Tausende Schüler lernen seit Wochen Mathe mit Herrn Schmidt, obwohl sie ihn nicht persönlich kennen. Mit und über YouTube. Schüler und Eltern sind begeistert und tatsächlich: die Videos machen wirklich Spaß und Freude. „Spaß und Freude“ in Mathe? Ja, sagt der Chronist, aber schauen Sie doch selbst! https://www.youtube.com/channel/UCy0FxMgGUlRnkxCoNZUNRQQ
Schüler lernen heute mit Youtube, das zeigt eine Studie des Rates für Kulturelle Bildung. Für den Oberschulrektor Kai Schmidt aus Niedersachsen ist das kein Problem. Schließlich ist er selbst einer der beliebtesten Mathelehrer auf der Plattform. Er ist überzeugt, dass er dadurch auch ein besserer Lehrer im Klassenzimmer geworden ist.
https://kompetenzzentrum-duesseldorf.de/wp-content/uploads/2019/04/Logo-1030x312.png00Christoph Socharthttps://kompetenzzentrum-duesseldorf.de/wp-content/uploads/2019/04/Logo-1030x312.pngChristoph Sochart2020-06-17 12:14:422020-06-17 12:14:43Kennen Sie Lehrer Schmidt?? Nein? Das ist eine Wissenslücke
Fritz geht in die 9. Klasse einer Gesamtschule in Mönchengladbach und seit Corona war er wie alle anderen Kinder und Jugendlichen nicht mehr in der Schule. Auch nun, kurz vor den großen Sommerferien, ist er nur noch selten in der Schule. Stattdessen lernt er online: Onlinemeetings, Chats mit dem Lehrer über lo-net, Einzelarbeit, Hausaufgaben-Stellung und -Besprechung ebenfalls digital. Fritz gefällt das, zumal er neben dem Lernen zuhause auch viel Zeit seinem Hobby zu frönt und sich durch Gartenarbeit seit Taschengeld aufbessern kann.
Dieses neuartige Präsenz- und Distanzlernen ist für alle neu und die Einen kommen gut damit zu Recht und die Anderen etwas schlechter. Es gibt Lehrkräfte, die sind sehr digital-fitt und andere Lehrkräfte, die sind sehr unsicher in diesem Bereich und haben teilweise sogar Angst vor eigener Überforderung. Da sind dann auch Schulleiterinnen und Schulleiter Coach und Motivator zugleich. Aber, auch Schüler sind digital nicht weniger selten zu erreichen – aber das Thema haben wir an dieser Stelle auch schon thematisiert.
Nun gibt es aber eine interessante Schülerbefragung vom Institut der Deutschen Wirtschaft. Die Wissenschaftler befragten 2.000 Jugendliche, gefragt nach der besten Lernmethode. Die Schüler sind 17 Jahre jung und kommen überwiegend aus Gymnasien, weil sie Teilnehmer sind des Schülerfirmenprojekts „Junior“ sind. Also, in keinster Weise repräsentativ, aber dennoch „eindrücklich“ wie die Süddeutsche (SZ) schreibt.
Zu den Ergebnissen: 42% der Schüler gefällt das Lernen im Internet über Videos und Erklärclips am besten. Der Schulunterricht war nur für 27 Prozent der Jugendlichen die Lernmethode der Wahl. Podcast hören im Übrigen nur 3%. Die Untersuchung liegt der SZ vorab vor.
In welchen Fächern mit digitalen Geräten unterrichtet wird: Naturwissenschaften (47%), Fremdsprachen (43), Gesellschaftskunde (42), Mathe (35), Deutsch (34).
„Man muss natürlich berücksichtigen, dass die befragten Jugendlichen relativ alt sind, bei Grundschülern dürften die Ergebnisse sicher anders ausfallen“, sagt IW-Forscherin Ruth Schüler. „Aber für uns war es frappierend festzustellen, wie digital die Lernrealität von Schülerinnen und Schülern bereits ist und wie wenig digital im Gegensatz dazu die Schulen bisher aufgestellt waren.“ Das zeigen die Daten der jüngsten Pisa-Studie aus dem Jahr 2018, die die IW-Autorinnen parallel auswerteten. Mehr als die Hälfte der damals befragten 15-Jährigen gab an, dass bei ihnen im Unterricht keine Notebooks oder Tablets eingesetzt würden. Am häufigsten werden digitale Geräte im Klassenzimmer noch in den Naturwissenschaften oder Fremdsprachen genutzt.
