Berufsorientierung ist mehr als ein Praktikum und ein Blick in den Ausbildungsberuf. Sie entscheidet mit darüber, ob junge Menschen ihre Talente entdecken, Chancen erkennen und einen passenden Weg in die Arbeitswelt finden. Seit 20 Jahren zeigt das Düsseldorfer Modell, wie Schule, Wirtschaft und öffentliche Institutionen dabei erfolgreich zusammenarbeiten können.
Am 16. August 2006 begann in Düsseldorf eine Idee, die damals keineswegs selbstverständlich war: Die Akteure am Übergang von der Schule in den Beruf sollten enger zusammenarbeiten. Schule, Wirtschaft, Arbeitsagentur und Stadt wollten ihre Kompetenzen bündeln und Jugendlichen bessere Orientierungsmöglichkeiten eröffnen. (Unternehmer Düsseldorf)
Heute, 20 Jahre später, ist daraus das Kompetenzzentrum Berufliche Orientierung entstanden – und damit ein wichtiger Bestandteil der Düsseldorfer Bildungslandschaft.
Eine Idee, die von Vernetzung lebt
Die besondere Stärke des Düsseldorfer Modells liegt nicht in einer einzelnen Maßnahme. Sie liegt in der Vernetzung. Kommunale Koordinierung, Agentur für Arbeit, Stiftung Pro Ausbildung, Unternehmerschaft Düsseldorf, Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer und Kreishandwerkerschaft arbeiten gemeinsam daran, berufliche Orientierung weiterzuentwickeln. (Unternehmer Düsseldorf)
Das klingt zunächst selbstverständlich. In der Praxis ist es das keineswegs. Denn Institutionen haben unterschiedliche Aufgaben, Zuständigkeiten und Perspektiven. Das Kompetenzzentrum schafft einen Raum, in dem diese Perspektiven zusammenkommen und daraus konkrete Angebote entstehen können.
Genau hier liegt ein entscheidender Erfolgsfaktor: Nicht übereinander, sondern miteinander reden – und aus den Erfahrungen der Praxis neue Lösungen entwickeln.
Von der Idee zum konkreten Angebot
Das Kompetenzzentrum versteht sich deshalb als Ideen- und Projektschmiede. Bedarfe aus Schulen, Unternehmen und von Jugendlichen werden aufgenommen, gemeinsam bearbeitet und in neue Formate übersetzt. (Unternehmer Düsseldorf)
Ein Beispiel dafür ist die Düsseldorfer Praktikumsbörse, die Schulen und Unternehmen digital zusammenbringt. Hinzu kommen Angebote zur Stärkung der dualen Ausbildung, zur Elternarbeit und zur Berufsvorbereitung. Viele der in Düsseldorf entwickelten Ansätze haben inzwischen Modellcharakter für Nordrhein-Westfalen. (Unternehmer Düsseldorf)
Dabei hat sich auch das Verständnis von Berufsorientierung verändert.
Talente erkennen statt Lebensläufe vorplanen
Junge Menschen brauchen heute nicht einfach möglichst viele Informationen über Berufe. Sie brauchen Gelegenheiten, sich selbst auszuprobieren.
Was kann ich gut? Was interessiert mich? Wie funktioniert ein Unternehmen? Wie sieht ein Arbeitstag tatsächlich aus? Welche Fähigkeiten werden in Zukunft gebraucht? Und welche Möglichkeiten bietet mir eine duale Ausbildung?
Praktische Erfahrungen und persönliche Begegnungen können hier mehr bewirken als manche Broschüre. Deshalb ist die Nähe zu den Unternehmen ein wichtiger Bestandteil des Düsseldorfer Ansatzes.
Die Leitidee lässt sich in drei Worten zusammenfassen: Talente erkennen, Perspektiven schaffen, Brücken bauen.(Unternehmer Düsseldorf)
Warum das Thema wichtiger wird
Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Digitalisierung und künstliche Intelligenz verändern Tätigkeiten, neue Berufsbilder entstehen und Unternehmen suchen dringend Nachwuchskräfte. Gleichzeitig müssen Jugendliche Entscheidungen über ihre Zukunft treffen, während sich die Anforderungen an Berufe und Qualifikationen verändern. (Unternehmer Düsseldorf)
Gerade deshalb braucht es Orientierung, die nicht bei der Information stehen bleibt. Jugendliche müssen die Möglichkeit bekommen, Arbeitswelt konkret kennenzulernen und ihre eigenen Fähigkeiten mit realen Anforderungen abzugleichen.
Das ist eine Aufgabe, die Schule allein nicht leisten kann. Und auch Unternehmen können sie nicht allein bewältigen.
Berufliche Orientierung ist eine Gemeinschaftsaufgabe.
20 Jahre Erfahrung – und ein Auftrag für die Zukunft
Das Jubiläum ist deshalb mehr als ein Anlass zum Zurückblicken. Es ist auch eine Gelegenheit, darüber nachzudenken, wie Berufsorientierung in den kommenden Jahren aussehen muss.
Das Kompetenzzentrum will seinen Ansatz weiterentwickeln und neue Wege ausprobieren – insbesondere mit Blick auf Digitalisierung, KI und den Wandel der Arbeitswelt. (Unternehmer Düsseldorf)
Das Ziel bleibt dabei erstaunlich einfach: Kein junger Mensch soll am Übergang von der Schule in die Arbeitswelt verloren gehen.
Dafür braucht es weiterhin starke Partnerschaften, kurze Wege und den Mut, neue Lösungen auszuprobieren.
20 Jahre Düsseldorfer Modell zeigen: Wenn Schule, Stadt, Wirtschaft und Arbeitsmarktakteure ihre Kompetenzen zusammenbringen, kann aus einer guten Idee eine dauerhafte Bildungsstruktur entstehen.
