Dr. Sandra Garbade an der Spitze des BIBB: Eine starke Stimme für die berufliche Bildung

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Es gibt Personalentscheidungen, die weit über die Besetzung einer einzelnen Führungsposition hinausweisen. Die Berufung von Dr. Sandra Garbade zur Präsidentin des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) gehört für mich eindeutig dazu.

Seit dem 1. August 2026 steht erstmals eine Frau an der Spitze des BIBB. Sie folgt auf Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, der Ende Juni nach mehr als 15 Jahren als Präsident in den Ruhestand gegangen ist.

Ich freue mich sehr über diese Entscheidung. Nicht allein, weil damit ein wichtiges Signal für Frauen in Führungsverantwortung verbunden ist. Vor allem überzeugt mich der berufliche Weg von Sandra Garbade: Sie kennt die berufliche Bildung nicht nur aus der Wissenschaft und der Verwaltung, sondern aus eigener praktischer Erfahrung. Sie war Auszubildende, Berufsschullehrerin, Abteilungsleiterin, Schulaufsicht und schließlich langjährige Geschäftsführerin des Hamburger Instituts für Berufliche Bildung. Genau diese Verbindung unterschiedlicher Perspektiven halte ich für eine große Stärke.

Von der Bankausbildung an die Spitze der beruflichen Bildung

Der Lebenslauf von Dr. Sandra Garbade ist bemerkenswert – und gerade für die berufliche Bildung ausgesprochen passend.

1991 machte sie ihr Abitur in Nordrhein-Westfalen und begann anschließend eine Ausbildung zur Bankkauffrau, die sie 1994 abschloss. Es folgte ein sechsmonatiges Bankpraktikum in Spanien bei der Caja España in León, das sie im Rahmen eines Stipendiums der Begabtenförderung Berufliche Bildung absolvierte.

Danach studierte sie an der Universität Göttingen Wirtschaftspädagogik mit den Schwerpunkten Bankbetriebslehre, betriebliche Finanzwirtschaft und Spanisch. 1999 schloss sie ihr Studium als Diplom-Handelslehrerin ab. Von 1999 bis 2001 promovierte sie am Seminar für Wirtschaftspädagogik der Universität Göttingen. Parallel sammelte sie bereits Erfahrungen in Wissenschaft und Lehre.

Es folgten berufliche Stationen bei der WestLB beziehungsweise NRW.Bank und bei der Unternehmensberatung zeb/rsa. Dort war sie unter anderem als Dozentin tätig und vermittelte Wissen in Rechnungswesen, Rechnungslegung, Jahresabschluss und Controlling.

Dann vollzog sie einen für ihren weiteren Weg entscheidenden Schritt: 2007 wechselte Sandra Garbade in den Hamburger Schuldienst.

Sie absolvierte das Referendariat für das Lehramt an beruflichen Schulen und arbeitete anschließend als Lehrerin an einer berufsbildenden Schule. 2013 wurde sie Abteilungsleiterin, 2015 wechselte sie in die Schulaufsicht. Anfang 2017 übernahm sie Verantwortung in der Geschäftsbereichsleitung des Hamburger Instituts für Berufliche Bildung (HIBB). Im August desselben Jahres wurde sie Geschäftsführerin.

Neun Jahre lang prägte sie damit die berufliche Bildung in Hamburg strategisch und operativ.

Eine Karriere, die Mut machen kann

Was mich an diesem Lebenslauf besonders beeindruckt: Er ist kein geradliniger Aufstieg auf einer einzigen Karriereleiter. Er zeigt vielmehr, wie wertvoll unterschiedliche berufliche Erfahrungen für Bildungsbiografien und Führungsverantwortung sein können.

Ausbildung. Studium. Wissenschaft. Wirtschaft. Beratung. Berufsschule. Schulaufsicht. Bildungsmanagement.

All diese Stationen gehören zur beruflichen Biografie von Sandra Garbade.

Und genau darin liegt für mich eine wichtige Botschaft: Berufliche Bildung lebt davon, dass unterschiedliche Welten miteinander verbunden werden.

Wer die berufliche Bildung weiterentwickeln will, muss Wirtschaft und Schule verstehen. Er muss die Perspektive der Jugendlichen ebenso kennen wie die der Ausbildungsbetriebe. Er muss wissenschaftliche Erkenntnisse aufnehmen und gleichzeitig wissen, was im Alltag einer Berufsschule tatsächlich funktioniert.

Sandra Garbade bringt diese Perspektiven zusammen.

Ihr Leitmotiv: Teilhabe ermöglichen

Besonders angesprochen hat mich deshalb ihre Aussage zu ihrem Amtsantritt. Ihr Leitmotiv aus Hamburg – mehr Menschen durch berufliche Bildung an Arbeit und Gesellschaft teilhaben zu lassen – möchte sie auch als BIBB-Präsidentin weiterverfolgen.

Das ist für mich mehr als eine politische Formel.

Berufliche Bildung entscheidet ganz wesentlich darüber, ob junge Menschen einen erfolgreichen Einstieg ins Berufsleben finden. Sie entscheidet darüber, ob Unternehmen Fachkräfte gewinnen. Und sie entscheidet auch darüber, ob Menschen nach Veränderungen, Brüchen oder Umorientierungen neue Chancen bekommen.

Berufliche Bildung ist deshalb immer auch Bildung für gesellschaftliche Teilhabe.

