Die­sen inter­es­san­ten Bei­trag fand ich bei Mathi­as Horx, Zukunfts­ex­per­te und Key­notespeaker bei einem unse­rer ver­gan­ge­nen Arbeit­ge­ber­ta­ge. Ein- und Aus­sich­ten in eine zwar unge­wis­se, aber span­nen­de Zukunft.

Ich wer­de der­zeit oft gefragt, wann Coro­na denn „vor­bei sein wird”, und alles wie­der zur Nor­ma­li­tät zurück­kehrt. Mei­ne Ant­wort: Nie­mals. Es gibt his­to­ri­sche Momen­te, in denen die Zukunft ihre Rich­tung ändert. Wir nen­nen sie Bifur­ka­tio­nen. Oder Tie­fen­kri­sen. Die­se Zei­ten sind jetzt.

Die Welt as we know it löst sich gera­de auf. Aber dahin­ter fügt sich eine neue Welt zusam­men, deren For­mung wir zumin­dest erah­nen kön­nen. Dafür möch­te ich Ihnen eine Übung anbie­ten, mit der wir in Visi­ons­pro­zes­sen bei Unter­neh­men gute Erfah­run­gen gemacht haben. Wir nen­nen sie die RE-Gno­se. Im Gegen­satz zur PRO-Gno­se schau­en wir mit die­ser Tech­nik nicht »in die Zukunft«. Son­dern von der Zukunft aus ZURÜCK ins Heu­te. Klingt ver­rückt? Ver­su­chen wir es ein­mal:

Die Re-Gno­se: Unse­re Welt im Herbst 2020

Stel­len wir uns eine Situa­ti­on im Herbst vor, sagen wir im Sep­tem­ber 2020. Wir sit­zen in einem Stra­ßen­ca­fe in einer Groß­stadt. Es ist warm, und auf der Stras­se bewe­gen sich wie­der Men­schen. Bewe­gen sie sich anders? Ist alles so wie frü­her? Schmeckt der Wein, der Cock­tail, der Kaf­fee, wie­der wie frü­her? Wie damals vor Coro­na?
Oder sogar bes­ser?
Wor­über wer­den wir uns rück­bli­ckend wun­dern?

Wir wer­den uns wun­dern, dass die sozia­len Ver­zich­te, die wir leis­ten muss­ten, sel­ten zu Ver­ein­sa­mung führ­ten. Im Gegen­teil. Nach einer ers­ten Schock­star­re führ­ten vie­le von sich sogar erleich­tert, dass das vie­le Ren­nen, Reden, Kom­mu­ni­zie­ren auf Mul­ti­ka­nä­len plötz­lich zu einem Halt kam. Ver­zich­te müs­sen nicht unbe­dingt Ver­lust bedeu­ten, son­dern kön­nen sogar neue Mög­lich­keits­räu­me eröff­nen. Das hat schon man­cher erlebt, der zum Bei­spiel Inter­vall­fas­ten pro­bier­te – und dem plötz­lich das Essen wie­der schmeck­te. Para­do­xer­wei­se erzeug­te die kör­per­li­che Distanz, die der Virus erzwang, gleich­zei­tig neue Nähe. Wir haben Men­schen ken­nen­ge­lernt, die wir sonst nie ken­nen­ge­lernt hät­ten. Wir haben alte Freun­de wie­der häu­fi­ger kon­tak­tiert, Bin­dun­gen ver­stärkt, die lose und locker gewor­den waren. Fami­li­en, Nach­barn, Freun­de, sind näher gerückt und haben bis­wei­len sogar ver­bor­ge­ne Kon­flik­te gelöst.

Die gesell­schaft­li­che Höf­lich­keit, die wir vor­her zuneh­mend ver­miss­ten, stieg an.

Jetzt im Herbst 2020 herrscht bei Fuss­ball­spie­len eine ganz ande­re Stim­mung als im Früh­jahr, als es jede Men­ge Mas­sen-Wut-Pöbe­lei­en gab. Wir wun­dern uns, war­um das so ist.

Wir wer­den uns wun­dern, wie schnell sich plötz­lich Kul­tur­tech­ni­ken des Digi­ta­len in der Pra­xis bewähr­ten. Tele- und Video­kon­fe­ren­zen, gegen die sich die meis­ten Kol­le­gen immer gewehrt hat­ten (der Busi­ness-Flie­ger war bes­ser) stell­ten sich als durch­aus prak­ti­ka­bel und pro­duk­tiv her­aus. Leh­rer lern­ten eine Men­ge über Inter­net-Tea­ching. Das Home­of­fice wur­de für Vie­le zu einer Selbst­ver­ständ­lich­keit – ein­schließ­lich des Impro­vi­sie­rens und Zeit-Jon­glie­rens, das damit ver­bun­den ist.

Gleich­zei­tig erleb­ten schein­bar ver­al­te­te Kul­tur­tech­ni­ken eine Renais­sance. Plötz­lich erwisch­te man nicht nur den Anruf­be­ant­wor­ter, wenn man anrief, son­dern real vor­han­de­ne Men­schen. Das Virus brach­te eine neue Kul­tur des Lang­te­le­fo­nie­ren ohne Second Screen her­vor. Auch die »messa­ges« selbst beka­men plötz­lich eine neue Bedeu­tung. Man kom­mu­ni­zier­te wie­der wirk­lich. Man ließ nie­man­den mehr zap­peln. Man hielt nie­man­den mehr hin. So ent­stand eine neue Kul­tur der Erreich­bar­keit. Der Ver­bind­lich­keit.

Men­schen, die vor lau­ter Hek­tik nie zur Ruhe kamen, auch jun­ge Men­schen, mach­ten plötz­lich aus­gie­bi­ge Spa­zier­gän­ge (ein Wort, das vor­her eher ein Fremd­wort war). Bücher lesen wur­de plötz­lich zum Kult.

Rea­li­ty Shows wirk­ten plötz­lich grot­ten­pein­lich. Der gan­ze Tri­via-Trash, der unend­li­che See­len­müll, der durch alle Kanä­le ström­te. Nein, er ver­schwand nicht völ­lig. Aber er ver­lor rasend an Wert.
Kann sich jemand noch an den Poli­ti­cal-Cor­rec­t­ness-Streit erin­nern? Die unend­lich vie­len Kul­tur­krie­ge um … ja um was ging da eigent­lich?

Kri­sen wir­ken vor allem dadurch, dass sie alte Phä­no­me­ne auf­lö­sen, über-flüs­sig machen…
Zynis­mus, die­se läs­si­ge Art, sich die Welt durch Abwer­tung vom Lei­be zu hal­ten, war plötz­lich reich­lich out.
Die Über­trei­bungs-Angst-Hys­te­rie in den Medi­en hielt sich, nach einem kur­zen ers­ten Aus­bruch, in Gren­zen.

Neben­bei erreich­te auch die unend­li­che Flut grau­sams­ter Kri­mi-Seri­en ihren Tip­ping Point.

