Der deutsche Arbeitsmarkt steht vor einem tiefgreifenden Wandel – und die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Seit 2024 wird das Beschäftigungswachstum ausschließlich von ausländischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern getragen. Während immer mehr Deutsche altersbedingt aus dem Berufsleben ausscheiden, sorgen Arbeits- und Fachkräfte aus dem Ausland dafür, dass Unternehmen überhaupt noch genügend Personal finden.
Der Grund dafür ist der demografische Wandel. Die Babyboomer verabschieden sich nach und nach in den Ruhestand, gleichzeitig rücken deutlich weniger junge Menschen nach. Das verändert den Arbeitsmarkt nachhaltig. Innerhalb von zehn Jahren ist die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter mit deutscher Staatsangehörigkeit um rund 3,9 Millionen gesunken. Gleichzeitig wuchs die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter mit ausländischer Staatsangehörigkeit um etwa 3,4 Millionen. Ohne Zuwanderung wäre das Arbeitskräftepotenzial in Deutschland bereits heute deutlich kleiner.
Besonders sichtbar wird dieser Trend bei der Beschäftigung. Zwischen 2014 und Mitte 2025 entfielen 43 Prozent des Beschäftigungswachstums auf Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus Drittstaaten. Weitere 26 Prozent kamen aus den Mitgliedstaaten des Europäischen Wirtschaftsraums und der Schweiz. Deutsche Beschäftigte trugen nur noch rund ein Drittel zum Beschäftigungsaufbau bei.
Seit dem vergangenen Jahr hat sich die Entwicklung weiter zugespitzt: Neue Jobs entstehen praktisch nur noch durch ausländische Beschäftigte. Die Zahl der deutschen Erwerbstätigen stagniert oder geht aufgrund der Altersstruktur sogar zurück.
Nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit zeigt sich darin vor allem eines: Deutschland ist zunehmend auf Erwerbsmigration angewiesen. „Die Demografie verändert den Arbeitsmarkt. Die Zahl der deutschen und EU-Beschäftigten sinkt bereits. Vor allem Beschäftigte aus Drittstaaten stabilisieren den Arbeitskräftebedarf der Unternehmen“, betont BA-Vorständin Vanessa Ahuja.
Eine wichtige Rolle spielen dabei auch Geflüchtete. Ihre Integration in den Arbeitsmarkt schreitet spürbar voran. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus den wichtigsten Herkunftsländern von Geflüchteten hat sich innerhalb der vergangenen fünf Jahre mehr als verdoppelt. Für die Bundesagentur ist das nicht nur ein Erfolg der Integrationspolitik, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Sicherung von Fachkräften und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Gleichzeitig steigt die Erwerbsbeteiligung insgesamt. Sowohl Deutsche als auch ausländische Staatsangehörige arbeiten heute häufiger als noch vor einigen Jahren. Allerdings konzentrieren sich die Beschäftigungszuwächse bei deutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zunehmend auf ältere Jahrgänge. Die jüngeren Generationen werden dagegen immer stärker durch Zuwanderung geprägt.
Auch in den Unternehmen macht sich diese Entwicklung bemerkbar. Während deutsche Beschäftigte vor allem in hochqualifizierten Berufen zulegen, schließen ausländische Fach- und Arbeitskräfte zunehmend Lücken bei Fachkräften und Helfertätigkeiten. In sogenannten Engpassberufen hat sich ihr Anteil seit 2014 sogar von sieben auf rund 14 Prozent verdoppelt.
Regional zeigen sich deutliche Unterschiede. In Westdeutschland tragen deutsche und ausländische Beschäftigte gemeinsam zum Beschäftigungsaufbau bei. In vielen ostdeutschen Regionen dagegen wären steigende Beschäftigungszahlen ohne internationale Arbeitskräfte kaum noch möglich. Dort federt Zuwanderung die Folgen des demografischen Wandels besonders stark ab.
