Was bedeutet KI eigentlich für meine eigene Zukunft im Beruf?

Diese Frage beschäftigt derzeit viele Menschen. Vielleicht sogar mehr als jede andere Frage rund um Künstliche Intelligenz.

Vor einigen Tagen laß ich einen Kommentar meines Bildungs- Kollegen Josef Buschbacher aus einem Workshop zum Thema KI und Zukunft der Arbeit. Es wurde diskutiert, analysiert, prognostiziert. Wie werden sich Berufe verändern? Welche Branchen werden besonders betroffen sein? Welche Fähigkeiten werden künftig gefragt sein?

Doch manchmal bleibt am Ende eines Tages nicht die große Theorie hängen, sondern ein einziger Gedanke.

Ein Gedanke, der alles auf den Punkt bringt.

Als die Diskussion vielleicht wieder einmal in Richtung „Welche Jobs wird KI ersetzen?“ ging, stellte Josef eine Gegenfrage:

„Was bedeutet das eigentlich für meine eigene Beschäftigungsfähigkeit?“

Seine Antwort darauf war bemerkenswert klar.

Er sagte sinngemäß:

Wir sollten weniger über Jobs sprechen und viel mehr über Tätigkeiten.

Denn ein kompletter Beruf verschwindet selten über Nacht. Was sich verändert, sind die einzelnen Aufgaben, aus denen ein Beruf besteht.

Dieser Perspektivwechsel hat bei mir etwas ausgelöst.

Statt über abstrakte Zukunftsszenarien nachzudenken, richtet sich der Blick plötzlich auf den eigenen Arbeitsalltag.

Josef schlug eine einfache Übung vor:

Schreibe die 20 wichtigsten Tätigkeiten deiner Rolle auf und ordne sie drei Kategorien zu.

Automatisierbar.
Alles, was wiederholbar, regelbasiert, digital und mit überschaubarem Risiko verbunden ist.

Augmentierbar.
Aufgaben, bei denen KI unterstützen, vorbereiten, analysieren oder beschleunigen kann – während der Mensch weiterhin prüft, entscheidet und Verantwortung trägt. (PS: „augmentierbar“ bedeutet bezogen auf KI: Ein System ist augmentierbar, wenn seine Fähigkeiten durch zusätzliche Daten, Werkzeuge oder Module erweitert werden können.)

Menschlich differenzierend.
Beziehungsgestaltung. Vertrauen. Kreativität. Strategie. Konfliktlösung. Empathie. Kontextverständnis. Genau die Dinge also, die Menschen nicht nur erledigen, sondern verkörpern.

Je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr erkannte ich, wie treffend dieser Ansatz ist.

In meinem eigenen Arbeitsumfeld sehe ich bereits heute, wie KI viele Aufgaben schneller und effizienter macht. Recherchen dauern deutlich kürzer (auch wenn man alle Aussagen überprüfen sollte). Texte entstehen schneller. Analysen werden unterstützt. Prozesse werden vereinfacht.

Und trotzdem wird gleichzeitig etwas anderes immer wichtiger:

Menschen, die Orientierung geben.

Menschen, die Verantwortung übernehmen.

Menschen, die unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen.

Menschen, die Vertrauen schaffen.

Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft hinter der KI-Debatte.

Nicht die Frage, welche Arbeit verschwindet.

Sondern die Frage, welche Arbeit an Bedeutung gewinnt.

Deshalb nehme ich aus diesem Workshop vor allem drei Gedanken mit:

➡️ Was automatisierbar ist, sollten wir verstehen und – wenn möglich – selbst automatisieren lernen.

➡️ Was augmentierbar ist, sollten wir mithilfe von KI besser, schneller und wirkungsvoller machen.

➡️ Was uns als Menschen einzigartig macht, sollten wir bewusst stärken und weiterentwickeln.

Die entscheidende Frage lautet daher aus meiner Sicht nicht:

„Ist mein Job sicher?“

Sondern:

„Welche Teile meiner Arbeit übernimmt die Technologie – und welche machen mich als Menschen künftig noch wertvoller?“

Diese Perspektive verändert alles.

Sie nimmt der Diskussion die Angst und gibt ihr eine Richtung.

Vielen Dank an Josef Buschbacher für diesen starken Denkanstoß. Er erinnert uns daran, dass Zukunft nicht einfach geschieht. Zukunft wird von Menschen gestaltet, die bereit sind zu lernen, Verantwortung zu übernehmen und Veränderung aktiv mitzugestalten.

Wie würdet ihr eure eigenen Aufgaben einordnen? Was ist bei euch automatisierbar, was augmentierbar – und was bleibt zutiefst menschlich?

Deutschland steht vor einem stillen Alarmzustand! Die neue Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026“ zeigt: Immer mehr junge Menschen fühlen sich überfordert, ausgebrannt und ohne echte Perspektive. Krieg, Inflation, Wohnungsnot, steigende Schulden und Zukunftsängste setzen der jungen Generation massiv zu.

Besonders dramatisch: Fast jede dritte junge Person gibt an, psychologische Unterstützung zu benötigen. Bei jungen Frauen liegt der Wert sogar bei 34 Prozent. Gleichzeitig verbringen viele Jugendliche so viel Zeit am Smartphone, dass Experten bereits von suchtähnlichem Verhalten sprechen.

Trotz allem bleibt die Leistungsbereitschaft hoch. Junge Menschen wollen arbeiten, Verantwortung übernehmen und sich etwas aufbauen. Doch immer mehr fragen sich: Lohnt sich Leistung in Deutschland überhaupt noch?

