Die Bundesbildungsministerin Karin Prien ruft Babyboomer dazu auf, sich als ehrenamtliche Mentoren in Schulen zu engagieren. Die Rechnung klingt verlockend: Auf jedes sechsjährige Kind kommen in Deutschland nahezu zwei 60-Jährige. Ein riesiges Potenzial an Zeit, Lebenserfahrung und Engagement, das dem überlasteten Bildungssystem helfen könnte. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Was im Grundsatz eine gute Idee ist, scheitert in der Praxis an einer viel zu komplizierten Umsetzung, meint unser Kommentator Christoph Sochart.
Das Problem liegt im Detail
Das Startchancen-Programm der Bundesregierung fordert explizit die Einbindung ehrenamtlicher Lernpartner. Schulen können Fördermittel für Freiwillige beantragen. Soweit die Theorie. In der Realität werden sie dann mit dieser Aufgabe weitgehend alleingelassen. Es fehlt an Richtlinien, an dauerhafter Unterstützung und vor allem an hauptamtlichen Fachkräften, die die Ehrenamtskoordination übernehmen könnten.
Die Konsequenz: Schulen, die ohnehin am Limit arbeiten, sollen nun auch noch Freiwilligenarbeit organisieren. Lehrkräfte, denen bereits jetzt die Zeit für ihre Kernaufgaben fehlt, sollen Ehrenamtliche auswählen, einarbeiten und begleiten. Das ist realitätsfern.
Die pädagogische Herausforderung
Ein weiteres grundlegendes Problem wird in der Diskussion häufig übersehen: Vielen engagierten Seniorinnen und Senioren fehlt schlichtweg die pädagogische Erfahrung. Der gute Wille allein reicht nicht aus, um Kindern mit Lernschwierigkeiten, aus bildungsfernen Haushalten oder mit Migrationshintergrund wirksam zu helfen.
Wer soll diese Menschen schulen? Wer überprüft ihre Eignung vor dem Einsatz? Und wer begleitet sie kontinuierlich, wenn Konflikte mit Lehrkräften oder Schülern entstehen? Diese Fragen bleiben unbeantwortet. Ein erweitertes Führungszeugnis allein macht noch keinen guten Mentor.
Die fachliche Vorbereitung ist komplex: Wie gehe ich mit Kindern unterschiedlicher Herkunft um? Wie kommuniziere ich mit Lehrkräften auf Augenhöhe? Wo bekomme ich Arbeitsmaterialien? Was tue ich in Konfliktsituationen? All das erfordert professionelle Schulung und kontinuierliche Begleitung.
Es gibt bessere Lösungen
Statt das Rad neu zu erfinden, sollte die Politik auf bestehende Strukturen setzen. In Deutschland gibt es bereits etablierte Vereine und Organisationen mit genau diesem Vereinsziel. Programme wie “Mentor – Die Leselernhelfer” oder “Zukunftspartner – Die Starthilfe für dich” in Düsseldorf zeigen, wie Mentoring funktionieren kann. Sie verfügen über:
– Erfahrung in der Auswahl geeigneter Ehrenamtlicher
– Bewährte Konzepte
– Strukturen zur kontinuierlichen Begleitung
– Methoden zur Qualitätssicherung
– Netzwerke und Know-how
Eine Studie des Institute of Labor Economics in Bonn belegt laut der Zeitung „Die Zeit“ die Wirksamkeit solcher strukturierten Programme: Nach einem Jahr wöchentlicher Begleitung durch einen ehrenamtlichen Mentor schrumpfte der Bildungsabstand zwischen Kindern aus Familien mit niedrigem sozioökonomischen Status und besser gestellten Familien um die Hälfte.
Der richtige Weg: Kooperation statt Alleingang
Statt Schulen mit einer weiteren Aufgabe zu überlasten, sollte die Bundesregierung:
+ Lokale Vereine und Organisationen aktiv einbinden
Diese verfügen bereits über die notwendige Infrastruktur, das pädagogische Know-how und die Erfahrung in der Freiwilligenkoordination.
+ Bestehende Strukturen finanziell unterstützen
Vereine brauchen verlässliche Ressourcen für Schulungen, Administration und Koordination. Finanzielle Mittel sollten nicht primär an Schulen fließen, sondern an die Organisationen, die das Ehrenamt professionell begleiten können.