Zwar hat die schwache Konjunktur das Beschäftigungswachstum zuletzt gebremst, insbesondere in der Industrie. An der grundsätzlichen Entwicklung ändert das jedoch wenig. Der demografische Wandel bleibt die zentrale Herausforderung des deutschen Arbeitsmarktes – und Zuwanderung entwickelt sich immer mehr zu einem entscheidenden Faktor für Wachstum, Wohlstand und die Sicherung von Fachkräften.
https://kompetenzzentrum-duesseldorf.de/wp-content/uploads/2019/04/Logo-1030x312.png00Christoph Socharthttps://kompetenzzentrum-duesseldorf.de/wp-content/uploads/2019/04/Logo-1030x312.pngChristoph Sochart2026-07-14 13:10:342026-07-14 13:10:34Ohne Zuwanderung geht dem Arbeitsmarkt die Luft aus
Was bedeutet KI eigentlich für meine eigene Zukunft im Beruf?
Diese Frage beschäftigt derzeit viele Menschen. Vielleicht sogar mehr als jede andere Frage rund um Künstliche Intelligenz.
Vor einigen Tagen laß ich einen Kommentar meines Bildungs- Kollegen Josef Buschbacher aus einem Workshop zum Thema KI und Zukunft der Arbeit. Es wurde diskutiert, analysiert, prognostiziert. Wie werden sich Berufe verändern? Welche Branchen werden besonders betroffen sein? Welche Fähigkeiten werden künftig gefragt sein?
Doch manchmal bleibt am Ende eines Tages nicht die große Theorie hängen, sondern ein einziger Gedanke.
Ein Gedanke, der alles auf den Punkt bringt.
Als die Diskussion vielleicht wieder einmal in Richtung „Welche Jobs wird KI ersetzen?“ ging, stellte Josef eine Gegenfrage:
„Was bedeutet das eigentlich für meine eigene Beschäftigungsfähigkeit?“
Seine Antwort darauf war bemerkenswert klar.
Er sagte sinngemäß:
Wir sollten weniger über Jobs sprechen und viel mehr über Tätigkeiten.
Denn ein kompletter Beruf verschwindet selten über Nacht. Was sich verändert, sind die einzelnen Aufgaben, aus denen ein Beruf besteht.
Dieser Perspektivwechsel hat bei mir etwas ausgelöst.
Statt über abstrakte Zukunftsszenarien nachzudenken, richtet sich der Blick plötzlich auf den eigenen Arbeitsalltag.
Josef schlug eine einfache Übung vor:
Schreibe die 20 wichtigsten Tätigkeiten deiner Rolle auf und ordne sie drei Kategorien zu.
Automatisierbar. Alles, was wiederholbar, regelbasiert, digital und mit überschaubarem Risiko verbunden ist.
Augmentierbar. Aufgaben, bei denen KI unterstützen, vorbereiten, analysieren oder beschleunigen kann – während der Mensch weiterhin prüft, entscheidet und Verantwortung trägt. (PS: „augmentierbar“ bedeutet bezogen auf KI: Ein System ist augmentierbar, wenn seine Fähigkeiten durch zusätzliche Daten, Werkzeuge oder Module erweitert werden können.)
Menschlich differenzierend. Beziehungsgestaltung. Vertrauen. Kreativität. Strategie. Konfliktlösung. Empathie. Kontextverständnis. Genau die Dinge also, die Menschen nicht nur erledigen, sondern verkörpern.
Je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr erkannte ich, wie treffend dieser Ansatz ist.
In meinem eigenen Arbeitsumfeld sehe ich bereits heute, wie KI viele Aufgaben schneller und effizienter macht. Recherchen dauern deutlich kürzer (auch wenn man alle Aussagen überprüfen sollte). Texte entstehen schneller. Analysen werden unterstützt. Prozesse werden vereinfacht.
Und trotzdem wird gleichzeitig etwas anderes immer wichtiger:
Menschen, die Orientierung geben.
Menschen, die Verantwortung übernehmen.
Menschen, die unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen.
Menschen, die Vertrauen schaffen.
Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft hinter der KI-Debatte.
Nicht die Frage, welche Arbeit verschwindet.
Sondern die Frage, welche Arbeit an Bedeutung gewinnt.
Deshalb nehme ich aus diesem Workshop vor allem drei Gedanken mit:
➡️ Was automatisierbar ist, sollten wir verstehen und – wenn möglich – selbst automatisieren lernen.
➡️ Was augmentierbar ist, sollten wir mithilfe von KI besser, schneller und wirkungsvoller machen.
➡️ Was uns als Menschen einzigartig macht, sollten wir bewusst stärken und weiterentwickeln.
