Kurz vor dem Start des neuen Ausbildungsjahres zeigt sich in Nordrhein-Westfalen ein widersprüchliches Bild: Weniger Ausbildungsplätze werden gemeldet, zugleich bleibt das Interesse junger Menschen an der dualen Ausbildung stabil. Für Unternehmen und Bewerberinnen und Bewerber ist das keine Sackgasse, sondern ein Auftrag zum gemeinsamen Handeln.

Düsseldorf ist eine Stadt, die gern über Zukunft spricht. Über Transformation, Digitalisierung, künstliche Intelligenz und neue Geschäftsmodelle. Doch Zukunft beginnt selten auf einer Bühne und fast nie mit einer PowerPoint-Präsentation. Sie beginnt dort, wo ein Betrieb einer jungen Frau oder einem jungen Mann die Chance gibt, einen Beruf zu lernen.Die duale Ausbildung ist deshalb mehr als ein Baustein der Personalplanung. Sie ist die praktische Antwort auf eine doppelte Herausforderung: Die Wirtschaft verändert sich grundlegend – und zugleich verabschieden sich in den kommenden Jahren die geburtenstarken Jahrgänge aus dem Arbeitsleben. Wer heute nicht ausbildet, wird in drei bis fünf Jahren spürbare Engpässe bei qualifizierten Nachwuchsfachkräften erleben. Was heute wie eine freie Entscheidung aussieht, kann morgen zur empfindlichen Lücke werden.

Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen macht diesen Handlungsdruck sichtbar. Bis Ende August meldeten Unternehmen und Betriebe 92.947 betriebliche Ausbildungsstellen bei den Agenturen für Arbeit – 6.319 weniger als im Vorjahr, ein Rückgang von 6,4 Prozent. Die aktuelle Wirtschaftskrise geht auch am Ausbildungsmarkt nicht spurlos vorbei.

Und doch wäre es falsch, die Geschichte an dieser Stelle mit dem Wort „Rückgang“ zu beenden. Denn gleichzeitig meldeten 105.686 Jugendliche Interesse an einer Ausbildung. Das sind 381 junge Menschen mehr als im Vorjahr. Kurz vor dem Start des neuen Ausbildungsjahres am 1. September sind noch 23.359 Ausbildungsstellen zu besetzen – viele davon in Berufen, die von Fachkräfteengpässen geprägt sind und gute Zukunftsperspektiven bieten.

Auch auf der Seite der Jugendlichen ist die Situation eindeutig: 25.844 Bewerberinnen und Bewerber gelten noch als unversorgt. Hinzu kommen 12.418 junge Menschen, die zwar bereits eine Alternative gefunden haben, aber lieber eine duale Berufsausbildung beginnen würden. Hinter diesen Zahlen stehen keine abstrakten Marktbewegungen. Dahinter stehen junge Menschen mit Erwartungen, Fähigkeiten und dem Wunsch, beruflich Fuß zu fassen. Und dahinter stehen Betriebe, die dringend Verstärkung suchen, aber unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen handeln müssen.

Michael Grütering

Denn eines darf in der Debatte nicht untergehen: Unternehmen bemühen sich. Viele Betriebe halten an ihrer Ausbildungsbereitschaft fest, obwohl Kosten steigen, Aufträge schwanken und die Anforderungen an die Ausbildung wachsen. Ausbildung ist eine Investition – in Zeit, Betreuung, Ausstattung und Verantwortung. Gerade kleinere und mittlere Unternehmen stoßen dabei mitunter an ihre Grenzen. Das verdient Anerkennung, nicht den pauschalen Vorwurf, die Wirtschaft tue zu wenig.

Gleichzeitig darf die schwierige Lage nicht zum Grund werden, Chancen ungenutzt verstreichen zu lassen.

Michael Grütering, Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbände in Düsseldorf, appelliert deshalb an die Mitgliedsbetriebe: „Gerade im Zuge der wirtschaftlichen und strukturellen Transformation ist es entscheidend, die Potenziale am Ausbildungsmarkt aktiv zu erschließen. Wer heute nicht ausbildet, wird in drei bis fünf Jahren spürbare Engpässe bei qualifizierten Nachwuchsfachkräften erleben – insbesondere vor dem Hintergrund des bevorstehenden Renteneintritts der geburtenstarken Jahrgänge. Deshalb bitten wir unsere Mitgliedsbetriebe: Schreiben Sie Ausbildungsstellen verstärkt aus und nutzen Sie die Unterstützung der Agentur für Arbeit bei der Vermittlung geeigneter Bewerberinnen und Bewerber.“

Dieser Appell ist kein Ruf nach einem Kraftakt um jeden Preis. Er ist eine Einladung, genauer hinzusehen. Nicht jede Bewerbung passt auf Anhieb, nicht jeder Ausbildungsberuf ist bekannt, und nicht jede berufliche Entscheidung fällt geradlinig. Umso wichtiger ist es, Interessen, Talente und Stärken zusammenzubringen – und neben dem Wunschberuf auch verwandte Berufe und alternative Wege in den Blick zu nehmen.

Dabei können Unternehmen und Jugendliche auf Unterstützung bauen. Die Agenturen für Arbeit beraten, vermitteln und helfen dabei, passende Perspektiven zu finden. Ein besonders sinnvoller Weg kann die Einstiegsqualifizierung sein: In einem längerfristigen Praktikum lernen sich Betrieb und Talent im Alltag kennen. Jugendliche können fachliche und persönliche Kompetenzen entwickeln, verschiedene berufliche Möglichkeiten erproben und ihre Chancen auf einen Ausbildungsvertrag verbessern. Unternehmen gewinnen zugleich Zeit, um Potenziale zu erkennen – jenseits eines einzelnen Vorstellungsgesprächs und jenseits perfekter Bewerbungsunterlagen.

Dass die Zahl der interessierten Jugendlichen trotz des Ausfalls fast eines ganzen gymnasialen Jahrgangs stabil geblieben ist, ist ein gutes Zeichen. Die duale Ausbildung gewinnt spürbar an Attraktivität. Das ist auch ein Erfolg der gemeinsamen Arbeit von Wirtschaft, Kammern, freien Berufen, Handwerk und Bundesagentur für Arbeit.

Nun kommt es darauf an, aus Interesse konkrete Entscheidungen zu machen. Die Wirtschaft braucht junge Menschen. Junge Menschen brauchen Betriebe, die ihnen etwas zutrauen. Und Betriebe brauchen Unterstützung, wenn Ausbildung unter den Bedingungen der Transformation gelingen soll.

Düsseldorf lebt von Unternehmen, die Verantwortung übernehmen. Ein Ausbildungsplatz ist die sichtbarste Form dieser Verantwortung: Er sagt einem jungen Menschen, dass seine Zukunft nicht festgelegt ist – und einem Betrieb, dass er bereit ist, seine eigene Zukunft mitzugestalten.

Kurz vor dem 1. September ist deshalb noch vieles möglich. Ausbildungsplätze können besetzt, Kontakte geknüpft und Wege eröffnet werden. Unternehmen sollten ihre Stellen jetzt verstärkt ausschreiben und die Vermittlungsangebote der Agentur für Arbeit nutzen. Jugendliche sollten sich auch dann bewerben, wenn der perfekte Lebenslauf noch nicht existiert.

Die wichtigste Nachricht lautet: Der Ausbildungsmarkt ist nicht leer. Er ist voller ungenutzter Möglichkeiten. Man muss sie nur zusammenbringen.


Infotext:

Der Düsseldorfer Ausbildungsmarkt hat sich spürbar verändert: Erstmals übersteigt die Zahl der Ausbildungsinteressierten die Zahl der gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen. Nach aktuellen Zahlen der Agentur für Arbeit Düsseldorf standen im Juli dieses Jahres 3.309 Bewerberinnen und Bewerber 3.041 betrieblichen Ausbildungsstellen gegenüber. Während sich immer mehr junge Menschen für eine duale Ausbildung interessieren, geht das Angebot an betrieblichen Ausbildungsplätzen, die bei der Agentur für Arbeit gemeldet wurden, zurück.

