Tja, das hören wir in Düs­sel­dorf oft, wenn wir im Rah­men unse­ren sehr akti­ven Eltern­ar­beit mit den wich­tigs­ten “Bil­dungs­be­ra­tern” unse­rer Kin­dern, den Eltern halt, ins Gespräch kom­men. Und, natür­lich sind auch die Schü­le­rin­nen und Schü­lern kom­plett damit über­for­dert — aller­dings gibt es auch jede Men­ge guter Tools, sich selbst mit die­sem The­ma struk­tu­riert zu beschäf­ti­gen. Aber, dazu spä­ter mehr.

In Deutsch­land gibt es mitt­ler­wei­le mehr als 20.000 Stu­di­en­gän­ge. Und es wer­den täg­lich mehr. Und manch­mal müs­sen sich auch pri­va­te und staat­li­che Hoch­schu­len die Fra­ge erlau­ben las­sen, ob es die­sen oder jenen Stu­di­en­gang über­haupt noch braucht. Ich ken­ne im Ruhr­ge­biet bei­spiels­wei­se so klein­tei­li­ge Bio-Stu­­di­en­gän­ge bei denen ich mich fra­ge: was bit­te schön will man damit spä­ter auf dem Arbeits­markt anfan­gen? War­um über­haupt bie­ten Hoch­schu­le sol­che Stu­di­en­gän­ge an? Weil sich Hoch­schu­len und Pro­fes­so­ren mes­sen las­sen an der Viel­zahl ihrer Ange­bo­te?

Aber, las­sen wir das an die­ser Stel­le: der Markt wird es rich­ten, sehr zum Leid­we­sen der jun­gen Leu­te, die heu­te und mor­gen stu­die­ren möch­ten und wer­den. Mitt­ler­wei­le beginnt bereits das Hoch­schul­ster­ben und auch die ers­ten Stu­di­en­gän­ge wer­den schon wie­der gestri­chen — weil sie viel­leicht zu exo­tisch waren?

Jörg Drä­ger, Mit­glied des Vor­stan­des der Ber­tels­mann Stif­tung und Geschäfts­füh­rer des CHE Cen­trum für Hoch­schul­ent­wick­lung, warnt der­weil: “„Die Viel­falt an Stu­di­en­gän­gen darf Stu­di­en­in­ter­es­sier­ten und Arbeit­ge­bern nicht als Wild­wuchs erschei­nen. Damit die­se sich unter den 20.000 Stu­di­en­gän­gen zurecht­fin­den, brau­chen wir kei­ne Ver­ein­heit­li­chung der Fächer­na­men, son­dern gute digi­ta­le Ori­en­tie­rungs­an­ge­bo­te“. Wohl war: In Düs­sel­dorf gibt es 25 (!) Hoch­schu­len — alle 8 km eine Hoch­schu­le. Purer Wahn­sinn und Ver­schleu­dung wich­ti­ger Res­sour­cen.

Nack­te Fak­ten: Die Anzahl der Stu­di­en­gän­ge an deut­schen Hoch­schu­len ist seit dem Jahr 2014 um 17 Pro­zent gestie­gen. Im Mai 2019 ver­zeich­ne­te der Hoch­schul­kom­pass der Hoch­schul­rek­to­ren­kon­fe­renz (HRK) erst­mals mehr als 20.000 Ange­bo­te für Stu­die­ren­de. Fünf Jah­re zuvor waren es noch rund 17.000. Beson­ders die pri­va­ten Anbie­ter in die­sem Bereich stei­ger­ten die Anzahl ihrer Stu­di­en­an­ge­bo­te um fast 70 (!) Pro­zent.

Rund 13 Pro­zent der neu­en Stu­di­en­gän­ge kom­bi­nie­ren unter­schied­li­che Fächer – etwa Medi­en­in­for­ma­tik oder Medi­zin­tech­nik. Im Trend lie­gen fächer­über­grei­fen­de Stu­di­en­gän­ge mit the­ma­ti­schen Schwer­punk­ten wie „Umwelt“ oder „Gesund­heit“. Ledig­lich jeder fünf­te neue Stu­di­en­gang trägt noch klas­si­sche Bezeich­nun­gen einer wis­sen­schaft­li­chen Dis­zi­plin wie „Che­mie“ oder „Phy­sik“. Knapp ein Drit­tel der neu­en Stu­di­en­gän­ge hat eine eng­lisch­spra­chi­ge Bezeich­nung.