Die entscheidende Frage lautet daher aus meiner Sicht nicht:
„Ist mein Job sicher?“
Sondern:
„Welche Teile meiner Arbeit übernimmt die Technologie – und welche machen mich als Menschen künftig noch wertvoller?“
Diese Perspektive verändert alles.
Sie nimmt der Diskussion die Angst und gibt ihr eine Richtung.
Vielen Dank an Josef Buschbacher für diesen starken Denkanstoß. Er erinnert uns daran, dass Zukunft nicht einfach geschieht. Zukunft wird von Menschen gestaltet, die bereit sind zu lernen, Verantwortung zu übernehmen und Veränderung aktiv mitzugestalten.
Wie würdet ihr eure eigenen Aufgaben einordnen? Was ist bei euch automatisierbar, was augmentierbar – und was bleibt zutiefst menschlich?
https://kompetenzzentrum-duesseldorf.de/wp-content/uploads/2019/04/Logo-1030x312.png00Christoph Socharthttps://kompetenzzentrum-duesseldorf.de/wp-content/uploads/2019/04/Logo-1030x312.pngChristoph Sochart2026-06-22 13:30:112026-06-22 13:30:11Was bedeutet KI eigentlich für meine eigene Zukunft im Beruf?
Deutschland steht vor einem stillen Alarmzustand! Die neue Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026“ zeigt: Immer mehr junge Menschen fühlen sich überfordert, ausgebrannt und ohne echte Perspektive. Krieg, Inflation, Wohnungsnot, steigende Schulden und Zukunftsängste setzen der jungen Generation massiv zu.
Besonders dramatisch: Fast jede dritte junge Person gibt an, psychologische Unterstützung zu benötigen. Bei jungen Frauen liegt der Wert sogar bei 34 Prozent. Gleichzeitig verbringen viele Jugendliche so viel Zeit am Smartphone, dass Experten bereits von suchtähnlichem Verhalten sprechen.
Trotz allem bleibt die Leistungsbereitschaft hoch. Junge Menschen wollen arbeiten, Verantwortung übernehmen und sich etwas aufbauen. Doch immer mehr fragen sich: Lohnt sich Leistung in Deutschland überhaupt noch?
Vor allem die Angst vor wirtschaftlicher Unsicherheit wächst. Viele junge Menschen setzen deshalb inzwischen lieber auf eine berufliche Ausbildung statt auf ein Studium. Praxisnahe Berufe und sichere Perspektiven gewinnen an Bedeutung.
Doch die Sorgen bleiben: Hohe Mieten, fehlender Wohnraum und finanzielle Belastungen treiben viele an ihre Grenzen. Jeder fünfte junge Mensch plant sogar konkret, Deutschland zu verlassen. Insgesamt können sich 41 Prozent vorstellen, im Ausland ein besseres Leben zu suchen.
Auch politisch wird die Lage brisanter. Die Studie zeigt eine zunehmende Spaltung zwischen jungen Frauen und jungen Männern. Während sich viele junge Frauen stärker linken Parteien zuwenden, gewinnt die AfD besonders bei jungen Männern an Zustimmung. Die politische Polarisierung unter jungen Menschen nimmt deutlich zu.
Die Botschaft der Studie ist klar: Die junge Generation fühlt sich mit ihren Sorgen und Zukunftsfragen zu oft allein gelassen. Gleichzeitig wächst der Wunsch nach echter Beteiligung, mehr Vertrauen und klaren Zukunftsperspektiven.
Wir sprechen darüber – im Ausbilderkreis
Diese Entwicklungen betreffen nicht nur Politik und Gesellschaft, sondern auch Unternehmen, Ausbilderinnen und Ausbilder sowie die gesamte Arbeitswelt. Deshalb werden wir dieses wichtige Thema in unserem Netzwerk im „Ausbilderkreis“ aufgreifen und dazu einen Online-Talk organisieren.
Gemeinsam wollen wir darüber sprechen:
Wie tickt die junge Generation wirklich?
Was erwarten junge Menschen heute von Ausbildung und Arbeit?
Wie können Unternehmen Sicherheit, Orientierung und Perspektiven bieten?
Und was bedeutet die Entwicklung für die Zukunft des Arbeitsmarktes?