Die Agentur für Arbeit Düsseldorf, das Jobcenter Düsseldorf, die Handwerkskammer Düsseldorf, die Unternehmerschaft Düsseldorf und Umgebung e.V., die Stadt Düsseldorf, der Deutsche Gewerkschaftsbund Region Düsseldorf-Bergisch-Land, die Freien Berufe NRW und die IHK Düsseldorf appellieren gemeinsam an die Unternehmen, die aktuelle Entwicklung als Chance zu nutzen die Fachkräfte von morgen zu gewinnen. Das Interesse junger Menschen an einer dualen Ausbildung ist hoch. Sie rufen dazu auf, freie Ausbildungskapazitäten zu schaffen, offene Ausbildungsplätze zu melden und vorhandene Stellen konsequent zu besetzen.


 

Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt – und damit auch die berufliche Ausbildung. Für Unternehmen stellt sich deshalb zunehmend die Frage: Welche Kompetenzen brauchen junge Menschen, um KI sinnvoll, sicher und verantwortungsvoll einsetzen zu können?

Eine aktuelle Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt: KI ist längst auch in der Ausbildung angekommen. Viele Ausbilderinnen und Ausbilder unterstützen ihre Auszubildenden bereits dabei, KI-Anwendungen zu nutzen und die Ergebnisse kritisch zu hinterfragen.

KI ist in der Ausbildung angekommen

Ob Textverarbeitung, Recherche, Programmierung oder kreative Anwendungen: KI-Tools können heute in vielen Ausbildungsberufen eingesetzt werden. Gleichzeitig wächst die Bedeutung einer Kompetenz, die über die reine Bedienung von KI hinausgeht: die Fähigkeit, KI-Ergebnisse richtig einzuschätzen.

Denn künstliche Intelligenz liefert nicht automatisch richtige Antworten. Auszubildende müssen lernen, Informationen zu überprüfen, Quellen einzuschätzen und mögliche Fehler oder Verzerrungen zu erkennen.

Genau hier sehen viele Ausbildungsbetriebe eine wichtige Aufgabe. Laut IW-Studie vermitteln bereits zahlreiche Ausbilderinnen und Ausbilder ihren Nachwuchskräften einen kritischen Umgang mit KI-generierten Inhalten und unterstützen sie bei der Nutzung entsprechender Werkzeuge.

So viel Prozent der Ausbilderinnen und Ausbilder in Deutschland sagen, dass diese Aussagen (eher) zutreffen

KI-Kompetenz ist mehr als Technik

Für die berufliche Bildung bedeutet das: KI-Kompetenz darf nicht auf die Frage reduziert werden, welches Tool wie funktioniert.

Viel wichtiger sind grundlegende Fähigkeiten:

  • KI-Anwendungen gezielt auswählen und einsetzen,
  • Ergebnisse kritisch überprüfen,
  • Informationen und Quellen bewerten,
  • Datenschutz und Urheberrecht berücksichtigen,
  • Chancen und Grenzen von KI erkennen,
  • und Verantwortung für die eigenen Arbeitsergebnisse übernehmen.

Damit wird KI-Kompetenz zu einem wichtigen Bestandteil beruflicher Handlungskompetenz.

Unternehmen und Berufsschulen müssen enger zusammenarbeiten

Eine besondere Herausforderung liegt in der Zusammenarbeit der verschiedenen Lernorte. Ausbildungsbetriebe und Berufsschulen beschäftigen sich zunehmend mit KI – allerdings offenbar noch nicht überall gemeinsam.

Dabei wäre ein abgestimmtes Vorgehen sinnvoll. Wenn Unternehmen und Berufsschulen miteinander darüber sprechen, wo KI eingesetzt werden kann, wo Grenzen liegen und welche Kompetenzen vermittelt werden sollen, profitieren davon vor allem die Auszubildenden.

Ausbildung findet schließlich an mehreren Lernorten statt. Die digitale Transformation macht es deshalb noch wichtiger, dass diese Lernorte miteinander im Austausch bleiben.

Was bedeutet das für Ausbildungsbetriebe?

Für Unternehmen bietet sich jetzt die Chance, das Thema aktiv zu gestalten. Ausbildungsabteilungen können gemeinsam mit ihren Ausbilderinnen und Ausbildern überlegen:

Wo wird KI in unserem Unternehmen bereits eingesetzt?

Welche Anwendungen sind für unsere Auszubildenden sinnvoll?

Welche Regeln müssen beim Einsatz von KI beachtet werden?

Wie lernen unsere Auszubildenden, KI-Ergebnisse kritisch zu hinterfragen?

Und nicht zuletzt: Welche Kompetenzen benötigen unsere Fachkräfte in Zukunft?

Wer diese Fragen frühzeitig beantwortet, kann KI nicht nur als technologische Veränderung betrachten, sondern als Chance für eine moderne und zukunftsorientierte Ausbildung.

Die Ausbildung von heute bereitet auf die Arbeitswelt von morgen vor

Die Entwicklung zeigt: KI wird zunehmend Teil des beruflichen Alltags. Deshalb sollte der kompetente Umgang mit künstlicher Intelligenz möglichst früh vermittelt werden.

Für Ausbildungsbetriebe bedeutet das nicht, dass jede und jeder sofort zum KI-Experten werden muss. Entscheidend ist vielmehr eine offene Lernkultur, in der Auszubildende neue Technologien ausprobieren, ihre Möglichkeiten kennenlernen und gleichzeitig lernen, kritisch und verantwortungsvoll mit ihnen umzugehen.

KI-Kompetenz wird damit zu einer wichtigen Zukunftskompetenz – für Auszubildende ebenso wie für ihre Ausbilderinnen und Ausbilder.

Der vollständige Beitrag des Instituts der deutschen Wirtschaft:

„KI-Kompetenzen werden immer wichtiger“

https://www.iwd.de/artikel/ki-kompetenzen-werden-immer-wichtiger-688056/

Berufsorientierung ist mehr als ein Praktikum und ein Blick in den Ausbildungsberuf. Sie entscheidet mit darüber, ob junge Menschen ihre Talente entdecken, Chancen erkennen und einen passenden Weg in die Arbeitswelt finden. Seit 20 Jahren zeigt das Düsseldorfer Modell, wie Schule, Wirtschaft und öffentliche Institutionen dabei erfolgreich zusammenarbeiten können.

Am 16. August 2006 begann in Düsseldorf eine Idee, die damals keineswegs selbstverständlich war: Die Akteure am Übergang von der Schule in den Beruf sollten enger zusammenarbeiten. Schule, Wirtschaft, Arbeitsagentur und Stadt wollten ihre Kompetenzen bündeln und Jugendlichen bessere Orientierungsmöglichkeiten eröffnen. (Unternehmer Düsseldorf)

Heute, 20 Jahre später, ist daraus das Kompetenzzentrum Berufliche Orientierung entstanden – und damit ein wichtiger Bestandteil der Düsseldorfer Bildungslandschaft.

Eine Idee, die von Vernetzung lebt

Die besondere Stärke des Düsseldorfer Modells liegt nicht in einer einzelnen Maßnahme. Sie liegt in der Vernetzung. Kommunale Koordinierung, Agentur für Arbeit, Stiftung Pro Ausbildung, Unternehmerschaft Düsseldorf, Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer und Kreishandwerkerschaft arbeiten gemeinsam daran, berufliche Orientierung weiterzuentwickeln. (Unternehmer Düsseldorf)

Das klingt zunächst selbstverständlich. In der Praxis ist es das keineswegs. Denn Institutionen haben unterschiedliche Aufgaben, Zuständigkeiten und Perspektiven. Das Kompetenzzentrum schafft einen Raum, in dem diese Perspektiven zusammenkommen und daraus konkrete Angebote entstehen können.

Genau hier liegt ein entscheidender Erfolgsfaktor: Nicht übereinander, sondern miteinander reden – und aus den Erfahrungen der Praxis neue Lösungen entwickeln.

Von der Idee zum konkreten Angebot

Das Kompetenzzentrum versteht sich deshalb als Ideen- und Projektschmiede. Bedarfe aus Schulen, Unternehmen und von Jugendlichen werden aufgenommen, gemeinsam bearbeitet und in neue Formate übersetzt. (Unternehmer Düsseldorf)

Ein Beispiel dafür ist die Düsseldorfer Praktikumsbörse, die Schulen und Unternehmen digital zusammenbringt. Hinzu kommen Angebote zur Stärkung der dualen Ausbildung, zur Elternarbeit und zur Berufsvorbereitung. Viele der in Düsseldorf entwickelten Ansätze haben inzwischen Modellcharakter für Nordrhein-Westfalen. (Unternehmer Düsseldorf)

Dabei hat sich auch das Verständnis von Berufsorientierung verändert.