Vor allem die Angst vor wirtschaftlicher Unsicherheit wächst. Viele junge Menschen setzen deshalb inzwischen lieber auf eine berufliche Ausbildung statt auf ein Studium. Praxisnahe Berufe und sichere Perspektiven gewinnen an Bedeutung.

Doch die Sorgen bleiben: Hohe Mieten, fehlender Wohnraum und finanzielle Belastungen treiben viele an ihre Grenzen. Jeder fünfte junge Mensch plant sogar konkret, Deutschland zu verlassen. Insgesamt können sich 41 Prozent vorstellen, im Ausland ein besseres Leben zu suchen.

Auch politisch wird die Lage brisanter. Die Studie zeigt eine zunehmende Spaltung zwischen jungen Frauen und jungen Männern. Während sich viele junge Frauen stärker linken Parteien zuwenden, gewinnt die AfD besonders bei jungen Männern an Zustimmung. Die politische Polarisierung unter jungen Menschen nimmt deutlich zu.

Die Botschaft der Studie ist klar: Die junge Generation fühlt sich mit ihren Sorgen und Zukunftsfragen zu oft allein gelassen. Gleichzeitig wächst der Wunsch nach echter Beteiligung, mehr Vertrauen und klaren Zukunftsperspektiven.

Wir sprechen darüber – im Ausbilderkreis

Diese Entwicklungen betreffen nicht nur Politik und Gesellschaft, sondern auch Unternehmen, Ausbilderinnen und Ausbilder sowie die gesamte Arbeitswelt. Deshalb werden wir dieses wichtige Thema in unserem Netzwerk im „Ausbilderkreis“ aufgreifen und dazu einen Online-Talk organisieren.

Gemeinsam wollen wir darüber sprechen:

  • Wie tickt die junge Generation wirklich?
  • Was erwarten junge Menschen heute von Ausbildung und Arbeit?
  • Wie können Unternehmen Sicherheit, Orientierung und Perspektiven bieten?
  • Und was bedeutet die Entwicklung für die Zukunft des Arbeitsmarktes?

Weitere Informationen und Termine zum Online-Talk folgen in Kürze unter www.derausbilderkreis.info

Die Trendstudie wird vom Datajockey Verlag (Kempten) unter der Leitung des Jugendforschers Simon Schnetzer herausgegeben und fachlich von Dr. Kilian Hampel, Prof. Dr. Nina Kolleck und Prof. Dr. Klaus Hurrelmann begleitet. Der Verlag finanziert die Durchführung der Studie durch den Studienverkauf. Link zur Studie: bitte hier klicken!

Früher hieß es: Kinder kommen, wenn die Umstände stimmen. Heute scheint es eher zu heißen: Kinder kommen, wenn das WLAN stabil ist. Eine neue Studie des IFO-Institut legt nahe, dass schon ein einziger Homeoffice-Tag pro Woche die Geburtenrate messbar anhebt. Vierzehn Prozent mehr Nachwuchs – das ist keine Kleinigkeit, sondern fast schon eine stille demografische Revolution zwischen Laptopständer und Espressomaschine.

Man könnte versucht sein, daraus eine einfache Gleichung zu basteln: weniger Pendeln = mehr Zeit = mehr Kinder. Doch so schlicht ist es natürlich nicht. Homeoffice ist ja nicht nur gewonnene Zeit, sondern auch gewonnene Nähe. Wer sich nicht mehr morgens im Türrahmen mit einem „Bis später“ verabschiedet, sondern sich mittags beim Aufwärmen der Reste wieder begegnet, lebt anders. Vielleicht auch verbindlicher. Vielleicht auch spontaner. Und offenbar: fruchtbarer.

Besonders spannend ist der Befund, dass der Effekt am größten ist, wenn beide Partner im Homeoffice arbeiten. Man könnte  sagen: Wenn sich zwei Menschen dauerhaft in Jogginghosen begegnen, entsteht entweder ein Konflikt – oder ein Kind. Offenbar entscheidet sich ein nicht unerheblicher Teil für Letzteres.

Für die Bildungsdebatte ist das mehr als eine Kuriosität. Denn es zeigt, wie sehr Lebensmodelle von Arbeitsstrukturen abhängen. Familienplanung war lange etwas, das „nebenbei“ organisiert werden musste – zwischen Karriere, Kita-Plätzen und Feierabendverkehr. Homeoffice verschiebt diese Logik. Es macht Vereinbarkeit nicht perfekt, aber greifbarer. Und vielleicht auch ein kleines bisschen attraktiver.

Natürlich sollte man vorsichtig sein, aus Korrelation gleich Kausalität zu machen. Nicht jedes zusätzliche Kind ist das direkte Produkt eines gut getimten Zoom-Meetings. Aber die Richtung ist bemerkenswert: Wo Arbeit flexibler wird, wird offenbar auch das Leben gestaltbarer.

Am Ende bleibt eine leise Pointe: Jahrzehntelang suchte man nach großen politischen Hebeln, um die Geburtenrate zu steigern. Dabei saß die Lösung womöglich die ganze Zeit am Küchentisch – und wartete darauf, dass jemand „Meeting verlassen“ klickt.

Hier geht es zur Studie des IFO-Instituts!