Gerade in einer Zeit, in der Bildungsbiografien vielfältiger werden, halte ich diesen Gedanken für zentral.

Das BIBB steht vor großen Aufgaben

Die neue Präsidentin übernimmt das BIBB in einer Zeit großer Veränderungen. Demografischer Wandel, Fachkräftesicherung, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz verändern die Arbeitswelt – und damit zwangsläufig auch die Anforderungen an Ausbildung und Weiterbildung.

Das BIBB ist dabei eine zentrale Institution: Es verbindet Berufsbildungsforschung, wissenschaftliche Politikberatung, die Modernisierung von Ausbildungs- und Fortbildungsordnungen, internationale Berufsbildungszusammenarbeit sowie die Begleitung und Umsetzung von Programmen. Am Standort Bonn arbeiten inzwischen mehr als 850 Menschen.

Die Herausforderungen sind gewaltig.

Welche Kompetenzen brauchen junge Menschen künftig?

Wie verändern KI und Digitalisierung die Ausbildungsberufe?

Wie können Unternehmen auch in Zeiten des Fachkräftemangels gute Ausbildung anbieten?

Wie schaffen wir bessere Übergänge von der Schule in Ausbildung?

Wie gelingt Weiterbildung für Menschen, deren Berufe sich durch technologische Veränderungen verändern?

Und vor allem: Wie schaffen wir es, dass berufliche Bildung nicht nur funktioniert, sondern für junge Menschen wieder stärker als attraktive und gleichwertige Zukunftsperspektive wahrgenommen wird?

Auf diese Fragen wird Sandra Garbade Antworten mitgestalten müssen.

Eine Präsidentin mit Nähe zur Praxis

Ich halte es für einen großen Vorteil, dass sie dabei nicht ausschließlich aus einer wissenschaftlichen oder politischen Perspektive auf die berufliche Bildung schaut.

Sie kennt die Praxis.

Sie kennt den Unterricht.

Sie kennt berufliche Schulen.

Sie kennt Verwaltung und Steuerung.

Sie kennt Unternehmen.

Und sie kennt die Herausforderungen der Berufsbildungspolitik auch aus ihrer langjährigen Gremienarbeit. Unter anderem war sie Mitglied der Kommission für Berufliche Bildung und Weiterbildung der Kultusministerkonferenz, Sachverständige der Enquete-Kommission „Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“ des Deutschen Bundestages und Mitglied des Hauptausschusses des BIBB.

Das ist eine beeindruckende Kombination.

Mein Blick auf die neue BIBB-Präsidentin

Für mich ist die Berufung von Dr. Sandra Garbade deshalb ein starkes Signal für die berufliche Bildung.

Und ich verbinde damit auch eine persönliche Erwartung: Wir brauchen in Deutschland wieder mehr Selbstbewusstsein für die duale Ausbildung und für die berufliche Bildung insgesamt.

Nicht als Alternative zweiter Wahl zum Studium.

Sondern als eigenständigen, anspruchsvollen und modernen Bildungsweg mit hervorragenden Entwicklungsmöglichkeiten.

Dafür brauchen wir Menschen an entscheidenden Stellen, die die berufliche Bildung nicht nur verwalten, sondern für sie brennen.

Der bisherige Weg von Sandra Garbade macht mir Hoffnung, dass genau das gelingen kann.

Ich wünsche ihr für ihre neue Aufgabe in Bonn viel Erfolg, Kraft und vor allem den Mut, notwendige Veränderungen anzustoßen. Die berufliche Bildung braucht in den kommenden Jahren Orientierung, Innovation und eine starke Stimme.

Mit Dr. Sandra Garbade bekommt das BIBB eine Präsidentin, die viele Facetten der beruflichen Bildung aus eigener Erfahrung kennt. Das ist eine hervorragende Ausgangslage für die nächsten Jahre.

Und vielleicht ist ihr persönlicher Bildungsweg selbst schon ein gutes Beispiel dafür, was berufliche Bildung leisten kann: Sie eröffnet Wege – und diese Wege können bis an die Spitze führen.

Der Lebenslauf von Dr. Sandra Garbade im Überblick

  • 1971: geboren in Bad Oeynhausen
  • 1991: Abitur in Nordrhein-Westfalen
  • 1991–1994: Ausbildung zur Bankkauffrau
  • 1994: Bankpraktikum bei der Caja España in León/Spanien
  • 1994–1999: Studium der Wirtschaftspädagogik an der Universität Göttingen
  • 1999: Abschluss als Diplom-Handelslehrerin
  • 1999–2001: Promotionsstudium und wissenschaftliche Tätigkeit an der Universität Göttingen
  • 2001–2004: WestLB beziehungsweise NRW.Bank
  • 2004–2007: Unternehmensberatung zeb/rsa; zugleich Dozentin
  • 2007–2013: Lehrerin an einer berufsbildenden Schule in Hamburg
  • 2013–2015: Abteilungsleiterin und Lehrerin
  • 2015–2017: Schulaufsicht
  • ab 2017: Geschäftsbereichsleitung beim HIBB
  • August 2017–Juli 2026: Geschäftsführerin des Hamburger Instituts für Berufliche Bildung
  • seit 1. August 2026: Präsidentin des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB)

Zum offiziellen Lebenslauf von Dr. Sandra Garbade beim BIBB