Talente erkennen statt Lebensläufe vorplanen

Junge Menschen brauchen heute nicht einfach möglichst viele Informationen über Berufe. Sie brauchen Gelegenheiten, sich selbst auszuprobieren.

Was kann ich gut? Was interessiert mich? Wie funktioniert ein Unternehmen? Wie sieht ein Arbeitstag tatsächlich aus? Welche Fähigkeiten werden in Zukunft gebraucht? Und welche Möglichkeiten bietet mir eine duale Ausbildung?

Praktische Erfahrungen und persönliche Begegnungen können hier mehr bewirken als manche Broschüre. Deshalb ist die Nähe zu den Unternehmen ein wichtiger Bestandteil des Düsseldorfer Ansatzes.

Die Leitidee lässt sich in drei Worten zusammenfassen: Talente erkennen, Perspektiven schaffen, Brücken bauen.(Unternehmer Düsseldorf)

Warum das Thema wichtiger wird

Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Digitalisierung und künstliche Intelligenz verändern Tätigkeiten, neue Berufsbilder entstehen und Unternehmen suchen dringend Nachwuchskräfte. Gleichzeitig müssen Jugendliche Entscheidungen über ihre Zukunft treffen, während sich die Anforderungen an Berufe und Qualifikationen verändern. (Unternehmer Düsseldorf)

Gerade deshalb braucht es Orientierung, die nicht bei der Information stehen bleibt. Jugendliche müssen die Möglichkeit bekommen, Arbeitswelt konkret kennenzulernen und ihre eigenen Fähigkeiten mit realen Anforderungen abzugleichen.

Das ist eine Aufgabe, die Schule allein nicht leisten kann. Und auch Unternehmen können sie nicht allein bewältigen.

Berufliche Orientierung ist eine Gemeinschaftsaufgabe.

20 Jahre Erfahrung – und ein Auftrag für die Zukunft

Das Jubiläum ist deshalb mehr als ein Anlass zum Zurückblicken. Es ist auch eine Gelegenheit, darüber nachzudenken, wie Berufsorientierung in den kommenden Jahren aussehen muss.

Das Kompetenzzentrum will seinen Ansatz weiterentwickeln und neue Wege ausprobieren – insbesondere mit Blick auf Digitalisierung, KI und den Wandel der Arbeitswelt. (Unternehmer Düsseldorf)

Das Ziel bleibt dabei erstaunlich einfach: Kein junger Mensch soll am Übergang von der Schule in die Arbeitswelt verloren gehen.

Dafür braucht es weiterhin starke Partnerschaften, kurze Wege und den Mut, neue Lösungen auszuprobieren.

20 Jahre Düsseldorfer Modell zeigen: Wenn Schule, Stadt, Wirtschaft und Arbeitsmarktakteure ihre Kompetenzen zusammenbringen, kann aus einer guten Idee eine dauerhafte Bildungsstruktur entstehen.

Und vielleicht ist genau das die wichtigste Lehre aus zwei Jahrzehnten: Gute Berufsorientierung beginnt dort, wo Zuständigkeiten enden – und gemeinsames Handeln beginnt.

Ein großer Dank geht an unsere Partner:

  • Stadt Düsseldorf
  • Agentur für Arbeit
  • IHK Düsseldorf
  • HWK Düsseldorf
  • KHS Düsseldorf

So viele Jahre wird ein heute 15-Jähriger voraussichtlich auf dem Arbeitsmarkt aktiv sein

37,5 Jahre: So lange wird ein heute 15-jähriger Mensch in der Europäischen Union statistisch betrachtet voraussichtlich im Berufsleben stehen. Das klingt zunächst nach einer abstrakten Zahl. Tatsächlich steckt dahinter eine der großen Fragen unserer Arbeitsgesellschaft: Wie lange wollen, können und müssen Menschen künftig arbeiten?

Eine aktuelle Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft auf Basis von Eurostat-Daten zeigt: Die Lebensarbeitszeit in Europa steigt. 2021 lag sie noch bei durchschnittlich 36 Jahren, inzwischen sind es 37,5 Jahre. Deutschland liegt mittlerweile bei gut 40 Jahren – gegenüber 38,8 Jahren im Jahr 2021.

Besonders interessant ist der Blick auf die europäischen Nachbarn. In den Niederlanden liegt die erwartete Lebensarbeitszeit inzwischen bei rund 44 Jahren und damit EU-weit an der Spitze. In Rumänien sind es dagegen knapp 33 Jahre. Auch Italien liegt deutlich niedriger. Die Unterschiede zwischen den Ländern sind also erheblich.

Länger arbeiten – aber warum?

Hinter dieser Entwicklung stehen mehrere Faktoren. Zum einen steigen in vielen Ländern die gesetzlichen Renteneintrittsalter. Zum anderen arbeiten heute deutlich mehr Frauen als noch vor einigen Jahrzehnten. Beides führt dazu, dass die statistisch erwartete Zeit im Erwerbsleben zunimmt.

Für Deutschland ist das eine besonders relevante Entwicklung. Denn gleichzeitig verabschiedet sich die Generation der Babyboomer Schritt für Schritt aus dem Arbeitsmarkt. In den kommenden Jahren werden Millionen Beschäftigte in den Ruhestand gehen. Das verschärft bestehende Fachkräfteengpässe zusätzlich.

Damit verändert sich auch die Perspektive auf das Thema „Arbeiten bis zur Rente“.

Die entscheidende Frage lautet nicht nur: Wie lange?

Aus meiner Sicht sollten wir die Diskussion deshalb nicht allein auf das Renteneintrittsalter reduzieren.

Die viel wichtigere Frage lautet: Wie gestalten wir ein Arbeitsleben, das vier Jahrzehnte und länger attraktiv, gesund und erfolgreich bleiben kann?

Das beginnt bei der Bildung.

Wer heute 15 Jahre alt ist, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit noch weit über das Jahr 2070 hinaus mit der Arbeitswelt verbunden sein. Niemand kann heute genau sagen, welche Berufe dann existieren, welche Technologien eingesetzt werden oder welche Kompetenzen Unternehmen benötigen.

Deshalb wird lebenslanges Lernen vom Schlagwort zur Notwendigkeit.

Ausbildung darf nicht mehr als Abschluss verstanden werden, mit dem das Lernen endet. Sie muss vielmehr der Einstieg in eine berufliche Entwicklung sein, die sich über Jahrzehnte fortsetzt. Weiterbildung, berufliche Neuorientierung und der Erwerb neuer Kompetenzen werden selbstverständlich werden müssen.

Bildung wird zum Schlüssel für längere Erwerbsbiografien

Gerade deshalb ist es wichtig, junge Menschen frühzeitig auf die Arbeitswelt vorzubereiten – nicht, indem wir ihnen einen bestimmten Beruf „verordnen“, sondern indem wir ihnen Orientierung, Selbstvertrauen und Einblicke in unterschiedliche Berufsfelder ermöglichen.

Berufsorientierung bekommt damit eine völlig neue Bedeutung.

Sie hilft nicht nur bei der Frage: „Was möchte ich nach der Schule machen?“

Sie sollte junge Menschen auch darauf vorbereiten, dass ein Berufsleben heute nicht mehr zwingend linear verläuft. Wechsel des Berufs, neue Qualifikationen, Weiterbildungen oder sogar mehrere berufliche Neuorientierungen können künftig ganz normal sein.

Ältere Beschäftigte stärker in den Blick nehmen

Gleichzeitig müssen Unternehmen lernen, mit längeren Erwerbsbiografien umzugehen.

Wer 40 oder mehr Jahre arbeitet, bringt enorme Erfahrung mit. Diese Erfahrung ist gerade angesichts des Fachkräftemangels ein wichtiger Wettbewerbsvorteil.

Deshalb brauchen wir Arbeitsbedingungen, die es ermöglichen, länger zu arbeiten, ohne einfach nur länger „durchzuhalten“.

Dazu gehören flexible Arbeitszeitmodelle, Weiterbildung auch für ältere Beschäftigte, altersgerechte Arbeitsplätze, Gesundheitsförderung und vor allem eine Unternehmenskultur, in der Erfahrung nicht als Auslaufmodell, sondern als Ressource verstanden wird.

