Unse­re Schu­len sol­len eigent­lich digi­ta­ler wer­den. Schon vor Mona­ten wur­den 5 Mil­li­ar­den Euro zuge­sagt. Die Schul­trä­ger in den Län­dern soll­ten zusätz­lich mehr als 550 Mil­lio­nen Euro bei­steu­ern Dadurch sol­len bis 2025 alle Schu­len mit digi­ta­ler Infra­struk­tur ver­sorgt, also auch an W-Lan-Net­ze ange­schlos­sen, sein. Dies ist eine Vor­aus­set­zung, um die jüngst von der Lan­des­re­gie­rung bewil­lig­ten digi­ta­len End­ge­rä­te für Leh­rer und Schü­ler zuver­läs­sig nut­zen zu kön­nen.

Bis­lang aber ist kaum etwas bei den Schu­len ange­kom­men. Kei­ne Lehr­kraft hat bis heu­te einen Dienst-Lap­top, kein Schü­ler einen Leih-Lap­top. Der Schul­gip­fel im Kanz­ler­amt soll­te nun mehr Tem­po in die über­fäl­li­ge Digi­ta­li­sie­rung des Schul­we­sens gebracht — aller­dings kaum ohne mess­ba­ren Erfol­ge.

Nur wie­der vie­le Ver­spre­chen: Kon­kret sol­len die­se Leh­rer-Lap­tops nun noch die­ses Jahr gekauft wer­den kön­nen – der Bund schießt die nöti­gen 500 Mil­lio­nen vor. Eben­falls eine hal­be Mil­li­ar­de Euro gibt der Bund zusätz­lich für IT-Admi­nis­tra­to­ren in den Schu­len. Ins­ge­samt stellt der Bund (immer noch) 6,5 Mil­li­ar­den Euro für die Digi­ta­li­sie­rung bereit. Die Län­der pla­nen gemein­sa­me „Kom­pe­tenz­zen­tren“, um die über­fäl­li­ge digi­ta­le Wei­ter­bil­dung der Leh­rer gemein­sam anzu­ge­hen.

Ernüch­ternd stellt Bar­ba­ra Gill­mann im Han­dels­blatt fest: “All das wird im Schul­jahr 2020/21 natür­lich noch nicht dazu füh­ren, dass über­all das „Home­schoo­ling“ rei­bungs­los funk­tio­niert, wenn es wegen neu­er Coro­na­fäl­le nötig sein wird. (…) Mit­tel­fris­tig ist aller­dings sehr wohl mehr Geld im Sys­tem nötig. Denn die Digi­ta­li­sie­rung ist ein Dau­er­pos­ten, Aus­ga­ben für Gerä­te, Pro­gram­me und Schu­lun­gen fal­len immer wie­der aufs Neue an. Unter­neh­men wis­sen das, die Bil­dungs­po­li­ti­ker müs­sen das noch ler­nen.”

Der­weil pla­gen sich die Schu­len mit ande­ren Schwie­rig­kei­ten: rund 7.000 Schü­ler in NRW befin­den sich in Qua­ran­tä­ne. Was bedeu­tet das? Eine oder zwei Klas­sen einer Schu­le sind zwei Wochen nicht in der Schu­le. Die Lehr­kräf­te sind eben­falls in Qua­ran­tä­ne oder müs­sen die ande­ren Schü­ler wei­ter­hin ana­log beschu­len. „Home­schoo­ling“ ist so natür­lich kaum mög­lich — die nächs­te Bau­stel­le.

Fazit: die Reak­tio­nen auf den Schul­gip­fel fal­len harsch aus. “Die Leh­rer sind zer­ris­sen zwi­schen Ide­al­bild und Wirk­lich­keit”, sagt Ste­fan Behl­au, Vor­sit­zen­der des Ver­ban­des Bil­dung und Erzie­hung. Die Kol­le­gen sei­en am Limit. Dabei drängt die Zeit — wir brau­chen drin­gend schnel­le und effek­ti­ve Lösun­gen.

Es herrscht Einig­keit bei Eltern und Unter­neh­mens­ent­schei­dern: Die Digi­ta­li­sie­rung wird die Arbeits­welt nicht nur ein­schnei­dend ver­än­dern, es wer­den auch ganz neue Kom­pe­ten­zen gefragt sein.

In einer vom gemein­nüt­zi­gen För­der­pro­gramm “Stu­di­en­kom­pass” beauf­trag­ten reprä­sen­ta­ti­ven Umfra­ge* geben 85 Pro­zent der befrag­ten Unter­neh­mens­ent­schei­der an, dass in den nächs­ten 25 Jah­ren gro­ße Ver­än­de­run­gen auf die Arbeits­welt und die Berufs­ein­stei­ger zukom­men. Über 90 Pro­zent der Eltern gehen davon aus, dass die­se Ver­än­de­run­gen gro­ße Aus­wir­kun­gen für die beruf­li­che Zukunft ihrer Kin­der haben wer­den. Wie man Jugend­li­che hier­für stär­ken kann und sich beson­ders für Chan­cen­ge­rech­tig­keit ein­setzt, zeigt der Stu­di­en­kom­pass nicht nur in der Arbeit mit sei­nen Geför­der­ten, son­dern auch in einer neu­en Publi­ka­ti­on.

Der “Stu­di­en­kom­pass” setzt sich seit mehr als 13 Jah­ren erfolg­reich für mehr Chan­cen­ge­rech­tig­keit am Über­gang von der Schu­le an die Hoch­schu­le und in den Beruf ein. Bun­des­weit wur­den bereits mehr als 4.000 Jugend­li­che mit einer drei­jäh­ri­gen För­de­rung unter­stützt, die aus nicht­aka­de­mi­schen Fami­li­en kom­men und an Hoch­schu­len immer noch stark unter­re­prä­sen­tiert sind. Die Ver­än­de­run­gen und neu­en Her­aus­for­de­run­gen der Arbeits­welt stel­len zudem die Fra­ge, wel­che Kom­pe­ten­zen bei Jugend­li­chen gestärkt wer­den müs­sen, um sie fit für die Zukunft zu machen. Der Stu­di­en­kom­pass hat hier­für gemein­sam mit sei­nen Part­nern und einem brei­ten Netz­werk neue For­ma­te und Ange­bo­te ent­wi­ckelt.