Die Trendstudie wird vom Datajockey Verlag (Kempten) unter der Leitung des Jugendforschers Simon Schnetzer herausgegeben und fachlich von Dr. Kilian Hampel, Prof. Dr. Nina Kolleck und Prof. Dr. Klaus Hurrelmann begleitet. Der Verlag finanziert die Durchführung der Studie durch den Studienverkauf. Link zur Studie: bitte hier klicken!
Ohne Zuwanderung geht dem Arbeitsmarkt die Luft aus
NewsDer deutsche Arbeitsmarkt steht vor einem tiefgreifenden Wandel – und die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Seit 2024 wird das Beschäftigungswachstum ausschließlich von ausländischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern getragen. Während immer mehr Deutsche altersbedingt aus dem Berufsleben ausscheiden, sorgen Arbeits- und Fachkräfte aus dem Ausland dafür, dass Unternehmen überhaupt noch genügend Personal finden.
Der Grund dafür ist der demografische Wandel. Die Babyboomer verabschieden sich nach und nach in den Ruhestand, gleichzeitig rücken deutlich weniger junge Menschen nach. Das verändert den Arbeitsmarkt nachhaltig. Innerhalb von zehn Jahren ist die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter mit deutscher Staatsangehörigkeit um rund 3,9 Millionen gesunken. Gleichzeitig wuchs die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter mit ausländischer Staatsangehörigkeit um etwa 3,4 Millionen. Ohne Zuwanderung wäre das Arbeitskräftepotenzial in Deutschland bereits heute deutlich kleiner.
Besonders sichtbar wird dieser Trend bei der Beschäftigung. Zwischen 2014 und Mitte 2025 entfielen 43 Prozent des Beschäftigungswachstums auf Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus Drittstaaten. Weitere 26 Prozent kamen aus den Mitgliedstaaten des Europäischen Wirtschaftsraums und der Schweiz. Deutsche Beschäftigte trugen nur noch rund ein Drittel zum Beschäftigungsaufbau bei.
Seit dem vergangenen Jahr hat sich die Entwicklung weiter zugespitzt: Neue Jobs entstehen praktisch nur noch durch ausländische Beschäftigte. Die Zahl der deutschen Erwerbstätigen stagniert oder geht aufgrund der Altersstruktur sogar zurück.
Nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit zeigt sich darin vor allem eines: Deutschland ist zunehmend auf Erwerbsmigration angewiesen. „Die Demografie verändert den Arbeitsmarkt. Die Zahl der deutschen und EU-Beschäftigten sinkt bereits. Vor allem Beschäftigte aus Drittstaaten stabilisieren den Arbeitskräftebedarf der Unternehmen“, betont BA-Vorständin Vanessa Ahuja.
Eine wichtige Rolle spielen dabei auch Geflüchtete. Ihre Integration in den Arbeitsmarkt schreitet spürbar voran. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus den wichtigsten Herkunftsländern von Geflüchteten hat sich innerhalb der vergangenen fünf Jahre mehr als verdoppelt. Für die Bundesagentur ist das nicht nur ein Erfolg der Integrationspolitik, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Sicherung von Fachkräften und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Gleichzeitig steigt die Erwerbsbeteiligung insgesamt. Sowohl Deutsche als auch ausländische Staatsangehörige arbeiten heute häufiger als noch vor einigen Jahren. Allerdings konzentrieren sich die Beschäftigungszuwächse bei deutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zunehmend auf ältere Jahrgänge. Die jüngeren Generationen werden dagegen immer stärker durch Zuwanderung geprägt.
Auch in den Unternehmen macht sich diese Entwicklung bemerkbar. Während deutsche Beschäftigte vor allem in hochqualifizierten Berufen zulegen, schließen ausländische Fach- und Arbeitskräfte zunehmend Lücken bei Fachkräften und Helfertätigkeiten. In sogenannten Engpassberufen hat sich ihr Anteil seit 2014 sogar von sieben auf rund 14 Prozent verdoppelt.
Regional zeigen sich deutliche Unterschiede. In Westdeutschland tragen deutsche und ausländische Beschäftigte gemeinsam zum Beschäftigungsaufbau bei. In vielen ostdeutschen Regionen dagegen wären steigende Beschäftigungszahlen ohne internationale Arbeitskräfte kaum noch möglich. Dort federt Zuwanderung die Folgen des demografischen Wandels besonders stark ab.
