Wer heute junge Menschen mit politischen Themen erreichen will, kommt an Social Media nicht mehr vorbei. Das ist kein Bauchgefühl, sondern das Ergebnis einer aktuellen Studie mit dem Titel „How to Sell Democracy Online (Fast)“, initiiert von der Bertelsmann Stiftung in Kooperation mit dem Berliner Think-Tank Das Progressive Zentrum und gefördert von der Stiftung Mercator.
Die Ergebnisse sind ein deutlicher Weckruf für politische Kommunikation: Soziale Medien sind für junge Menschen der wichtigste Zugang zu politischen Informationen. 74 Prozent der 16- bis 30-Jährigen informieren sich über Plattformen wie Instagram, TikTok oder YouTube über politische Geschehnisse – deutlich mehr als in Schule, Familie oder über klassische Medien.
Politische Influencer:innen als neue Vertrauenspersonen
Was dabei besonders auffällt: Junge Nutzer:innen folgen häufiger politischen Influencer:innen (60 Prozent) als offiziellen Accounts von Parteien oder Politiker:innen (38 Prozent). Das Vertrauen liegt stärker bei Einzelpersonen als bei Institutionen – vermutlich, weil Influencer:innen als nahbarer, authentischer und alltagsbezogener wahrgenommen werden.
Politische Kommunikation muss deshalb nicht nur in den sozialen Medien stattfinden, sondern auch deren Logik, Tonalität und Tempo verstehen – etwa durch kurze, visuell ansprechende Videos, schnelle Reaktionen und eine zielgruppengerechte Ansprache. Das bedeutet aber nicht, Inhalte zu trivialisieren – sondern sie zugänglich, konkret und relevant zu gestalten.
Junge Menschen ernst nehmen – auch in der digitalen Sphäre
Ein zentrales Fazit der Studie: Politische Kommunikation muss die Lebensrealität junger Menschen anerkennen.Wer sie erreichen will, muss dort präsent sein, wo ihre Meinungsbildung stattfindet – und das ist nun einmal online.
Dass Social Media nicht nur Ort der Unterhaltung, sondern auch Plattform für politische Bildung, Meinungsvielfalt und Engagement ist, zeigt sich deutlich. Auch wenn nur 17 Prozent aktiv an Diskussionen teilnehmen oder Beiträge kommentieren – die Mehrheit liest mit, beobachtet, denkt mit. Politische Inhalte landen oft über algorithmisch kuratierte Feeds bei den Nutzer:innen, was gleichzeitig Chancen und Risiken birgt.
Was funktioniert – und was nicht
Die in der Studie untersuchten Inhalte zeigen, dass Themen wie Regierung, Verwaltung und Wahlen am häufigsten behandelt wurden. Bildungspolitik, Sozialthemen und Umwelt erzielten dagegen geringere Reichweiten – obwohl gerade Bildung junge Menschen stark betrifft. Das legt nahe, dass politische Inhalte auf Social Media häufig an den Interessen junger Menschen vorbeiproduziert werden – oder nicht so aufbereitet sind, dass sie Anklang finden.
Zudem zeigt die Analyse, dass positive Selbstdarstellung in rund 70 Prozent der Beiträge vorherrscht, während 35 Prozent Angriffe auf politische Gegner enthalten. Interessanterweise werden solche attackierenden Inhalte zwar häufiger angesehen, aber nicht zwingend positiv bewertet. Junge Nutzer:innen lehnen politische Polemik in Kurzvideos mehrheitlich ab.
Fazit: Politische Kommunikation muss digital neu gedacht werden
Die Studie der Bertelsmann Stiftung belegt eindrücklich: Wer junge Menschen politisch erreichen will, muss auf Social Media präsent sein – und zwar nicht nur mit Inhalten, sondern mit Haltung, Authentizität und echtem Interesse an der Zielgruppe. Kurz: Politische Bildung braucht neue digitale Wege – und die Bereitschaft, sie konsequent zu gehen.
