Die Probleme und Defizite von Schulkindern werden Tag für Tag größer. Richtiger Unterricht findet nicht statt und viele Kinder können nicht ausreichend Unterstützung von ihren Eltern bekommen. Die Folge: gravierende Auswirkungen auf die Bildungsgerechtigkeit. Umso wichtiger ist jetzt die Schulöffnung – vorausgesetzt, sie ist gut vorbereitet., sagt AXEL PLÜNNECKE vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW).

In Puncto Bildung geht es in Deutschland ungerecht zu: Wie gut oder schlecht ein Kind in der Schule ist, hängt noch immer zu sehr vom Bildungsgrad der Eltern ab. IW-Berechnungen mit PISA-Daten zeigen, dass höher gebildete Eltern ihre Kinder öfter bei Schulaufgaben unterstützen als weniger gebildete Eltern. Die Corona-Krise verschärft dieses Problem seit Wochen und wird es, Stand jetzt, auch weiterhin noch einige Zeit tun. 

Die viel beschworene Alternative, den Schulsoff über digitale Lerntools, Erklärvideos und Co. zu erlernen, schafft eine weitere Quelle der Ungerechtigkeit. Nicht in jedem Haushalt gibt es die nötigen Endgeräte wie Computer oder Tablets und auch die digitalen Kompetenzen unterscheiden sich je nach sozioökonomischem Hintergrund stark. Schnell sind viele Kinder, Jugendliche oder Eltern überfordert. Genau wie das Schulsystem: Bisher fehlt es an flächendeckenden digitalen Unterrichtskonzepten.

Eine gut vorbereitete, schrittweise Schulöffnung ist daher umso wichtiger. Zunächst muss für ausreichend Hygiene gesorgt werden, um die Verbreitung des Virus zu stoppen. Besonders auf Vorerkrankte und Ältere ab 60 muss geachtet werden: Mehr als 100.000 Lehrkräfte gehören zur Risikogruppe. Sie müssen sich besonders schützen und sollten keine Präsenzpflicht haben. Vielmehr könnten diese Lehrer den digitalen Unterricht weiter vorantreiben, Lehrmaterialien erstellen oder einzelnen Schülern individuelle Fernbetreuung anbieten. Denn auch viele Kinder werden aufgrund vorerkrankter Eltern nicht zur Schule gehen können. „Jetzt ist der Bund gefragt“, sagt IW-Bildungsexperte Axel Plünnecke. „Was die Schulen und Kinder brauchen ist ein großes Hilfspaket.“ Ein erster Schritt sei etwa die Bereitstellung von Leihgeräten für den digitalen Unterricht. 

Quelle: www.iwkoeln.de


Lieben Sie in Corona-Zeiten auch die Telefon- und Videokonferenzen?? Vor allem, wenn der Vorsitzende der Konferenz, der Chef zum Beispiel, darum bittet, die Kamera einzuschalten? Ich frage mich dann immer nach dem Warum, aber nur leise für mich. Ob man sehen will, ob der Gegenüber rasiert ist? Oder noch den Schlafanzug trägt? „Durch die Übertragung des Bildes entsteht etwas mehr „Nähe“ und das kommt bei vielen meiner Kollegen, Gesprächspartnern und Teilnehmenden sehr gut an.“, schreibt Unternehmerschaftstrainer Josef Buschbacher aus der Nähe von München. In seinem BLOG gibt er Tipps, wie man seine Wirkung in solchen Meetings verbessern kann – und das beginnt meistens mit dem Blick in die Kamera.

Auch das Kompetenzzentrum befindet sich im Homeoffice. Lesen Sie heute, was Kollegin Renate Kiszkiel dort so erlebt.

Home-Office kann schon zu einer seltsamen Angelegenheit werden, insofern man nicht daran gewöhnt ist. Auf einmal findet man sich etwas zerknautscht, um acht Uhr, weil es die innere Uhr einem so diktiert, am Esszimmertisch, an dem sich nicht nur der Laptop befindet, sondern auch noch die Zeitung vom Wochenende, der Einkaufszettel vom Montag oder die Unterlagen für die Steuer. Irgendwie soll man, von jetzt auf gleich, noch im Schlafanzug starten, und die Vorstellung davon, dass das Ganze auch noch gemütlich sein könnte, schwindet ziemlich schnell. Wenn dann auch noch der Partner mit einem blinkenden Headset an einem vorbei in die Küche düst und angeregt über die nächsten Pandemiestrategien für den Konzern, in dem er arbeitet, diskutiert – fragt man sich: wie lange soll das nochmal gehen? Nach drei Tagen nervt mich das Chaos und ich habe schnell das Gefühl etwas ändern zu wollen. Etwas mehr Struktur, denke ich, das täte mir gut. Ich lese in Onlineratgebern und lerne, feste Arbeitszeiten und regelmäßige Pausen, Bewegung an der frischen Luft – Yoga. Da schnaufe ich kurz und denke: naja, man muss es ja auch nicht gleich übertreiben, oder?!

Renate Kiszkiel

Auf einmal trifft man sich nicht mehr mit Freunden und Kolleginnen, die bisher so selbstverständlich waren und auch der Sportverein, der bisher für Ausgleich sorgte, hat geschlossen. Ich versuche es also doch und gebe den Ratschlägen von Google eine Chance. Und siehe da: Ich überrasche mich selbst! Als Mensch, der gerne und viel Sport macht, aber nicht gerne läuft, merke ich, dass Laufen in der Natur echt schön sein kann. Die Yogatante vom Youtube-Kanal, übrigens mein absoluter Geheimtipp (Mady Morrison – auch für Anfängerinnen geeignet: https://kurzelinks.de/bq0a) scheint auch nicht nur auf einem esoterischen Hippie-Selbstfindungstrip in Berlin zu sein (upsi Vorurteil!), sondern ihre Yogasessions wirklich präzise und gut zu machen (ich schlafe am Ende der Meditation ein – ich glaube das ist nicht das Ziel, tut aber gut!). Die durchtrainierte kleine Trainerin von „Bodykiss“ (https://kurzelinks.de/n2u5) bringt mich ganz schön ins Schwitzen und das ganz ohne zu Springen (Sie denkt halt auch an die Nachbarn! Wie praktisch!)! Und am besten ist eigentlich, dass ich meinen Tag ein wenig so strukturieren kann, wie mein Körper das gerade braucht.