Wir wer­den uns wun­dern, dass schließ­lich doch schon im Som­mer Medi­ka­men­te gefun­den wur­den, die die Über­le­bens­ra­te erhöh­ten. Dadurch wur­den die Todes­ra­ten gesenkt und Coro­na wur­de zu einem Virus, mit dem wir eben umge­hen müs­sen – ähn­lich wie die Grip­pe und die vie­len ande­ren Krank­hei­ten. Medi­zi­ni­scher Fort­schritt half. Aber wir haben auch erfah­ren: Nicht so sehr die Tech­nik, son­dern die Ver­än­de­rung sozia­ler Ver­hal­tens­for­men war das Ent­schei­den­de. Dass Men­schen trotz radi­ka­ler Ein­schrän­kun­gen soli­da­risch und kon­struk­tiv blei­ben konn­ten, gab den Aus­schlag. Die human-sozia­le Intel­li­genz hat gehol­fen. Die viel­ge­prie­se­ne Künst­li­che Intel­li­genz, die ja bekannt­lich alles lösen kann, hat dage­gen in Sachen Coro­na nur begrenzt gewirkt.

Damit hat sich das Ver­hält­nis zwi­schen Tech­no­lo­gie und Kul­tur ver­scho­ben. Vor der Kri­se schien Tech­no­lo­gie das All­heil­mit­tel, Trä­ger aller Uto­pi­en. Kein Mensch – oder nur noch weni­ge Hart­ge­sot­te­ne – glau­ben heu­te noch an die gro­ße digi­ta­le Erlö­sung. Der gro­ße Tech­nik-Hype ist vor­bei. Wir rich­ten unse­re Auf­merk­sam­kei­ten wie­der mehr auf die huma­nen Fra­gen: Was ist der Mensch? Was sind wir für­ein­an­der?

Wir stau­nen rück­wärts, wie­viel Humor und Mit­mensch­lich­keit in den Tagen des Virus tat­säch­lich ent­stan­den ist.

Wir wer­den uns wun­dern, wie weit die Öko­no­mie schrump­fen konn­te, ohne dass so etwas wie »Zusam­men­bruch« tat­säch­lich pas­sier­te, der vor­her bei jeder noch so klei­nen Steu­er­erhö­hung und jedem staat­li­chen Ein­griff beschwo­ren wur­de. Obwohl es einen »schwar­zen April« gab, einen tie­fen Kon­junk­tur­ein­bruch und einen Bör­sen­ein­bruch von 50 Pro­zent, obwohl vie­le Unter­neh­men plei­te­gin­gen, schrumpf­ten oder in etwas völ­lig ande­res mutier­ten, kam es nie zum Null­punkt. Als wäre Wirt­schaft ein atmen­des Wesen, das auch dösen oder schla­fen und sogar träu­men kann.

Heu­te im Herbst, gibt es wie­der eine Welt­wirt­schaft. Aber die Glo­ba­le Just-in-Time-Pro­duk­ti­on, mit rie­si­gen ver­zweig­ten Wert­schöp­fungs­ket­ten, bei denen Mil­lio­nen Ein­zel­tei­le über den Pla­ne­ten gekarrt wer­den, hat sich über­lebt. Sie wird gera­de demon­tiert und neu kon­fi­gu­riert. Über­all in den Pro­duk­tio­nen und Ser­vice-Ein­rich­tun­gen wach­sen wie­der Zwi­schen­la­ger, Depots, Reser­ven. Orts­na­he Pro­duk­tio­nen boo­men, Netz­wer­ke wer­den loka­li­siert, das Hand­werk erlebt eine Renais­sance. Das Glo­bal-Sys­tem drif­tet in Rich­tung Glo­KA­Li­sie­rung: Loka­li­sie­rung des Glo­ba­len.

Wir wer­den uns wun­dern, dass sogar die Ver­mö­gens­ver­lus­te durch den Bör­sen­ein­bruch nicht so schmer­zen, wie es sich am Anfang anfühl­te. In der neu­en Welt spielt Ver­mö­gen plötz­lich nicht mehr die ent­schei­den­de Rol­le. Wich­ti­ger sind gute Nach­barn und ein blü­hen­der Gemü­se­gar­ten.

Könn­te es sein, dass das Virus unser Leben in eine Rich­tung geän­dert hat, in die es sich sowie­so ver­än­dern woll­te?

RE-Gno­se: Gegen­warts­be­wäl­ti­gung durch Zukunfts-Sprung

War­um wirkt die­se Art der »Von-Vor­ne-Sze­na­ri­os« so irri­tie­rend anders als eine klas­si­sche Pro­gno­se? Das hängt mit den spe­zi­fi­schen Eigen­schaf­ten unse­res Zukunfts-Sinns zusam­men. Wenn wir »in die Zukunft« schau­en, sehen wir ja meis­tens nur die Gefah­ren und Pro­ble­me »auf uns zukom­men«, die sich zu unüber­wind­ba­ren Bar­rie­ren tür­men. Wie eine Loko­mo­ti­ve aus dem Tun­nel, die uns über­fährt. Die­se Angst-Bar­rie­re trennt uns von der Zukunft. Des­halb sind Hor­ror-Zukünf­te immer am Ein­fachs­ten dar­zu­stel­len.

Re-Gno­sen bil­den hin­ge­gen eine Erkennt­nis-Schlei­fe, in der wir uns selbst, unse­ren inne­ren Wan­del, in die Zukunfts­rech­nung ein­be­zie­hen. Wir set­zen uns inner­lich mit der Zukunft in Ver­bin­dung, und dadurch ent­steht eine Brü­cke zwi­schen Heu­te und Mor­gen. Es ent­steht ein »Future Mind« – Zukunfts-Bewusst­heit.

Wenn man das rich­tig macht, ent­steht so etwas wie Zukunfts-Intel­li­genz. Wir sind in der Lage, nicht nur die äuße­ren »Events«, son­dern auch die inne­ren Adap­tio­nen, mit denen wir auf eine ver­än­der­te Welt reagie­ren, zu anti­zi­pie­ren.

Das fühlt sich schon ganz anders an als eine Pro­gno­se, die in ihrem apo­dik­ti­schen Cha­rak­ter immer etwas Totes, Ste­ri­les hat. Wir ver­las­sen die Angst­star­re und gera­ten wie­der in die Leben­dig­keit, die zu jeder wah­ren Zukunft gehört. 

Wir alle ken­nen das Gefühl der geglück­ten Angst­über­win­dung. Wenn wir für eine Behand­lung zum Zahn­arzt gehen, sind wir schon lan­ge vor­her besorgt. Wir ver­lie­ren auf dem Zahn­arzt­stuhl die Kon­trol­le und das schmerzt, bevor es über­haupt weh­tut. In der Anti­zi­pa­ti­on die­ses Gefühls stei­gern wir uns in Ängs­te hin­ein, die uns völ­lig über­wäl­ti­gen kön­nen. Wenn wir dann aller­dings die Pro­ze­dur über­stan­den haben, kommt es zum Coping-Gefühl: Die Welt wirkt wie­der jung und frisch und wir sind plötz­lich vol­ler Taten­drang.

Coping heißt: bewäl­ti­gen. Neu­ro­bio­lo­gisch wird dabei das Angst-Adre­na­lin durch Dopa­min ersetzt, eine Art kör­per­ei­ge­ner Zukunfts-Dro­ge. Wäh­rend uns Adre­na­lin zu Flucht oder Kampf anlei­tet (was auf dem Zahn­arzt­stuhl nicht so rich­tig pro­duk­tiv ist, eben­so wenig wie beim Kampf gegen Coro­na), öff­net Dopa­min unse­re Hirn­syn­ap­sen: Wir sind gespannt auf das Kom­men­de, neu­gie­rig, vor­aus­schau­end. Wenn wir einen gesun­den Dopa­min-Spie­gel haben, schmie­den wir Plä­ne, haben Visio­nen, die uns in die vor­aus­schau­en­de Hand­lung brin­gen.