Interessant auch, dass Jungs und Mädels offenbar „anders“ lernen. Die SZ schreibt dazu: Tipps von Freunden sind zwar für Jungen wie für Mädchen gleichermaßen relevant; darüber hinaus berücksichtigen Mädchen aber häufiger Empfehlungen von Lehrkräften, während Jungen sich nach den Abrufzahlen eines Videos richten – getreu dem Motto: Was viel geklickt wurde, wird schon was taugen.
Nach dem vergangenen BLOG-Beitrag zum Thema „Digitales Lernen“ strömte es plötzlich in vielen anderen Medien. Auch Axel Plünnecke vom IW Köln hat sich jetzt gemeldet mit einem sehr spannenden Beitrag. Er schreibt: Das Statistische Bundesamt hat neue Zahlen veröffentlicht, die alte Probleme aufzeigen: Noch immer ist digitales Lernen an den Schulen in Deutschland die Ausnahme. Weitere Studien machen deutlich: Es fehlt an Kompetenzen der Lehrkräfte, oft gibt es nicht einmal WLAN für Schüler und Lehrer. Das Bildungssystem muss bei der Digitalisierung endlich seine Hausaufgaben machen.
Digitales Lernen ist nach der schrittweisen Wiedereröffnung der Schulen wichtiger denn je, um Bildung zu ermöglichen und der Gefahr einer zunehmenden Chancengleichheit an Schulen entgegenzuwirken.
Die Defizite im deutschen Bildungssystem sind allerdings nicht erst seit den heute veröffentlichten Zahlen bekannt. Auch die internationalen Vergleichsstudie „International Computer and Information Literacy Study“ (ICILS-2018) hat sich den Problemen gewidmet: Demnach landen deutsche Schüler bei den computer- und informationsbezogenen Kompetenzen nur im Mittelfeld und weit hinter dem Spitzenreiter Dänemark. Nur rund 23 Prozent der Lehrer, die Achtklässler unterrichten, setzen laut ICILS-2018 täglich digitale Medien im Unterricht ein. Deutschland liegt damit deutlich unter dem internationalen Mittelwert von rund 48 Prozent.
Nur etwa 26 Prozent der Schülerinnen und Schüler in der achten Klasse
besuchen eine Schule, in der sowohl für die Lehrkräfte als auch für die
Schülerinnen und Schüler ein WLAN-Zugang verfügbar ist – der
schlechteste Wert unter den teilnehmenden Ländern. Zum Vergleich: Der
EU-Schnitt liegt bei rund 68 Prozent, Dänemark erreicht sogar eine Quote
von 100 Prozent.
Nur selten digitale Geräte im Unterricht
Auch in der PISA-Erhebung aus dem Jahr 2018 wurden die Schülerinnen
und Schüler gefragt, wie häufig digitale Geräte in verschiedenen
Unterrichtsstunden eingesetzt werden. Demnach gaben rund 65 Prozent der
Schülerinnen und Schüler in Deutschland an, dass sowohl in Deutsch als
auch in Mathematik in einer typischen Schulwoche keine digitalen
Geräte zum Einsatz kommen. In den Naturwissenschaften werden sie etwas
häufiger eingesetzt. In Dänemark ergibt sich ein vollkommen anderes Bild
– der Einsatz digitaler Geräte war dort bereits vor der Coronakrise
Standard.
Die aktuellen Studien zeigen auch, dass nur ein geringer Teil der
Lehrkräfte an digitalisierungsbezogenen Fortbildungen teilnimmt und nur
sehr wenige Lehrer Unterrichtshospitationen zum Einsatz digitaler Medien
machen. Das Deutsche Schulportal hat im April dieses Jahres Lehrer
befragt – das Ergebnis: Esfehlt den Lehrern an Kompetenzen im Umgang mit
digitalen Lernformaten, aber auch an technischer Ausstattung.
Mehr Fort- und Weiterbildungen für Lehrer
Um die Digitalisierung an den Schulen voranzubringen, sollten Lehrer bei der Entwicklung von digitalen Lehr- und Lernkonzepten unterstützt werden. Digitales Lernen ist in der Ausbildung zu verankern. Fort- und Weiterbildungen sind deutlich auszuweiten. Die Ausstattung der Schulen mit digitalen Medien ist weiter zu verbessern: In allen Schulen sollten WLAN und digitale Endgeräte für Lehrkräfte und Schüler verfügbar sein. Außerdem fehlt zusätzliches IT-Personal für die IT-Administration – und schnelles Internet zuhause. Der Staat sollte hierzu zusätzliche Mittel über den Digitalpakt hinaus zur Verfügung stellen.
