Bildung darf nicht vom Elternhaus abhängen: Warum die Adventure School so wichtig ist

Fotos: zdi/Stiftung Pro Ausbildung
Die Landeshauptstadt Düsseldorf startet in diesem Sommer erneut mit einem besonderen Ferienangebot für Kinder und Jugendliche: In den letzten drei Wochen der Sommerferien öffnet die Adventure School wieder ihre Türen. Organisiert von der Stadt Düsseldorf und in weiten Teilen umgesetzt durch das zdi-Netzwerk MINT Düsseldorf, erwartet Schülerinnen und Schüler der 1. bis 13. Klasse ein umfangreiches MINT-Programm – von Künstlicher Intelligenz und Virtueller Realität über Naturwissenschaften bis hin zu kreativen Technikprojekten.
Meine Meinung dazu ist klar: Wenn wir wollen, dass Kinder und Jugendliche gute Chancen auf ihre Zukunft haben, müssen wir ihnen auch die Möglichkeit geben, Zukunft selbst auszuprobieren.
Genau deshalb ist die Adventure School Düsseldorf mehr als ein attraktives Ferienprogramm. In den letzten drei Wochen der Sommerferien bekommen Schülerinnen und Schüler der 1. bis 13. Klasse die Möglichkeit, sich mit Themen auseinanderzusetzen, die ihre Zukunft maßgeblich prägen werden: Künstliche Intelligenz, Virtuelle Realität, Robotik, Naturwissenschaften, Nachhaltigkeit, Programmierung und vieles mehr.
Organisiert wird die Adventure School von der Landeshauptstadt Düsseldorf und in weiten Teilen vom zdi-Netzwerk MINT Düsseldorf umgesetzt. Das Besondere: Die Angebote sind kostenfrei und eröffnen Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Schulform oder den Möglichkeiten im Elternhaus einen Zugang zu modernen Technologien und MINT-Themen.

Die digitale Kluft wird größer
Warum das wichtig ist, zeigt eine aktuelle Studie des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation gemeinsam mit der Goethe-Universität Frankfurt und der Universität Paderborn.
Die Untersuchung kommt zu einem Ergebnis, das uns aufhorchen lassen sollte: Die Unterschiede bei den digitalen Kompetenzen von Jugendlichen in Deutschland haben sich in den vergangenen zehn Jahren deutlich vergrößert. Der Abstand zwischen Jugendlichen aus privilegierten und weniger privilegierten Familien ist von 43 auf 66 Kompetenzpunkte gestiegen.
Das bedeutet: Während manche Kinder zuhause selbstverständlich mit digitalen Medien, Büchern, Lernprogrammen und technischen Geräten umgehen und dabei von ihren Eltern unterstützt werden, fehlen anderen diese Möglichkeiten.
Und genau hier entsteht ein Problem.
Denn digitale Kompetenz ist längst keine zusätzliche Fähigkeit mehr. Sie gehört zu den grundlegenden Voraussetzungen für Bildung, Ausbildung und berufliche Zukunft.

Technik muss man erleben können
Meine Meinung dazu ist: Wir dürfen digitale Bildung nicht dem Zufall überlassen.
Es reicht nicht, Kindern zu sagen, dass Künstliche Intelligenz wichtig ist. Es reicht auch nicht, im Unterricht über Robotik oder Programmierung zu sprechen.
Kinder müssen ausprobieren dürfen.
Sie müssen einen Roboter bauen können. Sie müssen erleben, wie eine eigene App entsteht. Sie müssen mit KI experimentieren, Fehler machen und anschließend feststellen: „Das kann ich!“
Gerade diese Erfolgserlebnisse sind entscheidend.
Denn Interesse entsteht häufig nicht durch Theorie, sondern durch eigene Erfahrungen. Wer einmal selbst programmiert, experimentiert oder eine technische Lösung entwickelt hat, sieht plötzlich, dass Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik nicht abstrakte Schulfächer sind, sondern etwas mit der eigenen Lebenswelt und der eigenen Zukunft zu tun haben.