Politik darf nicht länger davon ausgehen, dass junge Menschen den Weg zu ihr finden. Vielmehr muss sich politische Kommunikation dorthin bewegen, wo junge Menschen bereits sind. Das ist keine Kapitulation vor dem Algorithmus – sondern eine notwendige Weiterentwicklung demokratischer Öffentlichkeit.
https://kompetenzzentrum-duesseldorf.de/wp-content/uploads/2019/04/Logo-1030x312.png00Christoph Socharthttps://kompetenzzentrum-duesseldorf.de/wp-content/uploads/2019/04/Logo-1030x312.pngChristoph Sochart2025-09-30 08:44:172025-09-30 08:51:35Politische Bildung auf TikTok & Co: Ohne Social Media keine junge Zielgruppe
Vom 9. bis 14. September 2025 wurde die dänische Stadt Herning zum Zentrum europäischer Spitzenleistungen in der beruflichen Bildung. Rund 600 junge Fachkräfte aus 32 Nationen traten bei den EuroSkills 2025 in 38 verschiedenen Berufen gegeneinander an. Was geboten wurde, war weit mehr als ein Wettbewerb – es war eine Demonstration von Präzision, Innovationskraft und internationaler Verbundenheit im Handwerk und in der beruflichen Bildung. Im feierlichen Rahmen der Schlussveranstaltung wurde die EuroSkills-Flagge an die nächsten Gastgeber überreicht: Deutschland und Luxemburg werden die Europameisterschaft der Berufe vom 22. bis 26. September 2027 gemeinsam austragen – federführend in Düsseldorf.
Besonders erfreulich aus deutscher Sicht: Die Berufe-Nationalmannschaft konnte mit insgesamt 22 Medaillen und dem Europameistertitel im Speed-Programming glänzen. Im Nationenranking bedeutete das Platz zwei – ein beeindruckendes Ergebnis, das die Leistungsfähigkeit des dualen Systems „Made in Germany“ einmal mehr unter Beweis stellt.
Internationale Bühne – lokale Perspektive
Im Rahmen der EuroSkills war auch die IHK durch Dr. Holtkamp und die Handwerkskammer Düsseldorf durch Dr. Henke vertreten. Auch als Mitglied im Lenkungskreis des Kompetenzzentrums Berufliche Orientierung beobachteten die Herren nicht nur die Leistungen der Teilnehmenden, sondern nutzten die Gelegenheit, um wichtige Impulse für die Vorbereitung der EuroSkills 2027 in Düsseldorf zu sammeln. Dr. Henke nutzte auch die Möglichkeit im Lenkungskreis des Kompetenzzentrums darüber zu berichten. Außerdem auf der Gästeliste in Herning: Vertreterinnen und Vertreter des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, des Bundesinstituts für Berufsbildung, des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, mehrerer NRW-Ministerien, der Messe Düsseldorf sowie der Wirtschaftsförderung Düsseldorf.
Fachkräfte als Botschafter einer neuen Generation
Die Wettbewerbe fanden unter großem öffentlichem Interesse statt: Über 100.000 Besucherinnen und Besucher verfolgten die Leistungen der jungen Fachkräfte – viele davon nutzten die Gelegenheit, sich bei den „Try a Skill“-Stationen selbst auszuprobieren. Ein Höhepunkt war der Besuch von König Frederik X., der sich persönlich ein Bild vom Können der Teilnehmenden machte. Auch Bundesbildungsministerin Karin Prien suchte das Gespräch mit deutschen Nachwuchstalenten.
Die EuroSkills 2025 waren nicht nur ein Schaufenster der Exzellenz, sondern auch eine Plattform für den Austausch über die Zukunft der beruflichen Bildung in Europa. Ministerinnen und Minister aus zahlreichen Ländern diskutierten darüber, wie Ausbildungssysteme stärker miteinander vernetzt und weiterentwickelt werden können.
Der Blick nach vorn: Düsseldorf bereitet sich vor
Mit einem Koffer voller Eindrücke und Inspirationen kehrten die deutschen Delegationen zurück – und nahmen nicht nur Medaillen, sondern auch wertvolle Erkenntnisse für die Vorbereitung der EuroSkills 2027 mit. Die Vorbereitungen in Düsseldorf laufen bereits an – getragen von einem großen Netzwerk.
„Jetzt gilt es, die gewonnenen Erfahrungen in ein tragfähiges Konzept zu übersetzen. Mit dem Rückenwind aus Herning und der klaren Vision für 2027 steht fest: Die EuroSkills in Düsseldorf haben das Potenzial, ein Leuchtturmprojekt für berufliche Bildung in Deutschland und darüber hinaus zu werden.
