Was bedeutet KI eigentlich für meine eigene Zukunft im Beruf?

Diese Frage beschäftigt derzeit viele Menschen. Vielleicht sogar mehr als jede andere Frage rund um Künstliche Intelligenz.

Vor einigen Tagen laß ich einen Kommentar meines Bildungs- Kollegen Josef Buschbacher aus einem Workshop zum Thema KI und Zukunft der Arbeit. Es wurde diskutiert, analysiert, prognostiziert. Wie werden sich Berufe verändern? Welche Branchen werden besonders betroffen sein? Welche Fähigkeiten werden künftig gefragt sein?

Doch manchmal bleibt am Ende eines Tages nicht die große Theorie hängen, sondern ein einziger Gedanke.

Ein Gedanke, der alles auf den Punkt bringt.

Als die Diskussion vielleicht wieder einmal in Richtung „Welche Jobs wird KI ersetzen?“ ging, stellte Josef eine Gegenfrage:

„Was bedeutet das eigentlich für meine eigene Beschäftigungsfähigkeit?“

Seine Antwort darauf war bemerkenswert klar.

Er sagte sinngemäß:

Wir sollten weniger über Jobs sprechen und viel mehr über Tätigkeiten.

Denn ein kompletter Beruf verschwindet selten über Nacht. Was sich verändert, sind die einzelnen Aufgaben, aus denen ein Beruf besteht.

Dieser Perspektivwechsel hat bei mir etwas ausgelöst.

Statt über abstrakte Zukunftsszenarien nachzudenken, richtet sich der Blick plötzlich auf den eigenen Arbeitsalltag.

Josef schlug eine einfache Übung vor:

Schreibe die 20 wichtigsten Tätigkeiten deiner Rolle auf und ordne sie drei Kategorien zu.

Automatisierbar.
Alles, was wiederholbar, regelbasiert, digital und mit überschaubarem Risiko verbunden ist.

Augmentierbar.
Aufgaben, bei denen KI unterstützen, vorbereiten, analysieren oder beschleunigen kann – während der Mensch weiterhin prüft, entscheidet und Verantwortung trägt. (PS: „augmentierbar“ bedeutet bezogen auf KI: Ein System ist augmentierbar, wenn seine Fähigkeiten durch zusätzliche Daten, Werkzeuge oder Module erweitert werden können.)

Menschlich differenzierend.
Beziehungsgestaltung. Vertrauen. Kreativität. Strategie. Konfliktlösung. Empathie. Kontextverständnis. Genau die Dinge also, die Menschen nicht nur erledigen, sondern verkörpern.

Je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr erkannte ich, wie treffend dieser Ansatz ist.

In meinem eigenen Arbeitsumfeld sehe ich bereits heute, wie KI viele Aufgaben schneller und effizienter macht. Recherchen dauern deutlich kürzer (auch wenn man alle Aussagen überprüfen sollte). Texte entstehen schneller. Analysen werden unterstützt. Prozesse werden vereinfacht.

Und trotzdem wird gleichzeitig etwas anderes immer wichtiger:

Menschen, die Orientierung geben.

Menschen, die Verantwortung übernehmen.

Menschen, die unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen.

Menschen, die Vertrauen schaffen.

Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft hinter der KI-Debatte.

Nicht die Frage, welche Arbeit verschwindet.

Sondern die Frage, welche Arbeit an Bedeutung gewinnt.

Deshalb nehme ich aus diesem Workshop vor allem drei Gedanken mit:

➡️ Was automatisierbar ist, sollten wir verstehen und – wenn möglich – selbst automatisieren lernen.

➡️ Was augmentierbar ist, sollten wir mithilfe von KI besser, schneller und wirkungsvoller machen.

➡️ Was uns als Menschen einzigartig macht, sollten wir bewusst stärken und weiterentwickeln.

Die entscheidende Frage lautet daher aus meiner Sicht nicht:

„Ist mein Job sicher?“

Sondern:

„Welche Teile meiner Arbeit übernimmt die Technologie – und welche machen mich als Menschen künftig noch wertvoller?“

Diese Perspektive verändert alles.

Sie nimmt der Diskussion die Angst und gibt ihr eine Richtung.

Vielen Dank an Josef Buschbacher für diesen starken Denkanstoß. Er erinnert uns daran, dass Zukunft nicht einfach geschieht. Zukunft wird von Menschen gestaltet, die bereit sind zu lernen, Verantwortung zu übernehmen und Veränderung aktiv mitzugestalten.

Wie würdet ihr eure eigenen Aufgaben einordnen? Was ist bei euch automatisierbar, was augmentierbar – und was bleibt zutiefst menschlich?

Deutschland steht vor einem stillen Alarmzustand! Die neue Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026“ zeigt: Immer mehr junge Menschen fühlen sich überfordert, ausgebrannt und ohne echte Perspektive. Krieg, Inflation, Wohnungsnot, steigende Schulden und Zukunftsängste setzen der jungen Generation massiv zu.

Besonders dramatisch: Fast jede dritte junge Person gibt an, psychologische Unterstützung zu benötigen. Bei jungen Frauen liegt der Wert sogar bei 34 Prozent. Gleichzeitig verbringen viele Jugendliche so viel Zeit am Smartphone, dass Experten bereits von suchtähnlichem Verhalten sprechen.