Erstaun­li­cher­wei­se machen vie­le in der Coro­na-Kri­se genau die­se Erfah­rung. Aus einem mas­si­ven Kon­troll­ver­lust wird plötz­lich ein regel­rech­ter Rausch des Posi­ti­ven. Nach einer Zeit der Fas­sungs­lo­sig­keit und Angst ent­steht eine inne­re Kraft. Die Welt »endet«, aber in der Erfah­rung, dass wir immer noch da sind, ent­steht eine Art Neu-Sein im Inne­ren.

Mit­ten im Shut-Down der Zivi­li­sa­ti­on lau­fen wir durch Wäl­der oder Parks, oder über fast lee­re Plät­ze. Aber das ist kei­ne Apo­ka­lyp­se, son­dern ein Neu­an­fang.

So erweist sich: Wan­del beginnt als ver­än­der­tes Mus­ter von Erwar­tun­gen, von Wahr-Neh­mun­gen und Welt-Ver­bin­dun­gen. Dabei ist es manch­mal gera­de der Bruch mit den Rou­ti­nen, dem Gewohn­ten, der unse­ren Zukunfts-Sinn wie­der frei­setzt. Die Vor­stel­lung und Gewiss­heit, dass alles ganz anders sein könn­te – auch im Bes­se­ren.

Viel­leicht wer­den wir uns sogar wun­dern, dass Trump im Novem­ber abge­wählt wird. Die AFD zeigt ernst­haf­te Zer­fran­sens-Erschei­nun­gen, weil eine bös­ar­ti­ge, spal­ten­de Poli­tik nicht zu einer Coro­na-Welt passt. In der Coro­na-Kri­se wur­de deut­lich, dass die­je­ni­gen, die Men­schen gegen­ein­an­der auf­het­zen wol­len, zu ech­ten Zukunfts­fra­gen nichts bei­zu­tra­gen haben. Wenn es ernst wird, wird das Destruk­ti­ve deut­lich, das im Popu­lis­mus wohnt.

Poli­tik in ihrem Ur-Sin­ne als For­mung gesell­schaft­li­cher Ver­ant­wort­lich­kei­ten bekam die­ser Kri­se eine neue Glaub­wür­dig­keit, eine neue Legi­ti­mi­tät. Gera­de weil sie »auto­ri­tär« han­deln muss­te, schuf Poli­tik Ver­trau­en ins Gesell­schaft­li­che. Auch die Wis­sen­schaft hat in der Bewäh­rungs­kri­se eine erstaun­li­che Renais­sance erlebt. Viro­lo­gen und Epi­de­mio­lo­gen wur­den zu Medi­en­stars, aber auch »futu­ris­ti­sche« Phi­lo­so­phen, Sozio­lo­gen, Psy­cho­lo­gen, Anthro­po­lo­gen, die vor­her eher am Ran­de der pola­ri­sier­ten Debat­ten stan­den, beka­men wie­der Stim­me und Gewicht.

Fake News hin­ge­gen ver­lo­ren rapi­de an Markt­wert. Auch Ver­schwö­rungs­theo­ri­en wirk­ten plötz­lich wie Laden­hü­ter, obwohl sie wie sau­res Bier ange­bo­ten wur­den.

Ein Virus als Evo­lu­ti­ons­be­schleu­ni­ger

Tie­fe Kri­sen wei­sen oben­drein auf ein wei­te­res Grund­prin­zip des Wan­dels hin: Die Trend-Gegen­trend-Syn­the­se.

Die neue Welt nach Coro­na – oder bes­ser mit Coro­na – ent­steht aus der Dis­rup­ti­on des Mega­trends Kon­nek­ti­vi­tät. Poli­tisch-öko­no­misch wird die­ses Phä­no­men auch »Glo­ba­li­sie­rung« genannt. Die Unter­bre­chung der Kon­nek­ti­vi­tät – durch Grenz­schlie­ßun­gen, Sepa­ra­tio­nen, Abschot­tun­gen, Qua­ran­tä­nen – führt aber nicht zu einem Abschaf­fen der Ver­bin­dun­gen. Son­dern zu einer Neu­or­ga­ni­sa­ti­on der Kon­nek­to­me, die unse­re Welt zusam­men­hal­ten und in die Zukunft tra­gen. Es kommt zu einem Pha­sen­sprung der sozio-öko­no­mi­schen Sys­te­me.

Die kom­men­de Welt wird Distanz wie­der schät­zen – und gera­de dadurch Ver­bun­den­heit qua­li­ta­ti­ver gestal­ten. Auto­no­mie und Abhän­gig­keit, Öff­nung und Schlie­ßung, wer­den neu aus­ba­lan­ciert. Dadurch kann die Welt kom­ple­xer, zugleich aber auch sta­bi­ler wer­den. Die­se Umfor­mung ist weit­ge­hend ein blin­der evo­lu­tio­nä­rer Pro­zess – weil das eine schei­tert, setzt sich das Neue, über­le­bens­fä­hig, durch. Das macht einen zunächst schwin­de­lig, aber dann erweist es sei­nen inne­ren Sinn: Zukunfts­fä­hig ist das, was die Para­do­xi­en auf einer neu­en Ebe­ne ver­bin­det.

Die­ser Pro­zess der Kom­ple­xie­rung – nicht zu ver­wech­seln mit Kom­pli­zie­rung – kann aber auch von Men­schen bewusst gestal­tet wer­den. Die­je­ni­gen, die das kön­nen, die die Spra­che der kom­men­den Kom­ple­xi­tät spre­chen, wer­den die Füh­rer von Mor­gen sein. Die wer­den­den Hoff­nungs­trä­ger. Die kom­men­den Gre­tas.

Wir wer­den durch Coro­na unse­re gesam­te Ein­stel­lung gegen­über dem Leben anpas­sen – im Sin­ne unse­rer Exis­tenz als Lebe­we­sen inmit­ten ande­rer Lebens­for­men.”

Sla­vo Zizek im Höhe­punkt der Coro­na­kri­se Mit­te März

Jede Tie­fen­kri­se hin­ter­lässt eine Sto­ry, ein Nar­ra­tiv, das weit in die Zukunft weist. Eine der stärks­ten Visio­nen, die das Coro­na­vi­rus hin­ter­lässt, sind die musi­zie­ren­den Ita­lie­ner auf den Bal­ko­nen. Die zwei­te Visi­on sen­den uns die Satel­li­ten­bil­der, die plötz­lich die Indus­trie­ge­bie­te Chi­nas und Ita­li­ens frei von Smog zei­gen. 2020 wird der CO&sub2;-Ausstoss der Mensch­heit zum ers­ten Mal fal­len. Die­se Tat­sa­che wird etwas mit uns machen.

Wenn das Virus so etwas kann – kön­nen wir das womög­lich auch? Viel­leicht war der Virus nur ein Send­bo­te aus der Zukunft. Sei­ne dras­ti­sche Bot­schaft lau­tet: Die mensch­li­che Zivi­li­sa­ti­on ist zu dicht, zu schnell, zu über­hitzt gewor­den. Sie rast zu sehr in eine bestimm­te Rich­tung, in der es kei­ne Zukunft gibt.