Nun gibt es, wie bereits erwähnt, gute Tools für Schü­le­rin­nen und Schü­ler, sich in die­sem Dschun­gel zu Recht zu fin­den. Beim Dua­len Ori­en­tie­rungs­prak­ti­kum bei­spiels­wei­se ler­nen Schü­le­rin­nen und Schü­ler eine gan­ze Woche ihr Lieb­lings­stu­di­en­fach live ken­nen, ler­nen mit den “alten Häsin­nen und Hasen” gemein­sam in Semi­na­ren und Vor­le­sun­gen, erhal­ten Gesprächs­mög­lich­kei­ten mit Leh­ren­den und den Bil­dungs­be­ra­tern vor Ort.

In Pra­xis­pha­sen der Sek2 kön­nen Schü­le­rin­nen und Schü­ler die­ses Instru­ment nut­zen bzw. ihre bis­he­ri­gen Erfah­run­gen aus­wei­ten.

Nicht zuletzt bie­tet auch der aktua­li­sier­te Berufs­wahl­pass in NRW mit einem neu­en Sek2-Teil zahl­rei­che gute Hand­rei­chun­gen, Check­lis­ten und Feed­back­mög­lich­kei­ten, um sich mehr Klar­heit zu ver­schaf­fen.

Auch das SET-Tool der Agen­tur für Arbeit greift unter­stüt­zend ein.

Dies sind nur vier von sehr vie­len Mög­lich­kei­ten, sich indi­vi­du­ell auf den Stu­dier­markt vor­zu­be­rei­ten. Aller­dings wer­den die­se Instru­men­te auch teil­wei­se zu sel­ten genutzt. Statt­des­sen hört man dann von Schü­le­rin­nen und Schü­ler und Eltern: “Uns hat in der Schu­le nie­mand infor­miert”. “Berufs­wahl­pass — ken­ne ich nicht”. “Es gibt über­haupt kei­ne Infor­ma­tio­nen — unser Kind wur­de kom­plett allei­ne gelas­sen. Die gan­ze Arbeit müs­sen dann wir Eltern leis­ten”. Sol­che Aus­re­den las­se ich in mei­nen Gesprä­chen nicht mehr gel­ten, denn: es stimmt ein­fach nicht.

Auch Eltern nut­zen die vor­han­de­nen Mög­lich­kei­ten zu sel­ten. Eltern­aben­de wer­den immer sel­te­ner besucht, selbst wenn erfah­re­ne Exper­ten ein­ge­la­den wer­den und Rede und Ant­wort ste­hen. Eltern­abend wer­den in Schu­len durch­ge­führt, oft auch von Arbeit­ge­ber­ver­bän­den, den Kam­mern, der Agen­tur für Arbeit oder den Kom­mu­na­len Koor­di­nie­rungs­stel­len von “Kein Abschluss ohne Anschluss” (KAoA). Bei­spiel: ein­mal im Jahr wird von KAoA Düs­sel­dorf ein Eltern­abend stadt­weit ange­bo­ten mit bis zu 80 Eltern (dabei gibt es 12 bis 15.000 mut­maß­li­che Inter­es­sier­te). Oder ein ande­res Bei­spiel: In der Klas­se mei­nes Soh­nes kom­men 15 Eltern von 28 mög­li­chen (und dabei sind oft zwei von einem Kind). Sehr trau­rig!

Am Ende des Tages ist aber auch so, dass zuvie­le jun­ge Men­schen stu­die­ren, obwohl sie in einer Dua­len Aus­bil­dung bes­ser auf­ge­ho­ben wären. Weil man glaubt, spä­ter mehr zu ver­die­nen? Weil man glaubt, ein bes­se­res Anse­hen zu haben? Wer hat wohl mehr anse­hen: der arbeits­lo­se Jurist oder der Gar­­ten- und Land­schafts­bau­er, der sich sei­ne Kun­den mitt­ler­wei­le aus­su­chen kann, weil er sowie­so Auf­trä­ge ableh­nen muss? Drei­mal dür­fen wir raten. Über 30% aller Stu­die­ren­den bre­chen ihr Stu­di­um frü­her oder spä­ter ab. “Frü­her” ist gut, weil man sich recht­zei­tig besinnt, etwas “ver­nünf­ti­ges” zu stu­die­ren. “Spä­ter” ist schlecht, weil der Zug dann schon oft abge­fah­ren ist.

Wie immer gilt auch hier: Augen auf bei der Stu­dier­wahl!!!!!