Die Arbeitswelt von morgen braucht alle Generationen

Die Zahlen des IW zeigen vor allem eines: Das Arbeitsleben wird länger. Aber daraus darf nicht automatisch die Forderung entstehen, dass alle Menschen möglichst lange im bisherigen Modell arbeiten müssen.

Wir sollten vielmehr darüber sprechen, wie Arbeit über verschiedene Lebensphasen hinweg gestaltet werden kann.

Vielleicht ist die entscheidende Zukunftsfrage deshalb gar nicht:

„Wie lange werden wir arbeiten?“

Sondern:

„Wie schaffen wir es, dass Menschen auch nach 40 Jahren Berufserfahrung noch gerne arbeiten – und dass Unternehmen ihnen dafür die richtigen Bedingungen bieten?“

Für die Bildungslandschaft bedeutet das: Wir müssen heute die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Menschen lernen, sich verändern und beruflich immer wieder neu anfangen können.

Denn wenn ein Berufsleben künftig vier Jahrzehnte und länger dauert, reicht es nicht mehr, einmal für den Beruf zu lernen.

Wir müssen lernen, ein Leben lang beruflich lernfähig zu bleiben.

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft / Eurostat, „Wie lange werden wir arbeiten?“, 11. August 2026.

Foto: BIBB

Es gibt Personalentscheidungen, die weit über die Besetzung einer einzelnen Führungsposition hinausweisen. Die Berufung von Dr. Sandra Garbade zur Präsidentin des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) gehört für mich eindeutig dazu.

Seit dem 1. August 2026 steht erstmals eine Frau an der Spitze des BIBB. Sie folgt auf Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, der Ende Juni nach mehr als 15 Jahren als Präsident in den Ruhestand gegangen ist.

Ich freue mich sehr über diese Entscheidung. Nicht allein, weil damit ein wichtiges Signal für Frauen in Führungsverantwortung verbunden ist. Vor allem überzeugt mich der berufliche Weg von Sandra Garbade: Sie kennt die berufliche Bildung nicht nur aus der Wissenschaft und der Verwaltung, sondern aus eigener praktischer Erfahrung. Sie war Auszubildende, Berufsschullehrerin, Abteilungsleiterin, Schulaufsicht und schließlich langjährige Geschäftsführerin des Hamburger Instituts für Berufliche Bildung. Genau diese Verbindung unterschiedlicher Perspektiven halte ich für eine große Stärke.

Von der Bankausbildung an die Spitze der beruflichen Bildung

Der Lebenslauf von Dr. Sandra Garbade ist bemerkenswert – und gerade für die berufliche Bildung ausgesprochen passend.

1991 machte sie ihr Abitur in Nordrhein-Westfalen und begann anschließend eine Ausbildung zur Bankkauffrau, die sie 1994 abschloss. Es folgte ein sechsmonatiges Bankpraktikum in Spanien bei der Caja España in León, das sie im Rahmen eines Stipendiums der Begabtenförderung Berufliche Bildung absolvierte.

Danach studierte sie an der Universität Göttingen Wirtschaftspädagogik mit den Schwerpunkten Bankbetriebslehre, betriebliche Finanzwirtschaft und Spanisch. 1999 schloss sie ihr Studium als Diplom-Handelslehrerin ab. Von 1999 bis 2001 promovierte sie am Seminar für Wirtschaftspädagogik der Universität Göttingen. Parallel sammelte sie bereits Erfahrungen in Wissenschaft und Lehre.

Es folgten berufliche Stationen bei der WestLB beziehungsweise NRW.Bank und bei der Unternehmensberatung zeb/rsa. Dort war sie unter anderem als Dozentin tätig und vermittelte Wissen in Rechnungswesen, Rechnungslegung, Jahresabschluss und Controlling.

Dann vollzog sie einen für ihren weiteren Weg entscheidenden Schritt: 2007 wechselte Sandra Garbade in den Hamburger Schuldienst.

Sie absolvierte das Referendariat für das Lehramt an beruflichen Schulen und arbeitete anschließend als Lehrerin an einer berufsbildenden Schule. 2013 wurde sie Abteilungsleiterin, 2015 wechselte sie in die Schulaufsicht. Anfang 2017 übernahm sie Verantwortung in der Geschäftsbereichsleitung des Hamburger Instituts für Berufliche Bildung (HIBB). Im August desselben Jahres wurde sie Geschäftsführerin.

Neun Jahre lang prägte sie damit die berufliche Bildung in Hamburg strategisch und operativ.

Eine Karriere, die Mut machen kann

Was mich an diesem Lebenslauf besonders beeindruckt: Er ist kein geradliniger Aufstieg auf einer einzigen Karriereleiter. Er zeigt vielmehr, wie wertvoll unterschiedliche berufliche Erfahrungen für Bildungsbiografien und Führungsverantwortung sein können.

Ausbildung. Studium. Wissenschaft. Wirtschaft. Beratung. Berufsschule. Schulaufsicht. Bildungsmanagement.

All diese Stationen gehören zur beruflichen Biografie von Sandra Garbade.

Und genau darin liegt für mich eine wichtige Botschaft: Berufliche Bildung lebt davon, dass unterschiedliche Welten miteinander verbunden werden.

Wer die berufliche Bildung weiterentwickeln will, muss Wirtschaft und Schule verstehen. Er muss die Perspektive der Jugendlichen ebenso kennen wie die der Ausbildungsbetriebe. Er muss wissenschaftliche Erkenntnisse aufnehmen und gleichzeitig wissen, was im Alltag einer Berufsschule tatsächlich funktioniert.

Sandra Garbade bringt diese Perspektiven zusammen.

Ihr Leitmotiv: Teilhabe ermöglichen

Besonders angesprochen hat mich deshalb ihre Aussage zu ihrem Amtsantritt. Ihr Leitmotiv aus Hamburg – mehr Menschen durch berufliche Bildung an Arbeit und Gesellschaft teilhaben zu lassen – möchte sie auch als BIBB-Präsidentin weiterverfolgen.

Das ist für mich mehr als eine politische Formel.

Berufliche Bildung entscheidet ganz wesentlich darüber, ob junge Menschen einen erfolgreichen Einstieg ins Berufsleben finden. Sie entscheidet darüber, ob Unternehmen Fachkräfte gewinnen. Und sie entscheidet auch darüber, ob Menschen nach Veränderungen, Brüchen oder Umorientierungen neue Chancen bekommen.

Berufliche Bildung ist deshalb immer auch Bildung für gesellschaftliche Teilhabe.

Gerade in einer Zeit, in der Bildungsbiografien vielfältiger werden, halte ich diesen Gedanken für zentral.

Das BIBB steht vor großen Aufgaben

Die neue Präsidentin übernimmt das BIBB in einer Zeit großer Veränderungen. Demografischer Wandel, Fachkräftesicherung, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz verändern die Arbeitswelt – und damit zwangsläufig auch die Anforderungen an Ausbildung und Weiterbildung.

Das BIBB ist dabei eine zentrale Institution: Es verbindet Berufsbildungsforschung, wissenschaftliche Politikberatung, die Modernisierung von Ausbildungs- und Fortbildungsordnungen, internationale Berufsbildungszusammenarbeit sowie die Begleitung und Umsetzung von Programmen. Am Standort Bonn arbeiten inzwischen mehr als 850 Menschen.

Die Herausforderungen sind gewaltig.

Welche Kompetenzen brauchen junge Menschen künftig?

Wie verändern KI und Digitalisierung die Ausbildungsberufe?

Wie können Unternehmen auch in Zeiten des Fachkräftemangels gute Ausbildung anbieten?

Wie schaffen wir bessere Übergänge von der Schule in Ausbildung?

Wie gelingt Weiterbildung für Menschen, deren Berufe sich durch technologische Veränderungen verändern?

Und vor allem: Wie schaffen wir es, dass berufliche Bildung nicht nur funktioniert, sondern für junge Menschen wieder stärker als attraktive und gleichwertige Zukunftsperspektive wahrgenommen wird?

Auf diese Fragen wird Sandra Garbade Antworten mitgestalten müssen.

Eine Präsidentin mit Nähe zur Praxis

Ich halte es für einen großen Vorteil, dass sie dabei nicht ausschließlich aus einer wissenschaftlichen oder politischen Perspektive auf die berufliche Bildung schaut.