Quelle: Dr. Henke und Wirtschaftsförderung Foto: WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG DER STADT DÜSSELDORF
https://kompetenzzentrum-duesseldorf.de/wp-content/uploads/2019/04/Logo-1030x312.png00Christoph Socharthttps://kompetenzzentrum-duesseldorf.de/wp-content/uploads/2019/04/Logo-1030x312.pngChristoph Sochart2025-09-25 09:28:502025-09-30 07:13:17EuroSkills 2027 als starkes Signal für die Zukunft der beruflichen Bildung in Europa
Was wollen Jugendliche in Bremen eigentlich von ihrer beruflichen Zukunft? Diese Frage hat die neue Jugendstudie von NORDMETALL in Zusammenarbeit mit der NORDAKADEMIE-Stiftung beantwortet – und das mit aufschlussreichen, teils überraschenden Ergebnissen – und ich glaube, dass die NRW-Jugend von diesen Ergebnissen nicht so weit weg scheint. Fest steht dennoch: Die Generation kurz vor dem Abitur blickt positiv in die Zukunft, ist bereit, Verantwortung zu übernehmen und zeigt mehr Interesse an Industriearbeitsplätzen als Gleichaltrige in anderen norddeutschen Bundesländern.
Jugendliche setzen auf klassische Werte – und auf Führung
Knapp 700 Schülerinnen und Schüler aus elf Schulen in Bremen und Bremerhaven wurden befragt – ebenso wie 44 Unternehmen aus der Region mit insgesamt über 54.000 Beschäftigten, schwerpunktmäßig aus der Metall- und Elektroindustrie (M+E). Das Ergebnis: Jugendliche im Land Bremen halten Werte wie Zuverlässigkeit (80 %), Disziplin (76 %) und Kommunikationsfähigkeit (67 %) für essenziell im Berufsleben – damit ticken sie traditioneller als oft angenommen. Gleichzeitig zeigt sich: Fast 50 % wollen später eine Führungsposition übernehmen – Jungen mit 55 % etwas häufiger als Mädchen (43 %).
Großes Interesse an Industrie – aber mit anderen Vorstellungen
14 Prozent der Jugendlichen möchten gerne in der Metall- und Elektroindustrie arbeiten, 41 Prozent können es sich zumindest vorstellen – ein deutlich höherer Wert als in Hamburg oder Mecklenburg-Vorpommern. Doch während Unternehmen vor allem Personal für Instandhaltung, Lager oder Produktion suchen, interessieren sich die Jugendlichen eher für Projektmanagement (42 %), Forschung und Entwicklung (39 %) sowie Marketing und Vertrieb (34 %).
Hier zeigt sich ein deutlicher Handlungsauftrag: Unternehmen müssen ihre attraktiven Arbeitsfelder – inklusive moderner Technik, guten Verdienstmöglichkeiten und internationaler Perspektiven – besser und früher kommunizieren.
Lücke zwischen Schulwissen und Arbeitgebererwartung
Besonders groß ist die Kluft bei der Bewertung schulischer Fächer: Während Unternehmen Fächer wie Deutsch (98 %), Mathematik (86 %) und Englisch (67 %) als wichtig einstufen, sehen das die Jugendlichen anders – vor allem das Fach Deutsch wird mit nur 22 % deutlich unterschätzt. Auch wirtschaftlich-technische Fächer wie Informatik (6 %), Physik (11 %) und Wirtschaftslehre (14 %) stoßen bei den Schülerinnen und Schülern auf vergleichsweise geringes Interesse.
Thomas Küll von NORDMETALL betont deshalb:
„Kompetenzen im Umgang mit Informationstechnologie werden immer wichtiger. Bremen sollte die Einführung eines eigenständigen Informatikfaches nach dem Vorbild anderer Bundesländer prüfen.“
Berufsorientierung: Praktika und Eltern sind entscheidend
Was prägt die Berufswahl? Praktika (85 %), Familie (53 %) und Social Media (44 %) sind die wichtigsten Einflussquellen. Schulen spielen eine wichtige Rolle – aber mit Nachholbedarf: Während 43 % der Jugendlichen ihre Berufsorientierung als gut bewerten, sind 0 % der befragten Unternehmen mit dem Angebot „sehr zufrieden“, fast 30 %halten es für mangelhaft.
Auch hier sieht NORDMETALL Potenzial:
„Praktika bleiben ein Schlüsselinstrument für den Berufseinstieg – am besten gestaltet mit echten Praktikern aus den Betrieben.“
Duales Studium als unentdeckte Chance
Mit 40 % ist das klassische Hochschulstudium der beliebteste Karriereweg unter den Bremer Jugendlichen, nur 23 %wollen ein duales Studium beginnen – obwohl viele von ihnen dessen Vorteile nicht kennen. Ganze 50 % zeigen sich unentschlossen.