Grafik: CS

Immer wieder denken wir in unserer Stiftung darüber nach, wie leicht es sein kann, Menschen zu begeistern und zu motivieren. Wann hast du dich zuletzt wirklich gesehen gefühlt? Nicht nur gelobt, nicht nur bewertet – sondern wirklich wahrgenommen, so wie du bist?
Die Lösung: Wertschätzung! Sie ist eine Haltung. Und die Psychologie zeigt uns: Wo echte Wertschätzung gelebt wird, blühen Menschen auf – in Familien, in Teams, in Gemeinschaften. Aber was genau macht Wertschätzung aus? Forscher beschreiben fünf Dimensionen, die zusammen ein ganzes Bild ergeben.
1. Anerkennung – das Sichtbarmachen
Die erste Säule ist die einfachste und doch die häufig vergessene: jemandem sagen, dass du siehst, was er tut. Nicht als Leistungsbewertung, sondern als aufmerksamer Blick. „Ich habe bemerkt, wie viel Mühe du dir gegeben hast.” Das reicht oft schon.
2. Zugehörigkeit – das Gefühl, dazuzugehören
Menschen brauchen das Erleben: Ich bin Teil von etwas. Ich werde vermisst, wenn ich fehle. Wertschätzung zeigt sich deshalb auch darin, jemanden einzubeziehen, nachzufragen, Raum zu lassen.
3. Autonomie – Vertrauen schenken
Wer wertgeschätzt wird, darf auch selbst entscheiden. Diese Säule sagt: Ich traue dir zu, dass du es weißt und kannst. Kontrolle und Wertschätzung schließen sich oft aus – Vertrauen hingegen stärkt.
4. Sinn – das Wozu benennen
Menschen blühen auf, wenn sie verstehen, warum ihre Arbeit, ihr Beitrag, ihr Dasein wichtig ist. Wertschätzung bedeutet deshalb auch: den größeren Zusammenhang sichtbar machen. „Was du tust, macht einen Unterschied – und zwar hier.”
5. Wachstum – Entwicklung ermöglichen
Die fünfte Säule ist vielleicht die tiefste: Wer einen Menschen wirklich wertschätzt, möchte, dass er wächst. Das bedeutet ehrliches Feedback, Förderung, und manchmal auch das Loslassen in neue Aufgaben.
Was mich an diesen fünf Säulen berührt: Sie erfordern keine großen Gesten. Sie brauchen Aufmerksamkeit. Einen Moment des echten Hinschauens. Eine ehrliche Frage. Ein Wort zur richtigen Zeit.
Vielleicht lohnt es sich heute, inne zu halten und zu fragen: Wem gegenüber lebe ich Wertschätzung – und in welcher Dimension könnte ich noch aufmerksamer werden?
Denn Menschen blühen nicht durch Druck auf. Sie blühen, wenn sie gesehen werden.
Wie erlebst du Wertschätzung – gibst du sie lieber oder empfängst du sie lieber?

Deutschland versteht sich als Industrienation, als Exportweltmeister, als Hightech-Standort. Doch ausgerechnet bei der systematischen technischen Bildung in den Schulen leistet sich das Land eklatante Defizite. Für das Gelingen des Geschäftsmodells der deutschen Wirtschaft ist die Verfügbarkeit gut ausgebildeter Fachkräfte im technischen Bereich von zentraler Bedeutung – und dennoch fehlt ein flächendeckendes Pflichtfach Technik an weiterführenden Schulen. Die entscheidende Frage lautet nicht mehr, ob wir Technikunterricht verpflichtend einführen sollten – sondern warum wir es uns immer noch leisten, darauf zu verzichten.

Fachkräftemangel mit Ansage

Wie Wido Geis-Thöne, Senior Economist für Familienpolitik und Migrationsfragen beim Institut der Deutschen Wirtschaft, betont, entscheiden sich seit Jahren immer weniger junge Menschen in Deutschland für ein ingenieurwissenschaftliches Studium. Gleichzeitig gehen die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer in Rente. Der ohnehin bestehende Fachkräfteengpass im technischen Bereich wird sich dadurch weiter verschärfen.

Diese Entwicklung kommt nicht überraschend – sie ist das Ergebnis struktureller Versäumnisse. Wer technische Kompetenzen erst im Studium „entdecken“ soll, kommt oft zu spät mit ihnen in Berührung. Interessen entstehen früh – oder gar nicht.

Technikmündigkeit: Mehr als nur Fachkräftesicherung

Es geht jedoch nicht nur um ökonomische Interessen. Für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands ist es entscheidend, dass Kinder und Jugendliche zu technikmündigen Bürgerinnen und Bürgern heranwachsen.

Technikmündigkeit bedeutet:

  • technische Systeme im Alltag verstehen,

  • Chancen und Risiken von Innovationen realistisch einschätzen,

  • keine diffusen Ängste gegenüber neuen Technologien entwickeln,

  • aktiv an einer digitalisierten und technologisierten Gesellschaft teilhaben.

Diese Kompetenzen entstehen nicht automatisch durch Mediennutzung oder beiläufige Digitalisierung. Sie benötigen strukturierte, systematische Bildung.

Physik ist nicht Technik

Oft wird argumentiert, andere MINT-Fächer – insbesondere Physik – könnten technische Bildung mit abdecken. Das ist jedoch nur teilweise zutreffend.

Physik vermittelt naturwissenschaftliche Grundlagen. Technikunterricht hingegen verbindet:

  • naturwissenschaftliche Prinzipien,

  • konstruktives Denken,

  • Problemlösekompetenz,

  • praktische Umsetzung,

  • gesellschaftliche Reflexion technologischer Entwicklungen.

Technik ist anwendungsorientiert, interdisziplinär und lebensnah. Genau diese Perspektive fehlt vielerorts im Fächerkanon.

Ein Flickenteppich in Deutschland

Ein Blick auf die Bundesländer offenbart ein ernüchterndes Bild:

Gymnasien

Verpflichtender Technikunterricht existiert nur in sieben Bundesländern – meist mit sehr geringem Umfang.

