Nach dem ver­gan­ge­nen BLOG-Bei­trag zum The­ma “Digi­ta­les Ler­nen” ström­te es plötz­lich in vie­len ande­ren Medi­en. Auch Axel Plün­ne­cke vom IW Köln hat sich jetzt gemel­det mit einem sehr span­nen­den Bei­trag. Er schreibt: Das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt hat neue Zah­len ver­öf­fent­licht, die alte Pro­ble­me auf­zei­gen: Noch immer ist digi­ta­les Ler­nen an den Schu­len in Deutsch­land die Aus­nah­me. Wei­te­re Stu­di­en machen deut­lich: Es fehlt an Kom­pe­ten­zen der Lehr­kräf­te, oft gibt es nicht ein­mal WLAN für Schü­ler und Leh­rer. Das Bil­dungs­sys­tem muss bei der Digi­ta­li­sie­rung end­lich sei­ne Haus­auf­ga­ben machen.

Digi­ta­les Ler­nen ist nach der schritt­wei­sen Wie­der­eröff­nung der Schu­len wich­ti­ger denn je, um Bil­dung zu ermög­li­chen und der Gefahr einer zuneh­men­den Chan­cen­gleich­heit an Schu­len ent­ge­gen­zu­wir­ken. 

Die Defi­zi­te im deut­schen Bil­dungs­sys­tem sind aller­dings nicht erst seit den heu­te ver­öf­fent­lich­ten Zah­len bekannt. Auch die inter­na­tio­na­len Ver­gleichs­stu­die “Inter­na­tio­nal Com­pu­ter and Infor­ma­ti­on Liter­acy Stu­dy” (ICILS-2018) hat sich den Pro­ble­men gewid­met: Dem­nach lan­den deut­sche Schü­ler bei den com­pu­ter- und infor­ma­ti­ons­be­zo­ge­nen Kom­pe­ten­zen nur im Mit­tel­feld und weit hin­ter dem Spit­zen­rei­ter Däne­mark. Nur rund 23 Pro­zent der Leh­rer, die Acht­kläss­ler unter­rich­ten, set­zen laut ICILS-2018 täg­lich digi­ta­le Medi­en im Unter­richt ein. Deutsch­land liegt damit deut­lich unter dem inter­na­tio­na­len Mit­tel­wert von rund 48 Pro­zent.

Nur etwa 26 Pro­zent der Schü­le­rin­nen und Schü­ler in der ach­ten Klas­se besu­chen eine Schu­le, in der sowohl für die Lehr­kräf­te als auch für die Schü­le­rin­nen und Schü­ler ein WLAN-Zugang ver­füg­bar ist – der schlech­tes­te Wert unter den teil­neh­men­den Län­dern. Zum Ver­gleich: Der EU-Schnitt liegt bei rund 68 Pro­zent, Däne­mark erreicht sogar eine Quo­te von 100 Pro­zent.

Nur sel­ten digi­ta­le Gerä­te im Unter­richt

Auch in der PISA-Erhe­bung aus dem Jahr 2018 wur­den die Schü­le­rin­nen und Schü­ler gefragt, wie häu­fig digi­ta­le Gerä­te in ver­schie­de­nen Unter­richts­stun­den ein­ge­setzt wer­den. Dem­nach gaben rund 65 Pro­zent der Schü­le­rin­nen und Schü­ler in Deutsch­land an, dass sowohl in Deutsch als auch in Mathe­ma­tik in einer typi­schen Schul­wo­che kei­ne digi­ta­len Gerä­te zum Ein­satz kom­men. In den Natur­wis­sen­schaf­ten wer­den sie etwas häu­fi­ger ein­ge­setzt. In Däne­mark ergibt sich ein voll­kom­men ande­res Bild – der Ein­satz digi­ta­ler Gerä­te war dort bereits vor der Coro­na­kri­se Stan­dard.  

Die aktu­el­len Stu­di­en zei­gen auch, dass nur ein gerin­ger Teil der Lehr­kräf­te an digi­ta­li­sie­rungs­be­zo­ge­nen Fort­bil­dun­gen teil­nimmt und nur sehr weni­ge Leh­rer Unter­richts­hos­pi­ta­tio­nen zum Ein­satz digi­ta­ler Medi­en machen. Das Deut­sche Schul­por­tal hat im April die­ses Jah­res Leh­rer befragt – das Ergeb­nis: Esfehlt den Leh­rern an Kom­pe­ten­zen im Umgang mit digi­ta­len Lern­for­ma­ten, aber auch an tech­ni­scher Aus­stat­tung.

Mehr Fort- und Wei­ter­bil­dun­gen für Leh­rer

Um die Digi­ta­li­sie­rung an den Schu­len vor­an­zu­brin­gen, soll­ten Leh­rer bei der Ent­wick­lung von digi­ta­len Lehr- und Lern­kon­zep­ten unter­stützt wer­den. Digi­ta­les Ler­nen ist in der Aus­bil­dung zu ver­an­kern. Fort- und Wei­ter­bil­dun­gen sind deut­lich aus­zu­wei­ten. Die Aus­stat­tung der Schu­len mit digi­ta­len Medi­en ist wei­ter zu ver­bes­sern: In allen Schu­len soll­ten WLAN und digi­ta­le End­ge­rä­te für Lehr­kräf­te und Schü­ler ver­füg­bar sein. Außer­dem fehlt zusätz­li­ches IT-Per­so­nal für die IT-Admi­nis­tra­ti­on – und schnel­les Inter­net zuhau­se. Der Staat soll­te hier­zu zusätz­li­che Mit­tel über den Digi­tal­pakt hin­aus zur Ver­fü­gung stel­len.

Quel­le: IW Köln

Dass Schü­ler und Leh­rer sich gegen­wär­tig nur dann digi­tal ver­net­zen kön­nen, wenn sich ein För­der­ver­ein, ein Land­rat oder eine Schul­se­na­to­rin für eine zeit­ge­mä­ße IT-Infra­struk­tur ein­ge­setzt haben, wirft dunk­le Schat­ten auf die „Bil­dungs­re­pu­blik Deutsch­land“. Die Lehr­kräf­te müs­sen die Lern­platt­for­men aus den Nuller­jah­ren eben­so als Aus­druck feh­len­der Wert­schät­zung begrei­fen wie die Genera­ti­on der „Digi­tal Nati­ves“. Inso­fern ist es erfreu­lich, dass die Zei­ten des „Coro­na-Ler­nens“ das E-Lear­ning ins­ge­samt beschleu­ni­gen.”, schrieb unlängst Tim Engart­ner, Pro­fes­sor für Didak­tik der Sozi­al­wis­sen­schaf­ten an der Uni Frank­furt und dort Direk­tor der Aka­de­mie für Bil­dungs­for­schung und Leh­rer­bil­dung, in. der Frank­fur­ter Rund­schau (FR).

Die­se Mei­nung ist aber nur die EINE Wahr­heit. Es stimmt, das Coro­na auf die Män­gel im Schul­sys­tem auf­merk­sam gemacht hat. Es stimmt aber auch, dass das E-Lear­ning durch die Coro­na-Kri­se beschleu­nigt. wird Alte Model­le wie Mood­le wer­den neu­ge­lebt, ande­re Platt­for­men wie Iserv und lo-net wer­den akti­viert. Und: Es gibt Lehr­kräf­te, die pro­bie­ren sich aus, ent­wi­ckeln und nut­zen neue Online-Lern­me­tho­den (z.B. Pad­let) und tref­fen sich mit den Kids auf zoom. Und es gibt Lehr­kräf­te, die sich echt schwer tun mit dem digi­ta­len Ler­nen. Aber, woher sol­len sie es auch sol­len? Geför­dert wur­de die­ses neue Den­ken vor Coro­na nicht.