Und vielleicht ist genau das die wichtigste Lehre aus zwei Jahrzehnten: Gute Berufsorientierung beginnt dort, wo Zuständigkeiten enden – und gemeinsames Handeln beginnt.
Ein großer Dank geht an unsere Partner:
Stadt Düsseldorf
Agentur für Arbeit
IHK Düsseldorf
HWK Düsseldorf
KHS Düsseldorf
https://kompetenzzentrum-duesseldorf.de/wp-content/uploads/2019/04/Logo-1030x312.png00Christoph Socharthttps://kompetenzzentrum-duesseldorf.de/wp-content/uploads/2019/04/Logo-1030x312.pngChristoph Sochart2026-08-20 09:24:002026-08-20 09:27:4420 Jahre Kompetenzzentrum Berufliche Orientierung: Was Düsseldorf von der Praxis lernen kann
So viele Jahre wird ein heute 15-Jähriger voraussichtlich auf dem Arbeitsmarkt aktiv sein
37,5 Jahre: So lange wird ein heute 15-jähriger Mensch in der Europäischen Union statistisch betrachtet voraussichtlich im Berufsleben stehen. Das klingt zunächst nach einer abstrakten Zahl. Tatsächlich steckt dahinter eine der großen Fragen unserer Arbeitsgesellschaft: Wie lange wollen, können und müssen Menschen künftig arbeiten?
Eine aktuelle Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft auf Basis von Eurostat-Daten zeigt: Die Lebensarbeitszeit in Europa steigt. 2021 lag sie noch bei durchschnittlich 36 Jahren, inzwischen sind es 37,5 Jahre. Deutschland liegt mittlerweile bei gut 40 Jahren – gegenüber 38,8 Jahren im Jahr 2021.
Besonders interessant ist der Blick auf die europäischen Nachbarn. In den Niederlanden liegt die erwartete Lebensarbeitszeit inzwischen bei rund 44 Jahren und damit EU-weit an der Spitze. In Rumänien sind es dagegen knapp 33 Jahre. Auch Italien liegt deutlich niedriger. Die Unterschiede zwischen den Ländern sind also erheblich.
Länger arbeiten – aber warum?
Hinter dieser Entwicklung stehen mehrere Faktoren. Zum einen steigen in vielen Ländern die gesetzlichen Renteneintrittsalter. Zum anderen arbeiten heute deutlich mehr Frauen als noch vor einigen Jahrzehnten. Beides führt dazu, dass die statistisch erwartete Zeit im Erwerbsleben zunimmt.
Für Deutschland ist das eine besonders relevante Entwicklung. Denn gleichzeitig verabschiedet sich die Generation der Babyboomer Schritt für Schritt aus dem Arbeitsmarkt. In den kommenden Jahren werden Millionen Beschäftigte in den Ruhestand gehen. Das verschärft bestehende Fachkräfteengpässe zusätzlich.
Damit verändert sich auch die Perspektive auf das Thema „Arbeiten bis zur Rente“.
Die entscheidende Frage lautet nicht nur: Wie lange?
Aus meiner Sicht sollten wir die Diskussion deshalb nicht allein auf das Renteneintrittsalter reduzieren.
Die viel wichtigere Frage lautet: Wie gestalten wir ein Arbeitsleben, das vier Jahrzehnte und länger attraktiv, gesund und erfolgreich bleiben kann?
Das beginnt bei der Bildung.
Wer heute 15 Jahre alt ist, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit noch weit über das Jahr 2070 hinaus mit der Arbeitswelt verbunden sein. Niemand kann heute genau sagen, welche Berufe dann existieren, welche Technologien eingesetzt werden oder welche Kompetenzen Unternehmen benötigen.
Deshalb wird lebenslanges Lernen vom Schlagwort zur Notwendigkeit.
Ausbildung darf nicht mehr als Abschluss verstanden werden, mit dem das Lernen endet. Sie muss vielmehr der Einstieg in eine berufliche Entwicklung sein, die sich über Jahrzehnte fortsetzt. Weiterbildung, berufliche Neuorientierung und der Erwerb neuer Kompetenzen werden selbstverständlich werden müssen.
Bildung wird zum Schlüssel für längere Erwerbsbiografien
Gerade deshalb ist es wichtig, junge Menschen frühzeitig auf die Arbeitswelt vorzubereiten – nicht, indem wir ihnen einen bestimmten Beruf „verordnen“, sondern indem wir ihnen Orientierung, Selbstvertrauen und Einblicke in unterschiedliche Berufsfelder ermöglichen.
Berufsorientierung bekommt damit eine völlig neue Bedeutung.
Sie hilft nicht nur bei der Frage: „Was möchte ich nach der Schule machen?“
Sie sollte junge Menschen auch darauf vorbereiten, dass ein Berufsleben heute nicht mehr zwingend linear verläuft. Wechsel des Berufs, neue Qualifikationen, Weiterbildungen oder sogar mehrere berufliche Neuorientierungen können künftig ganz normal sein.
Ältere Beschäftigte stärker in den Blick nehmen
Gleichzeitig müssen Unternehmen lernen, mit längeren Erwerbsbiografien umzugehen.
Wer 40 oder mehr Jahre arbeitet, bringt enorme Erfahrung mit. Diese Erfahrung ist gerade angesichts des Fachkräftemangels ein wichtiger Wettbewerbsvorteil.
Deshalb brauchen wir Arbeitsbedingungen, die es ermöglichen, länger zu arbeiten, ohne einfach nur länger „durchzuhalten“.