Im Blick­punkt Die Viel­falt der Stu­di­en­gän­ge 2019.pdf (pdf): https://www.che.de/downloads/Im_Blickpunkt_Die_Vielfalt_der_Studiengaenge_2019.pdf

Der Name ändert sich — die Idee bleibt: Aus den Düs­sel­dor­fer Tagen der Stu­­di­en- und Berufs­ori­en­tie­rung wer­den die Düs­sel­dor­fer Tage der Beruf­li­chen Ori­en­tie­rung (DTBO), aber Idee und Kon­zept blei­ben erhal­ten, auch 2020. Die letz­ten vier Tage vor den Oster­fe­ri­en gehö­ren der Beruf­li­chen Ori­en­tie­rung. Und die Bilanz kann sich sehen las­sen. Fast 10.000 Schü­le­rin­nen und Schü­ler neh­men Jahr für Jahr an die­ser Berufs­ori­en­tie­rung teil.

Allein 3.000 Plät­ze wer­den von rund 150 teil­neh­men­den Unter­neh­men über das Buchungs­por­tal www.berufsorientierungstage.de bereit­ge­stellt. Damit ist und bleibt Düs­sel­dorf Spit­ze in Nor­d­rhein-Wes­t­­fa­­len. Schu­len und Schü­ler suchen aber auch über ande­re Wege Plät­ze in den Unter­neh­men, bei­spiels­wei­se über Lern­part­ner­schaf­ten und indi­vi­du­el­le Bewer­bun­gen. Die Unter­neh­men freu­en sich über das Enga­ge­ment der Schü­ler.

Vom 27. März bis zum 01. April 2020 öff­nen wie­der zahl­rei­che Unter­neh­men für 4–6 Stun­den ihre Türen, um sich den jun­gen Leu­ten als Aus­bil­dungs­be­trieb zu prä­sen­tie­ren, um Beru­fe und Berufs­bil­der vor­zu­stel­len. Über 60 Düs­sel­dor­fer Schu­len enga­gie­ren sich bei den Ori­en­tie­rungs­ta­gen.

Das Erfolgs­mo­dell: Schü­ler und Unter­neh­men begeg­nen sich auf Augen­hö­he. Oft beglei­ten die Aus­zu­bil­den­de die Jugend­li­che. Haut­nah ler­nen die Schü­ler Jobs ken­nen, kön­nen oft auch Hand anle­gen. Im Hotel wird ein Tisch fürs Abend­essen her­ge­rich­tet. Ein Rad wird in der Kfz-Wer­k­statt gewech­selt.

Ver­an­stal­ter sind die Kom­mu­na­le Koor­di­nie­rung der Lan­des­haupt­stadt Düs­sel­dorf und das Düs­sel­dor­fer Kom­pe­tenz­zen­trum Beruf­li­che Ori­en­tie­rung. Die Teil­nah­me ist für alle Betei­lig­ten kos­ten­frei. Und es vie­le Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen, bei­spiels­wei­se Check­lis­ten, über 100 Ide­en für erfolg­rei­che betrieb­li­che Erkun­dun­gen und per­sön­li­che Bera­tun­gen über 0211.6690822.

325 Euro, so hoch ist der monat­li­che Wohn­kos­ten­zu­schlag für Bafög-Emp­­fän­ger seit August 2019 – vor­aus­ge­setzt, man lebt nicht mehr bei den Eltern. Wun­der­bar, denkt wohl manch einer, denn das sind immer­hin 75 Euro mehr als bis­her. Doch reicht das auch, um in einer deut­schen Uni­stadt eine Blei­be zu fin­den? Nein, denn in der Regel müs­sen Stu­den­ten deut­lich mehr Geld für eine Woh­nung aus­ge­ben, stellt der aktu­el­le Stu­den­ten­wohn­re­port des Insti­tuts der deut­schen Wirt­schaft fest: In 23 von 30 unter­such­ten Uni­städ­ten in Deutsch­land sind die Monats­mie­ten für eine typi­sche Stu­den­ten­woh­nung höher als 325 Euro. In Mün­chen, der teu­ers­ten deut­schen Uni­stadt, kos­tet eine Stu­den­ten­bu­de der­zeit mehr als das Dop­pel­te des Bafög-Wohn­­kos­­ten­zu­­­schlags – näm­lich fast 720 Euro. Wei­ter­le­sen: PDF (Quel­le: Insti­tut der Deut­schen Wirt­schaft)