  • Spitzenreiter sind Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern mit jeweils nur 2,0 Wochenstunden während der gesamten Schullaufbahn.

  • Bezieht man Wahlpflichtangebote ein, bleibt Brandenburg mit 2,3 Stunden vorn.

  • Werden Physik und Informatik anteilig berücksichtigt, liegt Mecklenburg-Vorpommern mit 5,0 Stunden an der Spitze.

  • Schlusslicht ist Hessen mit lediglich 1,3 Stunden.

Nichtgymnasialer Bereich

Hier ist die Lage etwas besser, aber keineswegs zufriedenstellend:

  • Thüringen erreicht im Pflichtbereich durchschnittlich 4,6 Stunden – unter Einbeziehung des Wahlpflichtbereichs sogar 5,2 Stunden.

  • Sachsen folgt mit 3,3 Stunden.

  • Bremen (1,0 Stunden) und Saarland (1,1 Stunden) bilden das untere Ende.

  • Besonders kritisch: In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ist an keiner allgemeinbildenden Schulform verpflichtender Technikunterricht vorgesehen.

Für eine Technologie- und Industrienation ist das ein Armutszeugnis.

Was jetzt passieren muss

Ein bloßes „Weiter so“ verschärft die Probleme. Notwendig ist:

1. Einführung eines bundesweiten Pflichtfachs Technik

  • mindestens drei bis vier Wochenstunden,

  • durchgehend vom Übergang in die weiterführende Schule bis zum Ende der Sekundarstufe I.

2. Stufenweiser Ausbau an Gymnasien

Kurzfristig wird eine vollständige Umsetzung kaum möglich sein. Daher:

  • Ausbau von Wahl- und Wahlpflichtangeboten,

  • sukzessive Ausweitung auf immer mehr Schulen,

  • schrittweise Überführung in ein Pflichtfach.

3. Integration technischer Inhalte in bestehende Fächer

Naturwissenschaftliche Fächer können stärker technikorientiert erweitert werden – jedoch nur mit:

  • gezielter Fortbildung der Lehrkräfte,

  • klarer curricularer Verankerung,

  • didaktisch fundierten Konzepten.

4. Qualität vor Quantität

Mehr Stunden allein reichen nicht. Entscheidend ist:

  • praxisorientierter Unterricht,

  • moderne Ausstattung,

  • qualifizierte Lehrkräfte,

  • verbindliche Qualitätsstandards.

Technische Bildung darf kein „Bastelunterricht“ sein, sondern muss systematisch Kompetenzen aufbauen.

Zusammenfassung: Zukunftsfähigkeit braucht Technikunterricht

Deutschland diskutiert über Digitalisierung, Energiewende, Künstliche Intelligenz und industrielle Transformation – doch in den Klassenzimmern fehlt oft die strukturelle Grundlage, um junge Menschen auf diese Herausforderungen vorzubereiten.

Wer den Fachkräftemangel ernst nimmt, wer gesellschaftliche Technikkompetenz stärken will und wer Innovationsfähigkeit sichern möchte, kommt an einem verbindlichen, qualitativ hochwertigen Pflichtfach Technik nicht vorbei.