Erst seit Coro­na gibt es die­ses digi­ta­le Ler­nen und die Zei­ten von Prä­senz- und Distanz­ler­nen wird es noch lan­ge geben. Was also tun? Erst ein­mal müs­sen die ver­spro­che­nen 5,5 Mil­li­ar­den vom Digi­tal­pakt in den ein­zel­nen Schu­len ankom­men. Vie­le Schulleiter*innen belä­cheln sol­che Mel­dun­gen über einen mög­li­chen Geld­se­gen. Auf der ande­ren Sei­te wer­den aber ande­re Pro­ble­me dadurch nicht gelöst: es fehlt Per­so­nal und es fehlt Geld für Infra­struk­tur. “2025 wer­den allein an Grund­schu­len hier­zu­lan­de min­des­tens 15 000 Lehr­kräf­te feh­len. Und schon jetzt sind die Betreu­ungs­schlüs­sel an allen Schul­for­men aus­bau­fä­hig – erst recht, wenn man sich an erfolg­rei­chen Bil­dungs­na­tio­nen wie Finn­land oder Schwe­den ori­en­tiert. Wäh­rend die Stadt­staa­ten Ber­lin und Ham­burg im Schnitt jeweils 10.000 Euro pro Schü­ler aus­ge­ben, sind es in NRW nur 6800 Euro.”, heißt es in der FR.

Mir stellt sich aber auch eine ganz ande­re Fra­ge: Wie digi­tal muss Schu­le eigent­lich sein? Wir haben unse­re Beruf­li­che Ori­en­tie­rung schnell und effek­tiv auf Distanz­ler­nen umge­stellt, so dass wir bei­de Berei­che gut beherr­schen, also Distanz­ler­nen und Prä­senz­pha­sen in den Schu­len und an exter­nen Lern­or­ten. Dabei mer­ken wir in der Zusam­men­ar­beit mit den Schu­len, dass vie­le Schüler*innen kaum erreich­bar sind durch digi­ta­le Lern­an­ge­bo­te. Eine Leh­re­rin eines Gym­na­si­ums nahe Mön­chen­glad­bach berich­te­te mir, wenn sie ein zoom-Mee­ting anbie­ten wür­de, wären von 30 Schüler*innen knapp 10 dabei. Und in den Schu­len, in denen es vie­le “Hartz 4- Kin­der” gibt, sieht die Quo­te noch schlech­ter aus: vie­le Haus­hal­te haben kei­nen Com­pu­ter und das Job­cen­ter finan­ziert auch kei­nen PC zuhau­se für die Kids. Hier müss­te also (theo­re­tisch) die Schu­le dafür Sor­gen, dass die­se Kids ent­spre­chend ver­sorgt sind. Auch dies belä­cheln die Schulleiter*innen. Aber, viel­leicht kom­men die 5,5 Mil­li­ar­den ja doch noch an?!

Klar wird uns aber auch, dass Prä­senz­ler­nen oft­mals effek­ti­ver ist. Dies berich­ten uns die Lehrer*innen. Und wir spü­ren dies auch bei unse­ren Ange­bo­ten der Beruf­li­chen Ori­en­tie­rung. Eine Lern­grup­pe zieht alle Teilnehmer*innen indi­rekt und direkt mit und “durch”. Zuhau­se allei­ne zu ler­nen oder sich mit der Arbeits- und Berufs­welt zu beschäf­ti­gen erfor­dert sehr viel Selbst­mo­ti­va­ti­on und Selbst­ma­nage­ment. Ganz zu schwei­gen vom “ler­nen zu ler­nen” — das haben vie­le Schüler*innen bis heu­te nicht gelernt.

Tim Engart­ner schließt mit den Wor­ten: “Zugleich soll­te die Tat­sa­che, dass vie­len Schü­le­rin­nen und Schü­lern durch das der­zei­ti­ge Home­schoo­ling der Zugang zu einer war­men Mahl­zeit, zu einem gewalt­frei­en Lern­um­feld sowie zu ver­trau­ten Kon­takt­per­so­nen genom­men wur­de, Anlass sein, unser Schul­sys­tem bil­dungs-, sozi­al- und steu­er­po­li­tisch zu refor­mie­ren.”

Es gibt also viel zu tun .…

Die Pro­ble­me und Defi­zi­te von Schul­kin­dern wer­den Tag für Tag grö­ßer. Rich­ti­ger Unter­richt fin­det nicht statt und vie­le Kin­der kön­nen nicht aus­rei­chend Unter­stüt­zung von ihren Eltern bekom­men. Die Fol­ge: gra­vie­ren­de Aus­wir­kun­gen auf die Bil­dungs­ge­rech­tig­keit. Umso wich­ti­ger ist jetzt die Schul­öff­nung – vor­aus­ge­setzt, sie ist gut vor­be­rei­tet., sagt AXEL PLÜNNECKE vom Insti­tut der Deut­schen Wirt­schaft (IW).

In Punc­to Bil­dung geht es in Deutsch­land unge­recht zu: Wie gut oder schlecht ein Kind in der Schu­le ist, hängt noch immer zu sehr vom Bil­dungs­grad der Eltern ab. IW-Berech­nun­gen mit PISA-Daten zei­gen, dass höher gebil­de­te Eltern ihre Kin­der öfter bei Schul­auf­ga­ben unter­stüt­zen als weni­ger gebil­de­te Eltern. Die Coro­na-Kri­se ver­schärft die­ses Pro­blem seit Wochen und wird es, Stand jetzt, auch wei­ter­hin noch eini­ge Zeit tun. 

Die viel beschwo­re­ne Alter­na­ti­ve, den Schul­soff über digi­ta­le Lern­tools, Erklär­vi­de­os und Co. zu erler­nen, schafft eine wei­te­re Quel­le der Unge­rech­tig­keit. Nicht in jedem Haus­halt gibt es die nöti­gen End­ge­rä­te wie Com­pu­ter oder Tablets und auch die digi­ta­len Kom­pe­ten­zen unter­schei­den sich je nach sozio­öko­no­mi­schem Hin­ter­grund stark. Schnell sind vie­le Kin­der, Jugend­li­che oder Eltern über­for­dert. Genau wie das Schul­sys­tem: Bis­her fehlt es an flä­chen­de­cken­den digi­ta­len Unter­richts­kon­zep­ten.

Eine gut vor­be­rei­te­te, schritt­wei­se Schul­öff­nung ist daher umso wich­ti­ger. Zunächst muss für aus­rei­chend Hygie­ne gesorgt wer­den, um die Ver­brei­tung des Virus zu stop­pen. Beson­ders auf Vor­er­krank­te und Älte­re ab 60 muss geach­tet wer­den: Mehr als 100.000 Lehr­kräf­te gehö­ren zur Risi­ko­grup­pe. Sie müs­sen sich beson­ders schüt­zen und soll­ten kei­ne Prä­senz­pflicht haben. Viel­mehr könn­ten die­se Leh­rer den digi­ta­len Unter­richt wei­ter vor­an­trei­ben, Lehr­ma­te­ria­li­en erstel­len oder ein­zel­nen Schü­lern indi­vi­du­el­le Fern­be­treu­ung anbie­ten. Denn auch vie­le Kin­der wer­den auf­grund vor­er­krank­ter Eltern nicht zur Schu­le gehen kön­nen. „Jetzt ist der Bund gefragt“, sagt IW-Bil­dungs­ex­per­te Axel Plün­ne­cke. „Was die Schu­len und Kin­der brau­chen ist ein gro­ßes Hilfs­pa­ket.“ Ein ers­ter Schritt sei etwa die Bereit­stel­lung von Leih­ge­rä­ten für den digi­ta­len Unter­richt. 