Dazu gehören flexible Arbeitszeitmodelle, Weiterbildung auch für ältere Beschäftigte, altersgerechte Arbeitsplätze, Gesundheitsförderung und vor allem eine Unternehmenskultur, in der Erfahrung nicht als Auslaufmodell, sondern als Ressource verstanden wird.
Die Arbeitswelt von morgen braucht alle Generationen
Die Zahlen des IW zeigen vor allem eines: Das Arbeitsleben wird länger. Aber daraus darf nicht automatisch die Forderung entstehen, dass alle Menschen möglichst lange im bisherigen Modell arbeiten müssen.
Wir sollten vielmehr darüber sprechen, wie Arbeit über verschiedene Lebensphasen hinweg gestaltet werden kann.
Vielleicht ist die entscheidende Zukunftsfrage deshalb gar nicht:
„Wie lange werden wir arbeiten?“
Sondern:
„Wie schaffen wir es, dass Menschen auch nach 40 Jahren Berufserfahrung noch gerne arbeiten – und dass Unternehmen ihnen dafür die richtigen Bedingungen bieten?“
Für die Bildungslandschaft bedeutet das: Wir müssen heute die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Menschen lernen, sich verändern und beruflich immer wieder neu anfangen können.
Denn wenn ein Berufsleben künftig vier Jahrzehnte und länger dauert, reicht es nicht mehr, einmal für den Beruf zu lernen.
Wir müssen lernen, ein Leben lang beruflich lernfähig zu bleiben.
Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft / Eurostat, „Wie lange werden wir arbeiten?“, 11. August 2026.
https://kompetenzzentrum-duesseldorf.de/wp-content/uploads/2019/04/Logo-1030x312.png00Christoph Socharthttps://kompetenzzentrum-duesseldorf.de/wp-content/uploads/2019/04/Logo-1030x312.pngChristoph Sochart2026-08-13 17:05:232026-08-13 17:05:23Wie lange werden wir arbeiten? Die Arbeitswelt wird länger – aber auch anders
Es gibt Personalentscheidungen, die weit über die Besetzung einer einzelnen Führungsposition hinausweisen. Die Berufung von Dr. Sandra Garbade zur Präsidentin des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) gehört für mich eindeutig dazu.
Seit dem 1. August 2026 steht erstmals eine Frau an der Spitze des BIBB. Sie folgt auf Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, der Ende Juni nach mehr als 15 Jahren als Präsident in den Ruhestand gegangen ist.
Ich freue mich sehr über diese Entscheidung. Nicht allein, weil damit ein wichtiges Signal für Frauen in Führungsverantwortung verbunden ist. Vor allem überzeugt mich der berufliche Weg von Sandra Garbade: Sie kennt die berufliche Bildung nicht nur aus der Wissenschaft und der Verwaltung, sondern aus eigener praktischer Erfahrung. Sie war Auszubildende, Berufsschullehrerin, Abteilungsleiterin, Schulaufsicht und schließlich langjährige Geschäftsführerin des Hamburger Instituts für Berufliche Bildung. Genau diese Verbindung unterschiedlicher Perspektiven halte ich für eine große Stärke.
Von der Bankausbildung an die Spitze der beruflichen Bildung
Der Lebenslauf von Dr. Sandra Garbade ist bemerkenswert – und gerade für die berufliche Bildung ausgesprochen passend.
1991 machte sie ihr Abitur in Nordrhein-Westfalen und begann anschließend eine Ausbildung zur Bankkauffrau, die sie 1994 abschloss. Es folgte ein sechsmonatiges Bankpraktikum in Spanien bei der Caja España in León, das sie im Rahmen eines Stipendiums der Begabtenförderung Berufliche Bildung absolvierte.
Danach studierte sie an der Universität Göttingen Wirtschaftspädagogik mit den Schwerpunkten Bankbetriebslehre, betriebliche Finanzwirtschaft und Spanisch. 1999 schloss sie ihr Studium als Diplom-Handelslehrerin ab. Von 1999 bis 2001 promovierte sie am Seminar für Wirtschaftspädagogik der Universität Göttingen. Parallel sammelte sie bereits Erfahrungen in Wissenschaft und Lehre.
Es folgten berufliche Stationen bei der WestLB beziehungsweise NRW.Bank und bei der Unternehmensberatung zeb/rsa. Dort war sie unter anderem als Dozentin tätig und vermittelte Wissen in Rechnungswesen, Rechnungslegung, Jahresabschluss und Controlling.
Dann vollzog sie einen für ihren weiteren Weg entscheidenden Schritt: 2007 wechselte Sandra Garbade in den Hamburger Schuldienst.
Sie absolvierte das Referendariat für das Lehramt an beruflichen Schulen und arbeitete anschließend als Lehrerin an einer berufsbildenden Schule. 2013 wurde sie Abteilungsleiterin, 2015 wechselte sie in die Schulaufsicht. Anfang 2017 übernahm sie Verantwortung in der Geschäftsbereichsleitung des Hamburger Instituts für Berufliche Bildung (HIBB). Im August desselben Jahres wurde sie Geschäftsführerin.
Neun Jahre lang prägte sie damit die berufliche Bildung in Hamburg strategisch und operativ.
Eine Karriere, die Mut machen kann
Was mich an diesem Lebenslauf besonders beeindruckt: Er ist kein geradliniger Aufstieg auf einer einzigen Karriereleiter. Er zeigt vielmehr, wie wertvoll unterschiedliche berufliche Erfahrungen für Bildungsbiografien und Führungsverantwortung sein können.
All diese Stationen gehören zur beruflichen Biografie von Sandra Garbade.
Und genau darin liegt für mich eine wichtige Botschaft: Berufliche Bildung lebt davon, dass unterschiedliche Welten miteinander verbunden werden.