Ich sitze also manchmal im Schlafanzug mit tief schwarzem Kaffee noch total verschlafen am Laptop und manchmal energiegeladen, nach einer morgendlichen Yogasession, im Online-Teammeeting. Ich habe das Gefühl, abgeschottet von allem und vielen sozialen Kontakten kommt man zurück auf sich selbst. Wenn man kann.

Ich weiß, dass viele, die Kinder haben, gerade an ihre Grenzen kommen. Ich weiß auch, dass diese ungewohnte Situation für viele Familien Gefahren birgt. Und noch mulmiger wird mir, wenn ich über meinen Tellerrand in den Norden Bosnien-Herzegowinas oder nach Lesbos schaue, wo Tausende Geflüchtete auf dem Weg in die EU in katastrophalen Zuständen leben, wo es nicht genug Seife und Shampoo gibt, um einen einigermaßen guten Hygienezustand herzustellen.

Ein wenig zerrissen zwischen diesen beiden Zuständen, zu schauen, wie ich kriege ich meinen eigenen Alltag in sehr komfortablen Zuständen geregelt und dem Realisieren, was eigentlich gerade in der Welt passiert, greife ich auf bisher funktionierende und manchmal lebensaufschlüsselnde Strategien zurück: Lesen. Deswegen zum Schluss noch meine Literatur-Highlights, auch, um diese E-Mail nicht so negativ enden zu lassen.

Kleiner Hinweis: Ich lese im Moment Bücher parallel, was ich normalerweise nie tun würde. Liegt vielleicht an dem Modus „Ich probiere Neues aus“.

Also hier die Top 4:

1.) Für alle, die auf kauzige Figuren abfahren: Robert Seethaler schreibt großartige Bücher über Außenseiter. Z.B. „Der Trafikant“ oder „Jetzt wird’s ernst“.

2.) Für alle, die es jetzt etwas romantisch wollen: Hellmuth Karasek hat in dem Verlag teNeues eine tolle Reihe mit dem Titel „Briefe bewegen die Welt herausgegeben. In dem Band „Liebe – Schicksal –Leidenschaft“ sind sehr herzbewegende dabei. Am besten gefällt mir der Brief von Marlene Dietrich an Erich Maria Remarque.

3.) Wer etwas zum Nachdenken braucht, sollte von Ilse Aichinger „Der Gefesselte“ lesen. Eine Kurzgeschichte über einen Mann, der, gefesselt in seinen Strukturen, gerade durch diese wieder frei wird. Klingt paradox – fand ich auch. Den Schluss hab‘ ich noch nicht ganz verstanden. Darüber könnte man sich austauschen!

4.) Und zu guter Letzt: Für alle, die sich auch vorgenommen haben jetzt gesünder zu kochen: „Bosh- einfach aufregend vegan“. Hört sich etwas zu gewollt an? Fand ich auch. Die Rezepte überzeugen dennoch und sind orientalisch angehaucht: Mein Favorit: Falafel-Bosh!-Bowl. Überzeugende Mischung aus Hummus, Falafeln und griechischem Salat. Bringt den Urlaub in die eigenen vier Wände.

Bleiben Sie gesund. Genießen Sie das wunderbare Wetter, insofern Sie die Möglichkeit dazu haben. Und hier jetzt noch der wirklich allerletzte kleine Geheimtipp, v-e-r-s-p-r-o-c-h-e-n! Auch Schreiben hilft. Das zeigt mir die Erfahrung aus dem gerade für Sie formulierten Beitrag.

Diesen interessanten Beitrag fand ich bei Mathias Horx, Zukunftsexperte und Keynotespeaker bei einem unserer vergangenen Arbeitgebertage. Ein- und Aussichten in eine zwar ungewisse, aber spannende Zukunft.

Ich werde derzeit oft gefragt, wann Corona denn „vorbei sein wird”, und alles wieder zur Normalität zurückkehrt. Meine Antwort: Niemals. Es gibt historische Momente, in denen die Zukunft ihre Richtung ändert. Wir nennen sie Bifurkationen. Oder Tiefenkrisen. Diese Zeiten sind jetzt.

Die Welt as we know it löst sich gerade auf. Aber dahinter fügt sich eine neue Welt zusammen, deren Formung wir zumindest erahnen können. Dafür möchte ich Ihnen eine Übung anbieten, mit der wir in Visionsprozessen bei Unternehmen gute Erfahrungen gemacht haben. Wir nennen sie die RE-Gnose. Im Gegensatz zur PRO-Gnose schauen wir mit dieser Technik nicht »in die Zukunft«. Sondern von der Zukunft aus ZURÜCK ins Heute. Klingt verrückt? Versuchen wir es einmal:

Die Re-Gnose: Unsere Welt im Herbst 2020

Stellen wir uns eine Situation im Herbst vor, sagen wir im September 2020. Wir sitzen in einem Straßencafe in einer Großstadt. Es ist warm, und auf der Strasse bewegen sich wieder Menschen. Bewegen sie sich anders? Ist alles so wie früher? Schmeckt der Wein, der Cocktail, der Kaffee, wieder wie früher? Wie damals vor Corona?
Oder sogar besser?
Worüber werden wir uns rückblickend wundern?

