Viele Eltern fassen den Begriff des Vorlesens zu eng und denken, dass dazu immer ein gedrucktes Buch mit viel Text gehört. Schauen Eltern gemeinsam mit ihren Kindern Wimmelbücher an oder lesen Texte vom E-Reader vor, verstehen dies 23 Prozent nicht als Vorlesen. Mit Babys einfache Bilderbücher zu betrachten gehört für jeden fünften Befragten nicht dazu – obwohl gerade diese Impulse von Anfang an für die Entwicklung von Kindern wichtig sind.

Dies zeigt die Vorlesestudie 2019, die kürzlich in Berlin vorgestellt wurde. Die Studie ist wie der Bundesweite Vorlesetag am 15. November ein gemeinsames Projekt von Stiftung Lesen, DIE ZEIT und Deutsche Bahn Stiftung.

„Viele Eltern verstehen den Begriff des Vorlesens zu eingeschränkt. Vor allem jene, die selten vorlesen, denken nur an das klassische Lesen von Buch mit Text. Auch Comics und Bilderbücher anschauen oder das Erzählen von Geschichten hilft den Kindern, Sprache zu entwickeln und lesen zu lernen“, erklärt Jürgen Kornmann, Leiter Marketing & PR der Deutschen Bahn und Beauftragter Leseförderung der Deutsche Bahn Stiftung.

Rund 32 Prozent aller Eltern in Deutschland lesen ihren Kindern im Vorlesealter von zwei bis acht Jahren zu selten oder nie vor. Dieser Wert hat sich seit 2013 nicht verändert. Vor allem Eltern mit formal niedriger Bildung lesen zu selten oder nie vor (51%) und haben darüber hinaus einen besonders konservativen Vorlesebegriff.

Die Studie hat zudem herausgefunden, dass berufstätige Mütter mehr vorlesen als nicht berufstätige. Im Vergleich lesen 27 Prozent berufstätiger Mütter zu selten vor, bei den nicht berufstätigen sind es 39 Prozent. Väter sind weiterhin Vorlesemuffel, 58 Prozent von ihnen lesen selten oder nie vor.

„Noch immer liest ein Drittel aller Eltern ihren Kindern zu selten vor, obwohl es Kinder auf vielfältige Weise fördert“, sagt Dr. Rainer Esser, Geschäftsführer der ZEIT Verlagsgruppe. „Wir raten daher allen Müttern und Vätern, jeden Tag 15 Minuten vorzulesen.“

„Unsere Aufgabe bleibt es weiterhin, Eltern zu motivieren und ihnen zu zeigen, dass Vorlesen wichtig für die Entwicklung von Kindern ist“, fasst Dr. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, zusammen. „Sie können im Alltag auf vielfältige Weise sprachliche Anreize geben. Viele, gerade bildungsferne Eltern, tun dies bereits. Dann ist es vom Märchenerzählen über das gemeinsame Betrachten des Fotobuchs zum klassischen Vorlesen nicht weit. Darauf wollen wir nicht nur am Bundesweiten Vorlesetag am 15. November aufmerksam machen.“

Die Vorlesestudie wird seit 2007 jährlich durchgeführt. 2019 hat KMF Krämer Marktforschung GmbH im Juni und Juli 700 Eltern von Kindern im Alter von 2 – 8 Jahren (490 Mütter, 210 Väter) telefonisch befragt. Die Ergebnisse sind damit repräsentativ für diese Zielgruppen.

Alle Ergebnisse sowie Vorleseempfehlungen für Kinder zwischen zwei und acht Jahren finden Sie unter: www.stiftunglesen.de/vorlesestudie

Zentrale Ergebnisse aus den zurückliegenden Vorlesestudien lauten:

  • Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wird, sind allgemein erfolgreicher in der Schule. Sie haben in Deutsch, Mathe und Fremdsprachen bessere Noten als Kinder, denen nicht vorgelesen wird. (2011)
  • Vorlesen hat darüber hinaus eine längerfristige soziale Bedeutung. Wurde Kindern regelmäßig vorgelesen, sind diese häufiger darum bemüht, andere in die Gemeinschaft zu integrieren. Auch ist der allgemeine Gerechtigkeitssinn dieser Kinder besonders ausgeprägt. (2015)
  • Vier von fünf Kindern, denen regelmäßig vorgelesen wurde, fällt das Lesenlernen in der Grundschule leicht. Bei den anderen ist das laut ihren Eltern deutlich seltener der Fall (50 Prozent). Fragt man die Kinder selbst, ist sogar mehr als die Hälfte der Grundschüler mit wenig Vorleseerfahrung frustriert, weil das Lesenlernen ihnen zu lange dauert. (2018)
Jedes verschenken Unternehmen in Düsseldorf und Umgebung Vorlesebibliotheken im Gesamtwert von 25.000 an Kitas und Grundschulen.

Privatschulen werden für immer mehr bildungsnahe Familien eine Bildungsalternative zu staatlichen Schulen. Im vergangenen Schuljahr besuchten rund eine Million (1.002.732) Schülerinnen und Schüler eine Schule in freier Trägerschaft. Damit wurde zum ersten Mal die Millionen-Schwelle überschritten, teilt der VDP Verband Deutscher Privatschulen Nordrhein-Westfalen mit. „Die Zahl der Privatschüler und damit der Einfluss der Privatschulen auf das Schulsystem in Deutschland könnte noch weitaus größer sein, gäbe es nicht zahllose gesetzliche Bedingungen, verweigerte Investitionshilfen, Zulassungsschranken und Anpassungszwänge, mit denen die Bundesländer das staatliche Bildungsmonopol ausformen und die private Konkurrenz behindern.“, sagt der Kölner Bildungsforscher Helmut E. Klein vom Institut der Deutschen Bildung.

Man muss „viel Asche“ haben (um es mal sehr salopp zu formulieren), um das Kind auf eine Privatschule schicken zu können. Das zeige sich darin, dass private Schulen in einigen Bundesländern teils immense Gebühren von den Eltern verlangen, sagt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Beispiel Hessen: „Gerade einmal die Hälfte aller Privatschulen erlässt dort Kindern von Hartz-IV-Empfängern komplett das Schulgeld“, sagt DIW-Experte Helbig. Damit sei die Schule für diese Gruppe von vornherein nicht zugänglich; von den für Bildung vorgesehenen ohnehin spärlichen Beträgen bleibe für Gebühren nichts übrig. Das DIW-Fazit: Privatschüler stammen immer häufiger aus Haushalten mit studierten Müttern oder Vätern.

Einer der wichtigsten Bereiche der Privatschulen ist die berufliche Bildung – auch in Düsseldorf gibt es private Berufsschulen. Nahezu jede fünfte berufliche Schule in NRW ist in freier Trägerschaft, der Anteil an der Gesamtzahl der Schüler im beruflichen Bereich liegt bei 7,6 Prozent. „Gerade im berufsbildenden Bereich sind Privatschulen hochspezialisiert, sind kleine, aber feine Schulen. Sie bilden in innovativen Bereichen wie Game Art und Game Design, Informatik oder ‚Manager im Modehandel‘ aus – Berufsbilder, die es bis vor wenigen Jahren noch gar nicht gab“, erklärt Schrade die im Verhältnis geringen Schülerzahlen.

Im kinderfreundlichen Düsseldorf soll es zukünftig auch eine erste „Demokratische Schule“ geben, auch in privater Trägerschaft. In dieser Schule soll es keine Lehrplan geben, keine Noten, keine Klassen. Es ist allerdings nicht die erste Schule dieser Art in NRW, wie es in der Presse stand. In Jülich gibt es auch eine solche Schule. Auch bundesweit gibt es gute Beispiele, z.B. in Hamburg und Berlin.

Schulleiterin dieser neuen Schulen soll Monika Brosch werden, langjährige Lehrerin und Konrektorin an der Realschule Golzheim: „Bei uns können die Schüler, die mit ihrem Schulbesuch bei uns die gesetzlichen Schulpflicht bis zur 10. Klasse erfüllen, zwischen 8 und 9.30 Uhr kommen und die Betreuung wird bis 16 Uhr angeboten. Die Kinder, wir wollen mit den Klassen 1 bis 7 starten, können dann spielen, was lesen oder einen Sing-Wettbewerb organisieren. Oder was immer sie machen wollen. Und wenn sie möchten, können sie uns Lehrer als Begleitung dazunehmen. Wir haben ausgebildete Lehrer für alle Fächer in den Klassen 1 bis 10. „

Es tut sich also einiges in Sachen „Privatschulen“ – auch in NRW und Düsseldorf. Diese Entwicklung sollten alle aufmerksam verfolgen, denn eine Zwei-Klassen-Gesellschaft in der Bildung brauchen wir nun wirklich nicht.

Immer mehr Schulen in NRW sind ohne Führung – respektive: die Stelle des Schulleiters ist vakant. In Nordrhein-Westfalen hat derzeit jede siebte öffentliche Schule keine/n Schulleiter/in. Es fehlen über 700 Schulleiter und sogar über 900 Stellvertreter. Das ist für viele Schulen fatal, denn: eine führungslose Schule ist in der Regel eine schwache Schule. Impulse für eine Schulentwicklung fehlen häufig. Vielfach werden vakante Stellen kommissarisch besetzt. Eine nachhaltige Personalplanung ist das nicht.

Immer wieder wird über den eklatanten Lehrermangel an deutschen Schulen berichtet, das Problem ist nicht neu – und die Prognosen für die kommenden Jahre sind dramatisch. 26.300 zusätzliche Lehrer werden bis 2025 allein an Grundschulen gebraucht, rechnete die Bertelsmann Stiftung kürzlich vor.

Wenn einer Schule nicht nur die Lehrer, sondern die Leitung fehlt, greift der Mangel tief. Und er geht an die Substanz. Oftmals übernimmt ein Stellvertreter in dieser Situation die Leitungsfunktion, obwohl er dafür nicht geschult ist. Da die Stelle nicht offiziell nachbesetzt wird, reicht sich der Mangel nach unten durch: Lehrer aus dem Kollegium übernehmen Aufgaben, die ansonsten liegen bleiben würden. Die Schule fährt im Notprogramm, eine langfristige Entwicklung ist kaum möglich. Die Überlastung des Personals bleibt selten aus.

Gründe gibt es viele für den Schulleitermangel! Die Ausschreibungen dauern zu lange. Desweiteren verdienen Schulleiter/innen an Grundschulen kaum mehr als die „normale“ Lehrkraft.

Daher sind Bildungspolitiker weiter gefordert, die Leitungsposten an Schulen attraktiver zu machen. Eigene Verwaltungsleiter einzusetzen, wäre da bereits ein Schritt in die richtige Richtung. Eine bessere Bezahlung von Schulleiter/innen in Grundschulen sowie Zulagen für Brennpunkt-Schulleiter wären ebenfalls hilfreich.

Wer eine Ausbildung in seinem Wunschberuf macht, ist zufriedener. Das zeigt eine Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung. Darin gaben vier von fünf Azubis (83 Prozent) an, in einem der Beruf ausgebildet zu werden, den sie sich gewünscht hatten.

Die große Mehrheit (83 %) der Bewerberinnen und Bewerber, die eine betriebliche Ausbildungsstelle finden konnte, wird in ihrem Wunschberuf oder einem ihrer Wunschberufe ausgebildet. Diese Personen sind mit ihrer aktuellen beruflichen Situation deutlich zufriedener als diejenigen, die in anderen Berufen als ihren Wunschberufen ausgebildet werden. Dies sind Ergebnisse der repräsentativen BA/BIBB-Bewerberbefragung 2018, die vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und der Bundesagentur für Arbeit (BA) von November 2018 bis Februar 2019 durchgeführt wurde.

Unter anderem gaben Männer häufiger als Frauen an, dass ihr Ausbildungsberuf ihr Wunschberuf sei. Jugendliche und junge Erwachsene, die sich bereits in früheren Jahren um eine Ausbildungsstelle beworben hatten („Altbewerber/-innen“) befanden sich seltener im Wunschberuf als Personen, die sich erstmalig bewarben. Auch konnten Bewerberinnen und Bewerber mit Migrationshintergrund seltener ihren Wunschberuf realisieren.

Interessanterweise berichteten Studienberechtigte seltener, sich im gewünschten Ausbildungsberuf zu befinden als Bewerberinnen und Bewerber mit mittleren Abschlüssen. Ein Grund für dieses Ergebnis könnte sein, so vermutet das Autorenteam, dass sich Jugendliche und junge Erwachsene mit Studienberechtigung häufiger für Berufe mit einer starken Konkurrenzsituation interessieren, also für Berufe wie zum Beispiel Mediengestalter/-in oder Veranstaltungskaufleute, in denen es mehr Bewerberinnen und Bewerber als zur Verfügung stehende Ausbildungsplätze gibt.

An der Befragung beteiligten sich rund 4.400 Personen, die bei der BA als ausbildungssuchend registriert waren. Alle Bewerberinnen und Bewerber, die sich zum Befragungszeitpunkt in einer betrieblichen Ausbildung nach Berufsbildungsgesetz (BBiG) oder Handwerksordnung (HwO) befanden, wurden gefragt, ob es sich bei ihrem Ausbildungsberuf um ihren Wunschberuf oder einen ihrer Wunschberufe handelt. Quelle: BIBB

Die Studie steht im BIBB-Internetangebot unter : www.bibb.de/vet-repository/000003 Download zur Verfügung. Weitere Informationen unter www.bibb.de/de/85311.php


Also, diese Zahl dieser Woche überraschte mich dann doch: Zum ersten Mal seit 18 Jahren geht die Zahl der Hochschulabschlüsse in Deutschland zurück, nachdem sie in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen ist. Fast 500.000 Menschen holten sich den Abschluss einer deutschen Hochschule (im Vorjahresvergleich ein Minus von 1 Prozent).

Das Gros der Studierenden, nämlich 40 Prozent, machte einen Abschluss in Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, gefolgt von den Ingenieurwissenschaften (26%), Mathematik und Naturwissenschaften (11). Dann erst folgen Sport, Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften, Veterinärmedizin sowie Kunst oder Kunstwissenschaft (7) sowie Medizin und Gesundheitswissenschaften (6). Insgesamt führte jedes zweite Examen im Prüfungsjahr 2018 zu einem Bachelorabschluss. Masterabschlüsse und Lehramtsprüfungen legten zu, bei Promotionen und herkömmlichen Abschlüssen wie dem Diplom gab es einen Rückgang. Natürlich interessierten mich auch die Gründe des Rückgangs. Auf der einen Seite mag der „demografische Wandel“ in Deutschland eine Rolle spielen: Jede zweite Person in Deutschland ist heute älter als 45 und jede fünfte Person älter als 66 Jahre. Andererseits hat Deutschland in den vergangenen Jahren eine ungewöhnlich starke Zuwanderung vor allem junger Menschen erlebt. Auf der anderen Seite erleben wir aber auch, dass fast 30& der Studierenden ihr Studium abbrechen. Viele Experten sind sowieso der Meinung, dass auf unseren Hochschulen auch Studierende anzutreffen sind, die dort eigentlich gar nicht hingehören, sondern eher in eine Duale Ausbildung. Bleiben wir gespannt, wie sich dies alles weiter entwickeln wird.

Tja, das hören wir in Düsseldorf oft, wenn wir im Rahmen unseren sehr aktiven Elternarbeit mit den wichtigsten „Bildungsberatern“ unserer Kindern, den Eltern halt, ins Gespräch kommen. Und, natürlich sind auch die Schülerinnen und Schülern komplett damit überfordert – allerdings gibt es auch jede Menge guter Tools, sich selbst mit diesem Thema strukturiert zu beschäftigen. Aber, dazu später mehr.

In Deutschland gibt es mittlerweile mehr als 20.000 Studiengänge. Und es werden täglich mehr. Und manchmal müssen sich auch private und staatliche Hochschulen die Frage erlauben lassen, ob es diesen oder jenen Studiengang überhaupt noch braucht. Ich kenne im Ruhrgebiet beispielsweise so kleinteilige Bio-Studiengänge bei denen ich mich frage: was bitte schön will man damit später auf dem Arbeitsmarkt anfangen? Warum überhaupt bieten Hochschule solche Studiengänge an? Weil sich Hochschulen und Professoren messen lassen an der Vielzahl ihrer Angebote?

Aber, lassen wir das an dieser Stelle: der Markt wird es richten, sehr zum Leidwesen der jungen Leute, die heute und morgen studieren möchten und werden. Mittlerweile beginnt bereits das Hochschulsterben und auch die ersten Studiengänge werden schon wieder gestrichen – weil sie vielleicht zu exotisch waren?

Jörg Dräger, Mitglied des Vorstandes der Bertelsmann Stiftung und Geschäftsführer des CHE Centrum für Hochschulentwicklung, warnt derweil: „„Die Vielfalt an Studiengängen darf Studieninteressierten und Arbeitgebern nicht als Wildwuchs erscheinen. Damit diese sich unter den 20.000 Studiengängen zurechtfinden, brauchen wir keine Vereinheitlichung der Fächernamen, sondern gute digitale Orientierungsangebote“. Wohl war: In Düsseldorf gibt es 25 (!) Hochschulen – alle 8 km eine Hochschule. Purer Wahnsinn und Verschleudung wichtiger Ressourcen.

Nackte Fakten: Die Anzahl der Studiengänge an deutschen Hochschulen ist seit dem Jahr 2014 um 17 Prozent gestiegen. Im Mai 2019 verzeichnete der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) erstmals mehr als 20.000 Angebote für Studierende. Fünf Jahre zuvor waren es noch rund 17.000. Besonders die privaten Anbieter in diesem Bereich steigerten die Anzahl ihrer Studienangebote um fast 70 (!) Prozent.

Rund 13 Prozent der neuen Studiengänge kombinieren unterschiedliche Fächer – etwa Medieninformatik oder Medizintechnik. Im Trend liegen fächerübergreifende Studiengänge mit thematischen Schwerpunkten wie „Umwelt“ oder „Gesundheit“. Lediglich jeder fünfte neue Studiengang trägt noch klassische Bezeichnungen einer wissenschaftlichen Disziplin wie „Chemie“ oder „Physik“. Knapp ein Drittel der neuen Studiengänge hat eine englischsprachige Bezeichnung.

Nun gibt es, wie bereits erwähnt, gute Tools für Schülerinnen und Schüler, sich in diesem Dschungel zu Recht zu finden. Beim Dualen Orientierungspraktikum beispielsweise lernen Schülerinnen und Schüler eine ganze Woche ihr Lieblingsstudienfach live kennen, lernen mit den „alten Häsinnen und Hasen“ gemeinsam in Seminaren und Vorlesungen, erhalten Gesprächsmöglichkeiten mit Lehrenden und den Bildungsberatern vor Ort.

In Praxisphasen der Sek2 können Schülerinnen und Schüler dieses Instrument nutzen bzw. ihre bisherigen Erfahrungen ausweiten.

Nicht zuletzt bietet auch der aktualisierte Berufswahlpass in NRW mit einem neuen Sek2-Teil zahlreiche gute Handreichungen, Checklisten und Feedbackmöglichkeiten, um sich mehr Klarheit zu verschaffen.

Auch das SET-Tool der Agentur für Arbeit greift unterstützend ein.

Dies sind nur vier von sehr vielen Möglichkeiten, sich individuell auf den Studiermarkt vorzubereiten. Allerdings werden diese Instrumente auch teilweise zu selten genutzt. Stattdessen hört man dann von Schülerinnen und Schüler und Eltern: „Uns hat in der Schule niemand informiert“. „Berufswahlpass – kenne ich nicht“. „Es gibt überhaupt keine Informationen – unser Kind wurde komplett alleine gelassen. Die ganze Arbeit müssen dann wir Eltern leisten“. Solche Ausreden lasse ich in meinen Gesprächen nicht mehr gelten, denn: es stimmt einfach nicht.

Auch Eltern nutzen die vorhandenen Möglichkeiten zu selten. Elternabende werden immer seltener besucht, selbst wenn erfahrene Experten eingeladen werden und Rede und Antwort stehen. Elternabend werden in Schulen durchgeführt, oft auch von Arbeitgeberverbänden, den Kammern, der Agentur für Arbeit oder den Kommunalen Koordinierungsstellen von „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAoA). Beispiel: einmal im Jahr wird von KAoA Düsseldorf ein Elternabend stadtweit angeboten mit bis zu 80 Eltern (dabei gibt es 12 bis 15.000 mutmaßliche Interessierte). Oder ein anderes Beispiel: In der Klasse meines Sohnes kommen 15 Eltern von 28 möglichen (und dabei sind oft zwei von einem Kind). Sehr traurig!

Am Ende des Tages ist aber auch so, dass zuviele junge Menschen studieren, obwohl sie in einer Dualen Ausbildung besser aufgehoben wären. Weil man glaubt, später mehr zu verdienen? Weil man glaubt, ein besseres Ansehen zu haben? Wer hat wohl mehr ansehen: der arbeitslose Jurist oder der Garten- und Landschaftsbauer, der sich seine Kunden mittlerweile aussuchen kann, weil er sowieso Aufträge ablehnen muss? Dreimal dürfen wir raten. Über 30% aller Studierenden brechen ihr Studium früher oder später ab. „Früher“ ist gut, weil man sich rechtzeitig besinnt, etwas „vernünftiges“ zu studieren. „Später“ ist schlecht, weil der Zug dann schon oft abgefahren ist.

Wie immer gilt auch hier: Augen auf bei der Studierwahl!!!!!

Im Blickpunkt Die Vielfalt der Studiengänge 2019.pdf (pdf): https://www.che.de/downloads/Im_Blickpunkt_Die_Vielfalt_der_Studiengaenge_2019.pdf

Der Name ändert sich – die Idee bleibt: Aus den Düsseldorfer Tagen der Studien- und Berufsorientierung werden die Düsseldorfer Tage der Beruflichen Orientierung (DTBO), aber Idee und Konzept bleiben erhalten, auch 2020. Die letzten vier Tage vor den Osterferien gehören der Beruflichen Orientierung. Und die Bilanz kann sich sehen lassen. Fast 10.000 Schülerinnen und Schüler nehmen Jahr für Jahr an dieser Berufsorientierung teil.

Allein 3.000 Plätze werden von rund 150 teilnehmenden Unternehmen über das Buchungsportal www.berufsorientierungstage.de bereitgestellt. Damit ist und bleibt Düsseldorf Spitze in Nordrhein-Westfalen. Schulen und Schüler suchen aber auch über andere Wege Plätze in den Unternehmen, beispielsweise über Lernpartnerschaften und individuelle Bewerbungen. Die Unternehmen freuen sich über das Engagement der Schüler.

Vom 27. März bis zum 01. April 2020 öffnen wieder zahlreiche Unternehmen für 4-6 Stunden ihre Türen, um sich den jungen Leuten als Ausbildungsbetrieb zu präsentieren, um Berufe und Berufsbilder vorzustellen. Über 60 Düsseldorfer Schulen engagieren sich bei den Orientierungstagen.

Das Erfolgsmodell: Schüler und Unternehmen begegnen sich auf Augenhöhe. Oft begleiten die Auszubildende die Jugendliche. Hautnah lernen die Schüler Jobs kennen, können oft auch Hand anlegen. Im Hotel wird ein Tisch fürs Abendessen hergerichtet. Ein Rad wird in der Kfz-Werkstatt gewechselt.

Veranstalter sind die Kommunale Koordinierung der Landeshauptstadt Düsseldorf und das Düsseldorfer Kompetenzzentrum Berufliche Orientierung. Die Teilnahme ist für alle Beteiligten kostenfrei. Und es viele Unterstützungsleistungen, beispielsweise Checklisten, über 100 Ideen für erfolgreiche betriebliche Erkundungen und persönliche Beratungen über 0211.6690822.

Die rund 350 Ausbildungsberufe in Deutschland genießen ein sehr unterschiedliches Ansehen. Dies ist eigentlich keine neue Erkenntnis. In einem spannenden Report hat das Bundesinstitut für Berufsbildung BIBB noch einem die Hintergründe beleuchtet.

Im Grunde sollte die Suche nach der geeigneten Ausbildung der jungen Menschen die Neigungen und Talente im Blick behalten. Und wenn man in der Region bleiben möchte gewiss auch den lokalen Ausbildungsmarkt. Ausgewählt aber werden nach unseren Erfahrungen die Berufe nach Ansehen. Einkommen und Karrierechancen gestalten den Suchprozess, weniger die Frage: Was kann ich gut? Was mache ich am liebsten? Wofür brennt mein Herz?

Besonders hoch angesehen sind den Ergebnissen zufolge die Ausbildungsberufe Fachinformatiker, Mechatroniker, Industriekaufleuten, Elektroniker, Maler, Lackierer und Kaufleuten im Groß- und Außenhandel. Vergleichsweise weniger hoch angesehen sind Ausbildungsberufe wie Fachkraft für Lagerlogistik, Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk oder Koch.

Trotz eines großes Engagement von z.B. den Arbeitgeberverbänden, den Kammern, dem NRW- Programm „Kein Anschluss ohne Abschluss“ haben viele Betroffene, vor allem Eltern und Schüler, kaum Transparenz. Die Folge: Man bewirbt sich mit den bekanntesten Ausbildungsberufe bei den Großunternehmen. Eher unbekannte Berufe und eher unbekannte Klein- und mittelständische Unternehmen gehen in der Regel leer aus. Das ist schade, denn die Bewerber erhalten Absagen, die vermieden werden könnten. Oder sie brechen die Ausbildung oder das Studium ab, weil es doch nicht „ihr Ding“ ist. Sehr schade.

Für BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser kommt dem Ansehen von Berufen in der Gesellschaft in mehrfacher Hinsicht eine hohe Relevanz zu. „Das Image von Berufen spielt eine entscheidende Rolle bei der Berufsorientierung und Berufswahl, und es beeinflusst Stellenbesetzungsprozesse am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt, da Auszubildende und Erwerbstätige aufgrund ihres Berufes eine mehr oder weniger hohe soziale Anerkennung in der Gesellschaft erfahren. Wenn wir in Zukunft mehr Jugendliche vor allem für Berufe mit Besetzungsproblemen gewinnen wollen, müssen wir die Rahmenbedingungen dieser Berufe verbessern. Hierzu gehören neben guten Übernahmemöglichkeiten nach der Ausbildung in erster Linie sichere Beschäftigungsaussichten, gute Karriereperspektiven und ein angemessenes Einkommen.“

Schüler sollten sehr frühzeitig ihre Talente und Neigungen überprüfen, in NRW geschieht dies zum Beispiel mit der Potentialanalyse zu Beginn der 8. Klasse, Berufe recherchieren und dokumentieren im Berufswahlpass und natürlich Berufe und Berufsfelder kennenlernen. Im Rahmen von (in NRW) Berufsfelderkundungen und Praktika (auch freiwilligen). Dabei sieht man sehr schnell was einem liegt und was nicht. Und man lernt Ausbildungsberufe kennen.

Ich persönlich finde, dass es genug Möglichkeiten, Informationen und Chancen gibt. Allerdings müssen sich die Betroffenen diese Dinge auch (ab-) holen. Zu wenig werden Elternabende, Informationsabende, Berufsmessen und berufsorientierende Veranstaltungen genutzt. Aus diesem Grunde wurden und werden zum Beispiel die Berufsfindungsmesse „Berufe Live“ oder den „Tag der Technik“ in Düsseldorf eingestellt. Zuerst kamen die interessierten Schüler und Eltern nicht mehr – dann kamen auch die Betriebe nicht mehr. Vertane Chancen, um Transparenz zu schaffen.

Es bleibt zu hoffen, dass Eltern und Schüler sich besser informieren, vorhandene Informationsangebote nutzen und mit den zahlreichen Ansprechpartnern, lokal und Region, ins Gespräch kommen.

https://www.bibb.de/veroeffentlichungen/de/bwp/show/10191