Quel­le: www.iwkoeln.de


Lie­ben Sie in Coro­na-Zei­ten auch die Tele­fon- und Video­kon­fe­ren­zen?? Vor allem, wenn der Vor­sit­zen­de der Kon­fe­renz, der Chef zum Bei­spiel, dar­um bit­tet, die Kame­ra ein­zu­schal­ten? Ich fra­ge mich dann immer nach dem War­um, aber nur lei­se für mich. Ob man sehen will, ob der Gegen­über rasiert ist? Oder noch den Schlaf­an­zug trägt? “Durch die Über­tra­gung des Bil­des ent­steht etwas mehr „Nähe“ und das kommt bei vie­len mei­ner Kol­le­gen, Gesprächs­part­nern und Teil­neh­men­den sehr gut an.”, schreibt Unter­neh­mer­schafts­trai­ner Josef Busch­ba­cher aus der Nähe von Mün­chen. In sei­nem BLOG gibt er Tipps, wie man sei­ne Wir­kung in sol­chen Mee­tings ver­bes­sern kann — und das beginnt meis­tens mit dem Blick in die Kame­ra.

Auch das Kom­pe­tenz­zen­trum befin­det sich im Home­of­fice. Lesen Sie heu­te, was Kol­le­gin Rena­te Kiszkiel dort so erlebt.

Home-Office kann schon zu einer selt­sa­men Ange­le­gen­heit wer­den, inso­fern man nicht dar­an gewöhnt ist. Auf ein­mal fin­det man sich etwas zer­knautscht, um acht Uhr, weil es die inne­re Uhr einem so dik­tiert, am Ess­zim­mer­tisch, an dem sich nicht nur der Lap­top befin­det, son­dern auch noch die Zei­tung vom Wochen­en­de, der Ein­kaufs­zet­tel vom Mon­tag oder die Unter­la­gen für die Steu­er. Irgend­wie soll man, von jetzt auf gleich, noch im Schlaf­an­zug star­ten, und die Vor­stel­lung davon, dass das Gan­ze auch noch gemüt­lich sein könn­te, schwin­det ziem­lich schnell. Wenn dann auch noch der Part­ner mit einem blin­ken­den Head­set an einem vor­bei in die Küche düst und ange­regt über die nächs­ten Pan­de­mie­stra­te­gi­en für den Kon­zern, in dem er arbei­tet, dis­ku­tiert – fragt man sich: wie lan­ge soll das noch­mal gehen? Nach drei Tagen nervt mich das Cha­os und ich habe schnell das Gefühl etwas ändern zu wol­len. Etwas mehr Struk­tur, den­ke ich, das täte mir gut. Ich lese in Online­rat­ge­bern und ler­ne, fes­te Arbeits­zei­ten und regel­mä­ßi­ge Pau­sen, Bewe­gung an der fri­schen Luft — Yoga. Da schnau­fe ich kurz und den­ke: naja, man muss es ja auch nicht gleich über­trei­ben, oder?!

Rena­te Kiszkiel

Auf ein­mal trifft man sich nicht mehr mit Freun­den und Kol­leginnen, die bis­her so selbst­ver­ständ­lich waren und auch der Sport­ver­ein, der bis­her für Aus­gleich sorg­te, hat geschlos­sen. Ich ver­su­che es also doch und gebe den Rat­schlä­gen von Goog­le eine Chan­ce. Und sie­he da: Ich über­ra­sche mich selbst! Als Mensch, der ger­ne und viel Sport macht, aber nicht ger­ne läuft, mer­ke ich, dass Lau­fen in der Natur echt schön sein kann. Die Yoga­tan­te vom You­tube-Kanal, übri­gens mein abso­lu­ter Geheim­tipp (Mady Mor­ri­son — auch für Anfän­gerinnen geeig­net: https://kurzelinks.de/bq0a) scheint auch nicht nur auf einem eso­te­ri­schen Hip­pie-Selbst­fin­dungs­trip in Ber­lin zu sein (upsi Vor­ur­teil!), son­dern ihre Yoga­ses­si­ons wirk­lich prä­zi­se und gut zu machen (ich schla­fe am Ende der Medi­ta­ti­on ein – ich glau­be das ist nicht das Ziel, tut aber gut!). Die durch­trai­nier­te klei­ne Trai­ne­rin von „Body­kiss“ (https://kurzelinks.de/n2u5) bringt mich ganz schön ins Schwit­zen und das ganz ohne zu Sprin­gen (Sie denkt halt auch an die Nach­barn! Wie prak­tisch!)! Und am bes­ten ist eigent­lich, dass ich mei­nen Tag ein wenig so struk­tu­rie­ren kann, wie mein Kör­per das gera­de braucht.

Ich sit­ze also manch­mal im Schlaf­an­zug mit tief schwar­zem Kaf­fee noch total ver­schla­fen am Lap­top und manch­mal ener­gie­ge­la­den, nach einer mor­gend­li­chen Yoga­ses­si­on, im Online-Team­mee­ting. Ich habe das Gefühl, abge­schot­tet von allem und vie­len sozia­len Kon­tak­ten kommt man zurück auf sich selbst. Wenn man kann.

Ich weiß, dass vie­le, die Kin­der haben, gera­de an ihre Gren­zen kom­men. Ich weiß auch, dass die­se unge­wohn­te Situa­ti­on für vie­le Fami­li­en Gefah­ren birgt. Und noch mul­mi­ger wird mir, wenn ich über mei­nen Tel­ler­rand in den Nor­den Bos­ni­en-Her­ze­go­wi­nas oder nach Les­bos schaue, wo Tau­sen­de Geflüch­te­te auf dem Weg in die EU in kata­stro­pha­len Zustän­den leben, wo es nicht genug Sei­fe und Sham­poo gibt, um einen eini­ger­ma­ßen guten Hygie­ne­zu­stand her­zu­stel­len.

Ein wenig zer­ris­sen zwi­schen die­sen bei­den Zustän­den, zu schau­en, wie ich krie­ge ich mei­nen eige­nen All­tag in sehr kom­for­ta­blen Zustän­den gere­gelt und dem Rea­li­sie­ren, was eigent­lich gera­de in der Welt pas­siert, grei­fe ich auf bis­her funk­tio­nie­ren­de und manch­mal lebens­auf­schlüs­seln­de Stra­te­gi­en zurück: Lesen. Des­we­gen zum Schluss noch mei­ne Lite­ra­tur-High­lights, auch, um die­se E-Mail nicht so nega­tiv enden zu las­sen.

Klei­ner Hin­weis: Ich lese im Moment Bücher par­al­lel, was ich nor­ma­ler­wei­se nie tun wür­de. Liegt viel­leicht an dem Modus „Ich pro­bie­re Neu­es aus“.

Also hier die Top 4:

1.) Für alle, die auf kau­zi­ge Figu­ren abfah­ren: Robert Seet­ha­ler schreibt groß­ar­ti­ge Bücher über Außen­sei­ter. Z.B. „Der Tra­fi­kant“ oder „Jetzt wird’s ernst“.

2.) Für alle, die es jetzt etwas roman­tisch wol­len: Hell­muth Kara­sek hat in dem Ver­lag teNeu­es eine tol­le Rei­he mit dem Titel „Brie­fe bewe­gen die Welt her­aus­ge­ge­ben. In dem Band „Lie­be – Schick­sal –Lei­den­schaft“ sind sehr herz­be­we­gen­de dabei. Am bes­ten gefällt mir der Brief von Mar­le­ne Diet­rich an Erich Maria Remar­que.