Prof. Dr. Stefan Wiedmann, Präsident der NORDAKADEMIE, sieht darin eine Chance:
„Die Wirtschaft trifft in Bremen auf eine Nachwuchsgeneration mit großem Gestaltungswillen. Wir qualifizieren gezielt für die Berufe, die in der Region gefragt sind – mit direktem Praxisbezug und engem Draht zur Industrie.“
https://kompetenzzentrum-duesseldorf.de/wp-content/uploads/2019/04/Logo-1030x312.png00Christoph Socharthttps://kompetenzzentrum-duesseldorf.de/wp-content/uploads/2019/04/Logo-1030x312.pngChristoph Sochart2025-08-29 10:42:282025-08-29 10:42:28Bremens Jugend im Aufbruch: Optimistisch, ehrgeizig – und interessiert an Industrie-Jobs
Politische Bildung auf TikTok & Co: Ohne Social Media keine junge Zielgruppe
NewsWer heute junge Menschen mit politischen Themen erreichen will, kommt an Social Media nicht mehr vorbei. Das ist kein Bauchgefühl, sondern das Ergebnis einer aktuellen Studie mit dem Titel „How to Sell Democracy Online (Fast)“, initiiert von der Bertelsmann Stiftung in Kooperation mit dem Berliner Think-Tank Das Progressive Zentrum und gefördert von der Stiftung Mercator.
Die Ergebnisse sind ein deutlicher Weckruf für politische Kommunikation: Soziale Medien sind für junge Menschen der wichtigste Zugang zu politischen Informationen. 74 Prozent der 16- bis 30-Jährigen informieren sich über Plattformen wie Instagram, TikTok oder YouTube über politische Geschehnisse – deutlich mehr als in Schule, Familie oder über klassische Medien.
Politische Influencer:innen als neue Vertrauenspersonen
Was dabei besonders auffällt: Junge Nutzer:innen folgen häufiger politischen Influencer:innen (60 Prozent) als offiziellen Accounts von Parteien oder Politiker:innen (38 Prozent). Das Vertrauen liegt stärker bei Einzelpersonen als bei Institutionen – vermutlich, weil Influencer:innen als nahbarer, authentischer und alltagsbezogener wahrgenommen werden.
Politische Kommunikation muss deshalb nicht nur in den sozialen Medien stattfinden, sondern auch deren Logik, Tonalität und Tempo verstehen – etwa durch kurze, visuell ansprechende Videos, schnelle Reaktionen und eine zielgruppengerechte Ansprache. Das bedeutet aber nicht, Inhalte zu trivialisieren – sondern sie zugänglich, konkret und relevant zu gestalten.
Junge Menschen ernst nehmen – auch in der digitalen Sphäre
Ein zentrales Fazit der Studie: Politische Kommunikation muss die Lebensrealität junger Menschen anerkennen.Wer sie erreichen will, muss dort präsent sein, wo ihre Meinungsbildung stattfindet – und das ist nun einmal online.
Dass Social Media nicht nur Ort der Unterhaltung, sondern auch Plattform für politische Bildung, Meinungsvielfalt und Engagement ist, zeigt sich deutlich. Auch wenn nur 17 Prozent aktiv an Diskussionen teilnehmen oder Beiträge kommentieren – die Mehrheit liest mit, beobachtet, denkt mit. Politische Inhalte landen oft über algorithmisch kuratierte Feeds bei den Nutzer:innen, was gleichzeitig Chancen und Risiken birgt.
Was funktioniert – und was nicht
Die in der Studie untersuchten Inhalte zeigen, dass Themen wie Regierung, Verwaltung und Wahlen am häufigsten behandelt wurden. Bildungspolitik, Sozialthemen und Umwelt erzielten dagegen geringere Reichweiten – obwohl gerade Bildung junge Menschen stark betrifft. Das legt nahe, dass politische Inhalte auf Social Media häufig an den Interessen junger Menschen vorbeiproduziert werden – oder nicht so aufbereitet sind, dass sie Anklang finden.
Zudem zeigt die Analyse, dass positive Selbstdarstellung in rund 70 Prozent der Beiträge vorherrscht, während 35 Prozent Angriffe auf politische Gegner enthalten. Interessanterweise werden solche attackierenden Inhalte zwar häufiger angesehen, aber nicht zwingend positiv bewertet. Junge Nutzer:innen lehnen politische Polemik in Kurzvideos mehrheitlich ab.