Wir werden uns wundern, dass die sozialen Verzichte, die wir leisten mussten, selten zu Vereinsamung führten. Im Gegenteil. Nach einer ersten Schockstarre führten viele von sich sogar erleichtert, dass das viele Rennen, Reden, Kommunizieren auf Multikanälen plötzlich zu einem Halt kam. Verzichte müssen nicht unbedingt Verlust bedeuten, sondern können sogar neue Möglichkeitsräume eröffnen. Das hat schon mancher erlebt, der zum Beispiel Intervallfasten probierte – und dem plötzlich das Essen wieder schmeckte. Paradoxerweise erzeugte die körperliche Distanz, die der Virus erzwang, gleichzeitig neue Nähe. Wir haben Menschen kennengelernt, die wir sonst nie kennengelernt hätten. Wir haben alte Freunde wieder häufiger kontaktiert, Bindungen verstärkt, die lose und locker geworden waren. Familien, Nachbarn, Freunde, sind näher gerückt und haben bisweilen sogar verborgene Konflikte gelöst.

Die gesellschaftliche Höflichkeit, die wir vorher zunehmend vermissten, stieg an.

Jetzt im Herbst 2020 herrscht bei Fussballspielen eine ganz andere Stimmung als im Frühjahr, als es jede Menge Massen-Wut-Pöbeleien gab. Wir wundern uns, warum das so ist.

Wir werden uns wundern, wie schnell sich plötzlich Kulturtechniken des Digitalen in der Praxis bewährten. Tele- und Videokonferenzen, gegen die sich die meisten Kollegen immer gewehrt hatten (der Business-Flieger war besser) stellten sich als durchaus praktikabel und produktiv heraus. Lehrer lernten eine Menge über Internet-Teaching. Das Homeoffice wurde für Viele zu einer Selbstverständlichkeit – einschließlich des Improvisierens und Zeit-Jonglierens, das damit verbunden ist.

Gleichzeitig erlebten scheinbar veraltete Kulturtechniken eine Renaissance. Plötzlich erwischte man nicht nur den Anrufbeantworter, wenn man anrief, sondern real vorhandene Menschen. Das Virus brachte eine neue Kultur des Langtelefonieren ohne Second Screen hervor. Auch die »messages« selbst bekamen plötzlich eine neue Bedeutung. Man kommunizierte wieder wirklich. Man ließ niemanden mehr zappeln. Man hielt niemanden mehr hin. So entstand eine neue Kultur der Erreichbarkeit. Der Verbindlichkeit.

Menschen, die vor lauter Hektik nie zur Ruhe kamen, auch junge Menschen, machten plötzlich ausgiebige Spaziergänge (ein Wort, das vorher eher ein Fremdwort war). Bücher lesen wurde plötzlich zum Kult.

Reality Shows wirkten plötzlich grottenpeinlich. Der ganze Trivia-Trash, der unendliche Seelenmüll, der durch alle Kanäle strömte. Nein, er verschwand nicht völlig. Aber er verlor rasend an Wert.
Kann sich jemand noch an den Political-Correctness-Streit erinnern? Die unendlich vielen Kulturkriege um … ja um was ging da eigentlich?

Krisen wirken vor allem dadurch, dass sie alte Phänomene auflösen, über-flüssig machen…
Zynismus, diese lässige Art, sich die Welt durch Abwertung vom Leibe zu halten, war plötzlich reichlich out.
Die Übertreibungs-Angst-Hysterie in den Medien hielt sich, nach einem kurzen ersten Ausbruch, in Grenzen.

Nebenbei erreichte auch die unendliche Flut grausamster Krimi-Serien ihren Tipping Point.

Wir werden uns wundern, dass schließlich doch schon im Sommer Medikamente gefunden wurden, die die Überlebensrate erhöhten. Dadurch wurden die Todesraten gesenkt und Corona wurde zu einem Virus, mit dem wir eben umgehen müssen – ähnlich wie die Grippe und die vielen anderen Krankheiten. Medizinischer Fortschritt half. Aber wir haben auch erfahren: Nicht so sehr die Technik, sondern die Veränderung sozialer Verhaltensformen war das Entscheidende. Dass Menschen trotz radikaler Einschränkungen solidarisch und konstruktiv bleiben konnten, gab den Ausschlag. Die human-soziale Intelligenz hat geholfen. Die vielgepriesene Künstliche Intelligenz, die ja bekanntlich alles lösen kann, hat dagegen in Sachen Corona nur begrenzt gewirkt.

Damit hat sich das Verhältnis zwischen Technologie und Kultur verschoben. Vor der Krise schien Technologie das Allheilmittel, Träger aller Utopien. Kein Mensch – oder nur noch wenige Hartgesottene – glauben heute noch an die große digitale Erlösung. Der große Technik-Hype ist vorbei. Wir richten unsere Aufmerksamkeiten wieder mehr auf die humanen Fragen: Was ist der Mensch? Was sind wir füreinander?

Wir staunen rückwärts, wieviel Humor und Mitmenschlichkeit in den Tagen des Virus tatsächlich entstanden ist.

Wir werden uns wundern, wie weit die Ökonomie schrumpfen konnte, ohne dass so etwas wie »Zusammenbruch« tatsächlich passierte, der vorher bei jeder noch so kleinen Steuererhöhung und jedem staatlichen Eingriff beschworen wurde. Obwohl es einen »schwarzen April« gab, einen tiefen Konjunktureinbruch und einen Börseneinbruch von 50 Prozent, obwohl viele Unternehmen pleitegingen, schrumpften oder in etwas völlig anderes mutierten, kam es nie zum Nullpunkt. Als wäre Wirtschaft ein atmendes Wesen, das auch dösen oder schlafen und sogar träumen kann.

