das kein Pro­blem.» Über die­se The­se lässt sich natür­lich strei­ten, aber las­sen wir das an die­ser Stel­le.

Deutsch­land liegt beim Ein­füh­ren und Nut­zen von Com­pu­tern, Note­books und Smart­pho­nes in der Schu­le hoff­nungs­los weit zurück. Das wis­sen alle Betrof­fe­nen und Ent­schei­der. Aber: Ist das ein Pro­blem? „Nein“, sagt Hirn­for­scher Man­fred Spit­zer. Das Tablets in Bil­dungs­ein­rich­tun­gen aus­ge­ge­ben wer­den, sei ein Skan­dal, sag­te Spit­zer unlängst im Deutsch­land­funk: “ (…) Das zei­gen übri­gens auch die Stu­di­en. Eine gro­ße Blikk-Stu­die aus dem letz­ten Jahr, von deut­schen Kin­der­ärz­ten an 6000 Per­so­nen gemacht. Da kommt raus, dass die 13-Jäh­ri­gen sich durch das Smart­pho­ne über­for­dert füh­len und dass sie die Kon­trol­le über das Smart­pho­ne ver­lie­ren, weil das Smart­pho­ne – das wis­sen wir auch – sucht­er­zeu­gen­de Eigen­schaf­ten hat. In Korea gab es über 30 Pro­zent Süch­ti­ge, wir sind bei acht Pro­zent. Da kön­nen wir nicht sagen, geh‘ damit um!“

Man­fred Spit­zer ergänzt: “ (…) Es hat sich gezeigt, dass je medi­en­kom­pe­ten­ter ein Kind ist, des­to eher liest es Bücher und nicht vom Bild­schirm. Spit­zer gibts auch zuhö­ren: https://www.youtube.com/watch?v=cn4M3ZYV5-o.

Leh­rer Nat­ter­mann hält dage­gen mit einer etwas ande­ren Per­spek­ti­ve. Er erklärt unser Schul­sys­tem für kom­plett ver­al­tet. In der Rhei­ni­schen Post sagt er: „Das, was Schü­ler für ihre Zukunft brau­chen, und das, was wir ihnen in der Schu­le bei­brin­gen, ist wider­sprüch­lich und passt an vie­len Stel­len ein­fach nicht mehr zusam­men. Mit Blick auf den künf­ti­gen Beruf berei­ten wir Schü­ler auf Bran­chen vor, die weg­bre­chen wer­den, wäh­rend sie das, was sie brau­chen wer­den – näm­lich digi­ta­les Den­ken – nicht ler­nen. Es wird in Zukunft nicht mehr dar­um gehen, nach stan­dar­di­sier­ten Ver­fah­ren etwas abzu­ar­bei­ten, son­dern nach­zu­den­ken, quer­zu­den­ken, sich sel­ber neue Sachen anzu­eig­nen, im Team zu arbei­ten und krea­ti­ve Wege zu fin­den. Es geht ums Kno­beln und Aus­tüf­teln. Der Mensch muss das kön­nen, was der Com­pu­ter nicht kann.“

Die Repor­te­rin fragt Nat­ter­mann, ob es denn aus­rei­chen wür­de, die Kin­der mit Tablets aus­zu­stat­ten. Auch hier bezieht der 39jährige ein­deu­tig Stel­lung: „Ganz und gar nicht. Wenn die Schü­ler Tablets haben, ist das gut, aber das gehört nur in den Bereich, in dem der Com­pu­ter als Werk­zeug dient. Tablets und der Com­pu­ter­ein­satz im Unter­richt hel­fen beim Erar­bei­ten von Inhal­ten in den unter­schied­lichs­ten Fächern, nicht aber direkt beim The­ma Medi­en­kom­pe­tenz. Zie­hen und Kli­cken kön­nen die Schü­ler auch so schon.

In der Schu­le müs­sen wir uns aber um drei Berei­che küm­mern. Wir müs­sen auch für eine infor­ma­ti­ons­tech­ni­sche Grund­bil­dung (ITG) sor­gen. Ein Stich­wort ist hier Medi­en­kom­pe­tenz. Die Schü­ler müs­sen begrei­fen, was mit Daten pas­siert, wo sie gespei­chert wer­den, wie auf sie zuge­grif­fen wird. Zum Bei­spiel, war­um man bei You­tube immer nur Vide­os mit einer bestimm­ten Aus­rich­tung ange­zeigt bekommt. Dazu gehört auch der Daten­schutz. Außer­dem gibt es die Infor­ma­tik – den Bereich, wo der Mensch als Ent­wick­ler auf­tritt, wo Daten gesam­melt wer­den, Pro­gram­me geschrie­ben, Algo­rith­men ein­ge­setzt. Die­se drei Berei­che muss man unter­schei­den, und man muss sie in der Schu­le alle bedie­nen.“

Also, die­ses The­ma bleibt aktu­ell und wird uns so schnell ver­mut­lich nicht ver­las­sen. Übri­gens: 40 Mil­lio­nen mal wur­de inzwi­schen auf der Video­platt­form TED ein Vor­trag des bri­ti­schen Bil­dungs­for­schers Sir Ken Robin­son ange­klickt, der den Titel hat „Wie Schu­le Krea­ti­vi­tät tötet“. https://www.youtube.com/watch?v=YYacgRldEDA