Fazit: Politische Kommunikation muss digital neu gedacht werden
Die Studie der Bertelsmann Stiftung belegt eindrücklich: Wer junge Menschen politisch erreichen will, muss auf Social Media präsent sein – und zwar nicht nur mit Inhalten, sondern mit Haltung, Authentizität und echtem Interesse an der Zielgruppe. Kurz: Politische Bildung braucht neue digitale Wege – und die Bereitschaft, sie konsequent zu gehen.
Politik darf nicht länger davon ausgehen, dass junge Menschen den Weg zu ihr finden. Vielmehr muss sich politische Kommunikation dorthin bewegen, wo junge Menschen bereits sind. Das ist keine Kapitulation vor dem Algorithmus – sondern eine notwendige Weiterentwicklung demokratischer Öffentlichkeit.
EuroSkills 2027 als starkes Signal für die Zukunft der beruflichen Bildung in Europa
NewsVom 9. bis 14. September 2025 wurde die dänische Stadt Herning zum Zentrum europäischer Spitzenleistungen in der beruflichen Bildung. Rund 600 junge Fachkräfte aus 32 Nationen traten bei den EuroSkills 2025 in 38 verschiedenen Berufen gegeneinander an. Was geboten wurde, war weit mehr als ein Wettbewerb – es war eine Demonstration von Präzision, Innovationskraft und internationaler Verbundenheit im Handwerk und in der beruflichen Bildung. Im feierlichen Rahmen der Schlussveranstaltung wurde die EuroSkills-Flagge an die nächsten Gastgeber überreicht: Deutschland und Luxemburg werden die Europameisterschaft der Berufe vom 22. bis 26. September 2027 gemeinsam austragen – federführend in Düsseldorf.
Besonders erfreulich aus deutscher Sicht: Die Berufe-Nationalmannschaft konnte mit insgesamt 22 Medaillen und dem Europameistertitel im Speed-Programming glänzen. Im Nationenranking bedeutete das Platz zwei – ein beeindruckendes Ergebnis, das die Leistungsfähigkeit des dualen Systems „Made in Germany“ einmal mehr unter Beweis stellt.
Internationale Bühne – lokale Perspektive
Im Rahmen der EuroSkills war auch die IHK durch Dr. Holtkamp und die Handwerkskammer Düsseldorf durch Dr. Henke vertreten. Auch als Mitglied im Lenkungskreis des Kompetenzzentrums Berufliche Orientierung beobachteten die Herren nicht nur die Leistungen der Teilnehmenden, sondern nutzten die Gelegenheit, um wichtige Impulse für die Vorbereitung der EuroSkills 2027 in Düsseldorf zu sammeln. Dr. Henke nutzte auch die Möglichkeit im Lenkungskreis des Kompetenzzentrums darüber zu berichten. Außerdem auf der Gästeliste in Herning: Vertreterinnen und Vertreter des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, des Bundesinstituts für Berufsbildung, des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, mehrerer NRW-Ministerien, der Messe Düsseldorf sowie der Wirtschaftsförderung Düsseldorf.
Fachkräfte als Botschafter einer neuen Generation
Die Wettbewerbe fanden unter großem öffentlichem Interesse statt: Über 100.000 Besucherinnen und Besucher verfolgten die Leistungen der jungen Fachkräfte – viele davon nutzten die Gelegenheit, sich bei den „Try a Skill“-Stationen selbst auszuprobieren. Ein Höhepunkt war der Besuch von König Frederik X., der sich persönlich ein Bild vom Können der Teilnehmenden machte. Auch Bundesbildungsministerin Karin Prien suchte das Gespräch mit deutschen Nachwuchstalenten.
Die EuroSkills 2025 waren nicht nur ein Schaufenster der Exzellenz, sondern auch eine Plattform für den Austausch über die Zukunft der beruflichen Bildung in Europa. Ministerinnen und Minister aus zahlreichen Ländern diskutierten darüber, wie Ausbildungssysteme stärker miteinander vernetzt und weiterentwickelt werden können.
Der Blick nach vorn: Düsseldorf bereitet sich vor
Mit einem Koffer voller Eindrücke und Inspirationen kehrten die deutschen Delegationen zurück – und nahmen nicht nur Medaillen, sondern auch wertvolle Erkenntnisse für die Vorbereitung der EuroSkills 2027 mit. Die Vorbereitungen in Düsseldorf laufen bereits an – getragen von einem großen Netzwerk.