Die Ergeb­nis­se der Umfra­ge unter Eltern und Füh­rungs­kräf­ten sind in einer neu­en Publi­ka­ti­on zusam­men­ge­fasst. Digi­ta­le Kom­pe­ten­zen spie­len für alle eine wich­ti­ge Rol­le. 41 Pro­zent der befrag­ten Unter­neh­mens­ver­tre­ter sehen dies als eine der wich­tigs­ten Fähig­kei­ten zukünf­ti­ger Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer an. Aber auch Krea­ti­vi­tät, Team- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit sind stark gefragt, eben­so die Kom­pe­tenz, gut mit Unsi­cher­hei­ten umzu­ge­hen und eigen­ver­ant­wort­lich zu han­deln.

Vie­le Beru­fe, in denen die aktu­el­le Schü­ler­ge­nera­ti­on spä­ter arbei­ten wird, sind heu­te noch gar nicht bekannt. Auch 76 Pro­zent der Eltern geben an, kei­ne Vor­stel­lung davon zu haben, wel­che Beru­fe es zukünf­tig geben wird. Gleich­zei­tig sehen sie sich aber als wich­tigs­te Ansprech­part­ner für ihre Kin­der, wenn es um die Stu­di­en- und Berufs­ori­en­tie­rung geht.

Eine zeit­ge­mä­ße Berufs­ori­en­tie­rung hat not­wen­di­ge Zukunfts­kom­pe­ten­zen fest im Blick und kann so Jugend­li­che best­mög­lich auf die Arbeits­welt von mor­gen vor­be­rei­ten. Gleich­zei­tig muss wei­ter­hin alles dafür getan wer­den, dass alle Jugend­li­chen die Mög­lich­keit haben, die eige­nen Talen­te zu ent­de­cken und zu nut­zen – unab­hän­gig von ihrer Her­kunft.

Die Coro­na-Pan­de­mie zeigt, dass digi­ta­les Leh­ren und Ler­nen sehr schnell sozia­le Unge­rech­tig­kei­ten ver­stärkt, die spä­ter auch beim Ein­stieg ins Berufs­le­ben Nach­tei­le mit sich brin­gen.

Einen genaue­ren Über­blick zu den Inhal­ten sowie die gesam­te Publi­ka­ti­on als PDF zum Down­load fin­den Sie unter www.studienkompass.de/zukunftskompetenzen.

Für das Manage­ment des Coro­na-Lock­downs wird den Schu­len ein abso­lut unbe­frie­di­gen­des Zeug­nis aus­ge­stellt. Beson­ders hart gehen die Eltern schul­pflich­ti­ger Kin­der mit den Schu­len ins Gericht. Eltern geben den Schu­len die Note „man­gel­haft“ für ihre Fähig­keit, im Fal­le erneu­ter Schul­schlie­ßun­gen den Unter­richt auf­recht­erhal­ten zu kön­nen. Dies ist das Ergeb­nis einer Umfra­ge des IT-Bun­des­ver­ban­des Bit­kom.

Auch die über­wie­gen­de Mehr­heit der Bevöl­ke­rung ist sehr skep­tisch, dass der Unter­richt digi­tal aus der Fer­ne statt­fin­den kann und gibt den Schu­len hier­für eine 4-. Umso wich­ti­ger ist für eine gro­ße Mehr­heit – nicht nur der Eltern –, die Digi­ta­li­sie­rung der Schu­len ent­schie­den und schnell vor­an­zu­trei­ben, die tech­ni­sche Aus­stat­tung zu ver­bes­sern, Lern­mit­tel und Lehr­plä­ne zu moder­ni­sie­ren und Leh­rer ent­spre­chend wei­ter­zu­bil­den. Dem Bund soll­te bei der Digi­ta­li­sie­rung der Bil­dung nach mehr­heit­li­cher Ansicht eine sehr viel grö­ße­re Ver­ant­wor­tung zuge­stan­den wer­den als bis­her. Das sind die zen­tra­len Ergeb­nis­se einer reprä­sen­ta­ti­ven Befra­gung von 1.003 Per­so­nen in Deutsch­land ab 16 Jah­ren, dar­un­ter 269 Eltern schul­pflich­ti­ger Kin­der. „Die Coro­na-Kri­se hat unser Bil­dungs­sys­tem vor eine Zer­reiß­pro­be gestellt. Bei vie­len Bür­gern wur­de mas­siv Ver­trau­en ver­spielt, weil Unter­richt zu oft ersatz­los gestri­chen wur­de und vie­le Schu­len nicht in der Lage waren, die ihnen anver­trau­ten Schü­ler auch nur ansatz­wei­se zu betreu­en“, sagt Bit­kom-Prä­si­dent Achim Berg. „Die mas­si­ven Ver­un­si­che­run­gen durch Behör­den und Daten­schutz­be­auf­trag­te haben dann auch noch die digi­ta­len Vor­rei­ter unter den Schu­len und Lehr­kräf­ten aus­ge­bremst. Coro­na ist der Start­schuss für die Digi­ta­li­sie­rung der Schu­len. Jetzt heißt es, die Digi­ta­li­sie­rung der Schu­len von Null auf Hun­dert zu beschleu­ni­gen und das von jetzt auf gleich.“

Home­schoo­ling gehört für jeden Zwei­ten zur neu­en Nor­ma­li­tät

Nach Ein­schät­zung von Eltern wie auch der Gesamt­be­völ­ke­rung ist an den meis­ten Schu­len der Wech­sel ins vir­tu­el­le Klas­sen­zim­mer nicht geglückt. Als gera­de noch „aus­rei­chend“ wird der Stand der digi­ta­len Bil­dung in Deutsch­land bewer­tet, etwa wenn es um Gerä­te­aus­stat­tung, Inter­net­an­bin­dung und digi­ta­le Unter­richts­in­hal­te der Schu­len geht. In ihrem Urteil sind sich Bür­ger und Eltern einig: Auf der Schul­no­ten­ska­la von 1 „sehr gut“ bis 6 „unge­nü­gend“ ver­ge­ben sie für die Digi­ta­li­sie­rung der Schu­len im Durch­schnitt ein­stim­mig eine 4,2 – Ver­set­zung gefähr­det. Die Coro­na-Kri­se hat den Digi­ta­li­sie­rungs­druck auf die Schu­len mas­siv erhöht. Neun von zehn Bür­gern (89 Pro­zent; Eltern: 88 Pro­zent) sind der Ansicht, dass die Pan­de­mie die Defi­zi­te bei der Digi­ta­li­sie­rung der Schu­len scho­nungs­los offen­ge­legt hat. Etwa eben­so vie­le (Gesamt­be­völ­ke­rung: 87 Pro­zent; Eltern: 90 Pro­zent) for­dern, dass alle Schu­len in die Lage ver­setzt wer­den soll­ten, noch in die­sem Schul­jahr per Home­schoo­ling zu unter­rich­ten. Für jeden Zwei­ten soll das auch zur neu­en Nor­ma­li­tät wer­den: 47 Pro­zent aller Bür­ger (Eltern: 48 Pro­zent) mei­nen, auch nach der Coro­na-Pan­de­mie soll­te der Unter­richt teil­wei­se digi­tal per Home­schoo­ling statt­fin­den. Bis zum Ende der Pan­de­mie soll­ten Schu­len für drei von zehn (28 Pro­zent; Eltern: 20 Pro­zent) am bes­ten ganz geschlos­sen blei­ben und es soll­te aus­schließ­lich per Home­schoo­ling unter­rich­tet wer­den. „Die Coro­na-Kri­se hat einen bei­spiel­lo­sen Digi­ta­li­sie­rungs­schub aus­ge­löst. Was zuvor unvor­stell­bar schien, ist plötz­lich erstre­bens­wert gewor­den – wie etwa Home­schoo­ling. Dar­an will jeder Zwei­te auch in der Zeit nach Coro­na fest­hal­ten“, sagt Berg.