Sie kennt die Praxis.

Sie kennt den Unterricht.

Sie kennt berufliche Schulen.

Sie kennt Verwaltung und Steuerung.

Sie kennt Unternehmen.

Und sie kennt die Herausforderungen der Berufsbildungspolitik auch aus ihrer langjährigen Gremienarbeit. Unter anderem war sie Mitglied der Kommission für Berufliche Bildung und Weiterbildung der Kultusministerkonferenz, Sachverständige der Enquete-Kommission „Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“ des Deutschen Bundestages und Mitglied des Hauptausschusses des BIBB.

Das ist eine beeindruckende Kombination.

Mein Blick auf die neue BIBB-Präsidentin

Für mich ist die Berufung von Dr. Sandra Garbade deshalb ein starkes Signal für die berufliche Bildung.

Und ich verbinde damit auch eine persönliche Erwartung: Wir brauchen in Deutschland wieder mehr Selbstbewusstsein für die duale Ausbildung und für die berufliche Bildung insgesamt.

Nicht als Alternative zweiter Wahl zum Studium.

Sondern als eigenständigen, anspruchsvollen und modernen Bildungsweg mit hervorragenden Entwicklungsmöglichkeiten.

Dafür brauchen wir Menschen an entscheidenden Stellen, die die berufliche Bildung nicht nur verwalten, sondern für sie brennen.

Der bisherige Weg von Sandra Garbade macht mir Hoffnung, dass genau das gelingen kann.

Ich wünsche ihr für ihre neue Aufgabe in Bonn viel Erfolg, Kraft und vor allem den Mut, notwendige Veränderungen anzustoßen. Die berufliche Bildung braucht in den kommenden Jahren Orientierung, Innovation und eine starke Stimme.

Mit Dr. Sandra Garbade bekommt das BIBB eine Präsidentin, die viele Facetten der beruflichen Bildung aus eigener Erfahrung kennt. Das ist eine hervorragende Ausgangslage für die nächsten Jahre.

Und vielleicht ist ihr persönlicher Bildungsweg selbst schon ein gutes Beispiel dafür, was berufliche Bildung leisten kann: Sie eröffnet Wege – und diese Wege können bis an die Spitze führen.

Der Lebenslauf von Dr. Sandra Garbade im Überblick

  • 1971: geboren in Bad Oeynhausen
  • 1991: Abitur in Nordrhein-Westfalen
  • 1991–1994: Ausbildung zur Bankkauffrau
  • 1994: Bankpraktikum bei der Caja España in León/Spanien
  • 1994–1999: Studium der Wirtschaftspädagogik an der Universität Göttingen
  • 1999: Abschluss als Diplom-Handelslehrerin
  • 1999–2001: Promotionsstudium und wissenschaftliche Tätigkeit an der Universität Göttingen
  • 2001–2004: WestLB beziehungsweise NRW.Bank
  • 2004–2007: Unternehmensberatung zeb/rsa; zugleich Dozentin
  • 2007–2013: Lehrerin an einer berufsbildenden Schule in Hamburg
  • 2013–2015: Abteilungsleiterin und Lehrerin
  • 2015–2017: Schulaufsicht
  • ab 2017: Geschäftsbereichsleitung beim HIBB
  • August 2017–Juli 2026: Geschäftsführerin des Hamburger Instituts für Berufliche Bildung
  • seit 1. August 2026: Präsidentin des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB)

Zum offiziellen Lebenslauf von Dr. Sandra Garbade beim BIBB

Fotos: zdi/Stiftung Pro Ausbildung

Die Landeshauptstadt Düsseldorf startet in diesem Sommer erneut mit einem besonderen Ferienangebot für Kinder und Jugendliche: In den letzten drei Wochen der Sommerferien öffnet die Adventure School wieder ihre Türen. Organisiert von der Stadt Düsseldorf und in weiten Teilen umgesetzt durch das zdi-Netzwerk MINT Düsseldorf, erwartet Schülerinnen und Schüler der 1. bis 13. Klasse ein umfangreiches MINT-Programm – von Künstlicher Intelligenz und Virtueller Realität über Naturwissenschaften bis hin zu kreativen Technikprojekten.

Meine Meinung dazu ist klar: Wenn wir wollen, dass Kinder und Jugendliche gute Chancen auf ihre Zukunft haben, müssen wir ihnen auch die Möglichkeit geben, Zukunft selbst auszuprobieren.

Genau deshalb ist die Adventure School Düsseldorf mehr als ein attraktives Ferienprogramm. In den letzten drei Wochen der Sommerferien bekommen Schülerinnen und Schüler der 1. bis 13. Klasse die Möglichkeit, sich mit Themen auseinanderzusetzen, die ihre Zukunft maßgeblich prägen werden: Künstliche Intelligenz, Virtuelle Realität, Robotik, Naturwissenschaften, Nachhaltigkeit, Programmierung und vieles mehr.

Organisiert wird die Adventure School von der Landeshauptstadt Düsseldorf und in weiten Teilen vom zdi-Netzwerk MINT Düsseldorf umgesetzt. Das Besondere: Die Angebote sind kostenfrei und eröffnen Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Schulform oder den Möglichkeiten im Elternhaus einen Zugang zu modernen Technologien und MINT-Themen.

Die digitale Kluft wird größer

Warum das wichtig ist, zeigt eine aktuelle Studie des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation gemeinsam mit der Goethe-Universität Frankfurt und der Universität Paderborn.

Die Untersuchung kommt zu einem Ergebnis, das uns aufhorchen lassen sollte: Die Unterschiede bei den digitalen Kompetenzen von Jugendlichen in Deutschland haben sich in den vergangenen zehn Jahren deutlich vergrößert. Der Abstand zwischen Jugendlichen aus privilegierten und weniger privilegierten Familien ist von 43 auf 66 Kompetenzpunkte gestiegen.

Das bedeutet: Während manche Kinder zuhause selbstverständlich mit digitalen Medien, Büchern, Lernprogrammen und technischen Geräten umgehen und dabei von ihren Eltern unterstützt werden, fehlen anderen diese Möglichkeiten.

Und genau hier entsteht ein Problem.

Denn digitale Kompetenz ist längst keine zusätzliche Fähigkeit mehr. Sie gehört zu den grundlegenden Voraussetzungen für Bildung, Ausbildung und berufliche Zukunft.

Technik muss man erleben können

Meine Meinung dazu ist: Wir dürfen digitale Bildung nicht dem Zufall überlassen.

Es reicht nicht, Kindern zu sagen, dass Künstliche Intelligenz wichtig ist. Es reicht auch nicht, im Unterricht über Robotik oder Programmierung zu sprechen.

Kinder müssen ausprobieren dürfen.

Sie müssen einen Roboter bauen können. Sie müssen erleben, wie eine eigene App entsteht. Sie müssen mit KI experimentieren, Fehler machen und anschließend feststellen: „Das kann ich!“

Gerade diese Erfolgserlebnisse sind entscheidend.

Denn Interesse entsteht häufig nicht durch Theorie, sondern durch eigene Erfahrungen. Wer einmal selbst programmiert, experimentiert oder eine technische Lösung entwickelt hat, sieht plötzlich, dass Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik nicht abstrakte Schulfächer sind, sondern etwas mit der eigenen Lebenswelt und der eigenen Zukunft zu tun haben.

Bildungsgerechtigkeit bedeutet auch Zugang zu Zukunftstechnologien

Für mich gehört deshalb zur Bildungsgerechtigkeit heute mehr als der Zugang zu Schule und Unterricht.

Bildungsgerechtigkeit bedeutet auch, dass ein Kind die Chance haben muss, Zukunftstechnologien kennenzulernen – unabhängig davon, ob die Eltern selbst in einem technischen Beruf arbeiten, zuhause über die neuesten digitalen Geräte verfügen oder das Geld für zusätzliche Bildungsangebote haben.

Genau deshalb brauchen wir außerschulische Lernorte.

Die Adventure School ist dafür ein gutes Beispiel. Sie schafft einen Raum, in dem Kinder neugierig sein dürfen. Sie können Fragen stellen, experimentieren, gemeinsam Lösungen entwickeln und dabei ihre eigenen Fähigkeiten entdecken.