„Jetzt gilt es, die gewonnenen Erfahrungen in ein tragfähiges Konzept zu übersetzen. Mit dem Rückenwind aus Herning und der klaren Vision für 2027 steht fest: Die EuroSkills in Düsseldorf haben das Potenzial, ein Leuchtturmprojekt für berufliche Bildung in Deutschland und darüber hinaus zu werden.
Quelle: Dr. Henke und Wirtschaftsförderung
Foto: WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG DER STADT DÜSSELDORF
Bremens Jugend im Aufbruch: Optimistisch, ehrgeizig – und interessiert an Industrie-Jobs
NewsWas wollen Jugendliche in Bremen eigentlich von ihrer beruflichen Zukunft? Diese Frage hat die neue Jugendstudie von NORDMETALL in Zusammenarbeit mit der NORDAKADEMIE-Stiftung beantwortet – und das mit aufschlussreichen, teils überraschenden Ergebnissen – und ich glaube, dass die NRW-Jugend von diesen Ergebnissen nicht so weit weg scheint. Fest steht dennoch: Die Generation kurz vor dem Abitur blickt positiv in die Zukunft, ist bereit, Verantwortung zu übernehmen und zeigt mehr Interesse an Industriearbeitsplätzen als Gleichaltrige in anderen norddeutschen Bundesländern.
Jugendliche setzen auf klassische Werte – und auf Führung
Knapp 700 Schülerinnen und Schüler aus elf Schulen in Bremen und Bremerhaven wurden befragt – ebenso wie 44 Unternehmen aus der Region mit insgesamt über 54.000 Beschäftigten, schwerpunktmäßig aus der Metall- und Elektroindustrie (M+E).
Das Ergebnis: Jugendliche im Land Bremen halten Werte wie Zuverlässigkeit (80 %), Disziplin (76 %) und Kommunikationsfähigkeit (67 %) für essenziell im Berufsleben – damit ticken sie traditioneller als oft angenommen. Gleichzeitig zeigt sich: Fast 50 % wollen später eine Führungsposition übernehmen – Jungen mit 55 % etwas häufiger als Mädchen (43 %).
Großes Interesse an Industrie – aber mit anderen Vorstellungen
14 Prozent der Jugendlichen möchten gerne in der Metall- und Elektroindustrie arbeiten, 41 Prozent können es sich zumindest vorstellen – ein deutlich höherer Wert als in Hamburg oder Mecklenburg-Vorpommern. Doch während Unternehmen vor allem Personal für Instandhaltung, Lager oder Produktion suchen, interessieren sich die Jugendlichen eher für Projektmanagement (42 %), Forschung und Entwicklung (39 %) sowie Marketing und Vertrieb (34 %).
Hier zeigt sich ein deutlicher Handlungsauftrag: Unternehmen müssen ihre attraktiven Arbeitsfelder – inklusive moderner Technik, guten Verdienstmöglichkeiten und internationaler Perspektiven – besser und früher kommunizieren.
Lücke zwischen Schulwissen und Arbeitgebererwartung
Besonders groß ist die Kluft bei der Bewertung schulischer Fächer: Während Unternehmen Fächer wie Deutsch (98 %), Mathematik (86 %) und Englisch (67 %) als wichtig einstufen, sehen das die Jugendlichen anders – vor allem das Fach Deutsch wird mit nur 22 % deutlich unterschätzt. Auch wirtschaftlich-technische Fächer wie Informatik (6 %), Physik (11 %) und Wirtschaftslehre (14 %) stoßen bei den Schülerinnen und Schülern auf vergleichsweise geringes Interesse.
Thomas Küll von NORDMETALL betont deshalb:
Berufsorientierung: Praktika und Eltern sind entscheidend
Was prägt die Berufswahl? Praktika (85 %), Familie (53 %) und Social Media (44 %) sind die wichtigsten Einflussquellen. Schulen spielen eine wichtige Rolle – aber mit Nachholbedarf: Während 43 % der Jugendlichen ihre Berufsorientierung als gut bewerten, sind 0 % der befragten Unternehmen mit dem Angebot „sehr zufrieden“, fast 30 %halten es für mangelhaft.
Auch hier sieht NORDMETALL Potenzial:
Duales Studium als unentdeckte Chance
Mit 40 % ist das klassische Hochschulstudium der beliebteste Karriereweg unter den Bremer Jugendlichen, nur 23 %wollen ein duales Studium beginnen – obwohl viele von ihnen dessen Vorteile nicht kennen. Ganze 50 % zeigen sich unentschlossen.
Prof. Dr. Stefan Wiedmann, Präsident der NORDAKADEMIE, sieht darin eine Chance: