Veröffentlicht am Februar 26, 2019

Neigungen, Talente, Persönlichkeitsstil

Insofern (und das zuvor geschriebene vorausgesetzt) spielen drei Elemente in unseren Modulen wiederkehrend immer wieder eine wichtige Rolle:

  1. Die Neigungen sind das erste Element unserer Entdeckungsreise. Hier blühen wir auf, weil es unsere Leidenschaft ist, unsere Träume und Visionen und unsere Berufung. Neigungen sagen aus, wofür unser Herz brennt.Sie beantworten die Frage: WO und WOFÜR setze ich mich gerne ein. Von Martin Luther King kennen wir den Satz „I have a dream“. Barack Obama wollte, das sdie Bevorteilung einzelner ethnischer Gruppen beendet wurden und er entdeckte die Botschaft „Yes, we can“. Und auch Steve Jobs und Bill Gates blühten auf, in dem sie von ihren Visionen geleitet wurden. (Dies sind Beispiele aus dem Willow Creek- Konzept „DIENST“.)Und auch hier gilt, dass man nicht immer sofort seine Neigungen aufzuzählen weiß. Auch dies ist in der Regel ein längerer Prozess. Nach und nach werden die Neigungen erfahrungsgemäß klarer.
  2. Die Talente sagen aus, was wir gut können. „Ein Talent ist jemand, der Talent hat“, sagt der Duden. Dort heißt es weiter: „Eine Begabung, die jemanden zu ungewöhnlichen bzw. überdurchschnittlichen Leistungen auf einem bestimmten, besonders auf künstlerischem Gebiet befähigt.“Talent beschreibt also ein vorhandenes Potenzial, um bestimmte Fähigkeiten entwickeln zu können. Bei Schülern sprechen in der Regel nicht von „ungewöhnlichen“ oder „überdurchschnittlichen“ Leistungen, sondern eher von Bereichen, in denen Jugendliche gut sind, beispielsweise im kreativen, handwerklichen oder technischen Bereich. In sportlichen Dingen oder in sozialen. Im kommunikativen Bereich, im verbalen oder numerischen.
  3. Und das dritte Element unserer Entdeckungsreise sind unsere Persönlichkeitsstile: Diese sagen aus, woraus wir unsere Energie und Kraft schöpfen. Es ist die Art, wie der Mensch Herausforderungen angeht.Das Verhalten ist ein Teil unserer Persönlichkeit, den wir beobachten können. Dabei können wir uns unterschiedlich verhalten – je nach Situation unterschiedlich.Wir unterscheiden zwischen zwei Dimensionen: Die erste sagt aus, was uns motiviert, ob wir beispielsweise menschen- oder aufgabenorientiert sind. Die zweite beschreibt, wie wir uns in unserem Umfeld wahrnehmen: als eher offensiv oder eher defensiv. Aufgabenorientierte  Menschen bekommen ihre Motivation dadurch, dass sie sachlich an Aufgaben herangehen können. Menschenorientierte Personen erhalten ihre Energie, indem sie sich auf Beziehungen zu anderen Menschen einlassen.Beiden Personengruppen ist es wichtig, Beziehungen aufzubauen und Ziele zu erreichen. Sie unterscheiden sich aber dadurch, dass sie unterschiedliche Prioritäten setzen und andere Wegen gehen, um dies in die Tat umzusetzen. Wie immer gilt es, die Unterschiedlichkeiten, aus denen ein Team immer besteht, wertzuschätzen.


Veröffentlicht am Februar 24, 2019

Warum ist es sooooo wichtig, das ich in meinem Element bin?

  • Weil ich frustriert bin, wenn ich meine Talente und Neigungen nicht kenne.
  • Weil ich in Schule und Hochschule nicht weiß, welche Wahlpflichtfächer, welche AGs oder Kurse ich belegen soll.
  • Weil ich nach der Schule nicht weiß, ob ich eine Ausbildung machen soll oder studieren.
  • Weil ich nicht weiß, wenn ich mich fürs studieren entschieden habe, welche Studienrichtung ich belegen soll.
  • Weil ich unglücklich bin, wenn ich nicht in meinem Element lebe.
  • Weil zu viele Jugendliche bzw. junge Erwachsene ihre Ausbildung und ihr Studium abbrechen.

Eine persönliche Entdeckungsreise

Das eigene Element zu finden ist eine persönliche Aufgabe, eine Entdeckungsreise, ein persönlicher Prozess. Letztendlich geht es darum, seine Neigungen, Talente und Fähigkeiten zu entdecken. Sir Ken Robinson sagt dazu in seinem Buch „Begeistert leben“, das dies eine Reise in zwei Richtungen ist:

  1. Es ist eine Reise zu sich selbst, um zu erforschen, was in meinem Inneren verborgen liegt (Bedürfnisse, Wünsche, Gefühle, Gedanken, Sinneswahrnehmungen, Neigungen, Talente, Fähigkeiten, persönliche Ressourcen).
  2. Und es ist eine Reise nach außen, um zu schauen, welche Möglichkeiten meine Umwelt birgt (andere Menschen, mit denen ich in Beziehung stehe, Gegebenheiten, Umstände, finanzielle und fachliche Ressourcen).

Der Weg, sein eigenes Element zu finden, kann häufig überraschen und viel Unentdecktes freilegen.

Wir haben alle verschiedene Voraussetzungen, das hängt von meinen Lebensumständen beispielsweise ab. Und von meinem Charakter. Dennoch gibt es grundsätzliche Prinzipien, die für diesen Prozess gelten und auf Jedermann und Jederfrau anwendbar sind. Ebenso kann man sich Techniken, Strategien und Instrumente zunutze machen. Schülerinnen und Schüler in NRW haben solche Möglichkeiten – wir nennen dies Kür & Pflicht. Mehr dazu später in diesem Blog.

Erfüllende Mitarbeit

Bevor wir aber diesen Gedanken fortsetzen, will ich kurz verweisen auf die „erfüllende Mitarbeit“: dieses Modell gilt für Schule und Freizeit, für Hochschule und Job und letztendlich auch für ehrenamtliche Mitarbeit.

Eigentlich ist es sehr schlicht: Erfüllende Mitarbeit ist, dass ich das tun soll, was ich will und was ich auch kann. Erfüllende Mitarbeit besteht aus den drei Komponenten sollen, wollen und können.

  • Wenn ich etwas mache soll und es auch will, aber nicht kann, dann bin ich frustriert.
  • Wenn ich etwas machen soll und es auch kann, aber nicht will, dann verweigere ich mich.
  • Wenn ich etwas will und es auch kann, aber nicht soll (bzw. darf), kommt es ziemlich bald zu einem Konflikt (mit mir selbst oder z.B. Menschen, mit denen ich beruflich oder privat in Beziehung stehe).

Wir leben glücklich, wenn wir erfüllt mitarbeiten. Wenn wir unseren Platz finden, an dem Sollen, Wollen und Können übereinstimmen. Dann bin ich letztendlich in meinem Element.

Erfüllende Mitarbeit kann ich finden – und kann ich auch selbst gestalten, aber: das ist ein anderes Thema.

(Fortsetzung folgt.)


Veröffentlicht am Februar 24, 2019

Berufliche Orientierung sollte immer präventiv und vor allem stärken-orientiert sein. So zumindest sind unsere Programme der Studien- und Berufsorientierung in Düsseldorf und Gelsenkirchen ausgerichtet. Aber: Was kann das bedeuten: Stärkenorientierung?

Immer wieder treffe ich Menschen, die nicht gerne zur Arbeit gehen. Immer wieder entdecke ich Posts auf Instagram wo mittwochs das „Bergfest“ gefeiert wird, wo man sich am Donnerstag schon auf das Wochenende freut, am Freitag dem nahenden Wochenende entgegen fiebert und am Sonntag Abend schon wieder jammert, weil morgen Montag ist.

Ich denke dann immer: sind die arm dran! Es scheint ein unglückliches Leben zu sein, zu arbeiten in einem Job, den man nicht liebt oder sogar hasst? Wie kann es soweit kommen, frage ich mich dann immer?