Wer die berufliche Bildung weiterentwickeln will, muss Wirtschaft und Schule verstehen. Er muss die Perspektive der Jugendlichen ebenso kennen wie die der Ausbildungsbetriebe. Er muss wissenschaftliche Erkenntnisse aufnehmen und gleichzeitig wissen, was im Alltag einer Berufsschule tatsächlich funktioniert.
Sandra Garbade bringt diese Perspektiven zusammen.
Ihr Leitmotiv: Teilhabe ermöglichen
Besonders angesprochen hat mich deshalb ihre Aussage zu ihrem Amtsantritt. Ihr Leitmotiv aus Hamburg – mehr Menschen durch berufliche Bildung an Arbeit und Gesellschaft teilhaben zu lassen – möchte sie auch als BIBB-Präsidentin weiterverfolgen.
Das ist für mich mehr als eine politische Formel.
Berufliche Bildung entscheidet ganz wesentlich darüber, ob junge Menschen einen erfolgreichen Einstieg ins Berufsleben finden. Sie entscheidet darüber, ob Unternehmen Fachkräfte gewinnen. Und sie entscheidet auch darüber, ob Menschen nach Veränderungen, Brüchen oder Umorientierungen neue Chancen bekommen.
Berufliche Bildung ist deshalb immer auch Bildung für gesellschaftliche Teilhabe.
Gerade in einer Zeit, in der Bildungsbiografien vielfältiger werden, halte ich diesen Gedanken für zentral.
Das BIBB steht vor großen Aufgaben
Die neue Präsidentin übernimmt das BIBB in einer Zeit großer Veränderungen. Demografischer Wandel, Fachkräftesicherung, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz verändern die Arbeitswelt – und damit zwangsläufig auch die Anforderungen an Ausbildung und Weiterbildung.
Das BIBB ist dabei eine zentrale Institution: Es verbindet Berufsbildungsforschung, wissenschaftliche Politikberatung, die Modernisierung von Ausbildungs- und Fortbildungsordnungen, internationale Berufsbildungszusammenarbeit sowie die Begleitung und Umsetzung von Programmen. Am Standort Bonn arbeiten inzwischen mehr als 850 Menschen.
Die Herausforderungen sind gewaltig.
Welche Kompetenzen brauchen junge Menschen künftig?
Wie verändern KI und Digitalisierung die Ausbildungsberufe?
Wie können Unternehmen auch in Zeiten des Fachkräftemangels gute Ausbildung anbieten?
Wie schaffen wir bessere Übergänge von der Schule in Ausbildung?
Wie gelingt Weiterbildung für Menschen, deren Berufe sich durch technologische Veränderungen verändern?
Und vor allem: Wie schaffen wir es, dass berufliche Bildung nicht nur funktioniert, sondern für junge Menschen wieder stärker als attraktive und gleichwertige Zukunftsperspektive wahrgenommen wird?
Auf diese Fragen wird Sandra Garbade Antworten mitgestalten müssen.
Eine Präsidentin mit Nähe zur Praxis
Ich halte es für einen großen Vorteil, dass sie dabei nicht ausschließlich aus einer wissenschaftlichen oder politischen Perspektive auf die berufliche Bildung schaut.
Sie kennt die Praxis.
Sie kennt den Unterricht.
Sie kennt berufliche Schulen.
Sie kennt Verwaltung und Steuerung.
Sie kennt Unternehmen.
Und sie kennt die Herausforderungen der Berufsbildungspolitik auch aus ihrer langjährigen Gremienarbeit. Unter anderem war sie Mitglied der Kommission für Berufliche Bildung und Weiterbildung der Kultusministerkonferenz, Sachverständige der Enquete-Kommission „Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“ des Deutschen Bundestages und Mitglied des Hauptausschusses des BIBB.
Das ist eine beeindruckende Kombination.
Mein Blick auf die neue BIBB-Präsidentin
Für mich ist die Berufung von Dr. Sandra Garbade deshalb ein starkes Signal für die berufliche Bildung.
Und ich verbinde damit auch eine persönliche Erwartung: Wir brauchen in Deutschland wieder mehr Selbstbewusstsein für die duale Ausbildung und für die berufliche Bildung insgesamt.
Nicht als Alternative zweiter Wahl zum Studium.
Sondern als eigenständigen, anspruchsvollen und modernen Bildungsweg mit hervorragenden Entwicklungsmöglichkeiten.
Dafür brauchen wir Menschen an entscheidenden Stellen, die die berufliche Bildung nicht nur verwalten, sondern für sie brennen.
Der bisherige Weg von Sandra Garbade macht mir Hoffnung, dass genau das gelingen kann.
Ich wünsche ihr für ihre neue Aufgabe in Bonn viel Erfolg, Kraft und vor allem den Mut, notwendige Veränderungen anzustoßen. Die berufliche Bildung braucht in den kommenden Jahren Orientierung, Innovation und eine starke Stimme.
Mit Dr. Sandra Garbade bekommt das BIBB eine Präsidentin, die viele Facetten der beruflichen Bildung aus eigener Erfahrung kennt. Das ist eine hervorragende Ausgangslage für die nächsten Jahre.
Und vielleicht ist ihr persönlicher Bildungsweg selbst schon ein gutes Beispiel dafür, was berufliche Bildung leisten kann: Sie eröffnet Wege – und diese Wege können bis an die Spitze führen.