3.) Wer etwas zum Nach­den­ken braucht, soll­te von Ilse Aichin­ger „Der Gefes­sel­te“ lesen. Eine Kurz­ge­schich­te über einen Mann, der, gefes­selt in sei­nen Struk­tu­ren, gera­de durch die­se wie­der frei wird. Klingt para­dox – fand ich auch. Den Schluss hab‘ ich noch nicht ganz ver­stan­den. Dar­über könn­te man sich aus­tau­schen!

4.) Und zu guter Letzt: Für alle, die sich auch vor­ge­nom­men haben jetzt gesün­der zu kochen: „Bosh- ein­fach auf­re­gend vegan“. Hört sich etwas zu gewollt an? Fand ich auch. Die Rezep­te über­zeu­gen den­noch und sind ori­en­ta­lisch ange­haucht: Mein Favo­rit: Falafel-Bosh!-Bowl. Über­zeu­gen­de Mischung aus Hum­mus, Fala­feln und grie­chi­schem Salat. Bringt den Urlaub in die eige­nen vier Wän­de.

Blei­ben Sie gesund. Genie­ßen Sie das wun­der­ba­re Wet­ter, inso­fern Sie die Mög­lich­keit dazu haben. Und hier jetzt noch der wirk­lich aller­letz­te klei­ne Geheim­tipp, v-e-r-s-p-r-o-c-h-e-n! Auch Schrei­ben hilft. Das zeigt mir die Erfah­rung aus dem gera­de für Sie for­mu­lier­ten Bei­trag.

Die­sen inter­es­san­ten Bei­trag fand ich bei Mathi­as Horx, Zukunfts­ex­per­te und Key­notespeaker bei einem unse­rer ver­gan­ge­nen Arbeit­ge­ber­ta­ge. Ein- und Aus­sich­ten in eine zwar unge­wis­se, aber span­nen­de Zukunft.

Ich wer­de der­zeit oft gefragt, wann Coro­na denn „vor­bei sein wird”, und alles wie­der zur Nor­ma­li­tät zurück­kehrt. Mei­ne Ant­wort: Nie­mals. Es gibt his­to­ri­sche Momen­te, in denen die Zukunft ihre Rich­tung ändert. Wir nen­nen sie Bifur­ka­tio­nen. Oder Tie­fen­kri­sen. Die­se Zei­ten sind jetzt.

Die Welt as we know it löst sich gera­de auf. Aber dahin­ter fügt sich eine neue Welt zusam­men, deren For­mung wir zumin­dest erah­nen kön­nen. Dafür möch­te ich Ihnen eine Übung anbie­ten, mit der wir in Visi­ons­pro­zes­sen bei Unter­neh­men gute Erfah­run­gen gemacht haben. Wir nen­nen sie die RE-Gno­se. Im Gegen­satz zur PRO-Gno­se schau­en wir mit die­ser Tech­nik nicht »in die Zukunft«. Son­dern von der Zukunft aus ZURÜCK ins Heu­te. Klingt ver­rückt? Ver­su­chen wir es ein­mal:

Die Re-Gno­se: Unse­re Welt im Herbst 2020

Stel­len wir uns eine Situa­ti­on im Herbst vor, sagen wir im Sep­tem­ber 2020. Wir sit­zen in einem Stra­ßen­ca­fe in einer Groß­stadt. Es ist warm, und auf der Stras­se bewe­gen sich wie­der Men­schen. Bewe­gen sie sich anders? Ist alles so wie frü­her? Schmeckt der Wein, der Cock­tail, der Kaf­fee, wie­der wie frü­her? Wie damals vor Coro­na?
Oder sogar bes­ser?
Wor­über wer­den wir uns rück­bli­ckend wun­dern?

Wir wer­den uns wun­dern, dass die sozia­len Ver­zich­te, die wir leis­ten muss­ten, sel­ten zu Ver­ein­sa­mung führ­ten. Im Gegen­teil. Nach einer ers­ten Schock­star­re führ­ten vie­le von sich sogar erleich­tert, dass das vie­le Ren­nen, Reden, Kom­mu­ni­zie­ren auf Mul­ti­ka­nä­len plötz­lich zu einem Halt kam. Ver­zich­te müs­sen nicht unbe­dingt Ver­lust bedeu­ten, son­dern kön­nen sogar neue Mög­lich­keits­räu­me eröff­nen. Das hat schon man­cher erlebt, der zum Bei­spiel Inter­vall­fas­ten pro­bier­te – und dem plötz­lich das Essen wie­der schmeck­te. Para­do­xer­wei­se erzeug­te die kör­per­li­che Distanz, die der Virus erzwang, gleich­zei­tig neue Nähe. Wir haben Men­schen ken­nen­ge­lernt, die wir sonst nie ken­nen­ge­lernt hät­ten. Wir haben alte Freun­de wie­der häu­fi­ger kon­tak­tiert, Bin­dun­gen ver­stärkt, die lose und locker gewor­den waren. Fami­li­en, Nach­barn, Freun­de, sind näher gerückt und haben bis­wei­len sogar ver­bor­ge­ne Kon­flik­te gelöst.

Die gesell­schaft­li­che Höf­lich­keit, die wir vor­her zuneh­mend ver­miss­ten, stieg an.

Jetzt im Herbst 2020 herrscht bei Fuss­ball­spie­len eine ganz ande­re Stim­mung als im Früh­jahr, als es jede Men­ge Mas­sen-Wut-Pöbe­lei­en gab. Wir wun­dern uns, war­um das so ist.

Wir wer­den uns wun­dern, wie schnell sich plötz­lich Kul­tur­tech­ni­ken des Digi­ta­len in der Pra­xis bewähr­ten. Tele- und Video­kon­fe­ren­zen, gegen die sich die meis­ten Kol­le­gen immer gewehrt hat­ten (der Busi­ness-Flie­ger war bes­ser) stell­ten sich als durch­aus prak­ti­ka­bel und pro­duk­tiv her­aus. Leh­rer lern­ten eine Men­ge über Inter­net-Tea­ching. Das Home­of­fice wur­de für Vie­le zu einer Selbst­ver­ständ­lich­keit – ein­schließ­lich des Impro­vi­sie­rens und Zeit-Jon­glie­rens, das damit ver­bun­den ist.

Gleich­zei­tig erleb­ten schein­bar ver­al­te­te Kul­tur­tech­ni­ken eine Renais­sance. Plötz­lich erwisch­te man nicht nur den Anruf­be­ant­wor­ter, wenn man anrief, son­dern real vor­han­de­ne Men­schen. Das Virus brach­te eine neue Kul­tur des Lang­te­le­fo­nie­ren ohne Second Screen her­vor. Auch die »messa­ges« selbst beka­men plötz­lich eine neue Bedeu­tung. Man kom­mu­ni­zier­te wie­der wirk­lich. Man ließ nie­man­den mehr zap­peln. Man hielt nie­man­den mehr hin. So ent­stand eine neue Kul­tur der Erreich­bar­keit. Der Ver­bind­lich­keit.

Men­schen, die vor lau­ter Hek­tik nie zur Ruhe kamen, auch jun­ge Men­schen, mach­ten plötz­lich aus­gie­bi­ge Spa­zier­gän­ge (ein Wort, das vor­her eher ein Fremd­wort war). Bücher lesen wur­de plötz­lich zum Kult.

Rea­li­ty Shows wirk­ten plötz­lich grot­ten­pein­lich. Der gan­ze Tri­via-Trash, der unend­li­che See­len­müll, der durch alle Kanä­le ström­te. Nein, er ver­schwand nicht völ­lig. Aber er ver­lor rasend an Wert.
Kann sich jemand noch an den Poli­ti­cal-Cor­rec­t­ness-Streit erin­nern? Die unend­lich vie­len Kul­tur­krie­ge um … ja um was ging da eigent­lich?