Heute im Herbst, gibt es wieder eine Weltwirtschaft. Aber die Globale Just-in-Time-Produktion, mit riesigen verzweigten Wertschöpfungsketten, bei denen Millionen Einzelteile über den Planeten gekarrt werden, hat sich überlebt. Sie wird gerade demontiert und neu konfiguriert. Überall in den Produktionen und Service-Einrichtungen wachsen wieder Zwischenlager, Depots, Reserven. Ortsnahe Produktionen boomen, Netzwerke werden lokalisiert, das Handwerk erlebt eine Renaissance. Das Global-System driftet in Richtung GloKALisierung: Lokalisierung des Globalen.

Wir werden uns wundern, dass sogar die Vermögensverluste durch den Börseneinbruch nicht so schmerzen, wie es sich am Anfang anfühlte. In der neuen Welt spielt Vermögen plötzlich nicht mehr die entscheidende Rolle. Wichtiger sind gute Nachbarn und ein blühender Gemüsegarten.

Könnte es sein, dass das Virus unser Leben in eine Richtung geändert hat, in die es sich sowieso verändern wollte?

RE-Gnose: Gegenwartsbewältigung durch Zukunfts-Sprung

Warum wirkt diese Art der »Von-Vorne-Szenarios« so irritierend anders als eine klassische Prognose? Das hängt mit den spezifischen Eigenschaften unseres Zukunfts-Sinns zusammen. Wenn wir »in die Zukunft« schauen, sehen wir ja meistens nur die Gefahren und Probleme »auf uns zukommen«, die sich zu unüberwindbaren Barrieren türmen. Wie eine Lokomotive aus dem Tunnel, die uns überfährt. Diese Angst-Barriere trennt uns von der Zukunft. Deshalb sind Horror-Zukünfte immer am Einfachsten darzustellen.

Re-Gnosen bilden hingegen eine Erkenntnis-Schleife, in der wir uns selbst, unseren inneren Wandel, in die Zukunftsrechnung einbeziehen. Wir setzen uns innerlich mit der Zukunft in Verbindung, und dadurch entsteht eine Brücke zwischen Heute und Morgen. Es entsteht ein »Future Mind« – Zukunfts-Bewusstheit.

Wenn man das richtig macht, entsteht so etwas wie Zukunfts-Intelligenz. Wir sind in der Lage, nicht nur die äußeren »Events«, sondern auch die inneren Adaptionen, mit denen wir auf eine veränderte Welt reagieren, zu antizipieren.

Das fühlt sich schon ganz anders an als eine Prognose, die in ihrem apodiktischen Charakter immer etwas Totes, Steriles hat. Wir verlassen die Angststarre und geraten wieder in die Lebendigkeit, die zu jeder wahren Zukunft gehört. 

Wir alle kennen das Gefühl der geglückten Angstüberwindung. Wenn wir für eine Behandlung zum Zahnarzt gehen, sind wir schon lange vorher besorgt. Wir verlieren auf dem Zahnarztstuhl die Kontrolle und das schmerzt, bevor es überhaupt wehtut. In der Antizipation dieses Gefühls steigern wir uns in Ängste hinein, die uns völlig überwältigen können. Wenn wir dann allerdings die Prozedur überstanden haben, kommt es zum Coping-Gefühl: Die Welt wirkt wieder jung und frisch und wir sind plötzlich voller Tatendrang.

Coping heißt: bewältigen. Neurobiologisch wird dabei das Angst-Adrenalin durch Dopamin ersetzt, eine Art körpereigener Zukunfts-Droge. Während uns Adrenalin zu Flucht oder Kampf anleitet (was auf dem Zahnarztstuhl nicht so richtig produktiv ist, ebenso wenig wie beim Kampf gegen Corona), öffnet Dopamin unsere Hirnsynapsen: Wir sind gespannt auf das Kommende, neugierig, vorausschauend. Wenn wir einen gesunden Dopamin-Spiegel haben, schmieden wir Pläne, haben Visionen, die uns in die vorausschauende Handlung bringen.

Erstaunlicherweise machen viele in der Corona-Krise genau diese Erfahrung. Aus einem massiven Kontrollverlust wird plötzlich ein regelrechter Rausch des Positiven. Nach einer Zeit der Fassungslosigkeit und Angst entsteht eine innere Kraft. Die Welt »endet«, aber in der Erfahrung, dass wir immer noch da sind, entsteht eine Art Neu-Sein im Inneren.

Mitten im Shut-Down der Zivilisation laufen wir durch Wälder oder Parks, oder über fast leere Plätze. Aber das ist keine Apokalypse, sondern ein Neuanfang.

So erweist sich: Wandel beginnt als verändertes Muster von Erwartungen, von Wahr-Nehmungen und Welt-Verbindungen. Dabei ist es manchmal gerade der Bruch mit den Routinen, dem Gewohnten, der unseren Zukunfts-Sinn wieder freisetzt. Die Vorstellung und Gewissheit, dass alles ganz anders sein könnte – auch im Besseren.

Vielleicht werden wir uns sogar wundern, dass Trump im November abgewählt wird. Die AFD zeigt ernsthafte Zerfransens-Erscheinungen, weil eine bösartige, spaltende Politik nicht zu einer Corona-Welt passt. In der Corona-Krise wurde deutlich, dass diejenigen, die Menschen gegeneinander aufhetzen wollen, zu echten Zukunftsfragen nichts beizutragen haben. Wenn es ernst wird, wird das Destruktive deutlich, das im Populismus wohnt.

Politik in ihrem Ur-Sinne als Formung gesellschaftlicher Verantwortlichkeiten bekam dieser Krise eine neue Glaubwürdigkeit, eine neue Legitimität. Gerade weil sie »autoritär« handeln musste, schuf Politik Vertrauen ins Gesellschaftliche. Auch die Wissenschaft hat in der Bewährungskrise eine erstaunliche Renaissance erlebt. Virologen und Epidemiologen wurden zu Medienstars, aber auch »futuristische« Philosophen, Soziologen, Psychologen, Anthropologen, die vorher eher am Rande der polarisierten Debatten standen, bekamen wieder Stimme und Gewicht.

Fake News hingegen verloren rapide an Marktwert. Auch Verschwörungstheorien wirkten plötzlich wie Ladenhüter, obwohl sie wie saures Bier angeboten wurden.

Ein Virus als Evolutionsbeschleuniger

Tiefe Krisen weisen obendrein auf ein weiteres Grundprinzip des Wandels hin: Die Trend-Gegentrend-Synthese.

Die neue Welt nach Corona – oder besser mit Corona – entsteht aus der Disruption des Megatrends Konnektivität. Politisch-ökonomisch wird dieses Phänomen auch »Globalisierung« genannt. Die Unterbrechung der Konnektivität – durch Grenzschließungen, Separationen, Abschottungen, Quarantänen – führt aber nicht zu einem Abschaffen der Verbindungen. Sondern zu einer Neuorganisation der Konnektome, die unsere Welt zusammenhalten und in die Zukunft tragen. Es kommt zu einem Phasensprung der sozio-ökonomischen Systeme.

Die kommende Welt wird Distanz wieder schätzen – und gerade dadurch Verbundenheit qualitativer gestalten. Autonomie und Abhängigkeit, Öffnung und Schließung, werden neu ausbalanciert. Dadurch kann die Welt komplexer, zugleich aber auch stabiler werden. Diese Umformung ist weitgehend ein blinder evolutionärer Prozess – weil das eine scheitert, setzt sich das Neue, überlebensfähig, durch. Das macht einen zunächst schwindelig, aber dann erweist es seinen inneren Sinn: Zukunftsfähig ist das, was die Paradoxien auf einer neuen Ebene verbindet.

Dieser Prozess der Komplexierung – nicht zu verwechseln mit Komplizierung – kann aber auch von Menschen bewusst gestaltet werden. Diejenigen, die das können, die die Sprache der kommenden Komplexität sprechen, werden die Führer von Morgen sein. Die werdenden Hoffnungsträger. Die kommenden Gretas.

„Wir werden durch Corona unsere gesamte Einstellung gegenüber dem Leben anpassen – im Sinne unserer Existenz als Lebewesen inmitten anderer Lebensformen.”

Slavo Zizek im Höhepunkt der Coronakrise Mitte März

Jede Tiefenkrise hinterlässt eine Story, ein Narrativ, das weit in die Zukunft weist. Eine der stärksten Visionen, die das Coronavirus hinterlässt, sind die musizierenden Italiener auf den Balkonen. Die zweite Vision senden uns die Satellitenbilder, die plötzlich die Industriegebiete Chinas und Italiens frei von Smog zeigen. 2020 wird der CO&sub2;-Ausstoss der Menschheit zum ersten Mal fallen. Diese Tatsache wird etwas mit uns machen.

Wenn das Virus so etwas kann – können wir das womöglich auch? Vielleicht war der Virus nur ein Sendbote aus der Zukunft. Seine drastische Botschaft lautet: Die menschliche Zivilisation ist zu dicht, zu schnell, zu überhitzt geworden. Sie rast zu sehr in eine bestimmte Richtung, in der es keine Zukunft gibt.

Aber sie kann sich neu erfinden.
System reset.
Cool down!
Musik auf den Balkonen!

So geht Zukunft.

Hinweis: Dieser Text ist frei abdruckbar mit dem Hinweis: www.horx.com und www.zukunftsinstitut.de.

In ganz Deutschland sind die Schulen seit gestern geschlossen. Für das Bildungssystem ist das eine enorme Herausforderung: Die Kinder müssen weiterhin betreut, der Unterrichtsausfall kompensiert werden. Viele Bundesländer wollen auf digitale Alternativen setzen und Unterrichtsmaterial etwa per E-Mail verschicken – doch dazu fehlt die nötige Kompetenz und Infrastruktur. Im BLOG heute ein Artikel von David Meinhard vom Institut der Deutschen Wirtschaft Köln.

In der Nacht zum Freitag, 13. März 2020, beschloss das Saarland als erstes deutsches Bundesland, alle Schulen und Kindertagesstätten zu schließen. Im Laufe des Tages und des Wochenendes taten es alle anderen Bundesländer dem Saarland gleich. Seit Anfang dieser Woche sind alle Schulen in Deutschland geschlossen. Doch wie sollen die Schüler jetzt lernen? Das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus beispielsweise empfiehlt digitale Medien, „um ortsunabhängig kommunizieren, lernen und arbeiten zu können.“ Schulleiter sollen die „digitalen Möglichkeiten“ ihrer Schulen prüfen.

Das Coronavirus offenbart ein grundsätzlich verkürztes Verständnis des Einsatzes digitaler Medien: Gibt es Personalmangel, Raumnot oder, wie in diesem Fall, eine gesundheitliche Krisensituation, sollen E-Learning und Co. zum Einsatz kommen und alles richten. In der öffentlichen Wahrnehmung und in den Augen der Entscheidungsträger wird das Potenzial des digitalen Lernens nicht erkannt. E-Learning ist für viele noch immer eine Notlösung – dabei sollte digitaler Unterricht mittlerweile zum Alltag der Schüler gehören. 
Die Lücke, die durch Corona entstanden ist, kann nur mit hinreichenden technischen Lösungen und didaktischen Konzepten für den medialen Fernunterricht gefüllt werden. Beides suchten die Schulkinder in Deutschland schon vor Corona vergeblich: Wie der INSM Bildungsmonitor 2019 zeigt, fehlt es weiterhin an einer flächendeckenden und zuverlässigen technischen Infrastruktur. Den Lehrern wiederum fehlen die nötigen Kompetenzen, um auch online zu unterrichten. Es ist naiv davon auszugehen, dass es Schulleitungen, Lehrern und Betreuungspersonen während der Corona-Krise gelingt, innerhalb weniger Tage ein völlig ausgereiftes Konzept für das E-Learning zu schaffen. 