Der Lebenslauf von Dr. Sandra Garbade im Überblick
1971: geboren in Bad Oeynhausen
1991: Abitur in Nordrhein-Westfalen
1991–1994: Ausbildung zur Bankkauffrau
1994: Bankpraktikum bei der Caja España in León/Spanien
1994–1999: Studium der Wirtschaftspädagogik an der Universität Göttingen
1999: Abschluss als Diplom-Handelslehrerin
1999–2001: Promotionsstudium und wissenschaftliche Tätigkeit an der Universität Göttingen
https://kompetenzzentrum-duesseldorf.de/wp-content/uploads/2019/04/Logo-1030x312.png00Christoph Socharthttps://kompetenzzentrum-duesseldorf.de/wp-content/uploads/2019/04/Logo-1030x312.pngChristoph Sochart2026-08-13 10:22:032026-08-13 10:22:03Dr. Sandra Garbade an der Spitze des BIBB: Eine starke Stimme für die berufliche Bildung
20 Jahre Kompetenzzentrum Berufliche Orientierung: Was Düsseldorf von der Praxis lernen kann
NewsBerufsorientierung ist mehr als ein Praktikum und ein Blick in den Ausbildungsberuf. Sie entscheidet mit darüber, ob junge Menschen ihre Talente entdecken, Chancen erkennen und einen passenden Weg in die Arbeitswelt finden. Seit 20 Jahren zeigt das Düsseldorfer Modell, wie Schule, Wirtschaft und öffentliche Institutionen dabei erfolgreich zusammenarbeiten können.
Am 16. August 2006 begann in Düsseldorf eine Idee, die damals keineswegs selbstverständlich war: Die Akteure am Übergang von der Schule in den Beruf sollten enger zusammenarbeiten. Schule, Wirtschaft, Arbeitsagentur und Stadt wollten ihre Kompetenzen bündeln und Jugendlichen bessere Orientierungsmöglichkeiten eröffnen. (Unternehmer Düsseldorf)
Heute, 20 Jahre später, ist daraus das Kompetenzzentrum Berufliche Orientierung entstanden – und damit ein wichtiger Bestandteil der Düsseldorfer Bildungslandschaft.
Eine Idee, die von Vernetzung lebt
Die besondere Stärke des Düsseldorfer Modells liegt nicht in einer einzelnen Maßnahme. Sie liegt in der Vernetzung. Kommunale Koordinierung, Agentur für Arbeit, Stiftung Pro Ausbildung, Unternehmerschaft Düsseldorf, Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer und Kreishandwerkerschaft arbeiten gemeinsam daran, berufliche Orientierung weiterzuentwickeln. (Unternehmer Düsseldorf)
Das klingt zunächst selbstverständlich. In der Praxis ist es das keineswegs. Denn Institutionen haben unterschiedliche Aufgaben, Zuständigkeiten und Perspektiven. Das Kompetenzzentrum schafft einen Raum, in dem diese Perspektiven zusammenkommen und daraus konkrete Angebote entstehen können.
Genau hier liegt ein entscheidender Erfolgsfaktor: Nicht übereinander, sondern miteinander reden – und aus den Erfahrungen der Praxis neue Lösungen entwickeln.
Von der Idee zum konkreten Angebot
Das Kompetenzzentrum versteht sich deshalb als Ideen- und Projektschmiede. Bedarfe aus Schulen, Unternehmen und von Jugendlichen werden aufgenommen, gemeinsam bearbeitet und in neue Formate übersetzt. (Unternehmer Düsseldorf)
Ein Beispiel dafür ist die Düsseldorfer Praktikumsbörse, die Schulen und Unternehmen digital zusammenbringt. Hinzu kommen Angebote zur Stärkung der dualen Ausbildung, zur Elternarbeit und zur Berufsvorbereitung. Viele der in Düsseldorf entwickelten Ansätze haben inzwischen Modellcharakter für Nordrhein-Westfalen. (Unternehmer Düsseldorf)
Dabei hat sich auch das Verständnis von Berufsorientierung verändert.
Talente erkennen statt Lebensläufe vorplanen
Junge Menschen brauchen heute nicht einfach möglichst viele Informationen über Berufe. Sie brauchen Gelegenheiten, sich selbst auszuprobieren.
Was kann ich gut? Was interessiert mich? Wie funktioniert ein Unternehmen? Wie sieht ein Arbeitstag tatsächlich aus? Welche Fähigkeiten werden in Zukunft gebraucht? Und welche Möglichkeiten bietet mir eine duale Ausbildung?
Praktische Erfahrungen und persönliche Begegnungen können hier mehr bewirken als manche Broschüre. Deshalb ist die Nähe zu den Unternehmen ein wichtiger Bestandteil des Düsseldorfer Ansatzes.
Die Leitidee lässt sich in drei Worten zusammenfassen: Talente erkennen, Perspektiven schaffen, Brücken bauen.(Unternehmer Düsseldorf)
Warum das Thema wichtiger wird
Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Digitalisierung und künstliche Intelligenz verändern Tätigkeiten, neue Berufsbilder entstehen und Unternehmen suchen dringend Nachwuchskräfte. Gleichzeitig müssen Jugendliche Entscheidungen über ihre Zukunft treffen, während sich die Anforderungen an Berufe und Qualifikationen verändern. (Unternehmer Düsseldorf)
Gerade deshalb braucht es Orientierung, die nicht bei der Information stehen bleibt. Jugendliche müssen die Möglichkeit bekommen, Arbeitswelt konkret kennenzulernen und ihre eigenen Fähigkeiten mit realen Anforderungen abzugleichen.
Das ist eine Aufgabe, die Schule allein nicht leisten kann. Und auch Unternehmen können sie nicht allein bewältigen.
Berufliche Orientierung ist eine Gemeinschaftsaufgabe.
20 Jahre Erfahrung – und ein Auftrag für die Zukunft
Das Jubiläum ist deshalb mehr als ein Anlass zum Zurückblicken. Es ist auch eine Gelegenheit, darüber nachzudenken, wie Berufsorientierung in den kommenden Jahren aussehen muss.
