Wer eine Ausbildung in seinem Wunschberuf macht, ist zufriedener. Das zeigt eine Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung. Darin gaben vier von fünf Azubis (83 Prozent) an, in einem der Beruf ausgebildet zu werden, den sie sich gewünscht hatten.

Die große Mehrheit (83 %) der Bewerberinnen und Bewerber, die eine betriebliche Ausbildungsstelle finden konnte, wird in ihrem Wunschberuf oder einem ihrer Wunschberufe ausgebildet. Diese Personen sind mit ihrer aktuellen beruflichen Situation deutlich zufriedener als diejenigen, die in anderen Berufen als ihren Wunschberufen ausgebildet werden. Dies sind Ergebnisse der repräsentativen BA/BIBB-Bewerberbefragung 2018, die vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und der Bundesagentur für Arbeit (BA) von November 2018 bis Februar 2019 durchgeführt wurde.

Unter anderem gaben Männer häufiger als Frauen an, dass ihr Ausbildungsberuf ihr Wunschberuf sei. Jugendliche und junge Erwachsene, die sich bereits in früheren Jahren um eine Ausbildungsstelle beworben hatten („Altbewerber/-innen“) befanden sich seltener im Wunschberuf als Personen, die sich erstmalig bewarben. Auch konnten Bewerberinnen und Bewerber mit Migrationshintergrund seltener ihren Wunschberuf realisieren.

Interessanterweise berichteten Studienberechtigte seltener, sich im gewünschten Ausbildungsberuf zu befinden als Bewerberinnen und Bewerber mit mittleren Abschlüssen. Ein Grund für dieses Ergebnis könnte sein, so vermutet das Autorenteam, dass sich Jugendliche und junge Erwachsene mit Studienberechtigung häufiger für Berufe mit einer starken Konkurrenzsituation interessieren, also für Berufe wie zum Beispiel Mediengestalter/-in oder Veranstaltungskaufleute, in denen es mehr Bewerberinnen und Bewerber als zur Verfügung stehende Ausbildungsplätze gibt.

An der Befragung beteiligten sich rund 4.400 Personen, die bei der BA als ausbildungssuchend registriert waren. Alle Bewerberinnen und Bewerber, die sich zum Befragungszeitpunkt in einer betrieblichen Ausbildung nach Berufsbildungsgesetz (BBiG) oder Handwerksordnung (HwO) befanden, wurden gefragt, ob es sich bei ihrem Ausbildungsberuf um ihren Wunschberuf oder einen ihrer Wunschberufe handelt. Quelle: BIBB

Die Studie steht im BIBB-Internetangebot unter : www.bibb.de/vet-repository/000003 Download zur Verfügung. Weitere Informationen unter www.bibb.de/de/85311.php


Also, diese Zahl dieser Woche überraschte mich dann doch: Zum ersten Mal seit 18 Jahren geht die Zahl der Hochschulabschlüsse in Deutschland zurück, nachdem sie in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen ist. Fast 500.000 Menschen holten sich den Abschluss einer deutschen Hochschule (im Vorjahresvergleich ein Minus von 1 Prozent).

Das Gros der Studierenden, nämlich 40 Prozent, machte einen Abschluss in Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, gefolgt von den Ingenieurwissenschaften (26%), Mathematik und Naturwissenschaften (11). Dann erst folgen Sport, Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften, Veterinärmedizin sowie Kunst oder Kunstwissenschaft (7) sowie Medizin und Gesundheitswissenschaften (6). Insgesamt führte jedes zweite Examen im Prüfungsjahr 2018 zu einem Bachelorabschluss. Masterabschlüsse und Lehramtsprüfungen legten zu, bei Promotionen und herkömmlichen Abschlüssen wie dem Diplom gab es einen Rückgang. Natürlich interessierten mich auch die Gründe des Rückgangs. Auf der einen Seite mag der „demografische Wandel“ in Deutschland eine Rolle spielen: Jede zweite Person in Deutschland ist heute älter als 45 und jede fünfte Person älter als 66 Jahre. Andererseits hat Deutschland in den vergangenen Jahren eine ungewöhnlich starke Zuwanderung vor allem junger Menschen erlebt. Auf der anderen Seite erleben wir aber auch, dass fast 30& der Studierenden ihr Studium abbrechen. Viele Experten sind sowieso der Meinung, dass auf unseren Hochschulen auch Studierende anzutreffen sind, die dort eigentlich gar nicht hingehören, sondern eher in eine Duale Ausbildung. Bleiben wir gespannt, wie sich dies alles weiter entwickeln wird.

Tja, das hören wir in Düsseldorf oft, wenn wir im Rahmen unseren sehr aktiven Elternarbeit mit den wichtigsten „Bildungsberatern“ unserer Kindern, den Eltern halt, ins Gespräch kommen. Und, natürlich sind auch die Schülerinnen und Schülern komplett damit überfordert – allerdings gibt es auch jede Menge guter Tools, sich selbst mit diesem Thema strukturiert zu beschäftigen. Aber, dazu später mehr.

In Deutschland gibt es mittlerweile mehr als 20.000 Studiengänge. Und es werden täglich mehr. Und manchmal müssen sich auch private und staatliche Hochschulen die Frage erlauben lassen, ob es diesen oder jenen Studiengang überhaupt noch braucht. Ich kenne im Ruhrgebiet beispielsweise so kleinteilige Bio-Studiengänge bei denen ich mich frage: was bitte schön will man damit später auf dem Arbeitsmarkt anfangen? Warum überhaupt bieten Hochschule solche Studiengänge an? Weil sich Hochschulen und Professoren messen lassen an der Vielzahl ihrer Angebote?