Ver­set­zung gefähr­det: Schu­len wird Home­schoo­ling nicht zuge­traut

Kurz­fris­tig aller­dings glaubt kaum einer an die erfolg­rei­che Ver­la­ge­rung des Unter­richts in den digi­ta­len Raum, sofern Schu­len erneut geschlos­sen wer­den soll­ten. Das Zeug­nis ist ver­hee­rend: Die Vor­be­rei­tun­gen auf digi­ta­len Unter­richt im Fal­le eines erneu­ten Lock­downs bewer­ten die Befrag­ten gera­de noch als „aus­rei­chend“ (Note 4,3) – die Eltern ver­ge­ben sogar nur ein „man­gel­haft“ (Note 4,6). Berg: „Es ist ein alar­mie­ren­des Signal, dass sich zwar eine Mehr­heit für Home­schoo­ling aus­spricht, aber zugleich nicht dar­an glaubt, dass unse­ren Schu­len das schaf­fen.“

Drei Vier­tel sehen Föde­ra­lis­mus als „Brems­klotz“

Das größ­te Hemm­nis wird in den föde­ra­len Struk­tu­ren der Bun­des­re­pu­blik gese­hen. Sie­ben von zehn Bür­gern (72 Pro­zent) sehen den Föde­ra­lis­mus als Brems­klotz für die Digi­ta­li­sie­rung der Schu­len. Bei den Eltern sind es sogar 76 Pro­zent. Dass aus­schließ­lich der Bund statt der Bun­des­län­der für Bil­dungs­po­li­tik ver­ant­wort­lich sein soll­te, befür­wor­ten 71 Pro­zent der Bür­ger und 79 Pro­zent der Eltern. Zwei Drit­tel der Bür­ger (65 Pro­zent; Eltern: 70 Pro­zent) hal­ten es für nicht mehr zeit­ge­mäß, dass jedes Bun­des­land ein eige­nes Bil­dungs­sys­tem hat. Nahe­zu unwi­der­spro­chen bleibt die For­de­rung, dem Bund soll­te erlaubt wer­den, Schu­len und Schü­ler mit Gerä­ten für digi­ta­len Unter­richt aus­zu­stat­ten. 98 Pro­zent der Bür­ger unter­stüt­zen das und 97 Pro­zent der Eltern.

Infor­ma­tik soll­te ab der 5. Klas­se Pflicht­fach sein

Digi­ta­le Gerä­te, Anwen­dun­gen und Inhal­te sind für die Mehr­heit aus den Schu­len nicht mehr weg­zu­den­ken – wobei Eltern digi­ta­len Tech­no­lo­gi­en gegen­über grund­sätz­lich beson­ders auf­ge­schlos­sen sind. Für jeweils neun von zehn Eltern (93 Pro­zent) und Bür­gern (88 Pro­zent) soll­te der Ein­satz digi­ta­ler Tech­no­lo­gi­en wie Com­pu­ter, Smart­boards oder Tablets an allen Schu­len Stan­dard sein. 87 Pro­zent der Eltern mei­nen, digi­ta­le Kom­pe­ten­zen soll­ten im Schul­un­ter­richt einen höhe­ren Stel­len­wert genie­ßen, unter allen Bür­gern sind es 81 Pro­zent. Acht von zehn Eltern (79 Pro­zent; Bür­ger: 74 Pro­zent) sind der Ansicht, dass Schü­ler durch den Ein­satz digi­ta­ler Tech­no­lo­gi­en auf das Leben und Arbei­ten in der digi­ta­len Welt vor­be­rei­tet wer­den. Drei Vier­tel der Eltern (74 Pro­zent) möch­ten, dass Infor­ma­tik ab der 5. Klas­se ver­pflich­tend unter­rich­tet wird, wie auch zwei Drit­tel der Bür­ger (65 Pro­zent). Und jeweils vier von zehn Bür­gern (40 Pro­zent) und Eltern (43 Pro­zent) sind über­zeugt, dass es digi­ta­le Tech­no­lo­gi­en den Lehr­kräf­ten ermög­li­chen, indi­vi­du­el­ler auf ein­zel­ne Schü­ler ein­zu­ge­hen. Eine ana­lo­ge Schu­le will so gut wie nie­mand: Nur 3 Pro­zent der Bür­ger sagen, dass digi­ta­le Tech­no­lo­gi­en wie Com­pu­ter oder Tablets in Schu­len nichts zu suchen haben, bei den Eltern sind es ledig­lich 2 Pro­zent.

Aus­stat­tung ver­bes­sern, Lehr­plä­ne moder­ni­sie­ren, Leh­rer wei­ter­bil­den