Das Kompetenzzentrum will seinen Ansatz weiterentwickeln und neue Wege ausprobieren – insbesondere mit Blick auf Digitalisierung, KI und den Wandel der Arbeitswelt. (Unternehmer Düsseldorf)
Das Ziel bleibt dabei erstaunlich einfach: Kein junger Mensch soll am Übergang von der Schule in die Arbeitswelt verloren gehen.
Dafür braucht es weiterhin starke Partnerschaften, kurze Wege und den Mut, neue Lösungen auszuprobieren.
20 Jahre Düsseldorfer Modell zeigen: Wenn Schule, Stadt, Wirtschaft und Arbeitsmarktakteure ihre Kompetenzen zusammenbringen, kann aus einer guten Idee eine dauerhafte Bildungsstruktur entstehen.
Und vielleicht ist genau das die wichtigste Lehre aus zwei Jahrzehnten: Gute Berufsorientierung beginnt dort, wo Zuständigkeiten enden – und gemeinsames Handeln beginnt.
Ein großer Dank geht an unsere Partner:
Wie lange werden wir arbeiten? Die Arbeitswelt wird länger – aber auch anders
NewsSo viele Jahre wird ein heute 15-Jähriger voraussichtlich auf dem Arbeitsmarkt aktiv sein
37,5 Jahre: So lange wird ein heute 15-jähriger Mensch in der Europäischen Union statistisch betrachtet voraussichtlich im Berufsleben stehen. Das klingt zunächst nach einer abstrakten Zahl. Tatsächlich steckt dahinter eine der großen Fragen unserer Arbeitsgesellschaft: Wie lange wollen, können und müssen Menschen künftig arbeiten?
Eine aktuelle Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft auf Basis von Eurostat-Daten zeigt: Die Lebensarbeitszeit in Europa steigt. 2021 lag sie noch bei durchschnittlich 36 Jahren, inzwischen sind es 37,5 Jahre. Deutschland liegt mittlerweile bei gut 40 Jahren – gegenüber 38,8 Jahren im Jahr 2021.
Besonders interessant ist der Blick auf die europäischen Nachbarn. In den Niederlanden liegt die erwartete Lebensarbeitszeit inzwischen bei rund 44 Jahren und damit EU-weit an der Spitze. In Rumänien sind es dagegen knapp 33 Jahre. Auch Italien liegt deutlich niedriger. Die Unterschiede zwischen den Ländern sind also erheblich.
Länger arbeiten – aber warum?
Hinter dieser Entwicklung stehen mehrere Faktoren. Zum einen steigen in vielen Ländern die gesetzlichen Renteneintrittsalter. Zum anderen arbeiten heute deutlich mehr Frauen als noch vor einigen Jahrzehnten. Beides führt dazu, dass die statistisch erwartete Zeit im Erwerbsleben zunimmt.
Für Deutschland ist das eine besonders relevante Entwicklung. Denn gleichzeitig verabschiedet sich die Generation der Babyboomer Schritt für Schritt aus dem Arbeitsmarkt. In den kommenden Jahren werden Millionen Beschäftigte in den Ruhestand gehen. Das verschärft bestehende Fachkräfteengpässe zusätzlich.
Damit verändert sich auch die Perspektive auf das Thema „Arbeiten bis zur Rente“.
Die entscheidende Frage lautet nicht nur: Wie lange?
Aus meiner Sicht sollten wir die Diskussion deshalb nicht allein auf das Renteneintrittsalter reduzieren.
Die viel wichtigere Frage lautet: Wie gestalten wir ein Arbeitsleben, das vier Jahrzehnte und länger attraktiv, gesund und erfolgreich bleiben kann?
Das beginnt bei der Bildung.
Wer heute 15 Jahre alt ist, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit noch weit über das Jahr 2070 hinaus mit der Arbeitswelt verbunden sein. Niemand kann heute genau sagen, welche Berufe dann existieren, welche Technologien eingesetzt werden oder welche Kompetenzen Unternehmen benötigen.
Deshalb wird lebenslanges Lernen vom Schlagwort zur Notwendigkeit.
Ausbildung darf nicht mehr als Abschluss verstanden werden, mit dem das Lernen endet. Sie muss vielmehr der Einstieg in eine berufliche Entwicklung sein, die sich über Jahrzehnte fortsetzt. Weiterbildung, berufliche Neuorientierung und der Erwerb neuer Kompetenzen werden selbstverständlich werden müssen.
Bildung wird zum Schlüssel für längere Erwerbsbiografien
Gerade deshalb ist es wichtig, junge Menschen frühzeitig auf die Arbeitswelt vorzubereiten – nicht, indem wir ihnen einen bestimmten Beruf „verordnen“, sondern indem wir ihnen Orientierung, Selbstvertrauen und Einblicke in unterschiedliche Berufsfelder ermöglichen.
Berufsorientierung bekommt damit eine völlig neue Bedeutung.
Sie hilft nicht nur bei der Frage: „Was möchte ich nach der Schule machen?“
Sie sollte junge Menschen auch darauf vorbereiten, dass ein Berufsleben heute nicht mehr zwingend linear verläuft. Wechsel des Berufs, neue Qualifikationen, Weiterbildungen oder sogar mehrere berufliche Neuorientierungen können künftig ganz normal sein.
Ältere Beschäftigte stärker in den Blick nehmen
Gleichzeitig müssen Unternehmen lernen, mit längeren Erwerbsbiografien umzugehen.
Wer 40 oder mehr Jahre arbeitet, bringt enorme Erfahrung mit. Diese Erfahrung ist gerade angesichts des Fachkräftemangels ein wichtiger Wettbewerbsvorteil.
Deshalb brauchen wir Arbeitsbedingungen, die es ermöglichen, länger zu arbeiten, ohne einfach nur länger „durchzuhalten“.
Dazu gehören flexible Arbeitszeitmodelle, Weiterbildung auch für ältere Beschäftigte, altersgerechte Arbeitsplätze, Gesundheitsförderung und vor allem eine Unternehmenskultur, in der Erfahrung nicht als Auslaufmodell, sondern als Ressource verstanden wird.
Die Arbeitswelt von morgen braucht alle Generationen
Die Zahlen des IW zeigen vor allem eines: Das Arbeitsleben wird länger. Aber daraus darf nicht automatisch die Forderung entstehen, dass alle Menschen möglichst lange im bisherigen Modell arbeiten müssen.
Wir sollten vielmehr darüber sprechen, wie Arbeit über verschiedene Lebensphasen hinweg gestaltet werden kann.
Vielleicht ist die entscheidende Zukunftsfrage deshalb gar nicht:
„Wie lange werden wir arbeiten?“
Sondern:
„Wie schaffen wir es, dass Menschen auch nach 40 Jahren Berufserfahrung noch gerne arbeiten – und dass Unternehmen ihnen dafür die richtigen Bedingungen bieten?“
Für die Bildungslandschaft bedeutet das: Wir müssen heute die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Menschen lernen, sich verändern und beruflich immer wieder neu anfangen können.
Denn wenn ein Berufsleben künftig vier Jahrzehnte und länger dauert, reicht es nicht mehr, einmal für den Beruf zu lernen.
Wir müssen lernen, ein Leben lang beruflich lernfähig zu bleiben.
Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft / Eurostat, „Wie lange werden wir arbeiten?“, 11. August 2026.
Dr. Sandra Garbade an der Spitze des BIBB: Eine starke Stimme für die berufliche Bildung
NewsFoto: BIBB
Es gibt Personalentscheidungen, die weit über die Besetzung einer einzelnen Führungsposition hinausweisen. Die Berufung von Dr. Sandra Garbade zur Präsidentin des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) gehört für mich eindeutig dazu.
Seit dem 1. August 2026 steht erstmals eine Frau an der Spitze des BIBB. Sie folgt auf Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, der Ende Juni nach mehr als 15 Jahren als Präsident in den Ruhestand gegangen ist.
Ich freue mich sehr über diese Entscheidung. Nicht allein, weil damit ein wichtiges Signal für Frauen in Führungsverantwortung verbunden ist. Vor allem überzeugt mich der berufliche Weg von Sandra Garbade: Sie kennt die berufliche Bildung nicht nur aus der Wissenschaft und der Verwaltung, sondern aus eigener praktischer Erfahrung. Sie war Auszubildende, Berufsschullehrerin, Abteilungsleiterin, Schulaufsicht und schließlich langjährige Geschäftsführerin des Hamburger Instituts für Berufliche Bildung. Genau diese Verbindung unterschiedlicher Perspektiven halte ich für eine große Stärke.
Von der Bankausbildung an die Spitze der beruflichen Bildung
Der Lebenslauf von Dr. Sandra Garbade ist bemerkenswert – und gerade für die berufliche Bildung ausgesprochen passend.
1991 machte sie ihr Abitur in Nordrhein-Westfalen und begann anschließend eine Ausbildung zur Bankkauffrau, die sie 1994 abschloss. Es folgte ein sechsmonatiges Bankpraktikum in Spanien bei der Caja España in León, das sie im Rahmen eines Stipendiums der Begabtenförderung Berufliche Bildung absolvierte.
Danach studierte sie an der Universität Göttingen Wirtschaftspädagogik mit den Schwerpunkten Bankbetriebslehre, betriebliche Finanzwirtschaft und Spanisch. 1999 schloss sie ihr Studium als Diplom-Handelslehrerin ab. Von 1999 bis 2001 promovierte sie am Seminar für Wirtschaftspädagogik der Universität Göttingen. Parallel sammelte sie bereits Erfahrungen in Wissenschaft und Lehre.
Es folgten berufliche Stationen bei der WestLB beziehungsweise NRW.Bank und bei der Unternehmensberatung zeb/rsa. Dort war sie unter anderem als Dozentin tätig und vermittelte Wissen in Rechnungswesen, Rechnungslegung, Jahresabschluss und Controlling.
Dann vollzog sie einen für ihren weiteren Weg entscheidenden Schritt: 2007 wechselte Sandra Garbade in den Hamburger Schuldienst.
Sie absolvierte das Referendariat für das Lehramt an beruflichen Schulen und arbeitete anschließend als Lehrerin an einer berufsbildenden Schule. 2013 wurde sie Abteilungsleiterin, 2015 wechselte sie in die Schulaufsicht. Anfang 2017 übernahm sie Verantwortung in der Geschäftsbereichsleitung des Hamburger Instituts für Berufliche Bildung (HIBB). Im August desselben Jahres wurde sie Geschäftsführerin.
Neun Jahre lang prägte sie damit die berufliche Bildung in Hamburg strategisch und operativ.
Eine Karriere, die Mut machen kann
Was mich an diesem Lebenslauf besonders beeindruckt: Er ist kein geradliniger Aufstieg auf einer einzigen Karriereleiter. Er zeigt vielmehr, wie wertvoll unterschiedliche berufliche Erfahrungen für Bildungsbiografien und Führungsverantwortung sein können.
Ausbildung. Studium. Wissenschaft. Wirtschaft. Beratung. Berufsschule. Schulaufsicht. Bildungsmanagement.
All diese Stationen gehören zur beruflichen Biografie von Sandra Garbade.