Und vielleicht entdeckt dabei ein Kind zum ersten Mal, dass seine Zukunft in der Informatik, in der Forschung, im Maschinenbau oder in einem anderen MINT-Beruf liegen könnte.

MINT-Bildung ist auch Fachkräftesicherung

Aus meiner Sicht dürfen wir diesen Aspekt nicht unterschätzen.

Wenn wir heute über Fachkräftemangel sprechen, sprechen wir häufig über fehlende Fachkräfte in fünf oder zehn Jahren. Aber Fachkräftesicherung beginnt viel früher.

Sie beginnt bei der Frage, ob wir Kinder für technische und naturwissenschaftliche Themen begeistern können.

Sie beginnt in der Schule – und eben auch außerhalb der Schule.

Und sie beginnt damit, jungen Menschen zu zeigen, welche Möglichkeiten ihnen offenstehen.

Deshalb ist MINT-Bildung für mich nicht nur ein Bildungsthema. Sie ist auch ein Thema der gesellschaftlichen Teilhabe und der wirtschaftlichen Zukunft unseres Landes.

Corona hat die Unterschiede sichtbar gemacht

Die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie haben gezeigt, wie wichtig digitale Kompetenzen sind. Schülerinnen und Schüler mussten plötzlich digital lernen, kommunizieren und arbeiten.

Dabei wurde deutlich, dass die Voraussetzungen sehr unterschiedlich waren.

Manche hatten zuhause einen eigenen Arbeitsplatz, leistungsfähige Geräte und Eltern, die bei technischen Problemen helfen konnten. Andere hatten diese Möglichkeiten nicht.

Die Pandemie hat damit eine Entwicklung beschleunigt, die wir heute nicht einfach hinnehmen dürfen: Wer zuhause bessere digitale Voraussetzungen hat, hat häufig auch bessere Bildungschancen.

Außerschulische Angebote können diese Unterschiede zwar nicht vollständig beseitigen. Aber sie können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass Kinder zusätzliche Erfahrungen sammeln und Kompetenzen entwickeln können.

Meine Meinung: Wir müssen neugieriger machen

Meine Meinung dazu ist deshalb: Wir sollten Kindern viel häufiger die Möglichkeit geben, Dinge einfach auszuprobieren.

Nicht jedes Kind muss später Informatiker, Ingenieurin oder Naturwissenschaftler werden. Das ist auch gar nicht das Ziel.

Das Ziel ist, Interesse zu wecken.

Selbstvertrauen aufzubauen.

Talente zu entdecken.

Und Kindern zu vermitteln: Du kannst das. Du kannst etwas ausprobieren. Du kannst etwas entwickeln. Du kannst deine Zukunft mitgestalten.

Genau darin liegt für mich die große Stärke der Adventure School.

Sie verbindet Ferien, Spaß und Bildung miteinander – und macht Zukunftstechnologien für Kinder und Jugendliche konkret erlebbar.

Wenn Bildungschancen nicht vom Elternhaus abhängen sollen, brauchen wir genau solche Angebote. Denn Zukunft beginnt nicht erst mit der Ausbildung oder dem Studium. Sie beginnt mit der ersten neugierigen Frage eines Kindes: „Wie funktioniert das eigentlich?“

So viel Prozent der 16- bis 24-Jährigen in diesen EU-Ländern hatten im Jahr 2025 zumindest grundlegende digitale Fertigkeiten

Smartphones gehören für Jugendliche längst zum Alltag. Sie chatten, filmen, posten und bewegen sich selbstverständlich in sozialen Netzwerken. Doch wer daraus schließt, junge Menschen verfügten automatisch über ausgeprägte digitale Kompetenzen, irrt. Eine aktuelle Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt: Ein erheblicher Teil der Jugendlichen verfügt nicht über die digitalen Basiskenntnisse, die für Schule, Ausbildung und Beruf heute unverzichtbar sind.

Digitale Nutzung ist nicht gleich digitale Kompetenz

Zwischen der täglichen Nutzung digitaler Geräte und dem kompetenten Umgang mit ihnen besteht ein großer Unterschied. Viele Jugendliche wissen zwar, wie Apps funktionieren oder Inhalte in sozialen Medien erstellt werden. Deutlich schwieriger wird es jedoch, wenn Informationen kritisch bewertet, Tabellen erstellt, Daten sicher verwaltet oder digitale Werkzeuge zielgerichtet für Lern- und Arbeitsprozesse eingesetzt werden sollen.

Dabei werden genau diese Fähigkeiten in nahezu allen Ausbildungsberufen und Studiengängen zunehmend vorausgesetzt. Digitale Kompetenz bedeutet heute weit mehr als die Bedienung eines Smartphones. Gefragt sind Problemlösungskompetenz, Informationsbewertung, Datensicherheit und der souveräne Umgang mit digitalen Anwendungen.

Unternehmen spüren die Defizite

Für unsere Ausbildungsbetriebe wird diese Entwicklung zunehmend zur Herausforderung. Auszubildende bringen zwar oft eine hohe Affinität zu digitalen Medien mit, verfügen jedoch nicht immer über die notwendigen Grundlagen für den beruflichen Alltag. Tabellenkalkulation, Textverarbeitung, Datei- und Datenmanagement oder der sichere Umgang mit IT-Systemen müssen häufig erst im Betrieb vermittelt werden.

Gleichzeitig verändert die Künstliche Intelligenz die Arbeitswelt in rasantem Tempo. Wer KI-Anwendungen sinnvoll nutzen möchte, benötigt fundierte digitale Grundkompetenzen. Ohne dieses Fundament können die Chancen der Digitalisierung nur eingeschränkt genutzt werden.

Digitale Bildung beginnt früh

Die Studie macht deutlich, dass digitale Bildung bereits in der Schule systematisch vermittelt werden muss. Dabei geht es nicht allein um technische Ausstattung, sondern vor allem um verbindliche Lerninhalte und gut qualifizierte Lehrkräfte. Ebenso wichtig ist die Zusammenarbeit mit Unternehmen, die jungen Menschen praxisnahe Einblicke in digitale Arbeitswelten ermöglichen.

Programme der Berufsorientierung, beispielsweise das Düsseldorfer Kompetenzzentrum Berufliche Orientierung oder die MINT-Angebote des MINT-Netzwerk „zdi Düsseldorf“ sowie Kooperationen zwischen Schulen und Betrieben (wie die erprobten Lernpartnerschaften in Düsseldorf) leisten hierzu einen wichtigen Beitrag. Sie helfen Jugendlichen, digitale Werkzeuge nicht nur zu konsumieren, sondern produktiv und verantwortungsvoll einzusetzen.

Eine gemeinsame Aufgabe

Düsseldorf, NRW und Deutschland stehen vor der Herausforderung, den digitalen Wandel erfolgreich zu gestalten. Dafür braucht es gut ausgebildete Fachkräfte mit sicheren digitalen Kompetenzen. Schule, Elternhaus, Wirtschaft und Politik tragen gemeinsam Verantwortung dafür, junge Menschen auf diese Zukunft vorzubereiten.

Denn digitale Kompetenzen sind längst keine Zusatzqualifikation mehr. Sie gehören heute zu den grundlegenden Kulturtechniken – vergleichbar mit Lesen, Schreiben und Rechnen. Wer sie beherrscht, verbessert seine Chancen auf Ausbildung, Beruf und gesellschaftliche Teilhabe. Wer sie nicht besitzt, läuft Gefahr, den Anschluss zu verlieren.

Quelle: Institut der Deutschen Wirtschaft

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In diesen Tagen heißen viele unserer Mitgliedsunternehmen ihre neuen Auszubildenden willkommen. Der erste Tag ist geprägt von Vorfreude, Nervosität und guten Vorsätzen – auf beiden Seiten. Doch die Erfahrung zeigt: Diese anfängliche Motivation trägt nicht von allein durch drei oder mehr Ausbildungsjahre. Die nach wie vor hohe Abbrecherquote in der dualen Ausbildung ist auch ein Alarmsignal dafür, dass Motivation aktiv gepflegt werden muss – von beiden Seiten, aber vor allem vom Betrieb.

Wer verstehen will, warum Azubis abbrechen, muss den ganzen Ausbildungsverlauf betrachten, nicht nur den Einstieg. Hier sind die Hebel, an denen Betriebe konkret ansetzen können.

1. Die ersten 100 Tage entscheiden mehr, als man denkt

Viele Abbrüche haben ihre Wurzeln in einem holprigen Start: unklare Ansprechpartner, das Gefühl, „nur mitzulaufen“, enttäuschte Erwartungen an die Praxisnähe. Ein strukturiertes Onboarding – mit festen Paten, klaren ersten Aufgaben und regelmäßigen Check-ins in den ersten Wochen – legt das Fundament für die gesamte Ausbildungszeit.

2. Beziehung vor Kontrolle: Der Ausbilder als Mentor

Junge Menschen brechen selten wegen der Arbeitsinhalte ab – sie brechen ab, weil sie sich nicht gesehen fühlen. Ausbilderinnen und Ausbilder, die regelmäßig echtes Feedback geben (nicht nur zur Leistung, sondern auch zur Person), schaffen Vertrauen. Feste, wiederkehrende Gesprächstermine – nicht nur bei Problemen – signalisieren: Du wirst wahrgenommen.

3. Sichtbaren Fortschritt schaffen

Drei Jahre sind für einen jungen Menschen, egal ob 17 oder 21 Jahre, eine halbe Ewigkeit. Ohne Etappenziele verliert man die Orientierung. Kleine Meilensteine, eigene Verantwortungsbereiche, die mit der Zeit wachsen, und ein sichtbares „Ich kann jetzt mehr als am Anfang“ wirken der Demotivation im zweiten Ausbildungsjahr entgegen – jener Phase, in der der Reiz des Neuen verflogen, das Ziel aber noch fern ist.

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4. Sinn vermitteln statt nur Aufgaben verteilen

Wer versteht, warum eine Tätigkeit wichtig ist und wie sie ins große Ganze passt, arbeitet motivierter als jemand, der nur Anweisungen abarbeitet. Betriebe, die den Beitrag der Azubis zum Unternehmenserfolg sichtbar machen – etwa durch Präsentationen eigener Projekte vor dem Team –, stärken das Zugehörigkeitsgefühl.

5. Ernst nehmen, was jungen Menschen wichtig ist

Work-Life-Balance, Mitsprache, ein wertschätzender Umgangston – das sind für die heutige Generation keine „Extras“, sondern Grundvoraussetzungen. Betriebe, die hier offen sind (ohne ihre eigenen Standards aufzugeben), signalisieren Respekt statt Belehrung.

6. Krisen früh erkennen, nicht erst beim Kündigungsschreiben

Zwischen „ich habe kurz keine Lust“ und „ich breche ab“ liegt oft ein längerer, stiller Prozess. Wer als Ausbildungsbetrieb aufmerksam bleibt – sinkende Motivation, Rückzug, häufige Fehlzeiten – und frühzeitig das Gespräch sucht, kann viele Abbrüche verhindern, bevor sie unumkehrbar werden.

7. Berufsschule und Betrieb als Team

Ausbildung findet an zwei Lernorten statt. Wenn Betrieb und Berufsschule sich abstimmen und gemeinsam auf den Auszubildenden schauen, statt sich gegenseitig die Verantwortung zuzuschieben, profitieren die jungen Menschen davon unmittelbar.

8. Auch die Eltern nicht vergessen

Gerade bei minderjährigen Azubis bleiben die Eltern wichtige Bezugspersonen. Ein offener Austausch – etwa durch einen Elternabend zu Ausbildungsbeginn – kann Missverständnisse vermeiden und zusätzliche Unterstützung im Hintergrund aktivieren.

Motivation ist kein Zustand, der am ersten Ausbildungstag hergestellt wird und dann von selbst anhält – sie ist ein Prozess, der aktive Pflege braucht. Betriebe, die in Beziehung, Orientierung und echtes Interesse an ihren Auszubildenden investieren, senken nicht nur ihre Abbrecherquote. Sie gewinnen langfristig loyale Fachkräfte, die ihrem Ausbildungsbetrieb auch nach der Prüfung treu bleiben.

Screenshot: Instagram; relauncht

Warum wir Ausbildung neu denken müssen – und warum Anpassungsfähigkeit wichtiger wird als Fachwissen allein.

“Bilden wir gerade die Fachkräfte von morgen aus – oder die Arbeitslosen von übermorgen?”

Diese Frage klingt provokant. Vielleicht sogar beunruhigend. Und genau deshalb sollten wir sie stellen, sagt Transformationexperte Joseph Buschbacher.

Nicht, um Angst zu erzeugen. Sondern weil sich unsere Arbeitswelt in einem Tempo verändert, das wir in dieser Form noch nie erlebt haben.

Künstliche Intelligenz verändert bereits heute Berufsbilder, Arbeitsabläufe und Kompetenzprofile. Während viele Unternehmen noch darüber diskutieren, ob sie KI einsetzen, verändert sich längst die eigentliche Frage:

Sind unsere Bildungs- und Weiterbildungssysteme überhaupt darauf vorbereitet?

Die ersten Veränderungen sind bereits messbar

Aktuelle Forschungsarbeiten der Stanford University sowie zahlreiche internationale Studien zeigen inzwischen ein ähnliches Bild:

KI übernimmt zunehmend Routinetätigkeiten – sowohl im Büro als auch in wissensintensiven Berufen.

Besonders betroffen sind Tätigkeiten,

  • die standardisiert sind,
  • auf wiederkehrenden Informationen beruhen,
  • nach festen Regeln ablaufen,
  • oder sich leicht digitalisieren lassen.

Das betrifft längst nicht mehr nur einfache Verwaltungsaufgaben.

Auch Teile der Arbeit von Juristen, Marketingfachleuten, Softwareentwicklern, Bankangestellten, Buchhaltern oder Personalabteilungen werden heute bereits durch KI unterstützt oder teilweise automatisiert.

Die spannende Erkenntnis lautet jedoch:

Nicht ganze Berufe verschwinden. Sondern Aufgaben innerhalb dieser Berufe.

Genau darin liegt der entscheidende Unterschied.

Ein Bankberater wird vermutlich auch in zehn Jahren noch beraten.

Aber seine Tätigkeit wird eine völlig andere sein als heute.

Ein Lehrer wird weiterhin unterrichten.

Doch Wissensvermittlung allein reicht künftig nicht mehr aus.

Ein Ingenieur wird weiter entwickeln.

Aber KI wird viele Berechnungen und erste Entwürfe übernehmen.

Der Mensch verschwindet also nicht.

Seine Rolle verändert sich.

Das eigentliche Problem liegt woanders

In Deutschland sprechen wir seit Jahren vom Fachkräftemangel.

Wir diskutieren über Zuwanderung.

Über Ausbildungsplätze.

Über Studienquoten.

Über den demografischen Wandel.

All das ist wichtig.

Doch möglicherweise unterschätzen wir die viel größere Herausforderung:

Wir bilden Menschen oft noch für Berufe aus, die sich während ihrer gesamten Erwerbsbiografie mehrfach verändern werden.

Früher konnte jemand einen Beruf erlernen und diesen über 40 Jahre nahezu unverändert ausüben.

Heute entstehen innerhalb weniger Jahre völlig neue Tätigkeiten.

Andere verschwinden.

Und wieder andere verändern sich so stark, dass die ursprüngliche Ausbildung allein nicht mehr ausreicht.

Wissen verliert schneller an Haltbarkeit

Früher galt Wissen als langfristiger Wettbewerbsvorteil.

Heute besitzt Wissen zunehmend ein “Verfallsdatum”.

Technologien entwickeln sich schneller.

Software verändert sich ständig.

Neue Geschäftsmodelle entstehen innerhalb weniger Monate.

Deshalb reicht es nicht mehr aus, einmal gut ausgebildet zu sein.

Die entscheidende Fähigkeit wird sein,

lernen zu können.

Immer wieder.

Ein Leben lang.

Ausbilden oder Lernen lehren?

Screenshot: Instagram; relauncht

Vielleicht stellen wir deshalb bislang die falsche Frage.

Nicht:

“Welchen Beruf soll jemand lernen?”

Sondern:

“Wie befähigen wir Menschen, sich immer wieder neu auf Veränderungen einzustellen?”

Genau darin könnte die wichtigste Kompetenz der Zukunft liegen.