Zwar hat die schwache Konjunktur das Beschäftigungswachstum zuletzt gebremst, insbesondere in der Industrie. An der grundsätzlichen Entwicklung ändert das jedoch wenig. Der demografische Wandel bleibt die zentrale Herausforderung des deutschen Arbeitsmarktes – und Zuwanderung entwickelt sich immer mehr zu einem entscheidenden Faktor für Wachstum, Wohlstand und die Sicherung von Fachkräften.
Was bedeutet KI eigentlich für meine eigene Zukunft im Beruf?
NewsWas bedeutet KI eigentlich für meine eigene Zukunft im Beruf?
Diese Frage beschäftigt derzeit viele Menschen. Vielleicht sogar mehr als jede andere Frage rund um Künstliche Intelligenz.
Vor einigen Tagen laß ich einen Kommentar meines Bildungs- Kollegen Josef Buschbacher aus einem Workshop zum Thema KI und Zukunft der Arbeit. Es wurde diskutiert, analysiert, prognostiziert. Wie werden sich Berufe verändern? Welche Branchen werden besonders betroffen sein? Welche Fähigkeiten werden künftig gefragt sein?
Doch manchmal bleibt am Ende eines Tages nicht die große Theorie hängen, sondern ein einziger Gedanke.
Ein Gedanke, der alles auf den Punkt bringt.
Als die Diskussion vielleicht wieder einmal in Richtung „Welche Jobs wird KI ersetzen?“ ging, stellte Josef eine Gegenfrage:
„Was bedeutet das eigentlich für meine eigene Beschäftigungsfähigkeit?“
Seine Antwort darauf war bemerkenswert klar.
Er sagte sinngemäß:
Wir sollten weniger über Jobs sprechen und viel mehr über Tätigkeiten.
Denn ein kompletter Beruf verschwindet selten über Nacht. Was sich verändert, sind die einzelnen Aufgaben, aus denen ein Beruf besteht.
Dieser Perspektivwechsel hat bei mir etwas ausgelöst.
Statt über abstrakte Zukunftsszenarien nachzudenken, richtet sich der Blick plötzlich auf den eigenen Arbeitsalltag.
Josef schlug eine einfache Übung vor:
Schreibe die 20 wichtigsten Tätigkeiten deiner Rolle auf und ordne sie drei Kategorien zu.
Automatisierbar.
Alles, was wiederholbar, regelbasiert, digital und mit überschaubarem Risiko verbunden ist.
Augmentierbar.
Aufgaben, bei denen KI unterstützen, vorbereiten, analysieren oder beschleunigen kann – während der Mensch weiterhin prüft, entscheidet und Verantwortung trägt. (PS: „augmentierbar“ bedeutet bezogen auf KI: Ein System ist augmentierbar, wenn seine Fähigkeiten durch zusätzliche Daten, Werkzeuge oder Module erweitert werden können.)
Menschlich differenzierend.
Beziehungsgestaltung. Vertrauen. Kreativität. Strategie. Konfliktlösung. Empathie. Kontextverständnis. Genau die Dinge also, die Menschen nicht nur erledigen, sondern verkörpern.
Je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr erkannte ich, wie treffend dieser Ansatz ist.
In meinem eigenen Arbeitsumfeld sehe ich bereits heute, wie KI viele Aufgaben schneller und effizienter macht. Recherchen dauern deutlich kürzer (auch wenn man alle Aussagen überprüfen sollte). Texte entstehen schneller. Analysen werden unterstützt. Prozesse werden vereinfacht.
Und trotzdem wird gleichzeitig etwas anderes immer wichtiger:
Menschen, die Orientierung geben.
Menschen, die Verantwortung übernehmen.
Menschen, die unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen.
Menschen, die Vertrauen schaffen.
Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft hinter der KI-Debatte.
Nicht die Frage, welche Arbeit verschwindet.
Sondern die Frage, welche Arbeit an Bedeutung gewinnt.
Deshalb nehme ich aus diesem Workshop vor allem drei Gedanken mit:
➡️ Was automatisierbar ist, sollten wir verstehen und – wenn möglich – selbst automatisieren lernen.
➡️ Was augmentierbar ist, sollten wir mithilfe von KI besser, schneller und wirkungsvoller machen.