Für den Auf­bruch in die digi­ta­le Zukunft brau­chen Schu­len Infra­struk­tur, ent­spre­chen­de Inhal­te und päd­ago­gi­sche Kon­zep­te und digi­tal­kom­pe­ten­te Leh­rer. Was IT-Fra­gen betrifft, hat die Ver­bes­se­rung der tech­ni­schen Aus­stat­tung der Schu­len (Bür­ger: 93 Pro­zent; Eltern: 96 Pro­zent) höchs­te Prio­ri­tät, um die Digi­ta­li­sie­rung der Schu­len vor­an­zu­brin­gen. Als fast genau­so wich­tig erach­tet wird die Bereit­stel­lung von Gerä­ten wie Lap­tops oder Tablets für alle Schü­ler (Bür­ger: 88 Pro­zent; Eltern: 93 Pro­zent) und eine schnel­le Inter­net­an­bin­dung für alle Schu­len (Bür­ger: 87 Pro­zent; Eltern: 93 Pro­zent). Eben­falls als wich­tig sieht eine Mehr­heit die Bereit­stel­lung von Gerä­ten wie Lap­tops oder Tablets für alle Lehr­kräf­te (Bür­ger: 64 Pro­zent; Eltern: 72 Pro­zent). Bei der Qua­li­fi­zie­rung der Lehr­kräf­te soll­ten nach Ansicht einer gro­ßen Mehr­heit digi­ta­le Medi­en in die Aus­bil­dung inte­griert wer­den (Bür­ger: 87 Pro­zent; Eltern: 96 Pro­zent) und regel­mä­ßi­ge Fort­bil­dun­gen zu digi­ta­len The­men und Kom­pe­ten­zen statt­fin­den (Bür­ger: 87 Pro­zent; Eltern: 93 Pro­zent). Auch die Inhal­te und For­ma­te im Unter­richt soll­ten erneu­ert wer­den, mei­nen die meis­ten. Das betrifft die Anpas­sung der Lehr­plä­ne an die Mög­lich­kei­ten der Digi­ta­li­sie­rung (Bür­ger: 81 Pro­zent; Eltern 93 Pro­zent) und den Ein­satz digi­ta­ler Lern­in­hal­te wie etwa Lern-Apps oder inter­ak­ti­ver Arbeits­ma­te­ria­li­en im Unter­richt (Bür­ger: 67 Pro­zent; Eltern: 73 Pro­zent).

Flä­chen­de­ckend Smart Schools schaf­fen

Zur Digi­ta­li­sie­rung der Schu­len schlägt der Bit­kom die flä­chen­de­cken­de Ein­rich­tung von Smart Schools vor. Smart Schools sind digi­ta­le Vor­rei­ter­schu­len und grün­den sich auf die drei Säu­len Infra­struk­tur, päd­ago­gi­sche Kon­zep­te und Inhal­te sowie digi­tal­kom­pe­ten­te Lehr­kräf­te. Über­all im Bun­des­ge­biet gibt es bereits exzel­len­te digi­ta­le Schu­len, die vom Bit­kom in einem jähr­lich statt­fin­den­den Wett­be­werb aus­ge­zeich­net wer­den. Die Ent­schei­dung trifft eine renom­mier­te Jury auf Grund­la­ge der ein­ge­reich­ten Digi­ta­li­sie­rungs­kon­zep­te. Der­zeit gibt es 61 Smart Schools in öffent­li­cher wie frei­er Trä­ger­schaft in Deutsch­land – von Grund­schu­len über Gesamt­schu­len und Gym­na­si­en bis zu Berufs­schu­len. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zum Smart-School-Kon­zept, zu den Stand­or­ten und zum Wett­be­werb gibt es unter www.smart-school.de. Der Bit­kom ist zudem Mit­in­itia­tor der Offen­si­ve Digi­ta­le Schul­trans­for­ma­ti­on, die sie­ben Hand­lungs­emp­feh­lun­gen zur Digi­ta­li­sie­rung der Schu­len gibt. Die kon­kre­ten Vor­schlä­ge sind unter www.offensive-digitale-schultransformation.de zu fin­den.

Bit­kom for­dert mehr Tem­po beim Digi­tal­pakt Schu­le

Der Digi­tal­pakt Schu­le, der bis 2024 Bun­des­mit­tel in Höhe von fünf Mil­li­ar­den Euro bereit­stellt, müs­se nun end­lich kon­se­quent und unver­züg­lich umge­setzt wer­den, for­dert Achim Berg. „So wich­tig der Digi­tal­pakt ist, so schlep­pend und büro­kra­tisch läuft die Umset­zung. Das Geld kommt bis­lang nur tröpf­chen­wei­se bei den Schu­len an.“ Der­zeit sei­en ledig­lich ein Fünf­tel der Mit­tel bewil­ligt. „Die Schu­len brau­chen das Geld jetzt, um in die digi­ta­le Zukunft zu star­ten. Vom Bund bis zum regio­na­len Schul­amt sind alle gefor­dert, den Digi­tal­pakt zur Wir­kung zu brin­gen.“ Beson­ders posi­tiv hebt Berg dabei die Zusatz­ver­ein­ba­rung im Digi­tal­pakt vor dem Hin­ter­grund der Coro­na-Kri­se her­vor: „Die Coro­na-Hil­fen für Schü­ler­end­ge­rä­te in Höhe von 500 Mil­lio­nen Euro wer­den unbü­ro­kra­tisch und direkt von den Län­dern an die Schu­len ver­teilt. So ein­fach soll­te es auch beim Digi­tal­pakt lau­fen.“

Hin­weis zur Metho­dik: Grund­la­ge der Anga­ben ist eine Umfra­ge, die Bit­kom Rese­arch im Auf­trag des Digi­tal­ver­bands Bit­kom tele­fo­nisch durch­ge­führt hat. Im August 2020 wur­den dabei 1.003 Per­so­nen in Deutsch­land ab 16 Jah­ren reprä­sen­ta­tiv befragt, dar­un­ter 269 Eltern schul­pflich­ti­ger Kin­der.

Am 4. Sep­tem­ber 2019 teil­te das nord­rhein-west­fä­li­sche Schul­mi­nis­te­ri­um mit: » Das Lan­des­ka­bi­nett hat die För­der­richt­li­nie für den Digi­tal­pakt Schu­le gebil­ligt und damit den Weg frei gemacht für die Aus­zah­lung der För­der­mit­tel an die Schu­len in NRW in Höhe von rund einer Mil­li­ar­de Euro. Schul­mi­nis­te­rin Yvon­ne Gebau­er erklär­te, dass die drin­gend erfor­der­li­che Unter­stüt­zung bei der Digi­ta­li­sie­rung der Schu­len nun Wirk­lich­keit wer­de: „Digi­ta­le Medi­en kön­nen das Ler­nen und Leh­ren in unse­ren Schu­len ver­bes­sern. Dafür müs­sen wir unse­re Schu­len mit moder­ner Tech­nik aus­stat­ten. Der Digi­tal­pakt Schu­le gibt uns den nöti­gen Rücken­wind, um unse­re Schu­len ins digi­ta­le 21. Jahr­hun­dert zu füh­ren.“ «

Heu­te, im Juli 2020, stellt man erschreckt fest: Bis­lang gibt der Digi­tal­pakt kaum “Rücken­wind”, denn die Schu­len bzw. die Schul­trä­ger fra­gen die Bun­des­mit­tel zur digi­ta­len Aus­stat­tung der Schu­len nur sehr zöger­lich ab. Das geht aus einer Ant­wort des Schul­mi­nis­te­ri­ums auf eine Klei­ne Anfra­ge der Grü­nen-Frak­ti­on her­vor, die unse­rer Redak­ti­on vor­liegt. Bis zum 3. Juni sei­en im Rah­men des Digi­tal­pakts Schu­le in NRW gut 404.000 Euro von ins­ge­samt mög­li­chen 1,058 Mil­li­ar­den Euro geflos­sen.