Universitäten sind einen Schritt voraus

Was nun gebraucht wird, sind pragmatische Kurzfristlösungen. Es gilt, den Schaden, der durch den Unterrichtsausfall entsteht, zu begrenzen. Die Schulen sollten Schulplattformen oder Werkzeuge der Kultusministerien und Landesmedienzentren für die Kommunikation mit den Schülern sowie zur Verteilung von Lehrmaterialien nutzen, um Fernunterricht zu ermöglichen. Hier zahlt es sich aus, wenn Schulen einen guten Medienentwicklungsplan erarbeitet haben, wie er auch im Zuge des „DigitalPakt Schule“ gefordert wurde. Lehrer sollten sich über verfügbare Lern-Apps und freie digitale Lernressourcen informieren und diese an die Schüler weitergeben. Der Austausch von erfolgreichen Konzepten sollte vorangetrieben werden, wie es bereits auf Twitter mit dem Hashtag „#Twitterlehrerzimmer“ geschieht. Auch ein Blick auf die Universitäten lohnt sich: Hier wird bereits seit vielen Jahren das Material online bereitgestellt. Vereinzelt werden sogar ganze Vorlesungen als Video aufgenommen oder live gestreamt.  
Mit einem Mindestmaß an Kreativität und Aufgeschlossenheit ließe sich das kommende unterrichtsfreie Zeitfenster zumindest als Erfahrungsraum für Lehrer und Schüler öffnen. Langfristig muss eine digitale Infrastruktur aufgebaut werden, um die Potenziale des digitalen Lernens zu nutzen.  Nachhaltige Investitionen, auch in die Beteiligten, sind gefragt, damit E-Learning in Zukunft keine Notlösung mehr ist. 

Quelle: www.iwkoeln.dehttp://www.iwkoeln.de

Es gibt Wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen.
(Mahatma Gandhi)

Die Männer im Fernsehen, es sind eigentlich gefühlt immer nur Männer, schauen immer sehr ernst, wenn sie ein Corona-Update geben. Es ist ja auch seltsam bis beängstigend, wenn alle zwei Tage die nächste Sicherheitsstufe gezündet wird.

Ich erlebe die „Zeiten in Corona“ vor allem als sehr entschleunigt. Die Straßen sind leer, keine Staus auf der Autobahn, kaum Schlangen in den Geschäften. Aber, vor allem erlebe ich mich und die anderen Menschen als sehr entspannt (das kann natürlich auch an meiner Entspannung liegen, keine Ahnung). Kein Gehupe, kein Gedränge, man wird oft vorgelassen, kein Stress.

Ich merke: Langsam ist besser! Ich gewinne neue Kraft, neue Einblicke und neue Perspektiven. Auf einmal merke ich, dass Termine nicht immer ganz so wichtig sind und ich entdecke Dinge, die ich ansonsten vielleicht übersehen hätte. Ich spüre, dass ich achtsamer werde, für die Dinge, Themen und Menschen. Und dies führt in meiner Wahrnehmung zu mehr Rücksichtsnahme und Verständnis. Ich erkenne: Entschleunigung hilft!

Diese entschleunigten Corona-Zeiten, diese besondere Fasten- und Passionszeit, erlebe ich als sehr besonders: ich schlafe mehr und besser, ich nehme mir mehr Zeit für mich und gehe mehr spazieren. Ich achte mehr auf schöne Dinge, erledige meine Aufgaben nacheinander und nicht „tausend Dinge“ parallel. Ich bin etwas langsamer und tue öfter mal nix!

Irgendwann werden diese Zeiten vorbei sein und der Stress wird uns wieder einholen. Ich hoffe sehr, dass ich viel Entschleunigung mitnehmen kann in die neue, alte Zeit …

Du musst nur langsam genug gehen, um immer in der Sonne zu bleiben. 
(Antoine de Saint-Exupéry)

Johann (14) besucht die 9. Klasse einer Gesamtschule und macht gerade im Alpenpark Neuss sein dreiwöchiges Betriebspraktikum. Zum Alpenpark gehören zum Beispiel eine Skihalle, ein Hotel, ein Gastronomiebereich, ein Kletterpark, Funfußball und Almgolf. Insgesamt arbeiten dort 250 Mitarbeiter. Der Alpenpark ist auch ein Ausbildungsbetrieb.

Warum wolltest Du Dein Praktikum in der Skihalle machen?

Ich interessiere mich sehr für Seilbahnen und die Skihalle ist der nächste Ort, an dem es Seilbahnen gibt. Mein Berufswunsch ist Seilbahntechniker.

Wie kam der Kontakt zustande?

Ich habe in der 8. Klasse bereits meine Berufsfelderkundung (ein Ein-Tages-Praktikum) in dem Betrieb gemacht und mich danach dort beworben für das Praktikum.

Was macht Dir besonders Spaß im Praktikum?

Ich lerne dort viel und pflege den Kontakt zu den Mitarbeitern und Kunden. Ich werde in vielen Bereichen eingesetzt, zum Beispiel an den Liftanlagen, in der Werkstatt und generell auf der Piste.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus?

Ich komme um 8 Uhr zum Dienst und baue mit den Kollegen die Zäune auf, die der Sicherheit dienen. Um 9 Uhr kommen die ersten Skifahrer, die schon bekannt sind, weil sie eigentlich immer kommen. Ab 10 Uhr kommen die anderen Gäste und man muss sich in direkter Nähe zu den Steuerpunkten aufhalten, wo man zum Beispiel den Lift halten und anfahren lassen kann. Ansonsten gibt es immer wieder neue Aufgaben zu erledigen, manchmal muss ich auch Gerätschaften von Eis und Schnee befreien, damit sie nachher wieder besser funktionieren. Mittags habe ich dann eine große Pause. Ich bin in der Regel bis 15.30 Uhr dort. Dann habe ich Feierabend.