Kri­sen wir­ken vor allem dadurch, dass sie alte Phä­no­me­ne auf­lö­sen, über-flüs­sig machen…
Zynis­mus, die­se läs­si­ge Art, sich die Welt durch Abwer­tung vom Lei­be zu hal­ten, war plötz­lich reich­lich out.
Die Über­trei­bungs-Angst-Hys­te­rie in den Medi­en hielt sich, nach einem kur­zen ers­ten Aus­bruch, in Gren­zen.

Neben­bei erreich­te auch die unend­li­che Flut grau­sams­ter Kri­mi-Seri­en ihren Tip­ping Point.

Wir wer­den uns wun­dern, dass schließ­lich doch schon im Som­mer Medi­ka­men­te gefun­den wur­den, die die Über­le­bens­ra­te erhöh­ten. Dadurch wur­den die Todes­ra­ten gesenkt und Coro­na wur­de zu einem Virus, mit dem wir eben umge­hen müs­sen – ähn­lich wie die Grip­pe und die vie­len ande­ren Krank­hei­ten. Medi­zi­ni­scher Fort­schritt half. Aber wir haben auch erfah­ren: Nicht so sehr die Tech­nik, son­dern die Ver­än­de­rung sozia­ler Ver­hal­tens­for­men war das Ent­schei­den­de. Dass Men­schen trotz radi­ka­ler Ein­schrän­kun­gen soli­da­risch und kon­struk­tiv blei­ben konn­ten, gab den Aus­schlag. Die human-sozia­le Intel­li­genz hat gehol­fen. Die viel­ge­prie­se­ne Künst­li­che Intel­li­genz, die ja bekannt­lich alles lösen kann, hat dage­gen in Sachen Coro­na nur begrenzt gewirkt.

Damit hat sich das Ver­hält­nis zwi­schen Tech­no­lo­gie und Kul­tur ver­scho­ben. Vor der Kri­se schien Tech­no­lo­gie das All­heil­mit­tel, Trä­ger aller Uto­pi­en. Kein Mensch – oder nur noch weni­ge Hart­ge­sot­te­ne – glau­ben heu­te noch an die gro­ße digi­ta­le Erlö­sung. Der gro­ße Tech­nik-Hype ist vor­bei. Wir rich­ten unse­re Auf­merk­sam­kei­ten wie­der mehr auf die huma­nen Fra­gen: Was ist der Mensch? Was sind wir für­ein­an­der?

Wir stau­nen rück­wärts, wie­viel Humor und Mit­mensch­lich­keit in den Tagen des Virus tat­säch­lich ent­stan­den ist.

Wir wer­den uns wun­dern, wie weit die Öko­no­mie schrump­fen konn­te, ohne dass so etwas wie »Zusam­men­bruch« tat­säch­lich pas­sier­te, der vor­her bei jeder noch so klei­nen Steu­er­erhö­hung und jedem staat­li­chen Ein­griff beschwo­ren wur­de. Obwohl es einen »schwar­zen April« gab, einen tie­fen Kon­junk­tur­ein­bruch und einen Bör­sen­ein­bruch von 50 Pro­zent, obwohl vie­le Unter­neh­men plei­te­gin­gen, schrumpf­ten oder in etwas völ­lig ande­res mutier­ten, kam es nie zum Null­punkt. Als wäre Wirt­schaft ein atmen­des Wesen, das auch dösen oder schla­fen und sogar träu­men kann.

Heu­te im Herbst, gibt es wie­der eine Welt­wirt­schaft. Aber die Glo­ba­le Just-in-Time-Pro­duk­ti­on, mit rie­si­gen ver­zweig­ten Wert­schöp­fungs­ket­ten, bei denen Mil­lio­nen Ein­zel­tei­le über den Pla­ne­ten gekarrt wer­den, hat sich über­lebt. Sie wird gera­de demon­tiert und neu kon­fi­gu­riert. Über­all in den Pro­duk­tio­nen und Ser­vice-Ein­rich­tun­gen wach­sen wie­der Zwi­schen­la­ger, Depots, Reser­ven. Orts­na­he Pro­duk­tio­nen boo­men, Netz­wer­ke wer­den loka­li­siert, das Hand­werk erlebt eine Renais­sance. Das Glo­bal-Sys­tem drif­tet in Rich­tung Glo­KA­Li­sie­rung: Loka­li­sie­rung des Glo­ba­len.

Wir wer­den uns wun­dern, dass sogar die Ver­mö­gens­ver­lus­te durch den Bör­sen­ein­bruch nicht so schmer­zen, wie es sich am Anfang anfühl­te. In der neu­en Welt spielt Ver­mö­gen plötz­lich nicht mehr die ent­schei­den­de Rol­le. Wich­ti­ger sind gute Nach­barn und ein blü­hen­der Gemü­se­gar­ten.

Könn­te es sein, dass das Virus unser Leben in eine Rich­tung geän­dert hat, in die es sich sowie­so ver­än­dern woll­te?

RE-Gno­se: Gegen­warts­be­wäl­ti­gung durch Zukunfts-Sprung

War­um wirkt die­se Art der »Von-Vor­ne-Sze­na­ri­os« so irri­tie­rend anders als eine klas­si­sche Pro­gno­se? Das hängt mit den spe­zi­fi­schen Eigen­schaf­ten unse­res Zukunfts-Sinns zusam­men. Wenn wir »in die Zukunft« schau­en, sehen wir ja meis­tens nur die Gefah­ren und Pro­ble­me »auf uns zukom­men«, die sich zu unüber­wind­ba­ren Bar­rie­ren tür­men. Wie eine Loko­mo­ti­ve aus dem Tun­nel, die uns über­fährt. Die­se Angst-Bar­rie­re trennt uns von der Zukunft. Des­halb sind Hor­ror-Zukünf­te immer am Ein­fachs­ten dar­zu­stel­len.

Re-Gno­sen bil­den hin­ge­gen eine Erkennt­nis-Schlei­fe, in der wir uns selbst, unse­ren inne­ren Wan­del, in die Zukunfts­rech­nung ein­be­zie­hen. Wir set­zen uns inner­lich mit der Zukunft in Ver­bin­dung, und dadurch ent­steht eine Brü­cke zwi­schen Heu­te und Mor­gen. Es ent­steht ein »Future Mind« – Zukunfts-Bewusst­heit.

Wenn man das rich­tig macht, ent­steht so etwas wie Zukunfts-Intel­li­genz. Wir sind in der Lage, nicht nur die äuße­ren »Events«, son­dern auch die inne­ren Adap­tio­nen, mit denen wir auf eine ver­än­der­te Welt reagie­ren, zu anti­zi­pie­ren.

Das fühlt sich schon ganz anders an als eine Pro­gno­se, die in ihrem apo­dik­ti­schen Cha­rak­ter immer etwas Totes, Ste­ri­les hat. Wir ver­las­sen die Angst­star­re und gera­ten wie­der in die Leben­dig­keit, die zu jeder wah­ren Zukunft gehört. 

Wir alle ken­nen das Gefühl der geglück­ten Angst­über­win­dung. Wenn wir für eine Behand­lung zum Zahn­arzt gehen, sind wir schon lan­ge vor­her besorgt. Wir ver­lie­ren auf dem Zahn­arzt­stuhl die Kon­trol­le und das schmerzt, bevor es über­haupt weh­tut. In der Anti­zi­pa­ti­on die­ses Gefühls stei­gern wir uns in Ängs­te hin­ein, die uns völ­lig über­wäl­ti­gen kön­nen. Wenn wir dann aller­dings die Pro­ze­dur über­stan­den haben, kommt es zum Coping-Gefühl: Die Welt wirkt wie­der jung und frisch und wir sind plötz­lich vol­ler Taten­drang.

Coping heißt: bewäl­ti­gen. Neu­ro­bio­lo­gisch wird dabei das Angst-Adre­na­lin durch Dopa­min ersetzt, eine Art kör­per­ei­ge­ner Zukunfts-Dro­ge. Wäh­rend uns Adre­na­lin zu Flucht oder Kampf anlei­tet (was auf dem Zahn­arzt­stuhl nicht so rich­tig pro­duk­tiv ist, eben­so wenig wie beim Kampf gegen Coro­na), öff­net Dopa­min unse­re Hirn­syn­ap­sen: Wir sind gespannt auf das Kom­men­de, neu­gie­rig, vor­aus­schau­end. Wenn wir einen gesun­den Dopa­min-Spie­gel haben, schmie­den wir Plä­ne, haben Visio­nen, die uns in die vor­aus­schau­en­de Hand­lung brin­gen.

Erstaun­li­cher­wei­se machen vie­le in der Coro­na-Kri­se genau die­se Erfah­rung. Aus einem mas­si­ven Kon­troll­ver­lust wird plötz­lich ein regel­rech­ter Rausch des Posi­ti­ven. Nach einer Zeit der Fas­sungs­lo­sig­keit und Angst ent­steht eine inne­re Kraft. Die Welt »endet«, aber in der Erfah­rung, dass wir immer noch da sind, ent­steht eine Art Neu-Sein im Inne­ren.

Mit­ten im Shut-Down der Zivi­li­sa­ti­on lau­fen wir durch Wäl­der oder Parks, oder über fast lee­re Plät­ze. Aber das ist kei­ne Apo­ka­lyp­se, son­dern ein Neu­an­fang.

So erweist sich: Wan­del beginnt als ver­än­der­tes Mus­ter von Erwar­tun­gen, von Wahr-Neh­mun­gen und Welt-Ver­bin­dun­gen. Dabei ist es manch­mal gera­de der Bruch mit den Rou­ti­nen, dem Gewohn­ten, der unse­ren Zukunfts-Sinn wie­der frei­setzt. Die Vor­stel­lung und Gewiss­heit, dass alles ganz anders sein könn­te – auch im Bes­se­ren.

Viel­leicht wer­den wir uns sogar wun­dern, dass Trump im Novem­ber abge­wählt wird. Die AFD zeigt ernst­haf­te Zer­fran­sens-Erschei­nun­gen, weil eine bös­ar­ti­ge, spal­ten­de Poli­tik nicht zu einer Coro­na-Welt passt. In der Coro­na-Kri­se wur­de deut­lich, dass die­je­ni­gen, die Men­schen gegen­ein­an­der auf­het­zen wol­len, zu ech­ten Zukunfts­fra­gen nichts bei­zu­tra­gen haben. Wenn es ernst wird, wird das Destruk­ti­ve deut­lich, das im Popu­lis­mus wohnt.

Poli­tik in ihrem Ur-Sin­ne als For­mung gesell­schaft­li­cher Ver­ant­wort­lich­kei­ten bekam die­ser Kri­se eine neue Glaub­wür­dig­keit, eine neue Legi­ti­mi­tät. Gera­de weil sie »auto­ri­tär« han­deln muss­te, schuf Poli­tik Ver­trau­en ins Gesell­schaft­li­che. Auch die Wis­sen­schaft hat in der Bewäh­rungs­kri­se eine erstaun­li­che Renais­sance erlebt. Viro­lo­gen und Epi­de­mio­lo­gen wur­den zu Medi­en­stars, aber auch »futu­ris­ti­sche« Phi­lo­so­phen, Sozio­lo­gen, Psy­cho­lo­gen, Anthro­po­lo­gen, die vor­her eher am Ran­de der pola­ri­sier­ten Debat­ten stan­den, beka­men wie­der Stim­me und Gewicht.

Fake News hin­ge­gen ver­lo­ren rapi­de an Markt­wert. Auch Ver­schwö­rungs­theo­ri­en wirk­ten plötz­lich wie Laden­hü­ter, obwohl sie wie sau­res Bier ange­bo­ten wur­den.

Ein Virus als Evo­lu­ti­ons­be­schleu­ni­ger

Tie­fe Kri­sen wei­sen oben­drein auf ein wei­te­res Grund­prin­zip des Wan­dels hin: Die Trend-Gegen­trend-Syn­the­se.

Die neue Welt nach Coro­na – oder bes­ser mit Coro­na – ent­steht aus der Dis­rup­ti­on des Mega­trends Kon­nek­ti­vi­tät. Poli­tisch-öko­no­misch wird die­ses Phä­no­men auch »Glo­ba­li­sie­rung« genannt. Die Unter­bre­chung der Kon­nek­ti­vi­tät – durch Grenz­schlie­ßun­gen, Sepa­ra­tio­nen, Abschot­tun­gen, Qua­ran­tä­nen – führt aber nicht zu einem Abschaf­fen der Ver­bin­dun­gen. Son­dern zu einer Neu­or­ga­ni­sa­ti­on der Kon­nek­to­me, die unse­re Welt zusam­men­hal­ten und in die Zukunft tra­gen. Es kommt zu einem Pha­sen­sprung der sozio-öko­no­mi­schen Sys­te­me.

Die kom­men­de Welt wird Distanz wie­der schät­zen – und gera­de dadurch Ver­bun­den­heit qua­li­ta­ti­ver gestal­ten. Auto­no­mie und Abhän­gig­keit, Öff­nung und Schlie­ßung, wer­den neu aus­ba­lan­ciert. Dadurch kann die Welt kom­ple­xer, zugleich aber auch sta­bi­ler wer­den. Die­se Umfor­mung ist weit­ge­hend ein blin­der evo­lu­tio­nä­rer Pro­zess – weil das eine schei­tert, setzt sich das Neue, über­le­bens­fä­hig, durch. Das macht einen zunächst schwin­de­lig, aber dann erweist es sei­nen inne­ren Sinn: Zukunfts­fä­hig ist das, was die Para­do­xi­en auf einer neu­en Ebe­ne ver­bin­det.

Die­ser Pro­zess der Kom­ple­xie­rung – nicht zu ver­wech­seln mit Kom­pli­zie­rung – kann aber auch von Men­schen bewusst gestal­tet wer­den. Die­je­ni­gen, die das kön­nen, die die Spra­che der kom­men­den Kom­ple­xi­tät spre­chen, wer­den die Füh­rer von Mor­gen sein. Die wer­den­den Hoff­nungs­trä­ger. Die kom­men­den Gre­tas.

Wir wer­den durch Coro­na unse­re gesam­te Ein­stel­lung gegen­über dem Leben anpas­sen – im Sin­ne unse­rer Exis­tenz als Lebe­we­sen inmit­ten ande­rer Lebens­for­men.”

Sla­vo Zizek im Höhe­punkt der Coro­na­kri­se Mit­te März

Jede Tie­fen­kri­se hin­ter­lässt eine Sto­ry, ein Nar­ra­tiv, das weit in die Zukunft weist. Eine der stärks­ten Visio­nen, die das Coro­na­vi­rus hin­ter­lässt, sind die musi­zie­ren­den Ita­lie­ner auf den Bal­ko­nen. Die zwei­te Visi­on sen­den uns die Satel­li­ten­bil­der, die plötz­lich die Indus­trie­ge­bie­te Chi­nas und Ita­li­ens frei von Smog zei­gen. 2020 wird der CO&sub2;-Ausstoss der Mensch­heit zum ers­ten Mal fal­len. Die­se Tat­sa­che wird etwas mit uns machen.