Mit dem „Digi­tal­pakt Schu­le“ unter­stützt der Bund die Län­der und Gemein­den als Schul­trä­ger bei Inves­ti­tio­nen in die digi­ta­le Bil­dung. Dazu stell­te der Bund für alle Bun­des­län­der zusam­men fünf Mil­li­ar­den Euro zur Ver­fü­gung, davon 3,5 Mil­li­ar­den in die­ser Legis­la­tur­pe­ri­ode. Die Schul­trä­ger in den Län­dern steu­ern zusätz­lich mehr als 550 Mil­lio­nen Euro bei. Dadurch sol­len bis 2025 alle Schu­len mit digi­ta­ler Infra­struk­tur ver­sorgt, also auch an W-Lan-Net­ze ange­schlos­sen, sein. Dies ist eine Vor­aus­set­zung, um die jüngst von der Lan­des­re­gie­rung bewil­lig­ten digi­ta­len End­ge­rä­te für Leh­rer und Schü­ler zuver­läs­sig nut­zen zu kön­nen.

War­um fließt das Geld nur sehr zöger­lich? Die Schul­lei­ter zucken nur mit den Schul­tern, denn: Sie bräuch­ten das Geld drin­gend. Offen­bar ist es so, dass die Antrag­stel­lung bis­her zu kom­pli­ziert sind und die Pro­zes­se zu lan­ge dau­ern. Das ist wirk­lich sehr scha­de, denn: will man digi­tal ler­nen, dann braucht es auch die Infra­struk­tur. NRW will bei­spiels­wei­se alle benach­tei­lig­ten Schüler*innen mit Lap­tops ver­sor­gen. Die Ver­tei­lung bzw. die Aus­lei­he soll über die Schu­len erfol­gen. Doch wenn es hier an Infra­struk­tur und per­so­nel­ler IT-Power fehlt, dann schei­tert die­se gute Idee bereits bevor sie begon­nen hat.

Um die­se Idee letzt­end­lich effek­tiv umzu­set­zen gibt es näm­lich auch noch ein zwei­tes Pro­jekt: den “GigabitMasterplans.NRW”, dass den Aus­bau flä­chen­de­cken­der giga­b­it­fä­hi­ger Net­ze vor­an­trei­ben wird. Bis Ende 2022 sol­len alle Schu­len und Gewer­be­ge­bie­te ange­schlos­sen sein. „Ent­schei­dend bei der Digi­ta­li­sie­rung ist, dass sämt­li­che Vor­ha­ben par­al­lel umge­setzt wer­den. Es geht dar­um, zeit­gleich zu agie­ren, um Wir­kung zu erzie­len. Die Schu­len müs­sen mit schnel­lem Inter­net ver­sorgt wer­den und die Schul­trä­ger kön­nen nun mit den Mit­teln des Digi­tal­pakts auch in den Schu­len noch bes­ser für die not­wen­di­ge digi­ta­le Infra­struk­tur sor­gen. Das Land hat auch die Leh­rer­aus­bil­dung ange­passt, damit die Leh­re­rin­nen und Leh­rer bereits in ihrer Aus­bil­dung und durch Fort­bil­dun­gen fit für die digi­ta­le Zukunft in den Klas­sen­zim­mern wer­den“, so Minis­te­rin Gebau­er.

Okee, die Müh­len mah­len lang­sam, aber hof­fent­lich nicht zu lang­sam. Im Sep­tem­ber 2019 sag­te Frau Gebau­er: „Die Schu­len und Schul­trä­ger ste­hen beim Digi­tal­pakt jetzt in den Start­blö­cken und am 15. Sep­tem­ber gibt das Schul­mi­nis­te­ri­um den Start­schuss. Die Digi­ta­li­sie­rung unse­rer Schu­len wird aber kein Sprint, son­dern ein Mara­thon wer­den. Die bes­te Tech­nik von heu­te wird mor­gen ver­al­tet sein. Des­halb wer­den wei­te­re Inves­ti­tio­nen fol­gen müs­sen. Für die bes­te Bil­dung unse­rer Kin­der und jun­gen Men­schen darf uns das nicht zu teu­er sein.“

Auch im Som­mer 2020 kann man das nur unter­schrei­ben!!!!!!

Die Nach­rich­ten sind zunächst gute Nach­rich­ten: Benach­tei­lig­te Schü­ler und alle Leh­rer in NRW sol­len eige­ne Lap­tops bekom­men. Dafür inves­tiert die Lan­des­re­gie­rung 350 Mil­lio­nen Euro. OK, das Geld kommt nicht nur aus Düs­sel­dorf. 105 Mil­lio­nen Euro stam­men aus Bun­des­mit­teln, 18 Mil­lio­nen Euro von Schul­trä­gern (ob die das schon wis­sen?). NRW sei damit das ers­te Bun­des­land, das sei­ne rund 200.000 Leh­rer flä­chen­de­ckend mit Lap­tops oder Com­pu­tern ver­sor­ge. Zusätz­lich sol­len vor allem bedürf­ti­ge Schü­ler Leih­ge­rä­te zur Ver­fü­gung gestellt bekom­men.

Die Idee ist wirk­lich eine Gute und wur­de bereits vor eini­gen Wochen in unse­rem Pod­cast vor­ge­schla­gen vor dem Hin­ter­grund, dass vie­le Kids zuhau­se digi­tal kaum erreich­bar sei­en. Und Leh­rer hat­ten kei­ne Dienst­ge­rä­te. Dar­an schei­ter­te dann oft der Ver­such, digi­ta­len Unter­richt anzu­bie­ten. Dies soll sich nun ändern in NRW, wobei die Schü­ler kei­ne Lap­tops “geschenkt” bekom­men, son­dern sich in der Schu­le aus­lei­hen kön­nen.