Bildungsgerechtigkeit bedeutet auch Zugang zu Zukunftstechnologien
Für mich gehört deshalb zur Bildungsgerechtigkeit heute mehr als der Zugang zu Schule und Unterricht.
Bildungsgerechtigkeit bedeutet auch, dass ein Kind die Chance haben muss, Zukunftstechnologien kennenzulernen – unabhängig davon, ob die Eltern selbst in einem technischen Beruf arbeiten, zuhause über die neuesten digitalen Geräte verfügen oder das Geld für zusätzliche Bildungsangebote haben.
Genau deshalb brauchen wir außerschulische Lernorte.
Die Adventure School ist dafür ein gutes Beispiel. Sie schafft einen Raum, in dem Kinder neugierig sein dürfen. Sie können Fragen stellen, experimentieren, gemeinsam Lösungen entwickeln und dabei ihre eigenen Fähigkeiten entdecken.
Und vielleicht entdeckt dabei ein Kind zum ersten Mal, dass seine Zukunft in der Informatik, in der Forschung, im Maschinenbau oder in einem anderen MINT-Beruf liegen könnte.

MINT-Bildung ist auch Fachkräftesicherung
Aus meiner Sicht dürfen wir diesen Aspekt nicht unterschätzen.
Wenn wir heute über Fachkräftemangel sprechen, sprechen wir häufig über fehlende Fachkräfte in fünf oder zehn Jahren. Aber Fachkräftesicherung beginnt viel früher.
Sie beginnt bei der Frage, ob wir Kinder für technische und naturwissenschaftliche Themen begeistern können.
Sie beginnt in der Schule – und eben auch außerhalb der Schule.
Und sie beginnt damit, jungen Menschen zu zeigen, welche Möglichkeiten ihnen offenstehen.
Deshalb ist MINT-Bildung für mich nicht nur ein Bildungsthema. Sie ist auch ein Thema der gesellschaftlichen Teilhabe und der wirtschaftlichen Zukunft unseres Landes.

Corona hat die Unterschiede sichtbar gemacht
Die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie haben gezeigt, wie wichtig digitale Kompetenzen sind. Schülerinnen und Schüler mussten plötzlich digital lernen, kommunizieren und arbeiten.
Dabei wurde deutlich, dass die Voraussetzungen sehr unterschiedlich waren.
Manche hatten zuhause einen eigenen Arbeitsplatz, leistungsfähige Geräte und Eltern, die bei technischen Problemen helfen konnten. Andere hatten diese Möglichkeiten nicht.
Die Pandemie hat damit eine Entwicklung beschleunigt, die wir heute nicht einfach hinnehmen dürfen: Wer zuhause bessere digitale Voraussetzungen hat, hat häufig auch bessere Bildungschancen.
Außerschulische Angebote können diese Unterschiede zwar nicht vollständig beseitigen. Aber sie können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass Kinder zusätzliche Erfahrungen sammeln und Kompetenzen entwickeln können.
Meine Meinung: Wir müssen neugieriger machen
Meine Meinung dazu ist deshalb: Wir sollten Kindern viel häufiger die Möglichkeit geben, Dinge einfach auszuprobieren.
Nicht jedes Kind muss später Informatiker, Ingenieurin oder Naturwissenschaftler werden. Das ist auch gar nicht das Ziel.
Das Ziel ist, Interesse zu wecken.
Selbstvertrauen aufzubauen.
Talente zu entdecken.
Und Kindern zu vermitteln: Du kannst das. Du kannst etwas ausprobieren. Du kannst etwas entwickeln. Du kannst deine Zukunft mitgestalten.
Genau darin liegt für mich die große Stärke der Adventure School.
Sie verbindet Ferien, Spaß und Bildung miteinander – und macht Zukunftstechnologien für Kinder und Jugendliche konkret erlebbar.
Wenn Bildungschancen nicht vom Elternhaus abhängen sollen, brauchen wir genau solche Angebote. Denn Zukunft beginnt nicht erst mit der Ausbildung oder dem Studium. Sie beginnt mit der ersten neugierigen Frage eines Kindes: „Wie funktioniert das eigentlich?“