Die Bundesbildungsministerin Karin Prien ruft Babyboomer dazu auf, sich als ehrenamtliche Mentoren in Schulen zu engagieren. Die Rechnung klingt verlockend: Auf jedes sechsjährige Kind kommen in Deutschland nahezu zwei 60-Jährige. Ein riesiges Potenzial an Zeit, Lebenserfahrung und Engagement, das dem überlasteten Bildungssystem helfen könnte. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Was im Grundsatz eine gute Idee ist, scheitert in der Praxis an einer viel zu komplizierten Umsetzung, meint unser Kommentator Christoph Sochart.
Das Problem liegt im Detail
Das Startchancen-Programm der Bundesregierung fordert explizit die Einbindung ehrenamtlicher Lernpartner. Schulen können Fördermittel für Freiwillige beantragen. Soweit die Theorie. In der Realität werden sie dann mit dieser Aufgabe weitgehend alleingelassen. Es fehlt an Richtlinien, an dauerhafter Unterstützung und vor allem an hauptamtlichen Fachkräften, die die Ehrenamtskoordination übernehmen könnten.
Die Konsequenz: Schulen, die ohnehin am Limit arbeiten, sollen nun auch noch Freiwilligenarbeit organisieren. Lehrkräfte, denen bereits jetzt die Zeit für ihre Kernaufgaben fehlt, sollen Ehrenamtliche auswählen, einarbeiten und begleiten. Das ist realitätsfern.
Die pädagogische Herausforderung
Ein weiteres grundlegendes Problem wird in der Diskussion häufig übersehen: Vielen engagierten Seniorinnen und Senioren fehlt schlichtweg die pädagogische Erfahrung. Der gute Wille allein reicht nicht aus, um Kindern mit Lernschwierigkeiten, aus bildungsfernen Haushalten oder mit Migrationshintergrund wirksam zu helfen.
Wer soll diese Menschen schulen? Wer überprüft ihre Eignung vor dem Einsatz? Und wer begleitet sie kontinuierlich, wenn Konflikte mit Lehrkräften oder Schülern entstehen? Diese Fragen bleiben unbeantwortet. Ein erweitertes Führungszeugnis allein macht noch keinen guten Mentor.
Die fachliche Vorbereitung ist komplex: Wie gehe ich mit Kindern unterschiedlicher Herkunft um? Wie kommuniziere ich mit Lehrkräften auf Augenhöhe? Wo bekomme ich Arbeitsmaterialien? Was tue ich in Konfliktsituationen? All das erfordert professionelle Schulung und kontinuierliche Begleitung.
Es gibt bessere Lösungen
Statt das Rad neu zu erfinden, sollte die Politik auf bestehende Strukturen setzen. In Deutschland gibt es bereits etablierte Vereine und Organisationen mit genau diesem Vereinsziel. Programme wie “Mentor – Die Leselernhelfer” oder “Zukunftspartner – Die Starthilfe für dich” in Düsseldorf zeigen, wie Mentoring funktionieren kann. Sie verfügen über:
– Erfahrung in der Auswahl geeigneter Ehrenamtlicher
– Bewährte Konzepte
– Strukturen zur kontinuierlichen Begleitung
– Methoden zur Qualitätssicherung
– Netzwerke und Know-how
Eine Studie des Institute of Labor Economics in Bonn belegt laut der Zeitung „Die Zeit“ die Wirksamkeit solcher strukturierten Programme: Nach einem Jahr wöchentlicher Begleitung durch einen ehrenamtlichen Mentor schrumpfte der Bildungsabstand zwischen Kindern aus Familien mit niedrigem sozioökonomischen Status und besser gestellten Familien um die Hälfte.
Der richtige Weg: Kooperation statt Alleingang
Statt Schulen mit einer weiteren Aufgabe zu überlasten, sollte die Bundesregierung:
+ Lokale Vereine und Organisationen aktiv einbinden
Diese verfügen bereits über die notwendige Infrastruktur, das pädagogische Know-how und die Erfahrung in der Freiwilligenkoordination.
+ Bestehende Strukturen finanziell unterstützen
Vereine brauchen verlässliche Ressourcen für Schulungen, Administration und Koordination. Finanzielle Mittel sollten nicht primär an Schulen fließen, sondern an die Organisationen, die das Ehrenamt professionell begleiten können.
+ Standardisierte Prozesse schaffen
Klare Zuständigkeiten in Schulämtern, vereinfachte Antragsverfahren und digitale Koordinationsplattformen würden die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Organisationen erheblich erleichtern.
+ Auf Dialog setzen
Die Einbindung von Ehrenamtlichen muss in enger Abstimmung mit Schulen, Lehrkräften und erfahrenen Organisationen erfolgen. Nur so lässt sich klären, wo tatsächlich Bedarf besteht und wie dieser sinnvoll gedeckt werden kann.
Zusammengefasst bedeutet das: Potenzial nutzen, aber richtig
Das Potenzial der Babyboomer-Generation für die Bildung der Jüngeren ist real und wertvoll. Doch der aktuelle Ansatz der Bundesregierung droht dieses Potenzial zu verspielen. Wer Ehrenamt im Bildungssystem verankern will, darf nicht einfach nur dazu aufrufen und Fördertöpfe bereitstellen. Es braucht professionelle Strukturen, qualifizierte Begleitung und die kluge Nutzung bereits vorhandener Expertise. Die Lösung liegt nicht in einer weiteren Belastung der Schulen, sondern in der Stärkung erfahrener Organisationen und der Förderung lokaler Kooperationen. Nur so wird aus einer gut gemeinten Idee auch eine wirksame Maßnahme für mehr Bildungsgerechtigkeit.

Geld ist weit mehr als eine Zahl auf dem Konto. Es entscheidet mit darüber, wie sicher wir uns fühlen, welche Chancen wir wahrnehmen – und welche Sorgen uns nachts wachhalten. Die neue IU Studie „Finanzielles Wohlbefinden“ zeigt eindrucksvoll, wie Menschen in Deutschland aktuell über ihre finanzielle Zukunft denken und welche Ziele sie bewegen. Von der Generation Z bis zu den Babyboomern: Jede Altersgruppe bringt ihre eigenen Hoffnungen, Ängste und Prioritäten mit. Vorab: Wenn es um Geld geht, wollen junge Menschen in Deutschland vor allem eines: finanziell unabhängig sein.

Wirtschaftliche Lage: Ein geteiltes Gefühl von Unsicherheit

Der Blick auf die allgemeine wirtschaftliche Situation fällt für viele besorgniserregend aus. Jede:r Zweite in Deutschland macht sich aktuell Sorgen um die wirtschaftliche Lage. Besonders deutlich wird dieser Trend bei den Babyboomern: 61,1 Prozent dieser Generation blicken mit Sorge auf die wirtschaftliche Entwicklung – ein Wert, der zeigt, wie stark äußere Einflüsse das persönliche Sicherheitsgefühl formen.

Persönliche Finanzlage: Zwischen Zufriedenheit, Unsicherheit und Hoffnung

Die eigene finanzielle Situation löst sehr unterschiedliche Emotionen aus.

  • 30,9 % der Befragten empfinden Zufriedenheit.

  • Fast genauso viele – 30,2 % – fühlen sich unsicher.

Die jüngste Erwachsenen-Generation, die Generation Z, zeigt sich etwas hoffnungsvoller: 26,9 % geben an, mit Zuversicht in ihre finanzielle Zukunft zu blicken – häufiger als jede andere Generation. Gleichzeitig kämpft die Generation Y überdurchschnittlich oft mit Frustration (21,4 %). Hier spiegelt sich eine Lebensphase wider, in der viele gleichzeitig Karriere, Familienplanung und steigende Lebenshaltungskosten jonglieren.

Finanzielle Ziele: Der Wunsch nach Unabhängigkeit dominiert

Welche Träume und Ambitionen treiben die Menschen an? Die Studie zeigt ein klares Bild:

  • 58,9 % streben finanzielle Unabhängigkeit an – ein Ziel, das quer durch alle Generationen hohe Bedeutung hat.

  • 51,4 % nennen die Altersvorsorge als Priorität, ein Thema, das in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit wieder stärker in den Fokus rückt.

Auffällig ist die Generation Z: Sie formuliert häufiger als andere den Wunsch nach persönlicher Freiheit, der Erfüllung individueller Lebensziele, einem eigenen Haus oder Investitionen in Bildung. Diese Generation möchte gestalten – und sieht Geld als Möglichmacher.

Hürden auf dem Weg: Überblick und Einfluss von Social Media

Doch nicht nur Ziele, auch Herausforderungen prägen das finanzielle Wohlbefinden. Besonders junge Menschen kämpfen mit fehlender Transparenz über ihre Finanzen: 16,3 % der 16- bis 30-Jährigen geben an, keinen vollständigen Überblick über ihre finanzielle Situation zu haben.

Hinzu kommt ein deutlich erkennbarer Einfluss sozialer Medien: Die Generation Z lässt sich doppelt so häufig wie Babyboomer bei finanziellen Entscheidungen durch Social-Media-Inhalte beeinflussen. Trends wie „FinTok“, Krypto-Hypes oder Lifestyle-Content zeigen Wirkung – oft inspirierend, manchmal aber auch irreleitend. Mehr dazu beleuchtet das Fokusthema „Die junge Generation und das liebe Geld“ der Studie.

Expert:innen-Insights: Wie lässt sich finanzielles Wohlbefinden stärken?

Im begleitenden Interview liefert Prof. Dr. Johannes Treu, Professor für Allgemeine BWL und VWL an der IU Internationalen Hochschule, praxisnahe Einschätzungen und Tipps. Sein Fazit: Finanzielles Wohlbefinden entsteht nicht nur durch Einkommen oder Rücklagen, sondern vor allem durch Kompetenz, klare Ziele und informierte Entscheidungen. Wer seine Finanzen versteht, behält die Kontrolle – und gewinnt Sicherheit.

Fazit: Finanzielles Wohlbefinden ist ein Spiegel unserer Zeit

Die IU Studie zeigt: Unsere Einstellung zu Geld ist ein Zusammenspiel aus wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, persönlicher Lebensphase und individuellen Zielen. Während Sorgen allgegenwärtig bleiben, wächst gleichzeitig der Wunsch nach Unabhängigkeit, Selbstbestimmung und finanzieller Bildung.

Geld mag nicht alles sein – aber es beeinflusst vieles. Und genau deshalb lohnt sich der Blick auf das eigene finanzielle Wohlbefinden heute mehr denn je.

Was ist eigentlich aus dem großen Ziel geworden, allen Kindern in NRW die gleichen Bildungschancen zu geben – unabhängig von Herkunft, Wohnort oder familiärem Hintergrund? Dieser Frage ist in den vergangenen zwei Jahren die Enquetekommission des nordrhein-westfälischen Landtages auf den Grund gegangen. Eingesetzt wurde das Gremium auf Wunsch der SPD, nachdem Jochen Ott im Mai 2023 den Fraktionsvorsitz übernommen hatte. Mit Vertreterinnen und Vertretern aller Landtagsfraktionen sowie externen Fachleuten wollte man eine umfassende Bestandsaufnahme und konkrete Handlungsempfehlungen für eine gerechtere Bildungslandschaft in NRW erarbeiten. (Foto: Berichterstatterin Christin Siebel, MdL; Quelle: SPD).

Nun liegt der Abschlussbericht vor – mit 248 Handlungsempfehlungen, einem politischen Kraftakt und nicht zuletzt viel Diskussionsstoff.


Orientierung am „Hamburger Modell“ – Ein Fortschritt oder Rückschritt?

Kern des Berichts ist die deutliche Annäherung an das sogenannte Hamburger Modell, das dort bereits vor über zehn Jahren für umfassende Schulstrukturreformen gesorgt hat. In Hamburg wurden die klassischen Schulformen Hauptschule und Realschule abgeschafft, es gibt nur noch zwei weiterführende Schulformen. Ganztagsunterricht und ein konsequentes, digitales Bildungsmonitoring prägen das neue System. Und ja – in Vergleichsstudien hat sich Hamburg seither verbessert.

Für Nordrhein-Westfalen heißt das: Die Richtung ist klar – Förderschulen, Haupt- und Realschulen sollen auf mittlere Sicht zurückgedrängt werden, auch wenn das System hier noch nicht komplett umsetzbar scheint. Eine gemeinsame Schule bis Klasse 6 – wie in Hamburg – stand in NRW bislang nicht zur Debatte. CDU und Grüne sprechen sich sogar ausdrücklich gegen eine neue Strukturdebatte aus. Dennoch – die Weichen werden gestellt.


Große Worte, wenig Konkretes?

Der Bericht selbst ist durchzogen von Allgemeinplätzen und teilweise schwer verständlichen Formulierungen. Aussagen wie „Ohne Chancengleichheit keine Chancengerechtigkeit“ oder tiefphilosophische Ausführungen zur „Raumtheorie in der Kindheitsforschung“ wirken auf viele Beteiligte aus Schulen, Elternräten oder Jugendhilfeeinrichtungen schlicht abgehoben.

Zugegeben: Einige Formulierungen klingen akademisch, andere beinahe banal. Wer täglich mit Jugendlichen arbeitet, fragt sich, wie viel Praxisbezug wirklich in diesen 248 Empfehlungen steckt.

Und doch – es gibt auch konkrete Vorschläge, die durchaus Gewicht haben:

  • Ein verpflichtendes „Chancenjahr“ vor der Einschulung soll eingeführt werden – als Antwort auf große Unterschiede bei Schulanfänger:innen.

  • Die frühkindliche Bildung soll gestärkt und besser verzahnt werden mit Schule und Jugendhilfe.

  • Die Ganztagsbetreuung soll ausgebaut und qualitativ verbessert werden.


Alte Ideen neu verpackt?

Ebenfalls wieder auf dem Tisch: die Primusschule – ein Modell des längeren gemeinsamen Lernens von Klasse 1 bis 10. Besonders die Grünen machen sich erneut stark dafür, dieses Modell stärker zu etablieren. Doch bisher konnte sich dieses Konzept in NRW nicht durchsetzen – auch wegen fehlender Akzeptanz vor Ort und begrenzter Ressourcen.

Wie neu sind also die Ideen, die nun als „Empfehlungen“ im Bericht stehen? Vieles klingt vertraut – und auch das ist ein Kritikpunkt vieler aus der Bildungspraxis: Der Bericht wiederholt zu häufig alte Forderungen, ohne die Frage zu beantworten, warum diese bisher nicht funktioniert haben – und was diesmal anders gemacht werden soll.


Sondervoten, Kritik und ein offener Dissens

Wie zu erwarten war, hat die AfD alle Handlungsempfehlungen abgelehnt. Zwar teilt sie einige Zielsetzungen – z. B. die Forderung nach kleineren Klassen und mehr Lehrkräften –, doch sie verweigert sich dem Gesamtpaket. Besonders auffällig: das umfangreiche Sondervotum von Helmut Seifen, ehemaliger Lehrer und aktueller bildungspolitischer Sprecher der AfD. Seine Repliken wurden in den Bericht aufgenommen, auch wenn sie wenig mit dem Konsens des restlichen Gremiums gemein haben.


Und was heißt das nun für die Bildung in NRW?

Was bleibt, ist ein Bericht, der viel in Bewegung bringen könnte – wenn der politische Wille vorhanden ist. Einige Empfehlungen könnten realistisch schon bald umgesetzt werden, andere werden sicher in den Programmen zur Landtagswahl 2027 eine Rolle spielen. Fest steht: Bildung in NRW braucht dringend neue Impulse – aber auch Mut, alte Strukturen aufzubrechen und echte Praxisnähe herzustellen.


Ein positiver Ausblick

Trotz aller Kritik: Es ist gut, dass die Diskussion um Chancengleichheit in der Bildung auf die politische Agenda zurückgekehrt ist – und das mit einer breiten Beteiligung aus Politik und Fachwelt. Der Weg zur echten Bildungsgerechtigkeit ist lang, aber jeder Schritt, der die Bedingungen für Kinder verbessert – sei es durch frühzeitige Förderung, kleinere Klassen, mehr qualifiziertes Personal oder einen respektvollen Umgang mit Vielfalt – ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Die wichtigste Botschaft bleibt: Jedes Kind verdient die bestmögliche Bildung. Nicht irgendwann – sondern jetzt.

Den Bericht der Enquetekommission finden Sie hier: https://kurzlinks.de/6a22

Wer heute junge Menschen mit politischen Themen erreichen will, kommt an Social Media nicht mehr vorbei. Das ist kein Bauchgefühl, sondern das Ergebnis einer aktuellen Studie mit dem Titel „How to Sell Democracy Online (Fast)“, initiiert von der Bertelsmann Stiftung in Kooperation mit dem Berliner Think-Tank Das Progressive Zentrum und gefördert von der Stiftung Mercator.

Die Ergebnisse sind ein deutlicher Weckruf für politische Kommunikation: Soziale Medien sind für junge Menschen der wichtigste Zugang zu politischen Informationen. 74 Prozent der 16- bis 30-Jährigen informieren sich über Plattformen wie Instagram, TikTok oder YouTube über politische Geschehnisse – deutlich mehr als in Schule, Familie oder über klassische Medien.

Politische Influencer:innen als neue Vertrauenspersonen

Was dabei besonders auffällt: Junge Nutzer:innen folgen häufiger politischen Influencer:innen (60 Prozent) als offiziellen Accounts von Parteien oder Politiker:innen (38 Prozent). Das Vertrauen liegt stärker bei Einzelpersonen als bei Institutionen – vermutlich, weil Influencer:innen als nahbarer, authentischer und alltagsbezogener wahrgenommen werden.

Politische Kommunikation muss deshalb nicht nur in den sozialen Medien stattfinden, sondern auch deren Logik, Tonalität und Tempo verstehen – etwa durch kurze, visuell ansprechende Videos, schnelle Reaktionen und eine zielgruppengerechte Ansprache. Das bedeutet aber nicht, Inhalte zu trivialisieren – sondern sie zugänglich, konkret und relevant zu gestalten.

Junge Menschen ernst nehmen – auch in der digitalen Sphäre

Ein zentrales Fazit der Studie: Politische Kommunikation muss die Lebensrealität junger Menschen anerkennen.Wer sie erreichen will, muss dort präsent sein, wo ihre Meinungsbildung stattfindet – und das ist nun einmal online.

Dass Social Media nicht nur Ort der Unterhaltung, sondern auch Plattform für politische Bildung, Meinungsvielfalt und Engagement ist, zeigt sich deutlich. Auch wenn nur 17 Prozent aktiv an Diskussionen teilnehmen oder Beiträge kommentieren – die Mehrheit liest mit, beobachtet, denkt mit. Politische Inhalte landen oft über algorithmisch kuratierte Feeds bei den Nutzer:innen, was gleichzeitig Chancen und Risiken birgt.

Was funktioniert – und was nicht

Die in der Studie untersuchten Inhalte zeigen, dass Themen wie Regierung, Verwaltung und Wahlen am häufigsten behandelt wurden. Bildungspolitik, Sozialthemen und Umwelt erzielten dagegen geringere Reichweiten – obwohl gerade Bildung junge Menschen stark betrifft. Das legt nahe, dass politische Inhalte auf Social Media häufig an den Interessen junger Menschen vorbeiproduziert werden – oder nicht so aufbereitet sind, dass sie Anklang finden.

Zudem zeigt die Analyse, dass positive Selbstdarstellung in rund 70 Prozent der Beiträge vorherrscht, während 35 Prozent Angriffe auf politische Gegner enthalten. Interessanterweise werden solche attackierenden Inhalte zwar häufiger angesehen, aber nicht zwingend positiv bewertet. Junge Nutzer:innen lehnen politische Polemik in Kurzvideos mehrheitlich ab.

Fazit: Politische Kommunikation muss digital neu gedacht werden

Die Studie der Bertelsmann Stiftung belegt eindrücklich: Wer junge Menschen politisch erreichen will, muss auf Social Media präsent sein – und zwar nicht nur mit Inhalten, sondern mit Haltung, Authentizität und echtem Interesse an der Zielgruppe. Kurz: Politische Bildung braucht neue digitale Wege – und die Bereitschaft, sie konsequent zu gehen.

Politik darf nicht länger davon ausgehen, dass junge Menschen den Weg zu ihr finden. Vielmehr muss sich politische Kommunikation dorthin bewegen, wo junge Menschen bereits sind. Das ist keine Kapitulation vor dem Algorithmus – sondern eine notwendige Weiterentwicklung demokratischer Öffentlichkeit.

Vom 9. bis 14. September 2025 wurde die dänische Stadt Herning zum Zentrum europäischer Spitzenleistungen in der beruflichen Bildung. Rund 600 junge Fachkräfte aus 32 Nationen traten bei den EuroSkills 2025 in 38 verschiedenen Berufen gegeneinander an. Was geboten wurde, war weit mehr als ein Wettbewerb – es war eine Demonstration von Präzision, Innovationskraft und internationaler Verbundenheit im Handwerk und in der beruflichen Bildung. Im feierlichen Rahmen der Schlussveranstaltung wurde die EuroSkills-Flagge an die nächsten Gastgeber überreicht: Deutschland und Luxemburg werden die Europameisterschaft der Berufe vom 22. bis 26. September 2027 gemeinsam austragen – federführend in Düsseldorf.

Besonders erfreulich aus deutscher Sicht: Die Berufe-Nationalmannschaft konnte mit insgesamt 22 Medaillen und dem Europameistertitel im Speed-Programming glänzen. Im Nationenranking bedeutete das Platz zwei – ein beeindruckendes Ergebnis, das die Leistungsfähigkeit des dualen Systems „Made in Germany“ einmal mehr unter Beweis stellt.

Internationale Bühne – lokale Perspektive

Im Rahmen der EuroSkills war auch die IHK durch Dr. Holtkamp und die Handwerkskammer Düsseldorf durch Dr. Henke vertreten. Auch als Mitglied im Lenkungskreis des Kompetenzzentrums Berufliche Orientierung beobachteten die Herren nicht nur die Leistungen der Teilnehmenden, sondern nutzten die Gelegenheit, um wichtige Impulse für die Vorbereitung der EuroSkills 2027 in Düsseldorf zu sammeln. Dr. Henke nutzte auch die Möglichkeit im Lenkungskreis des Kompetenzzentrums darüber zu berichten. Außerdem auf der Gästeliste in Herning: Vertreterinnen und Vertreter des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, des Bundesinstituts für Berufsbildung, des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, mehrerer NRW-Ministerien, der Messe Düsseldorf sowie der Wirtschaftsförderung Düsseldorf.

Fachkräfte als Botschafter einer neuen Generation

Die Wettbewerbe fanden unter großem öffentlichem Interesse statt: Über 100.000 Besucherinnen und Besucher verfolgten die Leistungen der jungen Fachkräfte – viele davon nutzten die Gelegenheit, sich bei den „Try a Skill“-Stationen selbst auszuprobieren. Ein Höhepunkt war der Besuch von König Frederik X., der sich persönlich ein Bild vom Können der Teilnehmenden machte. Auch Bundesbildungsministerin Karin Prien suchte das Gespräch mit deutschen Nachwuchstalenten.

Die EuroSkills 2025 waren nicht nur ein Schaufenster der Exzellenz, sondern auch eine Plattform für den Austausch über die Zukunft der beruflichen Bildung in Europa. Ministerinnen und Minister aus zahlreichen Ländern diskutierten darüber, wie Ausbildungssysteme stärker miteinander vernetzt und weiterentwickelt werden können.

Der Blick nach vorn: Düsseldorf bereitet sich vor

Mit einem Koffer voller Eindrücke und Inspirationen kehrten die deutschen Delegationen zurück – und nahmen nicht nur Medaillen, sondern auch wertvolle Erkenntnisse für die Vorbereitung der EuroSkills 2027 mit. Die Vorbereitungen in Düsseldorf laufen bereits an – getragen von einem großen Netzwerk.

„Jetzt gilt es, die gewonnenen Erfahrungen in ein tragfähiges Konzept zu übersetzen. Mit dem Rückenwind aus Herning und der klaren Vision für 2027 steht fest: Die EuroSkills in Düsseldorf haben das Potenzial, ein Leuchtturmprojekt für berufliche Bildung in Deutschland und darüber hinaus zu werden.

Quelle: Dr. Henke und Wirtschaftsförderung
Foto: WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG DER STADT DÜSSELDORF