In der 10. Klasse steht das nächste Praktikum an. Hast Du dafür schon Pläne?

Ja, dann möchte ich gerne zum Elektriker. Wie ich auch schon bei anderen Praktika und Betriebsführungen an Seilbahnen mitbekommen habe, zum Beispiel im Allgäu, im Kleinwalsertal und Koblenz, benötigt man als Seilbahntechniker auch Kenntnisse von Elektronik. Ich habe mir schon Betriebe ausgesucht, wo ich mich demnächst bewerben werde.

Weißt Du schon wie es dann weitergehen soll?

Ich versuche mein Abitur zu schaffen und möchte dann eine Duale Ausbildung machen, zum Beispiel in Österreich.

Duale Studiengänge, die Praxis und Studium miteinander verbinden, erleichtern den Berufseinstieg nach dem Studium. Die Beschäftigungswahrscheinlichkeit liegt in den ersten Jahren nach einem Dualen Studium vier Prozentpunkte höher als nach einem Universitätsstudium. Im weiteren Erwerbsverlauf verschwindet dieser Beschäftigungsvorteil aber, berichtet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Duale Studiengänge verbinden Theorie und Praxis, indem während des Studiums zugleich eine Berufsausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf absolviert wird oder Praxisphasen in Unternehmen in einem weit größeren Umfang als bei klassischen Studiengängen in der Studienordnung verankert sind.

Rund vier Prozent aller Studierenden absolvieren ein duales Studium. Die Zahl dual Studierender stieg in den vergangenen 15 Jahren von 40.000 auf mehr als 100.000. Im gleichen Zeitraum erhöhte sich die Zahl der Kooperationsunternehmen von weniger als 20.000 auf rund 50.000.

Dual Studierende sind zumeist an Berufsakademien, dualen Hochschulen und Fachhochschulen eingeschrieben. In dualen Studiengängen gibt es im Vergleich zu Universitäten einen höheren Männeranteil und weniger Studierende mit ausländischer Staatsangehörigkeit.

Absolventen eines dualen Studiums arbeiten oft in den Bereichen Geschäftsadministration, Geschäftsleitung und Ingenieurswesen. Laut der IAB-Studie verdienen Absolventen eines dualen Studiums im Durchschnitt ähnlich wie Fachhochschulabsolventen und damit weniger als Absolventen eines universitären Studiums.

Die IAB-Studie ist online abrufbar unter http://doku.iab.de/kurzber/2019/kb2519.pdf

Viele Eltern fassen den Begriff des Vorlesens zu eng und denken, dass dazu immer ein gedrucktes Buch mit viel Text gehört. Schauen Eltern gemeinsam mit ihren Kindern Wimmelbücher an oder lesen Texte vom E-Reader vor, verstehen dies 23 Prozent nicht als Vorlesen. Mit Babys einfache Bilderbücher zu betrachten gehört für jeden fünften Befragten nicht dazu – obwohl gerade diese Impulse von Anfang an für die Entwicklung von Kindern wichtig sind.

Dies zeigt die Vorlesestudie 2019, die kürzlich in Berlin vorgestellt wurde. Die Studie ist wie der Bundesweite Vorlesetag am 15. November ein gemeinsames Projekt von Stiftung Lesen, DIE ZEIT und Deutsche Bahn Stiftung.

„Viele Eltern verstehen den Begriff des Vorlesens zu eingeschränkt. Vor allem jene, die selten vorlesen, denken nur an das klassische Lesen von Buch mit Text. Auch Comics und Bilderbücher anschauen oder das Erzählen von Geschichten hilft den Kindern, Sprache zu entwickeln und lesen zu lernen“, erklärt Jürgen Kornmann, Leiter Marketing & PR der Deutschen Bahn und Beauftragter Leseförderung der Deutsche Bahn Stiftung.

Rund 32 Prozent aller Eltern in Deutschland lesen ihren Kindern im Vorlesealter von zwei bis acht Jahren zu selten oder nie vor. Dieser Wert hat sich seit 2013 nicht verändert. Vor allem Eltern mit formal niedriger Bildung lesen zu selten oder nie vor (51%) und haben darüber hinaus einen besonders konservativen Vorlesebegriff.

Die Studie hat zudem herausgefunden, dass berufstätige Mütter mehr vorlesen als nicht berufstätige. Im Vergleich lesen 27 Prozent berufstätiger Mütter zu selten vor, bei den nicht berufstätigen sind es 39 Prozent. Väter sind weiterhin Vorlesemuffel, 58 Prozent von ihnen lesen selten oder nie vor.

„Noch immer liest ein Drittel aller Eltern ihren Kindern zu selten vor, obwohl es Kinder auf vielfältige Weise fördert“, sagt Dr. Rainer Esser, Geschäftsführer der ZEIT Verlagsgruppe. „Wir raten daher allen Müttern und Vätern, jeden Tag 15 Minuten vorzulesen.“

„Unsere Aufgabe bleibt es weiterhin, Eltern zu motivieren und ihnen zu zeigen, dass Vorlesen wichtig für die Entwicklung von Kindern ist“, fasst Dr. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, zusammen. „Sie können im Alltag auf vielfältige Weise sprachliche Anreize geben. Viele, gerade bildungsferne Eltern, tun dies bereits. Dann ist es vom Märchenerzählen über das gemeinsame Betrachten des Fotobuchs zum klassischen Vorlesen nicht weit. Darauf wollen wir nicht nur am Bundesweiten Vorlesetag am 15. November aufmerksam machen.“

Die Vorlesestudie wird seit 2007 jährlich durchgeführt. 2019 hat KMF Krämer Marktforschung GmbH im Juni und Juli 700 Eltern von Kindern im Alter von 2 – 8 Jahren (490 Mütter, 210 Väter) telefonisch befragt. Die Ergebnisse sind damit repräsentativ für diese Zielgruppen.