Aber, lassen wir das an dieser Stelle: der Markt wird es richten, sehr zum Leidwesen der jungen Leute, die heute und morgen studieren möchten und werden. Mittlerweile beginnt bereits das Hochschulsterben und auch die ersten Studiengänge werden schon wieder gestrichen – weil sie vielleicht zu exotisch waren?

Jörg Dräger, Mitglied des Vorstandes der Bertelsmann Stiftung und Geschäftsführer des CHE Centrum für Hochschulentwicklung, warnt derweil: „„Die Vielfalt an Studiengängen darf Studieninteressierten und Arbeitgebern nicht als Wildwuchs erscheinen. Damit diese sich unter den 20.000 Studiengängen zurechtfinden, brauchen wir keine Vereinheitlichung der Fächernamen, sondern gute digitale Orientierungsangebote“. Wohl war: In Düsseldorf gibt es 25 (!) Hochschulen – alle 8 km eine Hochschule. Purer Wahnsinn und Verschleudung wichtiger Ressourcen.

Nackte Fakten: Die Anzahl der Studiengänge an deutschen Hochschulen ist seit dem Jahr 2014 um 17 Prozent gestiegen. Im Mai 2019 verzeichnete der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) erstmals mehr als 20.000 Angebote für Studierende. Fünf Jahre zuvor waren es noch rund 17.000. Besonders die privaten Anbieter in diesem Bereich steigerten die Anzahl ihrer Studienangebote um fast 70 (!) Prozent.

Rund 13 Prozent der neuen Studiengänge kombinieren unterschiedliche Fächer – etwa Medieninformatik oder Medizintechnik. Im Trend liegen fächerübergreifende Studiengänge mit thematischen Schwerpunkten wie „Umwelt“ oder „Gesundheit“. Lediglich jeder fünfte neue Studiengang trägt noch klassische Bezeichnungen einer wissenschaftlichen Disziplin wie „Chemie“ oder „Physik“. Knapp ein Drittel der neuen Studiengänge hat eine englischsprachige Bezeichnung.

Nun gibt es, wie bereits erwähnt, gute Tools für Schülerinnen und Schüler, sich in diesem Dschungel zu Recht zu finden. Beim Dualen Orientierungspraktikum beispielsweise lernen Schülerinnen und Schüler eine ganze Woche ihr Lieblingsstudienfach live kennen, lernen mit den „alten Häsinnen und Hasen“ gemeinsam in Seminaren und Vorlesungen, erhalten Gesprächsmöglichkeiten mit Lehrenden und den Bildungsberatern vor Ort.

In Praxisphasen der Sek2 können Schülerinnen und Schüler dieses Instrument nutzen bzw. ihre bisherigen Erfahrungen ausweiten.

Nicht zuletzt bietet auch der aktualisierte Berufswahlpass in NRW mit einem neuen Sek2-Teil zahlreiche gute Handreichungen, Checklisten und Feedbackmöglichkeiten, um sich mehr Klarheit zu verschaffen.

Auch das SET-Tool der Agentur für Arbeit greift unterstützend ein.

Dies sind nur vier von sehr vielen Möglichkeiten, sich individuell auf den Studiermarkt vorzubereiten. Allerdings werden diese Instrumente auch teilweise zu selten genutzt. Stattdessen hört man dann von Schülerinnen und Schüler und Eltern: „Uns hat in der Schule niemand informiert“. „Berufswahlpass – kenne ich nicht“. „Es gibt überhaupt keine Informationen – unser Kind wurde komplett alleine gelassen. Die ganze Arbeit müssen dann wir Eltern leisten“. Solche Ausreden lasse ich in meinen Gesprächen nicht mehr gelten, denn: es stimmt einfach nicht.

Auch Eltern nutzen die vorhandenen Möglichkeiten zu selten. Elternabende werden immer seltener besucht, selbst wenn erfahrene Experten eingeladen werden und Rede und Antwort stehen. Elternabend werden in Schulen durchgeführt, oft auch von Arbeitgeberverbänden, den Kammern, der Agentur für Arbeit oder den Kommunalen Koordinierungsstellen von „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAoA). Beispiel: einmal im Jahr wird von KAoA Düsseldorf ein Elternabend stadtweit angeboten mit bis zu 80 Eltern (dabei gibt es 12 bis 15.000 mutmaßliche Interessierte). Oder ein anderes Beispiel: In der Klasse meines Sohnes kommen 15 Eltern von 28 möglichen (und dabei sind oft zwei von einem Kind). Sehr traurig!

Am Ende des Tages ist aber auch so, dass zuviele junge Menschen studieren, obwohl sie in einer Dualen Ausbildung besser aufgehoben wären. Weil man glaubt, später mehr zu verdienen? Weil man glaubt, ein besseres Ansehen zu haben? Wer hat wohl mehr ansehen: der arbeitslose Jurist oder der Garten- und Landschaftsbauer, der sich seine Kunden mittlerweile aussuchen kann, weil er sowieso Aufträge ablehnen muss? Dreimal dürfen wir raten. Über 30% aller Studierenden brechen ihr Studium früher oder später ab. „Früher“ ist gut, weil man sich rechtzeitig besinnt, etwas „vernünftiges“ zu studieren. „Später“ ist schlecht, weil der Zug dann schon oft abgefahren ist.

Wie immer gilt auch hier: Augen auf bei der Studierwahl!!!!!

Im Blickpunkt Die Vielfalt der Studiengänge 2019.pdf (pdf): https://www.che.de/downloads/Im_Blickpunkt_Die_Vielfalt_der_Studiengaenge_2019.pdf