Wenn das Virus so etwas kann – kön­nen wir das womög­lich auch? Viel­leicht war der Virus nur ein Send­bo­te aus der Zukunft. Sei­ne dras­ti­sche Bot­schaft lau­tet: Die mensch­li­che Zivi­li­sa­ti­on ist zu dicht, zu schnell, zu über­hitzt gewor­den. Sie rast zu sehr in eine bestimm­te Rich­tung, in der es kei­ne Zukunft gibt.

Aber sie kann sich neu erfin­den.
Sys­tem reset.
Cool down!
Musik auf den Bal­ko­nen!

So geht Zukunft.

Hin­weis: Die­ser Text ist frei abdruck­bar mit dem Hin­weis: www.horx.com und www.zukunftsinstitut.de.

In ganz Deutsch­land sind die Schu­len seit ges­tern geschlos­sen. Für das Bil­dungs­sys­tem ist das eine enor­me Her­aus­for­de­rung: Die Kin­der müs­sen wei­ter­hin betreut, der Unter­richts­aus­fall kom­pen­siert wer­den. Vie­le Bun­des­län­der wol­len auf digi­ta­le Alter­na­ti­ven set­zen und Unter­richts­ma­te­ri­al etwa per E-Mail ver­schi­cken – doch dazu fehlt die nöti­ge Kom­pe­tenz und Infra­struk­tur. Im BLOG heu­te ein Arti­kel von David Mein­hard vom Insti­tut der Deut­schen Wirt­schaft Köln.

In der Nacht zum Frei­tag, 13. März 2020, beschloss das Saar­land als ers­tes deut­sches Bun­des­land, alle Schu­len und Kin­der­ta­ges­stät­ten zu schlie­ßen. Im Lau­fe des Tages und des Wochen­en­des taten es alle ande­ren Bun­des­län­der dem Saar­land gleich. Seit Anfang die­ser Woche sind alle Schu­len in Deutsch­land geschlos­sen. Doch wie sol­len die Schü­ler jetzt ler­nen? Das Baye­ri­sche Staats­mi­nis­te­ri­um für Unter­richt und Kul­tus bei­spiels­wei­se emp­fiehlt digi­ta­le Medi­en, „um orts­un­ab­hän­gig kom­mu­ni­zie­ren, ler­nen und arbei­ten zu kön­nen.“ Schul­lei­ter sol­len die „digi­ta­len Mög­lich­kei­ten“ ihrer Schu­len prü­fen.

Das Coro­na­vi­rus offen­bart ein grund­sätz­lich ver­kürz­tes Ver­ständ­nis des Ein­sat­zes digi­ta­ler Medi­en: Gibt es Per­so­nal­man­gel, Raum­not oder, wie in die­sem Fall, eine gesund­heit­li­che Kri­sen­si­tua­ti­on, sol­len E-Lear­ning und Co. zum Ein­satz kom­men und alles rich­ten. In der öffent­li­chen Wahr­neh­mung und in den Augen der Ent­schei­dungs­trä­ger wird das Poten­zi­al des digi­ta­len Ler­nens nicht erkannt. E-Lear­ning ist für vie­le noch immer eine Not­lö­sung – dabei soll­te digi­ta­ler Unter­richt mitt­ler­wei­le zum All­tag der Schü­ler gehö­ren. 
Die Lücke, die durch Coro­na ent­stan­den ist, kann nur mit hin­rei­chen­den tech­ni­schen Lösun­gen und didak­ti­schen Kon­zep­ten für den media­len Fern­un­ter­richt gefüllt wer­den. Bei­des such­ten die Schul­kin­der in Deutsch­land schon vor Coro­na ver­geb­lich: Wie der INSM Bil­dungs­mo­ni­tor 2019 zeigt, fehlt es wei­ter­hin an einer flä­chen­de­cken­den und zuver­läs­si­gen tech­ni­schen Infra­struk­tur. Den Leh­rern wie­der­um feh­len die nöti­gen Kom­pe­ten­zen, um auch online zu unter­rich­ten. Es ist naiv davon aus­zu­ge­hen, dass es Schul­lei­tun­gen, Leh­rern und Betreu­ungs­per­so­nen wäh­rend der Coro­na-Kri­se gelingt, inner­halb weni­ger Tage ein völ­lig aus­ge­reif­tes Kon­zept für das E-Lear­ning zu schaf­fen. 

Uni­ver­si­tä­ten sind einen Schritt vor­aus

Was nun gebraucht wird, sind prag­ma­ti­sche Kurz­frist­lö­sun­gen. Es gilt, den Scha­den, der durch den Unter­richts­aus­fall ent­steht, zu begren­zen. Die Schu­len soll­ten Schul­platt­for­men oder Werk­zeu­ge der Kul­tus­mi­nis­te­ri­en und Lan­des­me­di­en­zen­tren für die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit den Schü­lern sowie zur Ver­tei­lung von Lehr­ma­te­ria­li­en nut­zen, um Fern­un­ter­richt zu ermög­li­chen. Hier zahlt es sich aus, wenn Schu­len einen guten Medi­en­ent­wick­lungs­plan erar­bei­tet haben, wie er auch im Zuge des „Digi­tal­Pakt Schu­le“ gefor­dert wur­de. Leh­rer soll­ten sich über ver­füg­ba­re Lern-Apps und freie digi­ta­le Lern­res­sour­cen infor­mie­ren und die­se an die Schü­ler wei­ter­ge­ben. Der Aus­tausch von erfolg­rei­chen Kon­zep­ten soll­te vor­an­ge­trie­ben wer­den, wie es bereits auf Twit­ter mit dem Hash­tag „#Twit­ter­leh­rer­zim­mer“ geschieht. Auch ein Blick auf die Uni­ver­si­tä­ten lohnt sich: Hier wird bereits seit vie­len Jah­ren das Mate­ri­al online bereit­ge­stellt. Ver­ein­zelt wer­den sogar gan­ze Vor­le­sun­gen als Video auf­ge­nom­men oder live gestreamt.  
Mit einem Min­dest­maß an Krea­ti­vi­tät und Auf­ge­schlos­sen­heit lie­ße sich das kom­men­de unter­richts­freie Zeit­fens­ter zumin­dest als Erfah­rungs­raum für Leh­rer und Schü­ler öff­nen. Lang­fris­tig muss eine digi­ta­le Infra­struk­tur auf­ge­baut wer­den, um die Poten­zia­le des digi­ta­len Ler­nens zu nut­zen.  Nach­hal­ti­ge Inves­ti­tio­nen, auch in die Betei­lig­ten, sind gefragt, damit E-Lear­ning in Zukunft kei­ne Not­lö­sung mehr ist. 

Quel­le: www.iwkoeln.dehttp://www.iwkoeln.de

Es gibt Wich­ti­ge­res im Leben, als bestän­dig des­sen Geschwin­dig­keit zu erhö­hen.
(Mahat­ma Gan­dhi)

Die Män­ner im Fern­se­hen, es sind eigent­lich gefühlt immer nur Män­ner, schau­en immer sehr ernst, wenn sie ein Coro­na-Update geben. Es ist ja auch selt­sam bis beängs­ti­gend, wenn alle zwei Tage die nächs­te Sicher­heits­stu­fe gezün­det wird.

Ich erle­be die “Zei­ten in Coro­na” vor allem als sehr ent­schleu­nigt. Die Stra­ßen sind leer, kei­ne Staus auf der Auto­bahn, kaum Schlan­gen in den Geschäf­ten. Aber, vor allem erle­be ich mich und die ande­ren Men­schen als sehr ent­spannt (das kann natür­lich auch an mei­ner Ent­span­nung lie­gen, kei­ne Ahnung). Kein Gehu­pe, kein Gedrän­ge, man wird oft vor­ge­las­sen, kein Stress.