Dazu gehören Fähigkeiten wie:

  • Lernkompetenz
  • Problemlösung
  • Kreativität
  • Kommunikation
  • Teamarbeit
  • kritisches Denken
  • digitale Kompetenz
  • Datenverständnis
  • ethisches Urteilsvermögen
  • Veränderungsbereitschaft

Interessanterweise sind genau diese Kompetenzen diejenigen, die KI selbst nur begrenzt ersetzen kann.

KI macht Menschen nicht überflüssig

Ein häufiger Irrtum lautet:

“KI ersetzt Menschen.”

Tatsächlich ersetzt KI zunächst Aufgaben.

Menschen, die ausschließlich diese Aufgaben erledigen, geraten unter Druck.

Menschen dagegen, die KI sinnvoll einsetzen können, werden produktiver.

Deshalb entsteht derzeit keine Konkurrenz zwischen Mensch und Maschine.

Sondern zwischen

Menschen mit KI-Kompetenz

und

Menschen ohne KI-Kompetenz.

Was bedeutet das für Unternehmen?

Viele Unternehmen investieren derzeit Millionen in neue KI-Systeme.

Das ist nachvollziehbar.

Doch die eigentliche Investition könnte eine andere sein:

Die Entwicklung der eigenen Mitarbeitenden.

Technologie lässt sich einkaufen.

Veränderungskompetenz nicht.

Unternehmen, die ihre Mitarbeitenden befähigen,

  • Neues schnell zu lernen,
  • KI sinnvoll einzusetzen,
  • Verantwortung zu übernehmen,
  • kreativ zu arbeiten,
  • interdisziplinär zu denken,

werden langfristig erfolgreicher sein als Unternehmen, die ausschließlich auf Technologie setzen.

Was bedeutet das für Schulen und Berufsschulen?

Auch hier stehen wir vor einem Paradigmenwechsel.

Noch immer wird häufig geprüft,

ob jemand möglichst viele Informationen reproduzieren kann.

Doch Informationen sind heute jederzeit verfügbar.

Die eigentliche Kompetenz besteht darin,

Informationen einzuordnen,

zu bewerten,

miteinander zu verknüpfen,

und daraus Lösungen zu entwickeln.

Vielleicht brauchen wir deshalb künftig weniger Unterricht, der ausschließlich Wissen vermittelt.

Und mehr Lernräume,

in denen junge Menschen

  • experimentieren,
  • scheitern,
  • reflektieren,
  • diskutieren,
  • Projekte entwickeln
  • und gemeinsam Probleme lösen.

Denn genau das verlangt die Arbeitswelt der Zukunft.

Und die Weiterbildung?

Die klassische Trennung zwischen Ausbildung, Studium und späterem Berufsleben wird zunehmend verschwinden.

Weiterbildung wird kein Zusatzangebot mehr sein.

Sie wird Teil des Berufs.

Wer sich zehn Jahre nicht weiterentwickelt, wird Schwierigkeiten bekommen – unabhängig von seinem Abschluss.

Deshalb brauchen wir neue Formen des Lernens:

  • kurze Lernmodule,
  • digitale Lernplattformen,
  • Lernen direkt am Arbeitsplatz,
  • individuelle Lernpfade,
  • Micro-Credentials,
  • KI-gestützte Lernbegleitung.

Lernen wird kontinuierlich.

Nicht episodisch.

Meine Antwort auf die Ausgangsfrage

Bilden wir heute die Fachkräfte von morgen aus – oder die Arbeitslosen von übermorgen?

Ich glaube:

Weder noch.

Wir bilden heute Menschen für eine Zukunft aus, die wir selbst noch gar nicht kennen.

Deshalb kann niemand mehr ausschließlich für einen konkreten Beruf ausgebildet werden.

Wir müssen Menschen darauf vorbereiten,

mit Unsicherheit umzugehen,

Veränderungen anzunehmen,

und sich immer wieder neu zu erfinden.

Die erfolgreichsten Unternehmen der nächsten zehn Jahre werden deshalb nicht zwangsläufig diejenigen sein, die KI am schnellsten einführen.

Es werden jene sein,

die ihre Mitarbeitenden am besten befähigen,

mit dieser neuen Welt umzugehen.

Denn am Ende entscheidet nicht die künstliche Intelligenz über den Erfolg eines Unternehmens.

Sondern die menschliche Fähigkeit,

mit ihr sinnvoll zusammenzuarbeiten.

Vielleicht lautet die wichtigste Bildungsfrage der Zukunft deshalb nicht mehr:

“Welchen Beruf lernen junge Menschen?”

Sondern:

“Lernen sie bei uns, ihr ganzes Leben lang lernen zu können?”

Denn genau diese Fähigkeit könnte zur entscheidenden Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts werden.

(Inspiriert durch einen Instagram-Post von Joseph Buschbacher)

Dazu interessiert vielleicht auch dieser BLOG-Beitrag: Wie verändert KI meine berufliche Zukunft!

Foto: BERTELSMANN STIFTUNG

Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten, internationaler Krisen und gesellschaftlicher Spannungen blicken junge Menschen in Deutschland wieder zuversichtlicher auf ihre Zukunft. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung der Bertelsmann Stiftung. Die Generation der 18- bis 29-Jährigen ist optimistischer als viele ältere Menschen – verbindet diesen Optimismus jedoch mit klaren Erwartungen an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Die Studie kommt zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Während viele ältere Menschen den gesellschaftlichen Entwicklungen skeptisch gegenüberstehen, sehen junge Erwachsene ihre persönliche Zukunft und die Zukunft Deutschlands deutlich positiver. Gleichzeitig wünschen sich 68 Prozent aller Befragten stärkere positive Zukunftsbilder und mehr Orientierung in Zeiten vielfältiger Krisen. (Bertelsmann Stiftung)

Dabei zeigt sich, dass junge Menschen keineswegs politikverdrossen sind. Zwar äußern auch sie Kritik am Funktionieren der Demokratie, doch ihre Zufriedenheit mit den demokratischen Institutionen liegt über der älterer Generationen. Rund 31 Prozent der 18- bis 29-Jährigen sind mit der Demokratie unzufrieden – bei den 40- bis 49-Jährigen sind es bereits 44 Prozent. Zudem bringen junge Erwachsene dem Bundestag mehr Vertrauen entgegen und möchten sich stärker gesellschaftlich engagieren. (Süddeutsche.de)

Besonders wichtig sind der jungen Generation konkrete Verbesserungen im Alltag. Ganz oben auf der Wunschliste stehen bezahlbarer Wohnraum, gute Bildungs- und Ausbildungschancen sowie eine bessere Unterstützung der psychischen Gesundheit. Die Studienautoren sehen darin einen klaren Auftrag an die Politik: Wer junge Menschen dauerhaft für Demokratie und gesellschaftliches Engagement gewinnen möchte, muss ihre Lebensrealität ernst nehmen.

Für Unternehmen und Arbeitgeber liefert die Untersuchung ebenfalls wichtige Hinweise. Junge Menschen wollen Verantwortung übernehmen und ihre Zukunft aktiv mitgestalten. Sie erwarten jedoch faire Chancen, verlässliche Perspektiven und die Möglichkeit, ihre Ideen einzubringen. Eine offene Unternehmenskultur, gute Aus- und Weiterbildung sowie Mitbestimmung gewinnen dadurch weiter an Bedeutung.

Gerade für Düsseldorf mit seiner vielfältigen Hochschul-, Ausbildungs- und Unternehmenslandschaft ist diese Entwicklung von besonderem Interesse. Die Landeshauptstadt investiert seit Jahren in berufliche Orientierung, Fachkräftesicherung und Start-up-Förderung. Die Ergebnisse der Bertelsmann Stiftung zeigen, dass solche Angebote den Nerv der jungen Generation treffen: Sie ist bereit, Verantwortung zu übernehmen – wenn Politik, Wirtschaft und Gesellschaft die passenden Rahmenbedingungen schaffen.

Die Studie sendet damit ein positives Signal: Trotz vieler Herausforderungen herrscht unter jungen Menschen keine Resignation. Im Gegenteil – sie blicken mit vergleichsweise viel Zuversicht nach vorn und wollen die Zukunft aktiv mitgestalten. Entscheidend wird nun sein, ob ihre Erwartungen an Bildung, Wohnen, gesellschaftliche Teilhabe und demokratische Mitbestimmung erfüllt werden können. (Bertelsmann Stiftung)