Und genau darin liegt für mich eine wichtige Botschaft: Berufliche Bildung lebt davon, dass unterschiedliche Welten miteinander verbunden werden.
Wer die berufliche Bildung weiterentwickeln will, muss Wirtschaft und Schule verstehen. Er muss die Perspektive der Jugendlichen ebenso kennen wie die der Ausbildungsbetriebe. Er muss wissenschaftliche Erkenntnisse aufnehmen und gleichzeitig wissen, was im Alltag einer Berufsschule tatsächlich funktioniert.
Sandra Garbade bringt diese Perspektiven zusammen.
Ihr Leitmotiv: Teilhabe ermöglichen
Besonders angesprochen hat mich deshalb ihre Aussage zu ihrem Amtsantritt. Ihr Leitmotiv aus Hamburg – mehr Menschen durch berufliche Bildung an Arbeit und Gesellschaft teilhaben zu lassen – möchte sie auch als BIBB-Präsidentin weiterverfolgen.
Das ist für mich mehr als eine politische Formel.
Berufliche Bildung entscheidet ganz wesentlich darüber, ob junge Menschen einen erfolgreichen Einstieg ins Berufsleben finden. Sie entscheidet darüber, ob Unternehmen Fachkräfte gewinnen. Und sie entscheidet auch darüber, ob Menschen nach Veränderungen, Brüchen oder Umorientierungen neue Chancen bekommen.
Berufliche Bildung ist deshalb immer auch Bildung für gesellschaftliche Teilhabe.
Gerade in einer Zeit, in der Bildungsbiografien vielfältiger werden, halte ich diesen Gedanken für zentral.
Das BIBB steht vor großen Aufgaben
Die neue Präsidentin übernimmt das BIBB in einer Zeit großer Veränderungen. Demografischer Wandel, Fachkräftesicherung, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz verändern die Arbeitswelt – und damit zwangsläufig auch die Anforderungen an Ausbildung und Weiterbildung.
Das BIBB ist dabei eine zentrale Institution: Es verbindet Berufsbildungsforschung, wissenschaftliche Politikberatung, die Modernisierung von Ausbildungs- und Fortbildungsordnungen, internationale Berufsbildungszusammenarbeit sowie die Begleitung und Umsetzung von Programmen. Am Standort Bonn arbeiten inzwischen mehr als 850 Menschen.
Die Herausforderungen sind gewaltig.
Welche Kompetenzen brauchen junge Menschen künftig?
Wie verändern KI und Digitalisierung die Ausbildungsberufe?
Wie können Unternehmen auch in Zeiten des Fachkräftemangels gute Ausbildung anbieten?
Wie schaffen wir bessere Übergänge von der Schule in Ausbildung?
Wie gelingt Weiterbildung für Menschen, deren Berufe sich durch technologische Veränderungen verändern?
Und vor allem: Wie schaffen wir es, dass berufliche Bildung nicht nur funktioniert, sondern für junge Menschen wieder stärker als attraktive und gleichwertige Zukunftsperspektive wahrgenommen wird?
Auf diese Fragen wird Sandra Garbade Antworten mitgestalten müssen.
Eine Präsidentin mit Nähe zur Praxis
Ich halte es für einen großen Vorteil, dass sie dabei nicht ausschließlich aus einer wissenschaftlichen oder politischen Perspektive auf die berufliche Bildung schaut.
Sie kennt die Praxis.
Sie kennt den Unterricht.
Sie kennt berufliche Schulen.
Sie kennt Verwaltung und Steuerung.
Sie kennt Unternehmen.
Und sie kennt die Herausforderungen der Berufsbildungspolitik auch aus ihrer langjährigen Gremienarbeit. Unter anderem war sie Mitglied der Kommission für Berufliche Bildung und Weiterbildung der Kultusministerkonferenz, Sachverständige der Enquete-Kommission „Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“ des Deutschen Bundestages und Mitglied des Hauptausschusses des BIBB.
Das ist eine beeindruckende Kombination.
Mein Blick auf die neue BIBB-Präsidentin
Für mich ist die Berufung von Dr. Sandra Garbade deshalb ein starkes Signal für die berufliche Bildung.
Und ich verbinde damit auch eine persönliche Erwartung: Wir brauchen in Deutschland wieder mehr Selbstbewusstsein für die duale Ausbildung und für die berufliche Bildung insgesamt.
Nicht als Alternative zweiter Wahl zum Studium.
Sondern als eigenständigen, anspruchsvollen und modernen Bildungsweg mit hervorragenden Entwicklungsmöglichkeiten.
Dafür brauchen wir Menschen an entscheidenden Stellen, die die berufliche Bildung nicht nur verwalten, sondern für sie brennen.
Der bisherige Weg von Sandra Garbade macht mir Hoffnung, dass genau das gelingen kann.
Ich wünsche ihr für ihre neue Aufgabe in Bonn viel Erfolg, Kraft und vor allem den Mut, notwendige Veränderungen anzustoßen. Die berufliche Bildung braucht in den kommenden Jahren Orientierung, Innovation und eine starke Stimme.
Mit Dr. Sandra Garbade bekommt das BIBB eine Präsidentin, die viele Facetten der beruflichen Bildung aus eigener Erfahrung kennt. Das ist eine hervorragende Ausgangslage für die nächsten Jahre.
Und vielleicht ist ihr persönlicher Bildungsweg selbst schon ein gutes Beispiel dafür, was berufliche Bildung leisten kann: Sie eröffnet Wege – und diese Wege können bis an die Spitze führen.
Der Lebenslauf von Dr. Sandra Garbade im Überblick
Zum offiziellen Lebenslauf von Dr. Sandra Garbade beim BIBB