Soweit der Plan. Leh­rer­ver­bän­de begrüß­ten die Ankün­di­gun­gen. „Auch wenn es noch vie­le Detail­fra­gen zu klä­ren gibt: Die­ses Maß­nah­men­pa­ket ist ein ech­ter Mei­len­stein“, kom­men­tiert die leh­rer nrw-Vor­sit­zen­de Bri­git­te Bal­bach. Aber, wie so oft gibt es noch vie­le offe­ne Fra­gen. Was pas­siert mit­tel- und lang­fris­tig mit der Finan­zie­rung — vor allem im Hin­blick auf die Infra­struk­tur-Aus­stat­tung der Schu­len? Was pas­siert, wenn etwas kaputt­geht? Wenn Soft­ware aktua­li­siert wer­den muss? Wie soll die Aus­lei­he in der Schu­le statt­fin­den? Wer pflegt die Lap­tops in der Schu­le? Woher kom­men die ent­spre­chen­den IT-Men­schen der Schu­le? Die Klä­rung sol­cher Fra­gen bedarf auch einer finan­zi­el­len Klä­rung. Fol­ge­kos­ten, die man ein­rech­nen muss. Da braucht es einen mit­tel­fris­ti­gen Plan.

Die TU Dort­mund hat für eine bun­des­wei­te Stu­die „Unter­richt in der Coro­na-Pan­de­mie“ mit mehr als 3600 Lehr­kräf­ten aus all­ge­mein­bil­den­den Schu­len gespro­chen. „Vie­le haben von Schü­lern berich­tet, die weder aus­rei­chen­de Medi­en­kom­pe­tenz noch die Hard­ware hat­ten, um zu Hau­se mit den gestell­ten Auf­ga­ben umge­hen zu kön­nen“, sagt die geschäfts­füh­ren­de Direk­to­rin am Insti­tut für Schul­ent­wick­lungs­for­schung an der TU Dort­mund, Nele McEl­va­ny,. „Durch die Schul­schlie­ßun­gen hat­ten wir eine Real­si­tua­ti­on im Test, der auch gezeigt hat: Vie­le Schü­ler haben nicht immer sta­bi­les Inter­net mit ent­spre­chen­der Daten­men­ge zu Hau­se. In eini­gen Haus­hal­ten gibt es auf­grund der finan­zi­el­len oder räum­li­chen Lage über­haupt kei­ne Inter­net­ver­bin­dung.“ Auch Lösun­gen für die­se Pro­ble­me müss­ten noch geklärt wer­den.

Auch vie­le Leh­rer waren in den ver­gan­ge­nen 100 Tagen über­for­dert mit dem digi­ta­len Leh­ren. Eine Schul­lei­te­rin berich­te­te uns, Sie wäre zugleich Men­tor und Digi­tal-Coach für ihre Leh­rer. Des­halb gab es vie­le Leh­rer, die ana­log, per Brief und Tele­fon mit den Schü­lern unter­wegs waren. In der Dort­mun­der Stu­die heißt es, dass nur 56 Pro­zent der Leh­rer anga­ben, dass sie Lern­platt­for­men ver­wen­det hät­ten. Das muss man auch zur Kennt­nis neh­men. Der Wei­ter­bil­dungs­be­darf sei wirk­lich groß, sagen die Dort­mun­der Wis­sen­schaft­ler.

Aller­dings war die Lern­kur­ve auch bei den Lehr­kräf­ten hoch. Vie­le pro­bier­ten neue For­ma­te und Idee aus. Ob “Pad­delt” oder zoom-Mee­tings mit der Klas­se. Es bleibt also span­nend — und am Ende gibts viel zu tun.

Quel­len: www.tu-dortmund.de, www.rp-online.de, www.schulministerium.nrw.de

In die­sen Tagen wur­den zwei Bil­dungs­be­rich­te ver­öf­fent­licht, die es in sich haben. Der eine ist der Bun­des­bil­dungs­be­richt und der zwei­te kommt von der Initia­ti­ve Neue Sozia­le Markt­wirt­schaft (INSM).

Ers­ter Trend: Der Drang zu höhe­ren Bil­dungs­ab­schlüs­sen scheint vor­bei zu sein. Die Quo­ten beim Über­gang auf das Gym­na­si­um sin­ken, eben­so die Absol­ven­ten­quo­ten beim mitt­le­ren Schul­ab­schluss und auch beim Abitur. Außer­dem sehen die Autoren Defi­zi­te beim The­ma Digi­ta­li­sie­rung — sowohl in den Schu­len als auch bei den Schü­lern.

Die Coro­na-Wochen waren in unse­ren Schu­len eine Art „Feld­ver­such“, der neben viel Enga­ge­ment auch Lücken zeig­ten – vor allem in der Digi­ta­li­sie­rung. Wir berich­te­ten bereits in die­sem Pod­cast dar­über: vie­le Schü­ler sind zuhau­se digi­tal kaum zu errei­chen, es gibt aber auch Lehr­kräf­te, die sehr unsi­cher in die­sem Bereich sind und dann lie­ber gar nichts anbie­ten. Und letzt­end­lich fehlt es auch an digi­ta­ler Infra­struk­tur.

Von den Autoren des Bil­dungs­be­richts kommt die kla­re Emp­feh­lung: Digi­ta­le Medi­en las­sen sich nur dann nach­hal­tig ins Ler­nen ein­bin­den, wenn neben einer bes­se­ren tech­ni­schen Infra­struk­tur auch ver­stärkt in die Qua­li­fi­zie­rung der Lehr­kräf­te inves­tiert wird.”

Aber auch grund­sätz­li­che Defi­zi­te bei den Schü­lern wer­den ange­spro­chen: Es hat zwar heu­te fast jeder ein Smart­pho­ne. Aber über alle Bil­dungs­be­rei­che hin­weg ver­fü­ge “ein beträcht­li­cher Teil der Kin­der, Jugend­li­chen oder Erwach­se­nen bis­lang allen­falls über rudi­men­tä­re digi­ta­le Kom­pe­ten­zen”. Die Prä­si­den­tin der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz (KMK) und rhein­land-pfäl­zi­sche Bil­dungs­mi­nis­te­rin Ste­fa­nie Hubig (SPD) nann­te als Bei­spiel den Umgang mit soge­nann­ten Fake News.

Auch die Lage bei der Berufs­aus­bil­dung bleibt ange­spannt: Obwohl es freie Aus­bil­dungs­plät­ze gibt, bleibt ein Teil der Jugend­li­chen ohne Lehr­stel­le. Die Bil­dungs­ex­per­ten emp­feh­len: “Soll der Fach­kräf­te­be­darf lang­fris­tig gedeckt wer­den, müs­sen zudem mehr Betrie­be dar­über nach­den­ken, auch Jugend­li­chen ohne oder mit nied­ri­gem Bil­dungs­ab­schluss die Chan­ce auf einen Aus­bil­dungs­platz zu geben”.