Kennen Sie Lehrer Schmidt?? Nein? Das ist eine Wissenslücke
NewsTausende Schüler lernen seit Wochen Mathe mit Herrn Schmidt, obwohl sie ihn nicht persönlich kennen. Mit und über YouTube. Schüler und Eltern sind begeistert und tatsächlich: die Videos machen wirklich Spaß und Freude. „Spaß und Freude“ in Mathe? Ja, sagt der Chronist, aber schauen Sie doch selbst! https://www.youtube.com/channel/UCy0FxMgGUlRnkxCoNZUNRQQ
Schüler lernen heute mit Youtube, das zeigt eine Studie des Rates für Kulturelle Bildung. Für den Oberschulrektor Kai Schmidt aus Niedersachsen ist das kein Problem. Schließlich ist er selbst einer der beliebtesten Mathelehrer auf der Plattform. Er ist überzeugt, dass er dadurch auch ein besserer Lehrer im Klassenzimmer geworden ist.
Lesen Sie ein exklusives SZ- Interview hier: https://www.sueddeutsche.de/bildung/lehrerschmidt-youtube-mathe-algebra-gleichungen-1.4474578
Schüler gefällt offenbar das Lernen auf Distanz
NewsFritz geht in die 9. Klasse einer Gesamtschule in Mönchengladbach und seit Corona war er wie alle anderen Kinder und Jugendlichen nicht mehr in der Schule. Auch nun, kurz vor den großen Sommerferien, ist er nur noch selten in der Schule. Stattdessen lernt er online: Onlinemeetings, Chats mit dem Lehrer über lo-net, Einzelarbeit, Hausaufgaben-Stellung und -Besprechung ebenfalls digital. Fritz gefällt das, zumal er neben dem Lernen zuhause auch viel Zeit seinem Hobby zu frönt und sich durch Gartenarbeit seit Taschengeld aufbessern kann.
Dieses neuartige Präsenz- und Distanzlernen ist für alle neu und die Einen kommen gut damit zu Recht und die Anderen etwas schlechter. Es gibt Lehrkräfte, die sind sehr digital-fitt und andere Lehrkräfte, die sind sehr unsicher in diesem Bereich und haben teilweise sogar Angst vor eigener Überforderung. Da sind dann auch Schulleiterinnen und Schulleiter Coach und Motivator zugleich. Aber, auch Schüler sind digital nicht weniger selten zu erreichen – aber das Thema haben wir an dieser Stelle auch schon thematisiert.
Nun gibt es aber eine interessante Schülerbefragung vom Institut der Deutschen Wirtschaft. Die Wissenschaftler befragten 2.000 Jugendliche, gefragt nach der besten Lernmethode. Die Schüler sind 17 Jahre jung und kommen überwiegend aus Gymnasien, weil sie Teilnehmer sind des Schülerfirmenprojekts „Junior“ sind. Also, in keinster Weise repräsentativ, aber dennoch „eindrücklich“ wie die Süddeutsche (SZ) schreibt.
Zu den Ergebnissen: 42% der Schüler gefällt das Lernen im Internet über Videos und Erklärclips am besten. Der Schulunterricht war nur für 27 Prozent der Jugendlichen die Lernmethode der Wahl. Podcast hören im Übrigen nur 3%. Die Untersuchung liegt der SZ vorab vor.
In welchen Fächern mit digitalen Geräten unterrichtet wird: Naturwissenschaften (47%), Fremdsprachen (43), Gesellschaftskunde (42), Mathe (35), Deutsch (34).
„Man muss natürlich berücksichtigen, dass die befragten Jugendlichen relativ alt sind, bei Grundschülern dürften die Ergebnisse sicher anders ausfallen“, sagt IW-Forscherin Ruth Schüler. „Aber für uns war es frappierend festzustellen, wie digital die Lernrealität von Schülerinnen und Schülern bereits ist und wie wenig digital im Gegensatz dazu die Schulen bisher aufgestellt waren.“ Das zeigen die Daten der jüngsten Pisa-Studie aus dem Jahr 2018, die die IW-Autorinnen parallel auswerteten. Mehr als die Hälfte der damals befragten 15-Jährigen gab an, dass bei ihnen im Unterricht keine Notebooks oder Tablets eingesetzt würden. Am häufigsten werden digitale Geräte im Klassenzimmer noch in den Naturwissenschaften oder Fremdsprachen genutzt.