Möglichkeiten über Möglichkeiten

Es gibt mittlerweile sehr vielfältige Möglichkeiten in der Schule, in der Freizeit, im Verein, der Kirchengemeinde, im Urlaub herauszufinden, was man gerne mag. Es gibt unzählige Möglichkeiten, sich weiterzubilden in Dingen, die man wirklich liebt, um später damit vielleicht auch seinen Lebensunterhalt zu verdienen oder um zumindest in „seinem Element zu sein“.

Ich kenne eine Stewardess, die sich zur Personaltrainerin hat weiterbilden lassen. Einen Bankangestellten, der Karriere macht als Coach und Mediator. Den Angestellten, der seinen C-Orgelschein nachholt, um am Wochenende Gottesdienste musikalisch zu begleitet. Den Kommunikationsprofi, der in seiner Freizeit Sterbende und Trauernde begleitet. Diese Liste könnte ich weiterführen. Warum aber sind viele Menschen mit ihrem Leben und Beruf unzufrieden?

Wenn wir mit Jugendlichen und Erwachsenen über ihre Talente sprechen, tauchen schnell viele Fragen und Unsicherheiten auf:

  • Ich habe keine Talente. Das was ich kann, dass kann doch jeder!
  • Mich kann nichts wirklich begeistern!
  • Was ist, wenn ich etwas liebe, was ich nicht gut kann?
  • Was ist, wenn ich etwas gut kann, es aber nicht mag?
  • Woher weiß ich, ob ich „mein Element“ gefunden habe?

Auf diese Fragen gibt es natürlich Antwort. Um diese zu finden, braucht man Geduld, muss sich fleißig auf die Suche begeben, ausprobieren und sicherlich braucht man auch den einen oder anderen Unterstützer (keine Ratschlag-Geber, sondern Impuls-Geber).

Auf der einen Seite gibt es diese Unsicherheiten. Auf der anderen Seite fehlt die Transparenz, was man nach der Schule beruflich machen könnte. Warum? Weil es zuviele Möglichkeiten gibt! Zuviele? Kann das sein? Ich bin der festen Überzeugung: ja. Bei über 350 dualen Ausbildungsberufen, rund 18.000 Studiengängen an deutschen Hochschulen und in Unternehmen (Duale Studiengänge), sind Kinder, Eltern und Lehrende in der Regel total überfordert. Deshalb braucht es in der Beruflichen Orientierung mehr Transparenz.

Ich kann nur lieben, was ich kenne

Das geschieht durch Praxisphasen in Form von Praktika (von einem Tag (in NRW gibts z.B. die Berufsfelderkundungen) über 2-3 Wochen bis hin zu einem ganzen Jahr), durch praxisnahe Workshops und Instrumente wie dem Berufswahlpass (wenn man ihn mit Köpfen in Schule regelmäßig nutzt und einsetzt). „Ich kann nur lieben, was ich kenne“, deshalb: muss ich 1.) ausprobieren, 2.) ausprobieren und 3.) ausprobieren. Tag für Tag zocken am Computer strukturiert zwar den Tag und schult die eine oder andere Fähigkeit, aber zu viel davon ist dann am Ende schlicht zu viel davon. Besser raus und Dinge ausprobieren: jobben, ein neues Hobby, einen Trainerschein machen, den Rettungsschwimmer bei der DLRG. Was weiß ich: Möglichkeiten gibt es jedenfalls genug.

Wenn ich vielleicht nicht weiß, was ich gut kann, liegt es vielleicht an fehlenden Gelegenheiten. Wenn ich nichts ausprobiere, weiß ich auch nicht, ob ich ein Talent dafür habe.

Dabei ist es auch immer wieder wichtig Dinge auszuprobieren, die man noch nicht kennt. Es gibt Schüler, die ihr Praktikum im Krankenhaus machen, weil ihre Mutter Krankenschwester ist und sich dadurch das Bewerbungsverfahren abkürzen lässt. Oder sie gehen in die Kanzlei des Onkels. Das ist selten der richtige Weg. Wenn ich noch nie auf einem Pferd saß – woher kann ich wissen, ob ich vielleicht ein guter Reiter werden könnte. Wenn ich noch nie in einer Tischlerei war – woher kann ich wissen, ob ich nicht handwerklich begabt bin und ein guter Tischler werden könnte?

Nähern wir uns der Thematik was es heißen kann, in seinem Element zu sein.

(Fortsetzung folgt.)