Blickt man dage­gen auf das The­ma Stu­di­en­ori­en­tie­rung, erkennt man, dass das Inter­es­se an einem Stu­di­um unge­bro­chen ist. Im Bil­dungs­be­richt wird damit gerech­net, dass die Nach­fra­ge nach Stu­di­en­plät­zen bis 2030 auf dem heu­ti­gen Niveau blei­ben wird. Pro Jahr fan­gen rund 500 000 Men­schen ein Stu­di­um an. Die Arbeits­markt­chan­cen für Aka­de­mi­ker wer­den als “nach wie vor sehr gut” bezeich­net.

Unse­re “Klu­ge Köp­fe” kön­nen Sie hören in unse­rem aktu­el­len Pod­cast zum “Dua­len Ori­en­tie­rungs­pro­gramm”: per­fekt für Schü­le­rin­nen und Schü­ler, die sich für ein Stu­di­um inter­es­sie­ren, für Unter­neh­men, die z.B. Dua­le Stu­di­en­gän­ge anbie­ten, sowie für Lehr­kräf­te und Eltern: https://anchor.fm/unternehmerschaft/episodes/Go-to-meeting-der-KLUGEN-KPFE-zum-Dualen-Orientierungsprogramm-efaips/a-a2eos65

Tau­sen­de Schü­ler ler­nen seit Wochen Mathe mit Herrn Schmidt, obwohl sie ihn nicht per­sön­lich ken­nen. Mit und über You­Tube. Schü­ler und Eltern sind begeis­tert und tat­säch­lich: die Vide­os machen wirk­lich Spaß und Freu­de. “Spaß und Freu­de” in Mathe? Ja, sagt der Chro­nist, aber schau­en Sie doch selbst! https://www.youtube.com/channel/UCy0FxMgGUlRnkxCoNZUNRQQ

Schü­ler ler­nen heu­te mit You­tube, das zeigt eine Stu­die des Rates für Kul­tu­rel­le Bil­dung. Für den Ober­schul­rek­tor Kai Schmidt aus Nie­der­sach­sen ist das kein Pro­blem. Schließ­lich ist er selbst einer der belieb­tes­ten Mathe­leh­rer auf der Platt­form. Er ist über­zeugt, dass er dadurch auch ein bes­se­rer Leh­rer im Klas­sen­zim­mer gewor­den ist.

Lesen Sie ein exklu­si­ves SZ- Inter­view hier: https://www.sueddeutsche.de/bildung/lehrerschmidt-youtube-mathe-algebra-gleichungen-1.4474578

Fritz geht in die 9. Klas­se einer Gesamt­schu­le in Mön­chen­glad­bach und seit Coro­na war er wie alle ande­ren Kin­der und Jugend­li­chen nicht mehr in der Schu­le. Auch nun, kurz vor den gro­ßen Som­mer­fe­ri­en, ist er nur noch sel­ten in der Schu­le. Statt­des­sen lernt er online: Online­mee­tings, Chats mit dem Leh­rer über lo-net, Ein­zel­ar­beit, Haus­auf­ga­ben-Stel­lung und -Bespre­chung eben­falls digi­tal. Fritz gefällt das, zumal er neben dem Ler­nen zuhau­se auch viel Zeit sei­nem Hob­by zu frönt und sich durch Gar­ten­ar­beit seit Taschen­geld auf­bes­sern kann.

Die­ses neu­ar­ti­ge Prä­senz- und Distanz­ler­nen ist für alle neu und die Einen kom­men gut damit zu Recht und die Ande­ren etwas schlech­ter. Es gibt Lehr­kräf­te, die sind sehr digi­tal-fitt und ande­re Lehr­kräf­te, die sind sehr unsi­cher in die­sem Bereich und haben teil­wei­se sogar Angst vor eige­ner Über­for­de­rung. Da sind dann auch Schul­lei­te­rin­nen und Schul­lei­ter Coach und Moti­va­tor zugleich. Aber, auch Schü­ler sind digi­tal nicht weni­ger sel­ten zu errei­chen — aber das The­ma haben wir an die­ser Stel­le auch schon the­ma­ti­siert.

Nun gibt es aber eine inter­es­san­te Schü­ler­be­fra­gung vom Insti­tut der Deut­schen Wirt­schaft. Die Wis­sen­schaft­ler befrag­ten 2.000 Jugend­li­che, gefragt nach der bes­ten Lern­me­tho­de. Die Schü­ler sind 17 Jah­re jung und kom­men über­wie­gend aus Gym­na­si­en, weil sie Teil­neh­mer sind des Schü­ler­fir­men­pro­jekts “Juni­or” sind. Also, in keins­ter Wei­se reprä­sen­ta­tiv, aber den­noch “ein­drück­lich” wie die Süd­deut­sche (SZ) schreibt.

Zu den Ergeb­nis­sen: 42% der Schü­ler gefällt das Ler­nen im Inter­net über Vide­os und Erklär­clips am bes­ten. Der Schul­un­ter­richt war nur für 27 Pro­zent der Jugend­li­chen die Lern­me­tho­de der Wahl. Pod­cast hören im Übri­gen nur 3%. Die Unter­su­chung liegt der SZ vor­ab vor.

In wel­chen Fächern mit digi­ta­len Gerä­ten unter­rich­tet wird: Natur­wis­sen­schaf­ten (47%), Fremd­spra­chen (43), Gesell­schafts­kun­de (42), Mathe (35), Deutsch (34).

Man muss natür­lich berück­sich­ti­gen, dass die befrag­ten Jugend­li­chen rela­tiv alt sind, bei Grund­schü­lern dürf­ten die Ergeb­nis­se sicher anders aus­fal­len”, sagt IW-For­sche­rin Ruth Schü­ler. “Aber für uns war es frap­pie­rend fest­zu­stel­len, wie digi­tal die Lern­rea­li­tät von Schü­le­rin­nen und Schü­lern bereits ist und wie wenig digi­tal im Gegen­satz dazu die Schu­len bis­her auf­ge­stellt waren.” Das zei­gen die Daten der jüngs­ten Pisa-Stu­die aus dem Jahr 2018, die die IW-Autorin­nen par­al­lel aus­wer­te­ten. Mehr als die Hälf­te der damals befrag­ten 15-Jäh­ri­gen gab an, dass bei ihnen im Unter­richt kei­ne Note­books oder Tablets ein­ge­setzt wür­den. Am häu­figs­ten wer­den digi­ta­le Gerä­te im Klas­sen­zim­mer noch in den Natur­wis­sen­schaf­ten oder Fremd­spra­chen genutzt.