Ich mer­ke: Lang­sam ist bes­ser! Ich gewin­ne neue Kraft, neue Ein­bli­cke und neue Per­spek­ti­ven. Auf ein­mal mer­ke ich, dass Ter­mi­ne nicht immer ganz so wich­tig sind und ich ent­de­cke Din­ge, die ich ansons­ten viel­leicht über­se­hen hät­te. Ich spü­re, dass ich acht­sa­mer wer­de, für die Din­ge, The­men und Men­schen. Und dies führt in mei­ner Wahr­neh­mung zu mehr Rück­sichts­nah­me und Ver­ständ­nis. Ich erken­ne: Ent­schleu­ni­gung hilft!

Die­se ent­schleu­nig­ten Coro­na-Zei­ten, die­se beson­de­re Fas­ten- und Pas­si­ons­zeit, erle­be ich als sehr beson­ders: ich schla­fe mehr und bes­ser, ich neh­me mir mehr Zeit für mich und gehe mehr spa­zie­ren. Ich ach­te mehr auf schö­ne Din­ge, erle­di­ge mei­ne Auf­ga­ben nach­ein­an­der und nicht “tau­send Din­ge” par­al­lel. Ich bin etwas lang­sa­mer und tue öfter mal nix!

Irgend­wann wer­den die­se Zei­ten vor­bei sein und der Stress wird uns wie­der ein­ho­len. Ich hof­fe sehr, dass ich viel Ent­schleu­ni­gung mit­neh­men kann in die neue, alte Zeit …

Du musst nur lang­sam genug gehen, um immer in der Son­ne zu blei­ben. 
(Antoi­ne de Saint-Exu­pé­ry)

Johann (14) besucht die 9. Klas­se einer Gesamt­schu­le und macht gera­de im Alpen­park Neuss sein drei­wö­chi­ges Betriebs­prak­ti­kum. Zum Alpen­park gehö­ren zum Bei­spiel eine Ski­hal­le, ein Hotel, ein Gas­tro­no­mie­be­reich, ein Klet­ter­park, Funfuß­ball und Alm­golf. Ins­ge­samt arbei­ten dort 250 Mit­ar­bei­ter. Der Alpen­park ist auch ein Aus­bil­dungs­be­trieb.

War­um woll­test Du Dein Prak­ti­kum in der Ski­hal­le machen?

Ich inter­es­sie­re mich sehr für Seil­bah­nen und die Ski­hal­le ist der nächs­te Ort, an dem es Seil­bah­nen gibt. Mein Berufs­wunsch ist Seil­bahn­tech­ni­ker.

Wie kam der Kon­takt zustan­de?

Ich habe in der 8. Klas­se bereits mei­ne Berufs­fel­der­kun­dung (ein Ein-Tages-Prak­ti­kum) in dem Betrieb gemacht und mich danach dort bewor­ben für das Prak­ti­kum.

Was macht Dir beson­ders Spaß im Prak­ti­kum?

Ich ler­ne dort viel und pfle­ge den Kon­takt zu den Mit­ar­bei­tern und Kun­den. Ich wer­de in vie­len Berei­chen ein­ge­setzt, zum Bei­spiel an den Lift­an­la­gen, in der Werk­statt und gene­rell auf der Pis­te.

Wie sieht ein typi­scher Arbeits­tag aus?

Ich kom­me um 8 Uhr zum Dienst und baue mit den Kol­le­gen die Zäu­ne auf, die der Sicher­heit die­nen. Um 9 Uhr kom­men die ers­ten Ski­fah­rer, die schon bekannt sind, weil sie eigent­lich immer kom­men. Ab 10 Uhr kom­men die ande­ren Gäs­te und man muss sich in direk­ter Nähe zu den Steu­er­punk­ten auf­hal­ten, wo man zum Bei­spiel den Lift hal­ten und anfah­ren las­sen kann. Ansons­ten gibt es immer wie­der neue Auf­ga­ben zu erle­di­gen, manch­mal muss ich auch Gerät­schaf­ten von Eis und Schnee befrei­en, damit sie nach­her wie­der bes­ser funk­tio­nie­ren. Mit­tags habe ich dann eine gro­ße Pau­se. Ich bin in der Regel bis 15.30 Uhr dort. Dann habe ich Fei­er­abend.

In der 10. Klas­se steht das nächs­te Prak­ti­kum an. Hast Du dafür schon Plä­ne?

Ja, dann möch­te ich ger­ne zum Elek­tri­ker. Wie ich auch schon bei ande­ren Prak­ti­ka und Betriebs­füh­run­gen an Seil­bah­nen mit­be­kom­men habe, zum Bei­spiel im All­gäu, im Klein­wal­ser­tal und Koblenz, benö­tigt man als Seil­bahn­tech­ni­ker auch Kennt­nis­se von Elek­tro­nik. Ich habe mir schon Betrie­be aus­ge­sucht, wo ich mich dem­nächst bewer­ben wer­de.

Weißt Du schon wie es dann wei­ter­ge­hen soll?

Ich ver­su­che mein Abitur zu schaf­fen und möch­te dann eine Dua­le Aus­bil­dung machen, zum Bei­spiel in Öster­reich.

Dua­le Stu­di­en­gän­ge, die Pra­xis und Stu­di­um mit­ein­an­der ver­bin­den, erleich­tern den Berufs­ein­stieg nach dem Stu­di­um. Die Beschäf­ti­gungs­wahr­schein­lich­keit liegt in den ers­ten Jah­ren nach einem Dua­len Stu­di­um vier Pro­zent­punk­te höher als nach einem Uni­ver­si­täts­stu­di­um. Im wei­te­ren Erwerbs­ver­lauf ver­schwin­det die­ser Beschäf­ti­gungs­vor­teil aber, berich­tet das Insti­tut für Arbeits­markt- und Berufs­for­schung (IAB).

Dua­le Stu­di­en­gän­ge ver­bin­den Theo­rie und Pra­xis, indem wäh­rend des Stu­di­ums zugleich eine Berufs­aus­bil­dung in einem aner­kann­ten Aus­bil­dungs­be­ruf absol­viert wird oder Pra­xis­pha­sen in Unter­neh­men in einem weit grö­ße­ren Umfang als bei klas­si­schen Stu­di­en­gän­gen in der Stu­di­en­ord­nung ver­an­kert sind.

Rund vier Pro­zent aller Stu­die­ren­den absol­vie­ren ein dua­les Stu­di­um. Die Zahl dual Stu­die­ren­der stieg in den ver­gan­ge­nen 15 Jah­ren von 40.000 auf mehr als 100.000. Im glei­chen Zeit­raum erhöh­te sich die Zahl der Koope­ra­ti­ons­un­ter­neh­men von weni­ger als 20.000 auf rund 50.000.

Dual Stu­die­ren­de sind zumeist an Berufs­aka­de­mi­en, dua­len Hoch­schu­len und Fach­hoch­schu­len ein­ge­schrie­ben. In dua­len Stu­di­en­gän­gen gibt es im Ver­gleich zu Uni­ver­si­tä­ten einen höhe­ren Män­ner­an­teil und weni­ger Stu­die­ren­de mit aus­län­di­scher Staats­an­ge­hö­rig­keit.

Absol­ven­ten eines dua­len Stu­di­ums arbei­ten oft in den Berei­chen Geschäfts­ad­mi­nis­tra­ti­on, Geschäfts­lei­tung und Inge­nieurs­we­sen. Laut der IAB-Stu­die ver­die­nen Absol­ven­ten eines dua­len Stu­di­ums im Durch­schnitt ähn­lich wie Fach­hoch­schul­ab­sol­ven­ten und damit weni­ger als Absol­ven­ten eines uni­ver­si­tä­ren Stu­di­ums.

Die IAB-Stu­die ist online abruf­bar unter http://doku.iab.de/kurzber/2019/kb2519.pdf