Alle Ergebnisse sowie Vorleseempfehlungen für Kinder zwischen zwei und acht Jahren finden Sie unter: www.stiftunglesen.de/vorlesestudie

Zentrale Ergebnisse aus den zurückliegenden Vorlesestudien lauten:

  • Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wird, sind allgemein erfolgreicher in der Schule. Sie haben in Deutsch, Mathe und Fremdsprachen bessere Noten als Kinder, denen nicht vorgelesen wird. (2011)
  • Vorlesen hat darüber hinaus eine längerfristige soziale Bedeutung. Wurde Kindern regelmäßig vorgelesen, sind diese häufiger darum bemüht, andere in die Gemeinschaft zu integrieren. Auch ist der allgemeine Gerechtigkeitssinn dieser Kinder besonders ausgeprägt. (2015)
  • Vier von fünf Kindern, denen regelmäßig vorgelesen wurde, fällt das Lesenlernen in der Grundschule leicht. Bei den anderen ist das laut ihren Eltern deutlich seltener der Fall (50 Prozent). Fragt man die Kinder selbst, ist sogar mehr als die Hälfte der Grundschüler mit wenig Vorleseerfahrung frustriert, weil das Lesenlernen ihnen zu lange dauert. (2018)
Jedes verschenken Unternehmen in Düsseldorf und Umgebung Vorlesebibliotheken im Gesamtwert von 25.000 an Kitas und Grundschulen.

Privatschulen werden für immer mehr bildungsnahe Familien eine Bildungsalternative zu staatlichen Schulen. Im vergangenen Schuljahr besuchten rund eine Million (1.002.732) Schülerinnen und Schüler eine Schule in freier Trägerschaft. Damit wurde zum ersten Mal die Millionen-Schwelle überschritten, teilt der VDP Verband Deutscher Privatschulen Nordrhein-Westfalen mit. „Die Zahl der Privatschüler und damit der Einfluss der Privatschulen auf das Schulsystem in Deutschland könnte noch weitaus größer sein, gäbe es nicht zahllose gesetzliche Bedingungen, verweigerte Investitionshilfen, Zulassungsschranken und Anpassungszwänge, mit denen die Bundesländer das staatliche Bildungsmonopol ausformen und die private Konkurrenz behindern.“, sagt der Kölner Bildungsforscher Helmut E. Klein vom Institut der Deutschen Bildung.

Man muss „viel Asche“ haben (um es mal sehr salopp zu formulieren), um das Kind auf eine Privatschule schicken zu können. Das zeige sich darin, dass private Schulen in einigen Bundesländern teils immense Gebühren von den Eltern verlangen, sagt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Beispiel Hessen: „Gerade einmal die Hälfte aller Privatschulen erlässt dort Kindern von Hartz-IV-Empfängern komplett das Schulgeld“, sagt DIW-Experte Helbig. Damit sei die Schule für diese Gruppe von vornherein nicht zugänglich; von den für Bildung vorgesehenen ohnehin spärlichen Beträgen bleibe für Gebühren nichts übrig. Das DIW-Fazit: Privatschüler stammen immer häufiger aus Haushalten mit studierten Müttern oder Vätern.

Einer der wichtigsten Bereiche der Privatschulen ist die berufliche Bildung – auch in Düsseldorf gibt es private Berufsschulen. Nahezu jede fünfte berufliche Schule in NRW ist in freier Trägerschaft, der Anteil an der Gesamtzahl der Schüler im beruflichen Bereich liegt bei 7,6 Prozent. „Gerade im berufsbildenden Bereich sind Privatschulen hochspezialisiert, sind kleine, aber feine Schulen. Sie bilden in innovativen Bereichen wie Game Art und Game Design, Informatik oder ‚Manager im Modehandel‘ aus – Berufsbilder, die es bis vor wenigen Jahren noch gar nicht gab“, erklärt Schrade die im Verhältnis geringen Schülerzahlen.

Im kinderfreundlichen Düsseldorf soll es zukünftig auch eine erste „Demokratische Schule“ geben, auch in privater Trägerschaft. In dieser Schule soll es keine Lehrplan geben, keine Noten, keine Klassen. Es ist allerdings nicht die erste Schule dieser Art in NRW, wie es in der Presse stand. In Jülich gibt es auch eine solche Schule. Auch bundesweit gibt es gute Beispiele, z.B. in Hamburg und Berlin.

Schulleiterin dieser neuen Schulen soll Monika Brosch werden, langjährige Lehrerin und Konrektorin an der Realschule Golzheim: „Bei uns können die Schüler, die mit ihrem Schulbesuch bei uns die gesetzlichen Schulpflicht bis zur 10. Klasse erfüllen, zwischen 8 und 9.30 Uhr kommen und die Betreuung wird bis 16 Uhr angeboten. Die Kinder, wir wollen mit den Klassen 1 bis 7 starten, können dann spielen, was lesen oder einen Sing-Wettbewerb organisieren. Oder was immer sie machen wollen. Und wenn sie möchten, können sie uns Lehrer als Begleitung dazunehmen. Wir haben ausgebildete Lehrer für alle Fächer in den Klassen 1 bis 10. „

Es tut sich also einiges in Sachen „Privatschulen“ – auch in NRW und Düsseldorf. Diese Entwicklung sollten alle aufmerksam verfolgen, denn eine Zwei-Klassen-Gesellschaft in der Bildung brauchen wir nun wirklich nicht.