Inter­es­sant auch, dass Jungs und Mädels offen­bar “anders” ler­nen. Die SZ schreibt dazu: Tipps von Freun­den sind zwar für Jun­gen wie für Mäd­chen glei­cher­ma­ßen rele­vant; dar­über hin­aus berück­sich­ti­gen Mäd­chen aber häu­fi­ger Emp­feh­lun­gen von Lehr­kräf­ten, wäh­rend Jun­gen sich nach den Abruf­zah­len eines Vide­os rich­ten — getreu dem Mot­to: Was viel geklickt wur­de, wird schon was tau­gen.

Mehr Ergeb­nis­se gibts hier https://www.sueddeutsche.de/bildung/schule-youtube-lernvideos-1.4937698

Nach dem ver­gan­ge­nen BLOG-Bei­trag zum The­ma “Digi­ta­les Ler­nen” ström­te es plötz­lich in vie­len ande­ren Medi­en. Auch Axel Plün­ne­cke vom IW Köln hat sich jetzt gemel­det mit einem sehr span­nen­den Bei­trag. Er schreibt: Das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt hat neue Zah­len ver­öf­fent­licht, die alte Pro­ble­me auf­zei­gen: Noch immer ist digi­ta­les Ler­nen an den Schu­len in Deutsch­land die Aus­nah­me. Wei­te­re Stu­di­en machen deut­lich: Es fehlt an Kom­pe­ten­zen der Lehr­kräf­te, oft gibt es nicht ein­mal WLAN für Schü­ler und Leh­rer. Das Bil­dungs­sys­tem muss bei der Digi­ta­li­sie­rung end­lich sei­ne Haus­auf­ga­ben machen.

Digi­ta­les Ler­nen ist nach der schritt­wei­sen Wie­der­eröff­nung der Schu­len wich­ti­ger denn je, um Bil­dung zu ermög­li­chen und der Gefahr einer zuneh­men­den Chan­cen­gleich­heit an Schu­len ent­ge­gen­zu­wir­ken. 

Die Defi­zi­te im deut­schen Bil­dungs­sys­tem sind aller­dings nicht erst seit den heu­te ver­öf­fent­lich­ten Zah­len bekannt. Auch die inter­na­tio­na­len Ver­gleichs­stu­die “Inter­na­tio­nal Com­pu­ter and Infor­ma­ti­on Liter­acy Stu­dy” (ICILS-2018) hat sich den Pro­ble­men gewid­met: Dem­nach lan­den deut­sche Schü­ler bei den com­pu­ter- und infor­ma­ti­ons­be­zo­ge­nen Kom­pe­ten­zen nur im Mit­tel­feld und weit hin­ter dem Spit­zen­rei­ter Däne­mark. Nur rund 23 Pro­zent der Leh­rer, die Acht­kläss­ler unter­rich­ten, set­zen laut ICILS-2018 täg­lich digi­ta­le Medi­en im Unter­richt ein. Deutsch­land liegt damit deut­lich unter dem inter­na­tio­na­len Mit­tel­wert von rund 48 Pro­zent.

Nur etwa 26 Pro­zent der Schü­le­rin­nen und Schü­ler in der ach­ten Klas­se besu­chen eine Schu­le, in der sowohl für die Lehr­kräf­te als auch für die Schü­le­rin­nen und Schü­ler ein WLAN-Zugang ver­füg­bar ist – der schlech­tes­te Wert unter den teil­neh­men­den Län­dern. Zum Ver­gleich: Der EU-Schnitt liegt bei rund 68 Pro­zent, Däne­mark erreicht sogar eine Quo­te von 100 Pro­zent.

Nur sel­ten digi­ta­le Gerä­te im Unter­richt

Auch in der PISA-Erhe­bung aus dem Jahr 2018 wur­den die Schü­le­rin­nen und Schü­ler gefragt, wie häu­fig digi­ta­le Gerä­te in ver­schie­de­nen Unter­richts­stun­den ein­ge­setzt wer­den. Dem­nach gaben rund 65 Pro­zent der Schü­le­rin­nen und Schü­ler in Deutsch­land an, dass sowohl in Deutsch als auch in Mathe­ma­tik in einer typi­schen Schul­wo­che kei­ne digi­ta­len Gerä­te zum Ein­satz kom­men. In den Natur­wis­sen­schaf­ten wer­den sie etwas häu­fi­ger ein­ge­setzt. In Däne­mark ergibt sich ein voll­kom­men ande­res Bild – der Ein­satz digi­ta­ler Gerä­te war dort bereits vor der Coro­na­kri­se Stan­dard.  

Die aktu­el­len Stu­di­en zei­gen auch, dass nur ein gerin­ger Teil der Lehr­kräf­te an digi­ta­li­sie­rungs­be­zo­ge­nen Fort­bil­dun­gen teil­nimmt und nur sehr weni­ge Leh­rer Unter­richts­hos­pi­ta­tio­nen zum Ein­satz digi­ta­ler Medi­en machen. Das Deut­sche Schul­por­tal hat im April die­ses Jah­res Leh­rer befragt – das Ergeb­nis: Esfehlt den Leh­rern an Kom­pe­ten­zen im Umgang mit digi­ta­len Lern­for­ma­ten, aber auch an tech­ni­scher Aus­stat­tung.

Mehr Fort- und Wei­ter­bil­dun­gen für Leh­rer

Um die Digi­ta­li­sie­rung an den Schu­len vor­an­zu­brin­gen, soll­ten Leh­rer bei der Ent­wick­lung von digi­ta­len Lehr- und Lern­kon­zep­ten unter­stützt wer­den. Digi­ta­les Ler­nen ist in der Aus­bil­dung zu ver­an­kern. Fort- und Wei­ter­bil­dun­gen sind deut­lich aus­zu­wei­ten. Die Aus­stat­tung der Schu­len mit digi­ta­len Medi­en ist wei­ter zu ver­bes­sern: In allen Schu­len soll­ten WLAN und digi­ta­le End­ge­rä­te für Lehr­kräf­te und Schü­ler ver­füg­bar sein. Außer­dem fehlt zusätz­li­ches IT-Per­so­nal für die IT-Admi­nis­tra­ti­on – und schnel­les Inter­net zuhau­se. Der Staat soll­te hier­zu zusätz­li­che Mit­tel über den Digi­tal­pakt hin­aus zur Ver­fü­gung stel­len.

Quel­le: IW Köln