+ Standardisierte Prozesse schaffen
Klare Zuständigkeiten in Schulämtern, vereinfachte Antragsverfahren und digitale Koordinationsplattformen würden die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Organisationen erheblich erleichtern.
+ Auf Dialog setzen
Die Einbindung von Ehrenamtlichen muss in enger Abstimmung mit Schulen, Lehrkräften und erfahrenen Organisationen erfolgen. Nur so lässt sich klären, wo tatsächlich Bedarf besteht und wie dieser sinnvoll gedeckt werden kann.
Zusammengefasst bedeutet das: Potenzial nutzen, aber richtig
Das Potenzial der Babyboomer-Generation für die Bildung der Jüngeren ist real und wertvoll. Doch der aktuelle Ansatz der Bundesregierung droht dieses Potenzial zu verspielen. Wer Ehrenamt im Bildungssystem verankern will, darf nicht einfach nur dazu aufrufen und Fördertöpfe bereitstellen. Es braucht professionelle Strukturen, qualifizierte Begleitung und die kluge Nutzung bereits vorhandener Expertise. Die Lösung liegt nicht in einer weiteren Belastung der Schulen, sondern in der Stärkung erfahrener Organisationen und der Förderung lokaler Kooperationen. Nur so wird aus einer gut gemeinten Idee auch eine wirksame Maßnahme für mehr Bildungsgerechtigkeit.
Geld ist weit mehr als eine Zahl auf dem Konto. Es entscheidet mit darüber, wie sicher wir uns fühlen, welche Chancen wir wahrnehmen – und welche Sorgen uns nachts wachhalten. Die neue IU Studie „Finanzielles Wohlbefinden“ zeigt eindrucksvoll, wie Menschen in Deutschland aktuell über ihre finanzielle Zukunft denken und welche Ziele sie bewegen. Von der Generation Z bis zu den Babyboomern: Jede Altersgruppe bringt ihre eigenen Hoffnungen, Ängste und Prioritäten mit. Vorab: Wenn es um Geld geht, wollen junge Menschen in Deutschland vor allem eines: finanziell unabhängig sein.
Wirtschaftliche Lage: Ein geteiltes Gefühl von Unsicherheit
Der Blick auf die allgemeine wirtschaftliche Situation fällt für viele besorgniserregend aus. Jede:r Zweite in Deutschland macht sich aktuell Sorgen um die wirtschaftliche Lage. Besonders deutlich wird dieser Trend bei den Babyboomern: 61,1 Prozent dieser Generation blicken mit Sorge auf die wirtschaftliche Entwicklung – ein Wert, der zeigt, wie stark äußere Einflüsse das persönliche Sicherheitsgefühl formen.
Persönliche Finanzlage: Zwischen Zufriedenheit, Unsicherheit und Hoffnung
Die eigene finanzielle Situation löst sehr unterschiedliche Emotionen aus.
30,9 % der Befragten empfinden Zufriedenheit.
Fast genauso viele – 30,2 % – fühlen sich unsicher.
Die jüngste Erwachsenen-Generation, die Generation Z, zeigt sich etwas hoffnungsvoller: 26,9 % geben an, mit Zuversicht in ihre finanzielle Zukunft zu blicken – häufiger als jede andere Generation. Gleichzeitig kämpft die Generation Y überdurchschnittlich oft mit Frustration (21,4 %). Hier spiegelt sich eine Lebensphase wider, in der viele gleichzeitig Karriere, Familienplanung und steigende Lebenshaltungskosten jonglieren.
Finanzielle Ziele: Der Wunsch nach Unabhängigkeit dominiert
Welche Träume und Ambitionen treiben die Menschen an? Die Studie zeigt ein klares Bild:
58,9 % streben finanzielle Unabhängigkeit an – ein Ziel, das quer durch alle Generationen hohe Bedeutung hat.
51,4 % nennen die Altersvorsorge als Priorität, ein Thema, das in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit wieder stärker in den Fokus rückt.
Auffällig ist die Generation Z: Sie formuliert häufiger als andere den Wunsch nach persönlicher Freiheit, der Erfüllung individueller Lebensziele, einem eigenen Haus oder Investitionen in Bildung. Diese Generation möchte gestalten – und sieht Geld als Möglichmacher.
Hürden auf dem Weg: Überblick und Einfluss von Social Media
Doch nicht nur Ziele, auch Herausforderungen prägen das finanzielle Wohlbefinden. Besonders junge Menschen kämpfen mit fehlender Transparenz über ihre Finanzen: 16,3 % der 16- bis 30-Jährigen geben an, keinen vollständigen Überblick über ihre finanzielle Situation zu haben.
Hinzu kommt ein deutlich erkennbarer Einfluss sozialer Medien: Die Generation Z lässt sich doppelt so häufig wie Babyboomer bei finanziellen Entscheidungen durch Social-Media-Inhalte beeinflussen. Trends wie „FinTok“, Krypto-Hypes oder Lifestyle-Content zeigen Wirkung – oft inspirierend, manchmal aber auch irreleitend. Mehr dazu beleuchtet das Fokusthema „Die junge Generation und das liebe Geld“ der Studie.
Expert:innen-Insights: Wie lässt sich finanzielles Wohlbefinden stärken?
Im begleitenden Interview liefert Prof. Dr. Johannes Treu, Professor für Allgemeine BWL und VWL an der IU Internationalen Hochschule, praxisnahe Einschätzungen und Tipps. Sein Fazit: Finanzielles Wohlbefinden entsteht nicht nur durch Einkommen oder Rücklagen, sondern vor allem durch Kompetenz, klare Ziele und informierte Entscheidungen. Wer seine Finanzen versteht, behält die Kontrolle – und gewinnt Sicherheit.
Fazit: Finanzielles Wohlbefinden ist ein Spiegel unserer Zeit
Die IU Studie zeigt: Unsere Einstellung zu Geld ist ein Zusammenspiel aus wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, persönlicher Lebensphase und individuellen Zielen. Während Sorgen allgegenwärtig bleiben, wächst gleichzeitig der Wunsch nach Unabhängigkeit, Selbstbestimmung und finanzieller Bildung.
Geld mag nicht alles sein – aber es beeinflusst vieles. Und genau deshalb lohnt sich der Blick auf das eigene finanzielle Wohlbefinden heute mehr denn je.
https://kompetenzzentrum-duesseldorf.de/wp-content/uploads/2019/04/Logo-1030x312.png00Christoph Socharthttps://kompetenzzentrum-duesseldorf.de/wp-content/uploads/2019/04/Logo-1030x312.pngChristoph Sochart2025-11-18 09:52:572025-11-18 09:52:57Generation Z: Hohe Priorität für finanzielle Unabhängigkeit
Was ist eigentlich aus dem großen Ziel geworden, allen Kindern in NRW die gleichen Bildungschancen zu geben – unabhängig von Herkunft, Wohnort oder familiärem Hintergrund? Dieser Frage ist in den vergangenen zwei Jahren die Enquetekommission des nordrhein-westfälischen Landtages auf den Grund gegangen. Eingesetzt wurde das Gremium auf Wunsch der SPD, nachdem Jochen Ott im Mai 2023 den Fraktionsvorsitz übernommen hatte. Mit Vertreterinnen und Vertretern aller Landtagsfraktionen sowie externen Fachleuten wollte man eine umfassende Bestandsaufnahme und konkrete Handlungsempfehlungen für eine gerechtere Bildungslandschaft in NRW erarbeiten. (Foto: Berichterstatterin Christin Siebel, MdL; Quelle: SPD).
Nun liegt der Abschlussbericht vor – mit 248 Handlungsempfehlungen, einem politischen Kraftakt und nicht zuletzt viel Diskussionsstoff.
Orientierung am „Hamburger Modell“ – Ein Fortschritt oder Rückschritt?
Kern des Berichts ist die deutliche Annäherung an das sogenannte Hamburger Modell, das dort bereits vor über zehn Jahren für umfassende Schulstrukturreformen gesorgt hat. In Hamburg wurden die klassischen Schulformen Hauptschule und Realschule abgeschafft, es gibt nur noch zwei weiterführende Schulformen. Ganztagsunterricht und ein konsequentes, digitales Bildungsmonitoring prägen das neue System. Und ja – in Vergleichsstudien hat sich Hamburg seither verbessert.
Für Nordrhein-Westfalen heißt das: Die Richtung ist klar – Förderschulen, Haupt- und Realschulen sollen auf mittlere Sicht zurückgedrängt werden, auch wenn das System hier noch nicht komplett umsetzbar scheint. Eine gemeinsame Schule bis Klasse 6 – wie in Hamburg – stand in NRW bislang nicht zur Debatte. CDU und Grüne sprechen sich sogar ausdrücklich gegen eine neue Strukturdebatte aus. Dennoch – die Weichen werden gestellt.
Große Worte, wenig Konkretes?
Der Bericht selbst ist durchzogen von Allgemeinplätzen und teilweise schwer verständlichen Formulierungen. Aussagen wie „Ohne Chancengleichheit keine Chancengerechtigkeit“ oder tiefphilosophische Ausführungen zur „Raumtheorie in der Kindheitsforschung“ wirken auf viele Beteiligte aus Schulen, Elternräten oder Jugendhilfeeinrichtungen schlicht abgehoben.
Zugegeben: Einige Formulierungen klingen akademisch, andere beinahe banal. Wer täglich mit Jugendlichen arbeitet, fragt sich, wie viel Praxisbezug wirklich in diesen 248 Empfehlungen steckt.
Und doch – es gibt auch konkrete Vorschläge, die durchaus Gewicht haben:
Ein verpflichtendes „Chancenjahr“ vor der Einschulung soll eingeführt werden – als Antwort auf große Unterschiede bei Schulanfänger:innen.
Die frühkindliche Bildung soll gestärkt und besser verzahnt werden mit Schule und Jugendhilfe.
Die Ganztagsbetreuung soll ausgebaut und qualitativ verbessert werden.
Alte Ideen neu verpackt?
Ebenfalls wieder auf dem Tisch: die Primusschule – ein Modell des längeren gemeinsamen Lernens von Klasse 1 bis 10. Besonders die Grünen machen sich erneut stark dafür, dieses Modell stärker zu etablieren. Doch bisher konnte sich dieses Konzept in NRW nicht durchsetzen – auch wegen fehlender Akzeptanz vor Ort und begrenzter Ressourcen.
Wie neu sind also die Ideen, die nun als „Empfehlungen“ im Bericht stehen? Vieles klingt vertraut – und auch das ist ein Kritikpunkt vieler aus der Bildungspraxis: Der Bericht wiederholt zu häufig alte Forderungen, ohne die Frage zu beantworten, warum diese bisher nicht funktioniert haben – und was diesmal anders gemacht werden soll.
Sondervoten, Kritik und ein offener Dissens
Wie zu erwarten war, hat die AfD alle Handlungsempfehlungen abgelehnt. Zwar teilt sie einige Zielsetzungen – z. B. die Forderung nach kleineren Klassen und mehr Lehrkräften –, doch sie verweigert sich dem Gesamtpaket. Besonders auffällig: das umfangreiche Sondervotum von Helmut Seifen, ehemaliger Lehrer und aktueller bildungspolitischer Sprecher der AfD. Seine Repliken wurden in den Bericht aufgenommen, auch wenn sie wenig mit dem Konsens des restlichen Gremiums gemein haben.
Und was heißt das nun für die Bildung in NRW?
Was bleibt, ist ein Bericht, der viel in Bewegung bringen könnte – wenn der politische Wille vorhanden ist. Einige Empfehlungen könnten realistisch schon bald umgesetzt werden, andere werden sicher in den Programmen zur Landtagswahl 2027 eine Rolle spielen. Fest steht: Bildung in NRW braucht dringend neue Impulse – aber auch Mut, alte Strukturen aufzubrechen und echte Praxisnähe herzustellen.
Ein positiver Ausblick
Trotz aller Kritik: Es ist gut, dass die Diskussion um Chancengleichheit in der Bildung auf die politische Agenda zurückgekehrt ist – und das mit einer breiten Beteiligung aus Politik und Fachwelt. Der Weg zur echten Bildungsgerechtigkeit ist lang, aber jeder Schritt, der die Bedingungen für Kinder verbessert – sei es durch frühzeitige Förderung, kleinere Klassen, mehr qualifiziertes Personal oder einen respektvollen Umgang mit Vielfalt – ist ein Schritt in die richtige Richtung.
Die wichtigste Botschaft bleibt: Jedes Kind verdient die bestmögliche Bildung. Nicht irgendwann – sondern jetzt.
https://kompetenzzentrum-duesseldorf.de/wp-content/uploads/2025/10/portra-t-dm37325-scaled-e1759564617168.jpg16552184Christoph Socharthttps://kompetenzzentrum-duesseldorf.de/wp-content/uploads/2019/04/Logo-1030x312.pngChristoph Sochart2025-10-04 09:59:092025-10-04 10:01:56Chancengleichheit in der Bildung – Ein Blick auf den Bericht der Enquetekommission des Landtages NRW
Seniorenmentoren an Schulen: Gute Idee, komplizierte Realität
NewsDiese verfügen bereits über die notwendige Infrastruktur, das pädagogische Know-how und die Erfahrung in der Freiwilligenkoordination.
Vereine brauchen verlässliche Ressourcen für Schulungen, Administration und Koordination. Finanzielle Mittel sollten nicht primär an Schulen fließen, sondern an die Organisationen, die das Ehrenamt professionell begleiten können.
Klare Zuständigkeiten in Schulämtern, vereinfachte Antragsverfahren und digitale Koordinationsplattformen würden die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Organisationen erheblich erleichtern.
Die Einbindung von Ehrenamtlichen muss in enger Abstimmung mit Schulen, Lehrkräften und erfahrenen Organisationen erfolgen. Nur so lässt sich klären, wo tatsächlich Bedarf besteht und wie dieser sinnvoll gedeckt werden kann.
Generation Z: Hohe Priorität für finanzielle Unabhängigkeit
NewsGeld ist weit mehr als eine Zahl auf dem Konto. Es entscheidet mit darüber, wie sicher wir uns fühlen, welche Chancen wir wahrnehmen – und welche Sorgen uns nachts wachhalten. Die neue IU Studie „Finanzielles Wohlbefinden“ zeigt eindrucksvoll, wie Menschen in Deutschland aktuell über ihre finanzielle Zukunft denken und welche Ziele sie bewegen. Von der Generation Z bis zu den Babyboomern: Jede Altersgruppe bringt ihre eigenen Hoffnungen, Ängste und Prioritäten mit. Vorab: Wenn es um Geld geht, wollen junge Menschen in Deutschland vor allem eines: finanziell unabhängig sein.
Wirtschaftliche Lage: Ein geteiltes Gefühl von Unsicherheit
Der Blick auf die allgemeine wirtschaftliche Situation fällt für viele besorgniserregend aus. Jede:r Zweite in Deutschland macht sich aktuell Sorgen um die wirtschaftliche Lage. Besonders deutlich wird dieser Trend bei den Babyboomern: 61,1 Prozent dieser Generation blicken mit Sorge auf die wirtschaftliche Entwicklung – ein Wert, der zeigt, wie stark äußere Einflüsse das persönliche Sicherheitsgefühl formen.
Persönliche Finanzlage: Zwischen Zufriedenheit, Unsicherheit und Hoffnung
Die eigene finanzielle Situation löst sehr unterschiedliche Emotionen aus.
30,9 % der Befragten empfinden Zufriedenheit.
Fast genauso viele – 30,2 % – fühlen sich unsicher.
Die jüngste Erwachsenen-Generation, die Generation Z, zeigt sich etwas hoffnungsvoller: 26,9 % geben an, mit Zuversicht in ihre finanzielle Zukunft zu blicken – häufiger als jede andere Generation. Gleichzeitig kämpft die Generation Y überdurchschnittlich oft mit Frustration (21,4 %). Hier spiegelt sich eine Lebensphase wider, in der viele gleichzeitig Karriere, Familienplanung und steigende Lebenshaltungskosten jonglieren.
Finanzielle Ziele: Der Wunsch nach Unabhängigkeit dominiert
Welche Träume und Ambitionen treiben die Menschen an? Die Studie zeigt ein klares Bild:
58,9 % streben finanzielle Unabhängigkeit an – ein Ziel, das quer durch alle Generationen hohe Bedeutung hat.
51,4 % nennen die Altersvorsorge als Priorität, ein Thema, das in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit wieder stärker in den Fokus rückt.
Auffällig ist die Generation Z: Sie formuliert häufiger als andere den Wunsch nach persönlicher Freiheit, der Erfüllung individueller Lebensziele, einem eigenen Haus oder Investitionen in Bildung. Diese Generation möchte gestalten – und sieht Geld als Möglichmacher.
Hürden auf dem Weg: Überblick und Einfluss von Social Media
Doch nicht nur Ziele, auch Herausforderungen prägen das finanzielle Wohlbefinden. Besonders junge Menschen kämpfen mit fehlender Transparenz über ihre Finanzen: 16,3 % der 16- bis 30-Jährigen geben an, keinen vollständigen Überblick über ihre finanzielle Situation zu haben.
Hinzu kommt ein deutlich erkennbarer Einfluss sozialer Medien: Die Generation Z lässt sich doppelt so häufig wie Babyboomer bei finanziellen Entscheidungen durch Social-Media-Inhalte beeinflussen. Trends wie „FinTok“, Krypto-Hypes oder Lifestyle-Content zeigen Wirkung – oft inspirierend, manchmal aber auch irreleitend. Mehr dazu beleuchtet das Fokusthema „Die junge Generation und das liebe Geld“ der Studie.
Expert:innen-Insights: Wie lässt sich finanzielles Wohlbefinden stärken?
Im begleitenden Interview liefert Prof. Dr. Johannes Treu, Professor für Allgemeine BWL und VWL an der IU Internationalen Hochschule, praxisnahe Einschätzungen und Tipps. Sein Fazit: Finanzielles Wohlbefinden entsteht nicht nur durch Einkommen oder Rücklagen, sondern vor allem durch Kompetenz, klare Ziele und informierte Entscheidungen. Wer seine Finanzen versteht, behält die Kontrolle – und gewinnt Sicherheit.
Fazit: Finanzielles Wohlbefinden ist ein Spiegel unserer Zeit
Die IU Studie zeigt: Unsere Einstellung zu Geld ist ein Zusammenspiel aus wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, persönlicher Lebensphase und individuellen Zielen. Während Sorgen allgegenwärtig bleiben, wächst gleichzeitig der Wunsch nach Unabhängigkeit, Selbstbestimmung und finanzieller Bildung.
Geld mag nicht alles sein – aber es beeinflusst vieles. Und genau deshalb lohnt sich der Blick auf das eigene finanzielle Wohlbefinden heute mehr denn je.
Chancengleichheit in der Bildung – Ein Blick auf den Bericht der Enquetekommission des Landtages NRW
NewsWas ist eigentlich aus dem großen Ziel geworden, allen Kindern in NRW die gleichen Bildungschancen zu geben – unabhängig von Herkunft, Wohnort oder familiärem Hintergrund? Dieser Frage ist in den vergangenen zwei Jahren die Enquetekommission des nordrhein-westfälischen Landtages auf den Grund gegangen. Eingesetzt wurde das Gremium auf Wunsch der SPD, nachdem Jochen Ott im Mai 2023 den Fraktionsvorsitz übernommen hatte. Mit Vertreterinnen und Vertretern aller Landtagsfraktionen sowie externen Fachleuten wollte man eine umfassende Bestandsaufnahme und konkrete Handlungsempfehlungen für eine gerechtere Bildungslandschaft in NRW erarbeiten. (Foto: Berichterstatterin Christin Siebel, MdL; Quelle: SPD).
Nun liegt der Abschlussbericht vor – mit 248 Handlungsempfehlungen, einem politischen Kraftakt und nicht zuletzt viel Diskussionsstoff.
Orientierung am „Hamburger Modell“ – Ein Fortschritt oder Rückschritt?
Kern des Berichts ist die deutliche Annäherung an das sogenannte Hamburger Modell, das dort bereits vor über zehn Jahren für umfassende Schulstrukturreformen gesorgt hat. In Hamburg wurden die klassischen Schulformen Hauptschule und Realschule abgeschafft, es gibt nur noch zwei weiterführende Schulformen. Ganztagsunterricht und ein konsequentes, digitales Bildungsmonitoring prägen das neue System. Und ja – in Vergleichsstudien hat sich Hamburg seither verbessert.
Für Nordrhein-Westfalen heißt das: Die Richtung ist klar – Förderschulen, Haupt- und Realschulen sollen auf mittlere Sicht zurückgedrängt werden, auch wenn das System hier noch nicht komplett umsetzbar scheint. Eine gemeinsame Schule bis Klasse 6 – wie in Hamburg – stand in NRW bislang nicht zur Debatte. CDU und Grüne sprechen sich sogar ausdrücklich gegen eine neue Strukturdebatte aus. Dennoch – die Weichen werden gestellt.
Große Worte, wenig Konkretes?
Der Bericht selbst ist durchzogen von Allgemeinplätzen und teilweise schwer verständlichen Formulierungen. Aussagen wie „Ohne Chancengleichheit keine Chancengerechtigkeit“ oder tiefphilosophische Ausführungen zur „Raumtheorie in der Kindheitsforschung“ wirken auf viele Beteiligte aus Schulen, Elternräten oder Jugendhilfeeinrichtungen schlicht abgehoben.
Zugegeben: Einige Formulierungen klingen akademisch, andere beinahe banal. Wer täglich mit Jugendlichen arbeitet, fragt sich, wie viel Praxisbezug wirklich in diesen 248 Empfehlungen steckt.
Und doch – es gibt auch konkrete Vorschläge, die durchaus Gewicht haben:
Ein verpflichtendes „Chancenjahr“ vor der Einschulung soll eingeführt werden – als Antwort auf große Unterschiede bei Schulanfänger:innen.
Die frühkindliche Bildung soll gestärkt und besser verzahnt werden mit Schule und Jugendhilfe.
Die Ganztagsbetreuung soll ausgebaut und qualitativ verbessert werden.
Alte Ideen neu verpackt?
Ebenfalls wieder auf dem Tisch: die Primusschule – ein Modell des längeren gemeinsamen Lernens von Klasse 1 bis 10. Besonders die Grünen machen sich erneut stark dafür, dieses Modell stärker zu etablieren. Doch bisher konnte sich dieses Konzept in NRW nicht durchsetzen – auch wegen fehlender Akzeptanz vor Ort und begrenzter Ressourcen.
Wie neu sind also die Ideen, die nun als „Empfehlungen“ im Bericht stehen? Vieles klingt vertraut – und auch das ist ein Kritikpunkt vieler aus der Bildungspraxis: Der Bericht wiederholt zu häufig alte Forderungen, ohne die Frage zu beantworten, warum diese bisher nicht funktioniert haben – und was diesmal anders gemacht werden soll.
Sondervoten, Kritik und ein offener Dissens
Wie zu erwarten war, hat die AfD alle Handlungsempfehlungen abgelehnt. Zwar teilt sie einige Zielsetzungen – z. B. die Forderung nach kleineren Klassen und mehr Lehrkräften –, doch sie verweigert sich dem Gesamtpaket. Besonders auffällig: das umfangreiche Sondervotum von Helmut Seifen, ehemaliger Lehrer und aktueller bildungspolitischer Sprecher der AfD. Seine Repliken wurden in den Bericht aufgenommen, auch wenn sie wenig mit dem Konsens des restlichen Gremiums gemein haben.
Und was heißt das nun für die Bildung in NRW?
Was bleibt, ist ein Bericht, der viel in Bewegung bringen könnte – wenn der politische Wille vorhanden ist. Einige Empfehlungen könnten realistisch schon bald umgesetzt werden, andere werden sicher in den Programmen zur Landtagswahl 2027 eine Rolle spielen. Fest steht: Bildung in NRW braucht dringend neue Impulse – aber auch Mut, alte Strukturen aufzubrechen und echte Praxisnähe herzustellen.
Ein positiver Ausblick
Trotz aller Kritik: Es ist gut, dass die Diskussion um Chancengleichheit in der Bildung auf die politische Agenda zurückgekehrt ist – und das mit einer breiten Beteiligung aus Politik und Fachwelt. Der Weg zur echten Bildungsgerechtigkeit ist lang, aber jeder Schritt, der die Bedingungen für Kinder verbessert – sei es durch frühzeitige Förderung, kleinere Klassen, mehr qualifiziertes Personal oder einen respektvollen Umgang mit Vielfalt – ist ein Schritt in die richtige Richtung.
Die wichtigste Botschaft bleibt: Jedes Kind verdient die bestmögliche Bildung. Nicht irgendwann – sondern jetzt.
Den Bericht der Enquetekommission finden Sie hier: https://kurzlinks.de/6a22