Interessant auch, dass Jungs und Mädels offenbar „anders“ lernen. Die SZ schreibt dazu: Tipps von Freunden sind zwar für Jungen wie für Mädchen gleichermaßen relevant; darüber hinaus berücksichtigen Mädchen aber häufiger Empfehlungen von Lehrkräften, während Jungen sich nach den Abrufzahlen eines Videos richten – getreu dem Motto: Was viel geklickt wurde, wird schon was taugen.
Mehr Ergebnisse gibts hier https://www.sueddeutsche.de/bildung/schule-youtube-lernvideos-1.4937698
Digitales Lernen (Teil 2)
NewsNach dem vergangenen BLOG-Beitrag zum Thema „Digitales Lernen“ strömte es plötzlich in vielen anderen Medien. Auch Axel Plünnecke vom IW Köln hat sich jetzt gemeldet mit einem sehr spannenden Beitrag. Er schreibt: Das Statistische Bundesamt hat neue Zahlen veröffentlicht, die alte Probleme aufzeigen: Noch immer ist digitales Lernen an den Schulen in Deutschland die Ausnahme. Weitere Studien machen deutlich: Es fehlt an Kompetenzen der Lehrkräfte, oft gibt es nicht einmal WLAN für Schüler und Lehrer. Das Bildungssystem muss bei der Digitalisierung endlich seine Hausaufgaben machen.
Digitales Lernen ist nach der schrittweisen Wiedereröffnung der Schulen wichtiger denn je, um Bildung zu ermöglichen und der Gefahr einer zunehmenden Chancengleichheit an Schulen entgegenzuwirken.
Die Defizite im deutschen Bildungssystem sind allerdings nicht erst seit den heute veröffentlichten Zahlen bekannt. Auch die internationalen Vergleichsstudie „International Computer and Information Literacy Study“ (ICILS-2018) hat sich den Problemen gewidmet: Demnach landen deutsche Schüler bei den computer- und informationsbezogenen Kompetenzen nur im Mittelfeld und weit hinter dem Spitzenreiter Dänemark. Nur rund 23 Prozent der Lehrer, die Achtklässler unterrichten, setzen laut ICILS-2018 täglich digitale Medien im Unterricht ein. Deutschland liegt damit deutlich unter dem internationalen Mittelwert von rund 48 Prozent.
Nur etwa 26 Prozent der Schülerinnen und Schüler in der achten Klasse besuchen eine Schule, in der sowohl für die Lehrkräfte als auch für die Schülerinnen und Schüler ein WLAN-Zugang verfügbar ist – der schlechteste Wert unter den teilnehmenden Ländern. Zum Vergleich: Der EU-Schnitt liegt bei rund 68 Prozent, Dänemark erreicht sogar eine Quote von 100 Prozent.
Nur selten digitale Geräte im Unterricht
Auch in der PISA-Erhebung aus dem Jahr 2018 wurden die Schülerinnen und Schüler gefragt, wie häufig digitale Geräte in verschiedenen Unterrichtsstunden eingesetzt werden. Demnach gaben rund 65 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Deutschland an, dass sowohl in Deutsch als auch in Mathematik in einer typischen Schulwoche keine digitalen Geräte zum Einsatz kommen. In den Naturwissenschaften werden sie etwas häufiger eingesetzt. In Dänemark ergibt sich ein vollkommen anderes Bild – der Einsatz digitaler Geräte war dort bereits vor der Coronakrise Standard.
Die aktuellen Studien zeigen auch, dass nur ein geringer Teil der Lehrkräfte an digitalisierungsbezogenen Fortbildungen teilnimmt und nur sehr wenige Lehrer Unterrichtshospitationen zum Einsatz digitaler Medien machen. Das Deutsche Schulportal hat im April dieses Jahres Lehrer befragt – das Ergebnis: Esfehlt den Lehrern an Kompetenzen im Umgang mit digitalen Lernformaten, aber auch an technischer Ausstattung.
Mehr Fort- und Weiterbildungen für Lehrer
Um die Digitalisierung an den Schulen voranzubringen, sollten Lehrer bei der Entwicklung von digitalen Lehr- und Lernkonzepten unterstützt werden. Digitales Lernen ist in der Ausbildung zu verankern. Fort- und Weiterbildungen sind deutlich auszuweiten. Die Ausstattung der Schulen mit digitalen Medien ist weiter zu verbessern: In allen Schulen sollten WLAN und digitale Endgeräte für Lehrkräfte und Schüler verfügbar sein. Außerdem fehlt zusätzliches IT-Personal für die IT-Administration – und schnelles Internet zuhause. Der Staat sollte hierzu zusätzliche Mittel über den Digitalpakt hinaus zur Verfügung stellen.
Quelle: IW Köln