Trotz allem bleibt die Leistungsbereitschaft hoch. Junge Menschen wollen arbeiten, Verantwortung übernehmen und sich etwas aufbauen. Doch immer mehr fragen sich: Lohnt sich Leistung in Deutschland überhaupt noch?

Vor allem die Angst vor wirtschaftlicher Unsicherheit wächst. Viele junge Menschen setzen deshalb inzwischen lieber auf eine berufliche Ausbildung statt auf ein Studium. Praxisnahe Berufe und sichere Perspektiven gewinnen an Bedeutung.

Doch die Sorgen bleiben: Hohe Mieten, fehlender Wohnraum und finanzielle Belastungen treiben viele an ihre Grenzen. Jeder fünfte junge Mensch plant sogar konkret, Deutschland zu verlassen. Insgesamt können sich 41 Prozent vorstellen, im Ausland ein besseres Leben zu suchen.

Auch politisch wird die Lage brisanter. Die Studie zeigt eine zunehmende Spaltung zwischen jungen Frauen und jungen Männern. Während sich viele junge Frauen stärker linken Parteien zuwenden, gewinnt die AfD besonders bei jungen Männern an Zustimmung. Die politische Polarisierung unter jungen Menschen nimmt deutlich zu.

Die Botschaft der Studie ist klar: Die junge Generation fühlt sich mit ihren Sorgen und Zukunftsfragen zu oft allein gelassen. Gleichzeitig wächst der Wunsch nach echter Beteiligung, mehr Vertrauen und klaren Zukunftsperspektiven.

Wir sprechen darüber – im Ausbilderkreis

Diese Entwicklungen betreffen nicht nur Politik und Gesellschaft, sondern auch Unternehmen, Ausbilderinnen und Ausbilder sowie die gesamte Arbeitswelt. Deshalb werden wir dieses wichtige Thema in unserem Netzwerk im „Ausbilderkreis“ aufgreifen und dazu einen Online-Talk organisieren.

Gemeinsam wollen wir darüber sprechen:

  • Wie tickt die junge Generation wirklich?
  • Was erwarten junge Menschen heute von Ausbildung und Arbeit?
  • Wie können Unternehmen Sicherheit, Orientierung und Perspektiven bieten?
  • Und was bedeutet die Entwicklung für die Zukunft des Arbeitsmarktes?

Weitere Informationen und Termine zum Online-Talk folgen in Kürze unter www.derausbilderkreis.info

Die Trendstudie wird vom Datajockey Verlag (Kempten) unter der Leitung des Jugendforschers Simon Schnetzer herausgegeben und fachlich von Dr. Kilian Hampel, Prof. Dr. Nina Kolleck und Prof. Dr. Klaus Hurrelmann begleitet. Der Verlag finanziert die Durchführung der Studie durch den Studienverkauf. Link zur Studie: bitte hier klicken!

Früher hieß es: Kinder kommen, wenn die Umstände stimmen. Heute scheint es eher zu heißen: Kinder kommen, wenn das WLAN stabil ist. Eine neue Studie des IFO-Institut legt nahe, dass schon ein einziger Homeoffice-Tag pro Woche die Geburtenrate messbar anhebt. Vierzehn Prozent mehr Nachwuchs – das ist keine Kleinigkeit, sondern fast schon eine stille demografische Revolution zwischen Laptopständer und Espressomaschine.

Man könnte versucht sein, daraus eine einfache Gleichung zu basteln: weniger Pendeln = mehr Zeit = mehr Kinder. Doch so schlicht ist es natürlich nicht. Homeoffice ist ja nicht nur gewonnene Zeit, sondern auch gewonnene Nähe. Wer sich nicht mehr morgens im Türrahmen mit einem „Bis später“ verabschiedet, sondern sich mittags beim Aufwärmen der Reste wieder begegnet, lebt anders. Vielleicht auch verbindlicher. Vielleicht auch spontaner. Und offenbar: fruchtbarer.

Besonders spannend ist der Befund, dass der Effekt am größten ist, wenn beide Partner im Homeoffice arbeiten. Man könnte  sagen: Wenn sich zwei Menschen dauerhaft in Jogginghosen begegnen, entsteht entweder ein Konflikt – oder ein Kind. Offenbar entscheidet sich ein nicht unerheblicher Teil für Letzteres.

Für die Bildungsdebatte ist das mehr als eine Kuriosität. Denn es zeigt, wie sehr Lebensmodelle von Arbeitsstrukturen abhängen. Familienplanung war lange etwas, das „nebenbei“ organisiert werden musste – zwischen Karriere, Kita-Plätzen und Feierabendverkehr. Homeoffice verschiebt diese Logik. Es macht Vereinbarkeit nicht perfekt, aber greifbarer. Und vielleicht auch ein kleines bisschen attraktiver.

Natürlich sollte man vorsichtig sein, aus Korrelation gleich Kausalität zu machen. Nicht jedes zusätzliche Kind ist das direkte Produkt eines gut getimten Zoom-Meetings. Aber die Richtung ist bemerkenswert: Wo Arbeit flexibler wird, wird offenbar auch das Leben gestaltbarer.

Am Ende bleibt eine leise Pointe: Jahrzehntelang suchte man nach großen politischen Hebeln, um die Geburtenrate zu steigern. Dabei saß die Lösung womöglich die ganze Zeit am Küchentisch – und wartete darauf, dass jemand „Meeting verlassen“ klickt.

Hier geht es zur Studie des IFO-Instituts!