➡️ Was uns als Menschen einzigartig macht, sollten wir bewusst stärken und weiterentwickeln.
Die entscheidende Frage lautet daher aus meiner Sicht nicht:
„Ist mein Job sicher?“
Sondern:
„Welche Teile meiner Arbeit übernimmt die Technologie – und welche machen mich als Menschen künftig noch wertvoller?“
Diese Perspektive verändert alles.
Sie nimmt der Diskussion die Angst und gibt ihr eine Richtung.
Vielen Dank an Josef Buschbacher für diesen starken Denkanstoß. Er erinnert uns daran, dass Zukunft nicht einfach geschieht. Zukunft wird von Menschen gestaltet, die bereit sind zu lernen, Verantwortung zu übernehmen und Veränderung aktiv mitzugestalten.
Wie würdet ihr eure eigenen Aufgaben einordnen? Was ist bei euch automatisierbar, was augmentierbar – und was bleibt zutiefst menschlich?
JUGEND-STUDIE 2026 SCHLÄGT ALARM!
NewsDeutschland steht vor einem stillen Alarmzustand! Die neue Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026“ zeigt: Immer mehr junge Menschen fühlen sich überfordert, ausgebrannt und ohne echte Perspektive. Krieg, Inflation, Wohnungsnot, steigende Schulden und Zukunftsängste setzen der jungen Generation massiv zu.
Besonders dramatisch: Fast jede dritte junge Person gibt an, psychologische Unterstützung zu benötigen. Bei jungen Frauen liegt der Wert sogar bei 34 Prozent. Gleichzeitig verbringen viele Jugendliche so viel Zeit am Smartphone, dass Experten bereits von suchtähnlichem Verhalten sprechen.
Trotz allem bleibt die Leistungsbereitschaft hoch. Junge Menschen wollen arbeiten, Verantwortung übernehmen und sich etwas aufbauen. Doch immer mehr fragen sich: Lohnt sich Leistung in Deutschland überhaupt noch?
Vor allem die Angst vor wirtschaftlicher Unsicherheit wächst. Viele junge Menschen setzen deshalb inzwischen lieber auf eine berufliche Ausbildung statt auf ein Studium. Praxisnahe Berufe und sichere Perspektiven gewinnen an Bedeutung.
Doch die Sorgen bleiben: Hohe Mieten, fehlender Wohnraum und finanzielle Belastungen treiben viele an ihre Grenzen. Jeder fünfte junge Mensch plant sogar konkret, Deutschland zu verlassen. Insgesamt können sich 41 Prozent vorstellen, im Ausland ein besseres Leben zu suchen.
Auch politisch wird die Lage brisanter. Die Studie zeigt eine zunehmende Spaltung zwischen jungen Frauen und jungen Männern. Während sich viele junge Frauen stärker linken Parteien zuwenden, gewinnt die AfD besonders bei jungen Männern an Zustimmung. Die politische Polarisierung unter jungen Menschen nimmt deutlich zu.
Die Botschaft der Studie ist klar: Die junge Generation fühlt sich mit ihren Sorgen und Zukunftsfragen zu oft allein gelassen. Gleichzeitig wächst der Wunsch nach echter Beteiligung, mehr Vertrauen und klaren Zukunftsperspektiven.
Wir sprechen darüber – im Ausbilderkreis
Diese Entwicklungen betreffen nicht nur Politik und Gesellschaft, sondern auch Unternehmen, Ausbilderinnen und Ausbilder sowie die gesamte Arbeitswelt. Deshalb werden wir dieses wichtige Thema in unserem Netzwerk im „Ausbilderkreis“ aufgreifen und dazu einen Online-Talk organisieren.
Gemeinsam wollen wir darüber sprechen:
Weitere Informationen und Termine zum Online-Talk folgen in Kürze unter www.derausbilderkreis.info
Die Trendstudie wird vom Datajockey Verlag (Kempten) unter der Leitung des Jugendforschers Simon Schnetzer herausgegeben und fachlich von Dr. Kilian Hampel, Prof. Dr. Nina Kolleck und Prof. Dr. Klaus Hurrelmann begleitet. Der Verlag finanziert die Durchführung der Studie durch den Studienverkauf. Link zur Studie: bitte hier klicken!