Aber sie kann sich neu erfin­den.
Sys­tem reset.
Cool down!
Musik auf den Bal­ko­nen!

So geht Zukunft.

Hin­weis: Die­ser Text ist frei abdruck­bar mit dem Hin­weis: www.horx.com und www.zukunftsinstitut.de.

In ganz Deutsch­land sind die Schu­len seit ges­tern geschlos­sen. Für das Bil­dungs­sys­tem ist das eine enor­me Her­aus­for­de­rung: Die Kin­der müs­sen wei­ter­hin betreut, der Unter­richts­aus­fall kom­pen­siert wer­den. Vie­le Bun­des­län­der wol­len auf digi­ta­le Alter­na­ti­ven set­zen und Unter­richts­ma­te­ri­al etwa per E-Mail ver­schi­cken – doch dazu fehlt die nöti­ge Kom­pe­tenz und Infra­struk­tur. Im BLOG heu­te ein Arti­kel von David Mein­hard vom Insti­tut der Deut­schen Wirt­schaft Köln.

In der Nacht zum Frei­tag, 13. März 2020, beschloss das Saar­land als ers­tes deut­sches Bun­des­land, alle Schu­len und Kin­der­ta­ges­stät­ten zu schlie­ßen. Im Lau­fe des Tages und des Wochen­en­des taten es alle ande­ren Bun­des­län­der dem Saar­land gleich. Seit Anfang die­ser Woche sind alle Schu­len in Deutsch­land geschlos­sen. Doch wie sol­len die Schü­ler jetzt ler­nen? Das Baye­ri­sche Staats­mi­nis­te­ri­um für Unter­richt und Kul­tus bei­spiels­wei­se emp­fiehlt digi­ta­le Medi­en, „um orts­un­ab­hän­gig kom­mu­ni­zie­ren, ler­nen und arbei­ten zu kön­nen.“ Schul­lei­ter sol­len die „digi­ta­len Mög­lich­kei­ten“ ihrer Schu­len prü­fen.

Das Coro­na­vi­rus offen­bart ein grund­sätz­lich ver­kürz­tes Ver­ständ­nis des Ein­sat­zes digi­ta­ler Medi­en: Gibt es Per­so­nal­man­gel, Raum­not oder, wie in die­sem Fall, eine gesund­heit­li­che Kri­sen­si­tua­ti­on, sol­len E-Lear­ning und Co. zum Ein­satz kom­men und alles rich­ten. In der öffent­li­chen Wahr­neh­mung und in den Augen der Ent­schei­dungs­trä­ger wird das Poten­zi­al des digi­ta­len Ler­nens nicht erkannt. E-Lear­ning ist für vie­le noch immer eine Not­lö­sung – dabei soll­te digi­ta­ler Unter­richt mitt­ler­wei­le zum All­tag der Schü­ler gehö­ren. 
Die Lücke, die durch Coro­na ent­stan­den ist, kann nur mit hin­rei­chen­den tech­ni­schen Lösun­gen und didak­ti­schen Kon­zep­ten für den media­len Fern­un­ter­richt gefüllt wer­den. Bei­des such­ten die Schul­kin­der in Deutsch­land schon vor Coro­na ver­geb­lich: Wie der INSM Bil­dungs­mo­ni­tor 2019 zeigt, fehlt es wei­ter­hin an einer flä­chen­de­cken­den und zuver­läs­si­gen tech­ni­schen Infra­struk­tur. Den Leh­rern wie­der­um feh­len die nöti­gen Kom­pe­ten­zen, um auch online zu unter­rich­ten. Es ist naiv davon aus­zu­ge­hen, dass es Schul­lei­tun­gen, Leh­rern und Betreu­ungs­per­so­nen wäh­rend der Coro­na-Kri­se gelingt, inner­halb weni­ger Tage ein völ­lig aus­ge­reif­tes Kon­zept für das E-Lear­ning zu schaf­fen. 

Uni­ver­si­tä­ten sind einen Schritt vor­aus

Was nun gebraucht wird, sind prag­ma­ti­sche Kurz­frist­lö­sun­gen. Es gilt, den Scha­den, der durch den Unter­richts­aus­fall ent­steht, zu begren­zen. Die Schu­len soll­ten Schul­platt­for­men oder Werk­zeu­ge der Kul­tus­mi­nis­te­ri­en und Lan­des­me­di­en­zen­tren für die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit den Schü­lern sowie zur Ver­tei­lung von Lehr­ma­te­ria­li­en nut­zen, um Fern­un­ter­richt zu ermög­li­chen. Hier zahlt es sich aus, wenn Schu­len einen guten Medi­en­ent­wick­lungs­plan erar­bei­tet haben, wie er auch im Zuge des „Digi­tal­Pakt Schu­le“ gefor­dert wur­de. Leh­rer soll­ten sich über ver­füg­ba­re Lern-Apps und freie digi­ta­le Lern­res­sour­cen infor­mie­ren und die­se an die Schü­ler wei­ter­ge­ben. Der Aus­tausch von erfolg­rei­chen Kon­zep­ten soll­te vor­an­ge­trie­ben wer­den, wie es bereits auf Twit­ter mit dem Hash­tag „#Twit­ter­leh­rer­zim­mer“ geschieht. Auch ein Blick auf die Uni­ver­si­tä­ten lohnt sich: Hier wird bereits seit vie­len Jah­ren das Mate­ri­al online bereit­ge­stellt. Ver­ein­zelt wer­den sogar gan­ze Vor­le­sun­gen als Video auf­ge­nom­men oder live gestreamt.  
Mit einem Min­dest­maß an Krea­ti­vi­tät und Auf­ge­schlos­sen­heit lie­ße sich das kom­men­de unter­richts­freie Zeit­fens­ter zumin­dest als Erfah­rungs­raum für Leh­rer und Schü­ler öff­nen. Lang­fris­tig muss eine digi­ta­le Infra­struk­tur auf­ge­baut wer­den, um die Poten­zia­le des digi­ta­len Ler­nens zu nut­zen.  Nach­hal­ti­ge Inves­ti­tio­nen, auch in die Betei­lig­ten, sind gefragt, damit E-Lear­ning in Zukunft kei­ne Not­lö­sung mehr ist. 

Quel­le: www.iwkoeln.dehttp://www.iwkoeln.de

Es gibt Wich­ti­ge­res im Leben, als bestän­dig des­sen Geschwin­dig­keit zu erhö­hen.
(Mahat­ma Gan­dhi)

Die Män­ner im Fern­se­hen, es sind eigent­lich gefühlt immer nur Män­ner, schau­en immer sehr ernst, wenn sie ein Coro­na-Update geben. Es ist ja auch selt­sam bis beängs­ti­gend, wenn alle zwei Tage die nächs­te Sicher­heits­stu­fe gezün­det wird.

Ich erle­be die “Zei­ten in Coro­na” vor allem als sehr ent­schleu­nigt. Die Stra­ßen sind leer, kei­ne Staus auf der Auto­bahn, kaum Schlan­gen in den Geschäf­ten. Aber, vor allem erle­be ich mich und die ande­ren Men­schen als sehr ent­spannt (das kann natür­lich auch an mei­ner Ent­span­nung lie­gen, kei­ne Ahnung). Kein Gehu­pe, kein Gedrän­ge, man wird oft vor­ge­las­sen, kein Stress.

Ich mer­ke: Lang­sam ist bes­ser! Ich gewin­ne neue Kraft, neue Ein­bli­cke und neue Per­spek­ti­ven. Auf ein­mal mer­ke ich, dass Ter­mi­ne nicht immer ganz so wich­tig sind und ich ent­de­cke Din­ge, die ich ansons­ten viel­leicht über­se­hen hät­te. Ich spü­re, dass ich acht­sa­mer wer­de, für die Din­ge, The­men und Men­schen. Und dies führt in mei­ner Wahr­neh­mung zu mehr Rück­sichts­nah­me und Ver­ständ­nis. Ich erken­ne: Ent­schleu­ni­gung hilft!

Die­se ent­schleu­nig­ten Coro­na-Zei­ten, die­se beson­de­re Fas­ten- und Pas­si­ons­zeit, erle­be ich als sehr beson­ders: ich schla­fe mehr und bes­ser, ich neh­me mir mehr Zeit für mich und gehe mehr spa­zie­ren. Ich ach­te mehr auf schö­ne Din­ge, erle­di­ge mei­ne Auf­ga­ben nach­ein­an­der und nicht “tau­send Din­ge” par­al­lel. Ich bin etwas lang­sa­mer und tue öfter mal nix!

Irgend­wann wer­den die­se Zei­ten vor­bei sein und der Stress wird uns wie­der ein­ho­len. Ich hof­fe sehr, dass ich viel Ent­schleu­ni­gung mit­neh­men kann in die neue, alte Zeit …

Du musst nur lang­sam genug gehen, um immer in der Son­ne zu blei­ben. 
(Antoi­ne de Saint-Exu­pé­ry)

Johann (14) besucht die 9. Klas­se einer Gesamt­schu­le und macht gera­de im Alpen­park Neuss sein drei­wö­chi­ges Betriebs­prak­ti­kum. Zum Alpen­park gehö­ren zum Bei­spiel eine Ski­hal­le, ein Hotel, ein Gas­tro­no­mie­be­reich, ein Klet­ter­park, Funfuß­ball und Alm­golf. Ins­ge­samt arbei­ten dort 250 Mit­ar­bei­ter. Der Alpen­park ist auch ein Aus­bil­dungs­be­trieb.

War­um woll­test Du Dein Prak­ti­kum in der Ski­hal­le machen?

Ich inter­es­sie­re mich sehr für Seil­bah­nen und die Ski­hal­le ist der nächs­te Ort, an dem es Seil­bah­nen gibt. Mein Berufs­wunsch ist Seil­bahn­tech­ni­ker.

Wie kam der Kon­takt zustan­de?

Ich habe in der 8. Klas­se bereits mei­ne Berufs­fel­der­kun­dung (ein Ein-Tages-Prak­ti­kum) in dem Betrieb gemacht und mich danach dort bewor­ben für das Prak­ti­kum.

Was macht Dir beson­ders Spaß im Prak­ti­kum?

Ich ler­ne dort viel und pfle­ge den Kon­takt zu den Mit­ar­bei­tern und Kun­den. Ich wer­de in vie­len Berei­chen ein­ge­setzt, zum Bei­spiel an den Lift­an­la­gen, in der Werk­statt und gene­rell auf der Pis­te.

Wie sieht ein typi­scher Arbeits­tag aus?

Ich kom­me um 8 Uhr zum Dienst und baue mit den Kol­le­gen die Zäu­ne auf, die der Sicher­heit die­nen. Um 9 Uhr kom­men die ers­ten Ski­fah­rer, die schon bekannt sind, weil sie eigent­lich immer kom­men. Ab 10 Uhr kom­men die ande­ren Gäs­te und man muss sich in direk­ter Nähe zu den Steu­er­punk­ten auf­hal­ten, wo man zum Bei­spiel den Lift hal­ten und anfah­ren las­sen kann. Ansons­ten gibt es immer wie­der neue Auf­ga­ben zu erle­di­gen, manch­mal muss ich auch Gerät­schaf­ten von Eis und Schnee befrei­en, damit sie nach­her wie­der bes­ser funk­tio­nie­ren. Mit­tags habe ich dann eine gro­ße Pau­se. Ich bin in der Regel bis 15.30 Uhr dort. Dann habe ich Fei­er­abend.

In der 10. Klas­se steht das nächs­te Prak­ti­kum an. Hast Du dafür schon Plä­ne?

Ja, dann möch­te ich ger­ne zum Elek­tri­ker. Wie ich auch schon bei ande­ren Prak­ti­ka und Betriebs­füh­run­gen an Seil­bah­nen mit­be­kom­men habe, zum Bei­spiel im All­gäu, im Klein­wal­ser­tal und Koblenz, benö­tigt man als Seil­bahn­tech­ni­ker auch Kennt­nis­se von Elek­tro­nik. Ich habe mir schon Betrie­be aus­ge­sucht, wo ich mich dem­nächst bewer­ben wer­de.

Weißt Du schon wie es dann wei­ter­ge­hen soll?

Ich ver­su­che mein Abitur zu schaf­fen und möch­te dann eine Dua­le Aus­bil­dung machen, zum Bei­spiel in Öster­reich.

Dua­le Stu­di­en­gän­ge, die Pra­xis und Stu­di­um mit­ein­an­der ver­bin­den, erleich­tern den Berufs­ein­stieg nach dem Stu­di­um. Die Beschäf­ti­gungs­wahr­schein­lich­keit liegt in den ers­ten Jah­ren nach einem Dua­len Stu­di­um vier Pro­zent­punk­te höher als nach einem Uni­ver­si­täts­stu­di­um. Im wei­te­ren Erwerbs­ver­lauf ver­schwin­det die­ser Beschäf­ti­gungs­vor­teil aber, berich­tet das Insti­tut für Arbeits­markt- und Berufs­for­schung (IAB).

Dua­le Stu­di­en­gän­ge ver­bin­den Theo­rie und Pra­xis, indem wäh­rend des Stu­di­ums zugleich eine Berufs­aus­bil­dung in einem aner­kann­ten Aus­bil­dungs­be­ruf absol­viert wird oder Pra­xis­pha­sen in Unter­neh­men in einem weit grö­ße­ren Umfang als bei klas­si­schen Stu­di­en­gän­gen in der Stu­di­en­ord­nung ver­an­kert sind.

Rund vier Pro­zent aller Stu­die­ren­den absol­vie­ren ein dua­les Stu­di­um. Die Zahl dual Stu­die­ren­der stieg in den ver­gan­ge­nen 15 Jah­ren von 40.000 auf mehr als 100.000. Im glei­chen Zeit­raum erhöh­te sich die Zahl der Koope­ra­ti­ons­un­ter­neh­men von weni­ger als 20.000 auf rund 50.000.

Dual Stu­die­ren­de sind zumeist an Berufs­aka­de­mi­en, dua­len Hoch­schu­len und Fach­hoch­schu­len ein­ge­schrie­ben. In dua­len Stu­di­en­gän­gen gibt es im Ver­gleich zu Uni­ver­si­tä­ten einen höhe­ren Män­ner­an­teil und weni­ger Stu­die­ren­de mit aus­län­di­scher Staats­an­ge­hö­rig­keit.

Absol­ven­ten eines dua­len Stu­di­ums arbei­ten oft in den Berei­chen Geschäfts­ad­mi­nis­tra­ti­on, Geschäfts­lei­tung und Inge­nieurs­we­sen. Laut der IAB-Stu­die ver­die­nen Absol­ven­ten eines dua­len Stu­di­ums im Durch­schnitt ähn­lich wie Fach­hoch­schul­ab­sol­ven­ten und damit weni­ger als Absol­ven­ten eines uni­ver­si­tä­ren Stu­di­ums.

Die IAB-Stu­die ist online abruf­bar unter http://doku.iab.de/kurzber/2019/kb2519.pdf

Vie­le Eltern fas­sen den Begriff des Vor­le­sens zu eng und den­ken, dass dazu immer ein gedruck­tes Buch mit viel Text gehört. Schau­en Eltern gemein­sam mit ihren Kin­dern Wim­mel­bü­cher an oder lesen Tex­te vom E-Reader vor, ver­ste­hen dies 23 Pro­zent nicht als Vor­le­sen. Mit Babys ein­fa­che Bil­der­bü­cher zu betrach­ten gehört für jeden fünf­ten Befrag­ten nicht dazu – obwohl gera­de die­se Impul­se von Anfang an für die Ent­wick­lung von Kin­dern wich­tig sind.

Dies zeigt die Vor­le­se­stu­die 2019, die kürz­lich in Ber­lin vor­ge­stellt wur­de. Die Stu­die ist wie der Bun­des­wei­te Vor­le­se­tag am 15. Novem­ber ein gemein­sa­mes Pro­jekt von Stif­tung Lesen, DIE ZEIT und Deut­sche Bahn Stif­tung.

Vie­le Eltern ver­ste­hen den Begriff des Vor­le­sens zu ein­ge­schränkt. Vor allem jene, die sel­ten vor­le­sen, den­ken nur an das klas­si­sche Lesen von Buch mit Text. Auch Comics und Bil­der­bü­cher anschau­en oder das Erzäh­len von Geschich­ten hilft den Kin­dern, Spra­che zu ent­wi­ckeln und lesen zu ler­nen“, erklärt Jür­gen Korn­mann, Lei­ter Mar­ke­ting & PR der Deut­schen Bahn und Beauf­trag­ter Lese­för­de­rung der Deut­sche Bahn Stif­tung.

Rund 32 Pro­zent aller Eltern in Deutsch­land lesen ihren Kin­dern im Vor­le­se­al­ter von zwei bis acht Jah­ren zu sel­ten oder nie vor. Die­ser Wert hat sich seit 2013 nicht ver­än­dert. Vor allem Eltern mit for­mal nied­ri­ger Bil­dung lesen zu sel­ten oder nie vor (51%) und haben dar­über hin­aus einen beson­ders kon­ser­va­ti­ven Vor­le­se­be­griff.

Die Stu­die hat zudem her­aus­ge­fun­den, dass berufs­tä­ti­ge Müt­ter mehr vor­le­sen als nicht berufs­tä­ti­ge. Im Ver­gleich lesen 27 Pro­zent berufs­tä­ti­ger Müt­ter zu sel­ten vor, bei den nicht berufs­tä­ti­gen sind es 39 Pro­zent. Väter sind wei­ter­hin Vor­le­se­muf­fel, 58 Pro­zent von ihnen lesen sel­ten oder nie vor.

Noch immer liest ein Drit­tel aller Eltern ihren Kin­dern zu sel­ten vor, obwohl es Kin­der auf viel­fäl­ti­ge Wei­se för­dert“, sagt Dr. Rai­ner Esser, Geschäfts­füh­rer der ZEIT Ver­lags­grup­pe. „Wir raten daher allen Müt­tern und Vätern, jeden Tag 15 Minu­ten vor­zu­le­sen.“

Unse­re Auf­ga­be bleibt es wei­ter­hin, Eltern zu moti­vie­ren und ihnen zu zei­gen, dass Vor­le­sen wich­tig für die Ent­wick­lung von Kin­dern ist“, fasst Dr. Jörg F. Maas, Haupt­ge­schäfts­füh­rer der Stif­tung Lesen, zusam­men. „Sie kön­nen im All­tag auf viel­fäl­ti­ge Wei­se sprach­li­che Anrei­ze geben. Vie­le, gera­de bil­dungs­fer­ne Eltern, tun dies bereits. Dann ist es vom Mär­chen­er­zäh­len über das gemein­sa­me Betrach­ten des Foto­buchs zum klas­si­schen Vor­le­sen nicht weit. Dar­auf wol­len wir nicht nur am Bun­des­wei­ten Vor­le­se­tag am 15. Novem­ber auf­merk­sam machen.“

Die Vor­le­se­stu­die wird seit 2007 jähr­lich durch­ge­führt. 2019 hat KMF Krä­mer Markt­for­schung GmbH im Juni und Juli 700 Eltern von Kin­dern im Alter von 2 – 8 Jah­ren (490 Müt­ter, 210 Väter) tele­fo­nisch befragt. Die Ergeb­nis­se sind damit reprä­sen­ta­tiv für die­se Ziel­grup­pen.

Alle Ergeb­nis­se sowie Vor­le­se­emp­feh­lun­gen für Kin­der zwi­schen zwei und acht Jah­ren fin­den Sie unter: www.stiftunglesen.de/vorlesestudie

Zen­tra­le Ergeb­nis­se aus den zurück­lie­gen­den Vor­le­se­stu­di­en lau­ten:

  • Kin­der, denen regel­mä­ßig vor­ge­le­sen wird, sind all­ge­mein erfolg­rei­cher in der Schu­le. Sie haben in Deutsch, Mathe und Fremd­spra­chen bes­se­re Noten als Kin­der, denen nicht vor­ge­le­sen wird. (2011)
  • Vor­le­sen hat dar­über hin­aus eine län­ger­fris­ti­ge sozia­le Bedeu­tung. Wur­de Kin­dern regel­mä­ßig vor­ge­le­sen, sind die­se häu­fi­ger dar­um bemüht, ande­re in die Gemein­schaft zu inte­grie­ren. Auch ist der all­ge­mei­ne Gerech­tig­keits­sinn die­ser Kin­der beson­ders aus­ge­prägt. (2015)
  • Vier von fünf Kin­dern, denen regel­mä­ßig vor­ge­le­sen wur­de, fällt das Lesen­ler­nen in der Grund­schu­le leicht. Bei den ande­ren ist das laut ihren Eltern deut­lich sel­te­ner der Fall (50 Pro­zent). Fragt man die Kin­der selbst, ist sogar mehr als die Hälf­te der Grund­schü­ler mit wenig Vor­le­se­er­fah­rung frus­triert, weil das Lesen­ler­nen ihnen zu lan­ge dau­ert. (2018)
Jedes ver­schen­ken Unter­neh­men in Düs­sel­dorf und Umge­bung Vor­le­se­bi­blio­the­ken im Gesamt­wert von 25.000 an Kitas und Grund­schu­len.

Pri­vat­schu­len wer­den für immer mehr bil­dungs­na­he Fami­li­en eine Bil­dungs­al­ter­na­ti­ve zu staat­li­chen Schu­len. Im ver­gan­ge­nen Schul­jahr besuch­ten rund eine Mil­li­on (1.002.732) Schü­le­rin­nen und Schü­ler eine Schu­le in frei­er Trä­ger­schaft. Damit wur­de zum ers­ten Mal die Mil­lio­nen-Schwel­le über­schrit­ten, teilt der VDP Ver­band Deut­scher Pri­vat­schu­len Nord­rhein-West­fa­len mit. “Die Zahl der Pri­vat­schü­ler und damit der Ein­fluss der Pri­vat­schu­len auf das Schul­sys­tem in Deutsch­land könn­te noch weit­aus grö­ßer sein, gäbe es nicht zahl­lo­se gesetz­li­che Bedin­gun­gen, ver­wei­ger­te Inves­ti­ti­ons­hil­fen, Zulas­sungs­schran­ken und Anpas­sungs­zwän­ge, mit denen die Bun­des­län­der das staat­li­che Bil­dungs­mo­no­pol aus­for­men und die pri­va­te Kon­kur­renz behin­dern.”, sagt der Köl­ner Bil­dungs­for­scher Hel­mut E. Klein vom Insti­tut der Deut­schen Bil­dung.

Man muss “viel Asche” haben (um es mal sehr salopp zu for­mu­lie­ren), um das Kind auf eine Pri­vat­schu­le schi­cken zu kön­nen. Das zei­ge sich dar­in, dass pri­va­te Schu­len in eini­gen Bun­des­län­dern teils immense Gebüh­ren von den Eltern ver­lan­gen, sagt das Deut­sche Insti­tut für Wirt­schafts­for­schung (DIW). Bei­spiel Hes­sen: „Gera­de ein­mal die Hälf­te aller Pri­vat­schu­len erlässt dort Kin­dern von Hartz-IV-Emp­fän­gern kom­plett das Schul­geld“, sagt DIW-Exper­te Hel­big. Damit sei die Schu­le für die­se Grup­pe von vorn­her­ein nicht zugäng­lich; von den für Bil­dung vor­ge­se­he­nen ohne­hin spär­li­chen Beträ­gen blei­be für Gebüh­ren nichts übrig. Das DIW-Fazit: Pri­vat­schü­ler stam­men immer häu­fi­ger aus Haus­hal­ten mit stu­dier­ten Müt­tern oder Vätern.

Einer der wich­tigs­ten Berei­che der Pri­vat­schu­len ist die beruf­li­che Bil­dung — auch in Düs­sel­dorf gibt es pri­va­te Berufs­schu­len. Nahe­zu jede fünf­te beruf­li­che Schu­le in NRW ist in frei­er Trä­ger­schaft, der Anteil an der Gesamt­zahl der Schü­ler im beruf­li­chen Bereich liegt bei 7,6 Pro­zent. „Gera­de im berufs­bil­den­den Bereich sind Pri­vat­schu­len hoch­spe­zia­li­siert, sind klei­ne, aber fei­ne Schu­len. Sie bil­den in inno­va­ti­ven Berei­chen wie Game Art und Game Design, Infor­ma­tik oder ‚Mana­ger im Mode­han­del‘ aus – Berufs­bil­der, die es bis vor weni­gen Jah­ren noch gar nicht gab“, erklärt Schra­de die im Ver­hält­nis gerin­gen Schü­ler­zah­len.

Im kin­der­freund­li­chen Düs­sel­dorf soll es zukünf­tig auch eine ers­te “Demo­kra­ti­sche Schu­le” geben, auch in pri­va­ter Trä­ger­schaft. In die­ser Schu­le soll es kei­ne Lehr­plan geben, kei­ne Noten, kei­ne Klas­sen. Es ist aller­dings nicht die ers­te Schu­le die­ser Art in NRW, wie es in der Pres­se stand. In Jülich gibt es auch eine sol­che Schu­le. Auch bun­des­weit gibt es gute Bei­spie­le, z.B. in Ham­burg und Ber­lin.

Schul­lei­te­rin die­ser neu­en Schu­len soll Moni­ka Brosch wer­den, lang­jäh­ri­ge Leh­re­rin und Kon­rek­to­rin an der Real­schu­le Golz­heim: “Bei uns kön­nen die Schü­ler, die mit ihrem Schul­be­such bei uns die gesetz­li­chen Schul­pflicht bis zur 10. Klas­se erfül­len, zwi­schen 8 und 9.30 Uhr kom­men und die Betreu­ung wird bis 16 Uhr ange­bo­ten. Die Kin­der, wir wol­len mit den Klas­sen 1 bis 7 star­ten, kön­nen dann spie­len, was lesen oder einen Sing-Wett­be­werb orga­ni­sie­ren. Oder was immer sie machen wol­len. Und wenn sie möch­ten, kön­nen sie uns Leh­rer als Beglei­tung dazu­neh­men. Wir haben aus­ge­bil­de­te Leh­rer für alle Fächer in den Klas­sen 1 bis 10. ”

Es tut sich also eini­ges in Sachen “Pri­vat­schu­len” — auch in NRW und Düs­sel­dorf. Die­se Ent­wick­lung soll­ten alle auf­merk­sam ver­fol­gen, denn eine Zwei-Klas­sen-Gesell­schaft in der Bil­dung brau­chen wir nun wirk­lich nicht.

Immer mehr Schu­len in NRW sind ohne Füh­rung — respek­ti­ve: die Stel­le des Schul­lei­ters ist vakant. In Nord­rhein-West­fa­len hat der­zeit jede sieb­te öffent­li­che Schu­le keine/n Schulleiter/in. Es feh­len über 700 Schul­lei­ter und sogar über 900 Stell­ver­tre­ter. Das ist für vie­le Schu­len fatal, denn: eine füh­rungs­lo­se Schu­le ist in der Regel eine schwa­che Schu­le. Impul­se für eine Schul­ent­wick­lung feh­len häu­fig. Viel­fach wer­den vakan­te Stel­len kom­mis­sa­risch besetzt. Eine nach­hal­ti­ge Per­so­nal­pla­nung ist das nicht.

Immer wie­der wird über den ekla­tan­ten Leh­rer­man­gel an deut­schen Schu­len berich­tet, das Pro­blem ist nicht neu — und die Pro­gno­sen für die kom­men­den Jah­re sind dra­ma­tisch. 26.300 zusätz­li­che Leh­rer wer­den bis 2025 allein an Grund­schu­len gebraucht, rech­ne­te die Ber­tels­mann Stif­tung kürz­lich vor.

Wenn einer Schu­le nicht nur die Leh­rer, son­dern die Lei­tung fehlt, greift der Man­gel tief. Und er geht an die Sub­stanz. Oft­mals über­nimmt ein Stell­ver­tre­ter in die­ser Situa­ti­on die Lei­tungs­funk­ti­on, obwohl er dafür nicht geschult ist. Da die Stel­le nicht offi­zi­ell nach­be­setzt wird, reicht sich der Man­gel nach unten durch: Leh­rer aus dem Kol­le­gi­um über­neh­men Auf­ga­ben, die ansons­ten lie­gen blei­ben wür­den. Die Schu­le fährt im Not­pro­gramm, eine lang­fris­ti­ge Ent­wick­lung ist kaum mög­lich. Die Über­las­tung des Per­so­nals bleibt sel­ten aus.

Grün­de gibt es vie­le für den Schul­lei­ter­man­gel! Die Aus­schrei­bun­gen dau­ern zu lan­ge. Des­wei­te­ren ver­die­nen Schulleiter/innen an Grund­schu­len kaum mehr als die “nor­ma­le” Lehr­kraft.

Daher sind Bil­dungs­po­li­ti­ker wei­ter gefor­dert, die Lei­tungs­pos­ten an Schu­len attrak­ti­ver zu machen. Eige­ne Ver­wal­tungs­lei­ter ein­zu­set­zen, wäre da bereits ein Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung. Eine bes­se­re Bezah­lung von Schulleiter/innen in Grund­schu­len sowie Zula­gen für Brenn­punkt-Schul­lei­ter wären eben­falls hilf­reich.

Wer eine Aus­bil­dung in sei­nem Wunsch­be­ruf macht, ist zufrie­de­ner. Das zeigt eine Stu­die des Bun­des­in­sti­tuts für Berufs­bil­dung. Dar­in gaben vier von fünf Azu­bis (83 Pro­zent) an, in einem der Beruf aus­ge­bil­det zu wer­den, den sie sich gewünscht hat­ten.

Die gro­ße Mehr­heit (83 %) der Bewer­be­rin­nen und Bewer­ber, die eine betrieb­li­che Aus­bil­dungs­stel­le fin­den konn­te, wird in ihrem Wunsch­be­ruf oder einem ihrer Wunsch­be­ru­fe aus­ge­bil­det. Die­se Per­so­nen sind mit ihrer aktu­el­len beruf­li­chen Situa­ti­on deut­lich zufrie­de­ner als die­je­ni­gen, die in ande­ren Beru­fen als ihren Wunsch­be­ru­fen aus­ge­bil­det wer­den. Dies sind Ergeb­nis­se der reprä­sen­ta­ti­ven BA/­BIBB-Bewer­ber­be­fra­gung 2018, die vom Bun­des­in­sti­tut für Berufs­bil­dung (BIBB) und der Bun­des­agen­tur für Arbeit (BA) von Novem­ber 2018 bis Febru­ar 2019 durch­ge­führt wur­de.

Unter ande­rem gaben Män­ner häu­fi­ger als Frau­en an, dass ihr Aus­bil­dungs­be­ruf ihr Wunsch­be­ruf sei. Jugend­li­che und jun­ge Erwach­se­ne, die sich bereits in frü­he­ren Jah­ren um eine Aus­bil­dungs­stel­le bewor­ben hat­ten („Alt­be­wer­ber/-innen“) befan­den sich sel­te­ner im Wunsch­be­ruf als Per­so­nen, die sich erst­ma­lig bewar­ben. Auch konn­ten Bewer­be­rin­nen und Bewer­ber mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund sel­te­ner ihren Wunsch­be­ruf rea­li­sie­ren.

Inter­es­san­ter­wei­se berich­te­ten Stu­di­en­be­rech­tig­te sel­te­ner, sich im gewünsch­ten Aus­bil­dungs­be­ruf zu befin­den als Bewer­be­rin­nen und Bewer­ber mit mitt­le­ren Abschlüs­sen. Ein Grund für die­ses Ergeb­nis könn­te sein, so ver­mu­tet das Autoren­team, dass sich Jugend­li­che und jun­ge Erwach­se­ne mit Stu­di­en­be­rech­ti­gung häu­fi­ger für Beru­fe mit einer star­ken Kon­kur­renz­si­tua­ti­on inter­es­sie­ren, also für Beru­fe wie zum Bei­spiel Medi­en­ge­stal­ter/-in oder Ver­an­stal­tungs­kauf­leu­te, in denen es mehr Bewer­be­rin­nen und Bewer­ber als zur Ver­fü­gung ste­hen­de Aus­bil­dungs­plät­ze gibt.

An der Befra­gung betei­lig­ten sich rund 4.400 Per­so­nen, die bei der BA als aus­bil­dungs­su­chend regis­triert waren. Alle Bewer­be­rin­nen und Bewer­ber, die sich zum Befra­gungs­zeit­punkt in einer betrieb­li­chen Aus­bil­dung nach Berufs­bil­dungs­ge­setz (BBiG) oder Hand­werks­ord­nung (HwO) befan­den, wur­den gefragt, ob es sich bei ihrem Aus­bil­dungs­be­ruf um ihren Wunsch­be­ruf oder einen ihrer Wunsch­be­ru­fe han­delt. Quel­le: BIBB

Die Stu­die steht im BIBB-Inter­net­an­ge­bot unter : www.bibb.de/vet-repository/000003 Down­load zur Ver­fü­gung. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen unter www.bibb.de/de/85311.php


Also, die­se Zahl die­ser Woche über­rasch­te mich dann doch: Zum ers­ten Mal seit 18 Jah­ren geht die Zahl der Hoch­schul­ab­schlüs­se in Deutsch­land zurück, nach­dem sie in den ver­gan­ge­nen Jah­ren immer wei­ter gestie­gen ist. Fast 500.000 Men­schen hol­ten sich den Abschluss einer deut­schen Hoch­schu­le (im Vor­jah­res­ver­gleich ein Minus von 1 Pro­zent).

Das Gros der Stu­die­ren­den, näm­lich 40 Pro­zent, mach­te einen Abschluss in Rechts-, Wirt­schafts- und Sozi­al­wis­sen­schaf­ten, gefolgt von den Inge­nieur­wis­sen­schaf­ten (26%), Mathe­ma­tik und Natur­wis­sen­schaf­ten (11). Dann erst fol­gen Sport, Agrar-, Forst- und Ernäh­rungs­wis­sen­schaf­ten, Vete­ri­när­me­di­zin sowie Kunst oder Kunst­wis­sen­schaft (7) sowie Medi­zin und Gesund­heits­wis­sen­schaf­ten (6). Ins­ge­samt führ­te jedes zwei­te Examen im Prü­fungs­jahr 2018 zu einem Bache­lor­ab­schluss. Mas­ter­ab­schlüs­se und Lehr­amts­prü­fun­gen leg­ten zu, bei Pro­mo­tio­nen und her­kömm­li­chen Abschlüs­sen wie dem Diplom gab es einen Rück­gang. Natür­lich inter­es­sier­ten mich auch die Grün­de des Rück­gangs. Auf der einen Sei­te mag der “demo­gra­fi­sche Wan­del” in Deutsch­land eine Rol­le spie­len: Jede zwei­te Per­son in Deutsch­land ist heu­te älter als 45 und jede fünf­te Per­son älter als 66 Jah­re. Ande­rer­seits hat Deutsch­land in den ver­gan­ge­nen Jah­ren eine unge­wöhn­lich star­ke Zuwan­de­rung vor allem jun­ger Men­schen erlebt. Auf der ande­ren Sei­te erle­ben wir aber auch, dass fast 30& der Stu­die­ren­den ihr Stu­di­um abbre­chen. Vie­le Exper­ten sind sowie­so der Mei­nung, dass auf unse­ren Hoch­schu­len auch Stu­die­ren­de anzu­tref­fen sind, die dort eigent­lich gar nicht hin­ge­hö­ren, son­dern eher in eine Dua­le Aus­bil­dung. Blei­ben wir gespannt, wie sich dies alles wei­ter ent­wi­ckeln wird.