Screenshot: Instagram; relauncht

Warum wir Ausbildung neu denken müssen – und warum Anpassungsfähigkeit wichtiger wird als Fachwissen allein.

“Bilden wir gerade die Fachkräfte von morgen aus – oder die Arbeitslosen von übermorgen?”

Diese Frage klingt provokant. Vielleicht sogar beunruhigend. Und genau deshalb sollten wir sie stellen, sagt Transformationexperte Joseph Buschbacher.

Nicht, um Angst zu erzeugen. Sondern weil sich unsere Arbeitswelt in einem Tempo verändert, das wir in dieser Form noch nie erlebt haben.

Künstliche Intelligenz verändert bereits heute Berufsbilder, Arbeitsabläufe und Kompetenzprofile. Während viele Unternehmen noch darüber diskutieren, ob sie KI einsetzen, verändert sich längst die eigentliche Frage:

Sind unsere Bildungs- und Weiterbildungssysteme überhaupt darauf vorbereitet?

Die ersten Veränderungen sind bereits messbar

Aktuelle Forschungsarbeiten der Stanford University sowie zahlreiche internationale Studien zeigen inzwischen ein ähnliches Bild:

KI übernimmt zunehmend Routinetätigkeiten – sowohl im Büro als auch in wissensintensiven Berufen.

Besonders betroffen sind Tätigkeiten,

  • die standardisiert sind,
  • auf wiederkehrenden Informationen beruhen,
  • nach festen Regeln ablaufen,
  • oder sich leicht digitalisieren lassen.

Das betrifft längst nicht mehr nur einfache Verwaltungsaufgaben.

Auch Teile der Arbeit von Juristen, Marketingfachleuten, Softwareentwicklern, Bankangestellten, Buchhaltern oder Personalabteilungen werden heute bereits durch KI unterstützt oder teilweise automatisiert.

Die spannende Erkenntnis lautet jedoch:

Nicht ganze Berufe verschwinden. Sondern Aufgaben innerhalb dieser Berufe.

Genau darin liegt der entscheidende Unterschied.

Ein Bankberater wird vermutlich auch in zehn Jahren noch beraten.

Aber seine Tätigkeit wird eine völlig andere sein als heute.

Ein Lehrer wird weiterhin unterrichten.

Doch Wissensvermittlung allein reicht künftig nicht mehr aus.

Ein Ingenieur wird weiter entwickeln.

Aber KI wird viele Berechnungen und erste Entwürfe übernehmen.

Der Mensch verschwindet also nicht.

Seine Rolle verändert sich.

Das eigentliche Problem liegt woanders

In Deutschland sprechen wir seit Jahren vom Fachkräftemangel.

Wir diskutieren über Zuwanderung.

Über Ausbildungsplätze.

Über Studienquoten.

Über den demografischen Wandel.

All das ist wichtig.

Doch möglicherweise unterschätzen wir die viel größere Herausforderung:

Wir bilden Menschen oft noch für Berufe aus, die sich während ihrer gesamten Erwerbsbiografie mehrfach verändern werden.

Früher konnte jemand einen Beruf erlernen und diesen über 40 Jahre nahezu unverändert ausüben.

Heute entstehen innerhalb weniger Jahre völlig neue Tätigkeiten.

Andere verschwinden.

Und wieder andere verändern sich so stark, dass die ursprüngliche Ausbildung allein nicht mehr ausreicht.

Wissen verliert schneller an Haltbarkeit

Früher galt Wissen als langfristiger Wettbewerbsvorteil.

Heute besitzt Wissen zunehmend ein “Verfallsdatum”.

Technologien entwickeln sich schneller.

Software verändert sich ständig.

Neue Geschäftsmodelle entstehen innerhalb weniger Monate.

Deshalb reicht es nicht mehr aus, einmal gut ausgebildet zu sein.

Die entscheidende Fähigkeit wird sein,

lernen zu können.

Immer wieder.

Ein Leben lang.

Ausbilden oder Lernen lehren?

Screenshot: Instagram; relauncht

Vielleicht stellen wir deshalb bislang die falsche Frage.

Nicht:

“Welchen Beruf soll jemand lernen?”

Sondern:

“Wie befähigen wir Menschen, sich immer wieder neu auf Veränderungen einzustellen?”

Genau darin könnte die wichtigste Kompetenz der Zukunft liegen.

Dazu gehören Fähigkeiten wie:

  • Lernkompetenz
  • Problemlösung
  • Kreativität
  • Kommunikation
  • Teamarbeit
  • kritisches Denken
  • digitale Kompetenz
  • Datenverständnis
  • ethisches Urteilsvermögen
  • Veränderungsbereitschaft

Interessanterweise sind genau diese Kompetenzen diejenigen, die KI selbst nur begrenzt ersetzen kann.

KI macht Menschen nicht überflüssig

Ein häufiger Irrtum lautet:

“KI ersetzt Menschen.”

Tatsächlich ersetzt KI zunächst Aufgaben.

Menschen, die ausschließlich diese Aufgaben erledigen, geraten unter Druck.

Menschen dagegen, die KI sinnvoll einsetzen können, werden produktiver.

Deshalb entsteht derzeit keine Konkurrenz zwischen Mensch und Maschine.

Sondern zwischen

Menschen mit KI-Kompetenz

und

Menschen ohne KI-Kompetenz.

Was bedeutet das für Unternehmen?

Viele Unternehmen investieren derzeit Millionen in neue KI-Systeme.

Das ist nachvollziehbar.

Doch die eigentliche Investition könnte eine andere sein:

Die Entwicklung der eigenen Mitarbeitenden.

Technologie lässt sich einkaufen.

Veränderungskompetenz nicht.

Unternehmen, die ihre Mitarbeitenden befähigen,

  • Neues schnell zu lernen,
  • KI sinnvoll einzusetzen,
  • Verantwortung zu übernehmen,
  • kreativ zu arbeiten,
  • interdisziplinär zu denken,

werden langfristig erfolgreicher sein als Unternehmen, die ausschließlich auf Technologie setzen.

Was bedeutet das für Schulen und Berufsschulen?

Auch hier stehen wir vor einem Paradigmenwechsel.

Noch immer wird häufig geprüft,

ob jemand möglichst viele Informationen reproduzieren kann.

Doch Informationen sind heute jederzeit verfügbar.

Die eigentliche Kompetenz besteht darin,

Informationen einzuordnen,

zu bewerten,

miteinander zu verknüpfen,

und daraus Lösungen zu entwickeln.

Vielleicht brauchen wir deshalb künftig weniger Unterricht, der ausschließlich Wissen vermittelt.

Und mehr Lernräume,

in denen junge Menschen

  • experimentieren,
  • scheitern,
  • reflektieren,
  • diskutieren,
  • Projekte entwickeln
  • und gemeinsam Probleme lösen.

Denn genau das verlangt die Arbeitswelt der Zukunft.

Und die Weiterbildung?

Die klassische Trennung zwischen Ausbildung, Studium und späterem Berufsleben wird zunehmend verschwinden.

Weiterbildung wird kein Zusatzangebot mehr sein.

Sie wird Teil des Berufs.

Wer sich zehn Jahre nicht weiterentwickelt, wird Schwierigkeiten bekommen – unabhängig von seinem Abschluss.

Deshalb brauchen wir neue Formen des Lernens:

  • kurze Lernmodule,
  • digitale Lernplattformen,
  • Lernen direkt am Arbeitsplatz,
  • individuelle Lernpfade,
  • Micro-Credentials,
  • KI-gestützte Lernbegleitung.

Lernen wird kontinuierlich.

Nicht episodisch.

Meine Antwort auf die Ausgangsfrage

Bilden wir heute die Fachkräfte von morgen aus – oder die Arbeitslosen von übermorgen?

Ich glaube:

Weder noch.

Wir bilden heute Menschen für eine Zukunft aus, die wir selbst noch gar nicht kennen.

Deshalb kann niemand mehr ausschließlich für einen konkreten Beruf ausgebildet werden.

Wir müssen Menschen darauf vorbereiten,

mit Unsicherheit umzugehen,

Veränderungen anzunehmen,

und sich immer wieder neu zu erfinden.

Die erfolgreichsten Unternehmen der nächsten zehn Jahre werden deshalb nicht zwangsläufig diejenigen sein, die KI am schnellsten einführen.

Es werden jene sein,

die ihre Mitarbeitenden am besten befähigen,

mit dieser neuen Welt umzugehen.

Denn am Ende entscheidet nicht die künstliche Intelligenz über den Erfolg eines Unternehmens.

Sondern die menschliche Fähigkeit,

mit ihr sinnvoll zusammenzuarbeiten.

Vielleicht lautet die wichtigste Bildungsfrage der Zukunft deshalb nicht mehr:

“Welchen Beruf lernen junge Menschen?”

Sondern:

“Lernen sie bei uns, ihr ganzes Leben lang lernen zu können?”

Denn genau diese Fähigkeit könnte zur entscheidenden Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts werden.

(Inspiriert durch einen Instagram-Post von Joseph Buschbacher)

Dazu interessiert vielleicht auch dieser BLOG-Beitrag: Wie verändert KI meine berufliche Zukunft!

Foto: BERTELSMANN STIFTUNG

Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten, internationaler Krisen und gesellschaftlicher Spannungen blicken junge Menschen in Deutschland wieder zuversichtlicher auf ihre Zukunft. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung der Bertelsmann Stiftung. Die Generation der 18- bis 29-Jährigen ist optimistischer als viele ältere Menschen – verbindet diesen Optimismus jedoch mit klaren Erwartungen an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Die Studie kommt zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Während viele ältere Menschen den gesellschaftlichen Entwicklungen skeptisch gegenüberstehen, sehen junge Erwachsene ihre persönliche Zukunft und die Zukunft Deutschlands deutlich positiver. Gleichzeitig wünschen sich 68 Prozent aller Befragten stärkere positive Zukunftsbilder und mehr Orientierung in Zeiten vielfältiger Krisen. (Bertelsmann Stiftung)

Dabei zeigt sich, dass junge Menschen keineswegs politikverdrossen sind. Zwar äußern auch sie Kritik am Funktionieren der Demokratie, doch ihre Zufriedenheit mit den demokratischen Institutionen liegt über der älterer Generationen. Rund 31 Prozent der 18- bis 29-Jährigen sind mit der Demokratie unzufrieden – bei den 40- bis 49-Jährigen sind es bereits 44 Prozent. Zudem bringen junge Erwachsene dem Bundestag mehr Vertrauen entgegen und möchten sich stärker gesellschaftlich engagieren. (Süddeutsche.de)

Besonders wichtig sind der jungen Generation konkrete Verbesserungen im Alltag. Ganz oben auf der Wunschliste stehen bezahlbarer Wohnraum, gute Bildungs- und Ausbildungschancen sowie eine bessere Unterstützung der psychischen Gesundheit. Die Studienautoren sehen darin einen klaren Auftrag an die Politik: Wer junge Menschen dauerhaft für Demokratie und gesellschaftliches Engagement gewinnen möchte, muss ihre Lebensrealität ernst nehmen.

Für Unternehmen und Arbeitgeber liefert die Untersuchung ebenfalls wichtige Hinweise. Junge Menschen wollen Verantwortung übernehmen und ihre Zukunft aktiv mitgestalten. Sie erwarten jedoch faire Chancen, verlässliche Perspektiven und die Möglichkeit, ihre Ideen einzubringen. Eine offene Unternehmenskultur, gute Aus- und Weiterbildung sowie Mitbestimmung gewinnen dadurch weiter an Bedeutung.

Gerade für Düsseldorf mit seiner vielfältigen Hochschul-, Ausbildungs- und Unternehmenslandschaft ist diese Entwicklung von besonderem Interesse. Die Landeshauptstadt investiert seit Jahren in berufliche Orientierung, Fachkräftesicherung und Start-up-Förderung. Die Ergebnisse der Bertelsmann Stiftung zeigen, dass solche Angebote den Nerv der jungen Generation treffen: Sie ist bereit, Verantwortung zu übernehmen – wenn Politik, Wirtschaft und Gesellschaft die passenden Rahmenbedingungen schaffen.

Die Studie sendet damit ein positives Signal: Trotz vieler Herausforderungen herrscht unter jungen Menschen keine Resignation. Im Gegenteil – sie blicken mit vergleichsweise viel Zuversicht nach vorn und wollen die Zukunft aktiv mitgestalten. Entscheidend wird nun sein, ob ihre Erwartungen an Bildung, Wohnen, gesellschaftliche Teilhabe und demokratische Mitbestimmung erfüllt werden können. (Bertelsmann Stiftung)

Foto: Chat GPT für Kompetenzzentrum Berufliche Orientierung

Die duale Berufsausbildung genießt bei jungen Menschen einen deutlich besseren Ruf als häufig angenommen. Das zeigt eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung in Gütersloh: Neun von zehn Auszubildenden sind mit ihrer Ausbildung zufrieden, 87 Prozent würden sich erneut für ihren Beruf entscheiden. Die eigentliche Herausforderung liegt nicht in der Attraktivität der Ausbildung, sondern darin, den Weg dorthin zu erleichtern.

Gerade für Unternehmen in Düsseldorf und der Region ist diese Erkenntnis von großer Bedeutung. Während in vielen Branchen dringend Fachkräfte gesucht werden, bleiben Ausbildungsplätze unbesetzt. Gleichzeitig zweifeln insbesondere Jugendliche mit niedrigem Schulabschluss an ihren Chancen auf einen Ausbildungsplatz – obwohl viele Betriebe händeringend Nachwuchs suchen.

Die Studie macht deutlich: Die Ausbildung selbst überzeugt. Die befragten Auszubildenden loben vor allem das Betriebsklima, die Zusammenarbeit mit ihren Kolleginnen und Kollegen sowie die Qualität ihrer Ausbildung. Das widerlegt das häufig gezeichnete Bild, junge Menschen würden sich grundsätzlich lieber für ein Studium entscheiden. Tatsächlich kann sich inzwischen eine Mehrheit der Jugendlichen eine duale Ausbildung vorstellen.

Dennoch gelingt vielen Jugendlichen der Einstieg nicht. Häufig scheitern sie an komplizierten Bewerbungsverfahren, mangelnder Orientierung oder der Sorge, den Anforderungen nicht gerecht zu werden. Die Bertelsmann Stiftung sieht deshalb vor allem beim Übergang von der Schule in den Beruf Handlungsbedarf. Schulen, Unternehmen, Kammern und Arbeitsagenturen müssten Jugendliche noch gezielter begleiten und ihnen den Zugang zu einer Ausbildung erleichtern.

Auch in Düsseldorf wird seit Jahren daran gearbeitet, junge Menschen und Unternehmen besser zusammenzubringen. Zahlreiche Initiativen zur Berufsorientierung, Praktika, Ausbildungsmessen und Kooperationen zwischen Schulen und Betrieben verfolgen genau dieses Ziel. Sie gewinnen angesichts der aktuellen Studienergebnisse weiter an Bedeutung.

Für die Wirtschaft ist die Botschaft eindeutig: Die duale Ausbildung bleibt ein Erfolgsmodell. Damit sie ihre Stärke auch künftig entfalten kann, müssen jedoch mehr Jugendliche den Weg in die Betriebe finden. Nicht das Ansehen der Ausbildung ist das Problem – sondern die Hürden auf dem Weg dorthin.

Die Ergebnisse der Bertelsmann Stiftung senden damit ein ermutigendes Signal an Ausbildungsbetriebe: Wer jungen Menschen eine Chance gibt und sie frühzeitig anspricht, investiert nicht nur in den eigenen Fachkräftenachwuchs, sondern stärkt zugleich den Wirtschaftsstandort insgesamt.